Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 30/2025 vom 23. Juli 2025
Liebe Frau Andrea,
in Zukunft sollen „clamorose Fälle“ nicht mehr am Schreibtisch der Justizministerin oder am Laptop von Pilnaceken landen, sondern bei einer unabhängigen Bundesstaatsanwaltschaft. Das ist natürlich gut so. Woher kommt dieses seltsame Wort „clamorös“? Von „glamourös“?
Danke für Ihre stets unclamorose Aufklärung und liebe Grüße,
Bettina Zeitlhuber, Wien Meidling, per Email
Liebe Bettina,
ich darf fast mit Karl Valentin antworten: Es wurde schon von allen etwas gesagt, nur noch nicht alles. Nach Übereinkunft unter den Beforscher·innen des besagten, die österreichische Justizberichterstattung dominierenden Begriffs wird mit „clamoros“ der medial auffällige, Prominente betreffende Fall bezeichnet. Ministerium und Anklagebehörden wurde nachgesagt, eine Zweiklassenjustiz zu betreiben, die Normalos streng anzufassen, die clamorosen, meist politischen Berühmtheiten weitgehend zu schonen. „Daschlogtsas“ (erschlagt es) war die dazu kolportierte Weisung, das clamorose Verfahren zu beenden.
Eingeführt in die Alltagssprache, vor allem aber in den polit-medialen Diskurs dürfte das Wort Egmont Foregger haben, von 1987 bis 1990 parteiunabhängiger Justizminister des Kabinetts Vranitzky II. Der einstige Justizsprecher der ÖVP, Michael Graff hatte allerdings schon 1983 seiner freiheitlichen Kollegin Partik-Pable vorgeworfen, clamoros und glamourös zu verwechseln, ein Vorwurf den diese wiederum an die Parlamentsstenografie weiterreichte. „Clamor“ [lateinisch Krach, Lärm, Geschrei], so Graff in seiner Ausführung, sei früher einmal ein eigener Haftgrund gewesen. Wenn eine Strafsache besonderes Aufsehen erregt habe, dann wäre der Beschuldigte in Haft zu nehmen, um die tobende Volkswut zu besänftigen.
Sehen wir uns nun „glamourös“ an, soviel wie blendend, betörend, zauberhaft. Es kommt vom neuenglischen glamour. Das ursprünglich schottische Wort bedeutete „Zauberspruch oder Magie“, und war eine Lautform von grammar, vom griechischen Wort gramma kommend, „Buchstabe des Alphabets, Geschriebenes”.
Wie sagen die Clamorosen? „Jedes Schriftl is a Giftl“.