Stift Admont hat die größte Bibliothek, Stift Klosterneuburg die schönste Gründungslegende (die mit dem Schleier), Stift Heiligenkreuz beherbergt die Grablege der Babenberger, und das Wiener Schottenstift hat die prominentesten Maturanten. Das Stift Kremsmünster hat 1817 in Sichtweite der Brüder den Vermessungs-Nullpunkt für Oberösterreich und Salzburg festgelegt, und das Stift Sankt Peter (die Archiabbatia sancti Petri Salisburgensis) ist überhaupt das älteste bestehende Kloster im deutschen Sprachraum, 696 vom heiligen Rupert gegründet. Da schrieben Lateinschüler, Scholaren und die Mönche in den Schreibstuben noch mit Gänsekiel und selbergemachter Tinte. Potentaten waren des Schreibens und Lesens unkundig. Für Vertragshermeneutik waren Mönche zuständig, und falls sie Profane waren, Kanzlisten und Schreiber. Die Dorfgrenzen wurden regelmäßig mit jungen Burschen abgegangen. An den Grenzsteinen wurden ihnen feste Watschen runtergehauen, damit sie ihr Lebtag Ort und Lage im Gedächtnis behielten.
Lebendige Erinnerung verbindet sich mit unseren ersten schulischen Schreibversuchen. Das Alphabet, die Großbuchstaben, die Kleinbuchstaben. Die ersten Worte – vier Buchstaben hatten sie: MIMI, MAMA, SUSI, TIMI. Ältere Semster erinnern sich noch an Tintenkleckse, Löschblätter, den verbotenen, nach Chlor riechenden Tintentod, und die Verteufelung des Kugelschreibers.
Die „Digital Natives“ der Generatuoin Z, mit Smartphones, Internet und Social Media aufgewachsen, werden sich einst weniger an Stifte und ihre Besonderheiten erinnern, als an Handymodelle, Ladezeiten und Apps.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 13. Juni 2026.


