Wiener Gitarrenbau

Wien, über Jahrhunderte Reichshaupt- und Residenzstadt eines Vielvölkerstaates galt mehrmals als respektables Zentrum des europäischen Lauten-und Gitarrenbaus. So am Ausgang der Renaissance, in der die Laute als Königin der Instrumente galt, dann während der ersten Blütezeit der sechssaitigen Gitarre, und später, während ihrer Konjunktur im 20. Jahrhundert. [FN1] Von Wiener Gitarrenbaumeistern, insbesondere von Johann Georg Stauffer (1778-1853) [FN2] gingen zentrale Impulse aus, die bis heute den internationalen, insbesondere den US-amerikanischen Gitarrenbau prägen. So beruft sich die Gitarrenbaufirma Martin Guitars explizit auf die Wiener Tradition des Gitarrenbaus, arbeitete deren Gründer Christian Friedrich Martin (1796–1873) doch über Jahre als Instrumentenbauer in Wien. Ob der nach Amerika ausgewanderte Martin sein Handwerk bei Johann Georg Stauffer perfektionierte, wird von der Forschung noch debattiert. [FN3] [FN4] Frühe, in Amerika entstandene Gitarren Martins folgen jedenfalls minutiös dem Modell Stauffers. [FN5]

Lautenbau in Wien

Mit dem (meist höfischen) Lautenspiel gedieh der Lautenbau auch in Wien. [FN6] Schon aus dem ersten Viertel des 15. Jahrhunderts gibt es Belege dafür, so werden ein Hans Vollrat und ein „Lautenmacher Peter“ erwähnt. Die Wiener Bürgerlisten aus dem 16. Jahrhundert nennen die Lautenmacher Christoph Helm, Thomas Kern, Hans Kuechler, Bernhard Lindmair, Georg und Reinhart Sumerauer, sowie Wolf Wackher. Im 17. Jahrhundert werden Andreas Bär, Matthias und Johann Jakob Fux, Hans Haringer, Georg King, Heinrich Kramer und Antony Posch als Lautenmacher benannt. Aus Füssen, der Wiege des Lauten- und Geigenbaus in Europa wanderten Georg Epp, Magnus und Jörg Feldtle(n), Marzellus und Tobias Hollmayr, sowie Hans Khögl zu. Weitere berühmte Wiener Lauten- und Geigenmacher des 18. Jahrhunderts waren Martin Mathias Fichtl, sowie die Gitarrenbauerfamilien Bartl (Partl) und Stadlmann. [FN7]

Die Wiener Schule des Gitarrenbaus

Johann Georg Stauffer (26. Jänner 1778 in Wien- ebenda 24. Jänner 1853) begann wohl um 1800 mit dem Gitarrenbau. Er hatte beim Geigenbauer Franz Geissenhof die Lehre absolviert und das Meisterrecht erhalten. Anfangs baute er seine Instrumente nach demVorbild der italienischen Meister Fabricatore und Vinaccia, perfektionierte deren Modell, fand aber über mehrere Zwischenstufen zu einem eigenen Stil. In den Jahren um 1814 entstanden bereits Instrumente mit Mechanik, aufgeleimtem Griffbrett und neuentwickeltem Steg, Design-Elementen, die ab ca. 1820 beim Modell „Legnani“ und schließlich bei den Instrumenten fast aller Wiener Gitarrenbauer verwirklicht wurden. Die nach einem Instrument des italienischen Gitarrenvirtuosen und Musikinstrumentenbauers

Luigi Legnani (1790-1877) gebaute Gitarre hatte zudem eine neue Form mit breiteren Ausbuchtungen und einem gewölbten Boden, sowie ein erhöhtes, manchmal frei schwebendes Griffbrett mit mindestens 21 Bünden für das virtuose Spiel in hohen Tonlagen. [FN8] [FN9] [FN10]

Johann Georg Stauffer war ein überaus kreativer Instrumentenbauer, der noch in seinen letzten Lebensjahren Innovationen in den Gitarrenbau einführte. Trotz großen Erfolgs geriet Stauffer wirtschaftlich in existentielle Turbulenzen. Nach Abbüßen eines Schuldenarrests 1831-1832 musste er 1833 sein Gewerbe aufgeben. Den Bau und die Weiterenwicklung von Instrumenten führte er aber vermutlich in der Werkstätte seines Sohnes Johann Anton Stauffer (1805-1871) fort. Bis zu seinem Tode im Jahre 1853 lebte Vater Stauffer im alten Bürgerversorgungshaus zu St. Marx auf der Wiener Landstrasse. Auch dort entwickelte er weitere Ideen zum Gitarrenbau. Es entstanden Gitarren nach gänzlich neuen Entwürfen, etwa eine 9-saitige Streich- bzw. Bogengitarre und diverse Gitarrenmodelle mit ovalem Korpus und doppeltem Boden. [FN11]

Ab etwa 1827 trat erstmals Stauffers Sohn Johann Anton Stauffer als Inhaber der Firma Johann Anton Stauffer und Comp. in Erscheinung. Der Betrieb bestand zwar nur ein einziges Jahr, in dieser Zeit wurden jedoch an die 1000 Gitarren produziert. Vater und Sohn Stauffer arbeiteten noch über viele Jahre gemeinsam in der Werkstatt. Die Instrumentenzettel, tradititionell im Inneren der Resonanzkörper angebracht, tragen aber nun den Namen des Sohnes. Historiker des Instrumentenbaus sprechen dessen Arbeiten den selben hohen Rang an Qualität zu, wenngleich Stauffer junior im Gegensatz zum experimentierenden Vater eher Wert auf Beständigkeit und Modelltreue legte. Johann Anton Stauffer wirkte noch bis ins Jahr 1848 in Wien, die Werkstätte wurde an Franz Seraph Schmidt verkauft, einen früheren Konkurrenten. 

Der Erfolg der Gitarren von Vater und Sohn Stauffer verleitete zu zahlreichen Nachahmungen und Fälschungen, auf die die Stauffers mit warnenden Hinweisen in den Zeitungen antworteten, und mit Signaturen auf den Etiketten ihrer Instrumente. [FN12]

Der Wiener Gitarrenbau des 19. Jahrhunderts stand generell unter dem Einfluss der Stauffers. Die Gitarrenbauer der Zeit bezeichneten sich oft als Stauffer-Schüler, so Johann Bucher, Anton Mitteis, Dominik Prokop, Friedrich Schenk und Johann Gottfried Scherzer.

Von spezieller, weil transkontinentaler Bedeutung ist dabei Christian Friedrich Martin (1796- 1873), der 1833 nach New York auswanderte und dort die US-amerikanische Gitarrenbauschule begründete. Manche Baumerkmale heutiger Western- und E-Gitarren gehen auf Martins Lehrmeister Johann Georg Stauffer zurück, so das schmale, leicht gewölbte Griffbrett und die (auch in der Fender-Stratocaster evidente Voluten)- Form des Kopfes mit seitlich angebrachten Mechanik. [FN13] [FN14] [FN15]

Viele in Wien arbeitende Geigenbauer (zu nennen sind Anton Kulhawy, Martin Stoß, Johann Baptist Schweitzer) bauten ebenfalls Gitarren (lautete der Name der Zunft doch noch „Lauten- und Geigenmacher), aber einige Instrumentenmacher konzentrierten sich auf den Bau von Gitarren. Johann Ertl (1776-1828), ab 1811 Untervorsteher der Zunft baute Instrumente hoher Qualität, und besaß gemeinsam mit Johann Georg Stauffer das historisch bedeutsame Patent des verstellbaren Halses. Gesundheitlich beeinträchtigt konnte er allerdings mit dem Erfolg Stauffers nicht mithalten. [FN16]

Neben Stauffer galt der aus Füssen stammende Bernard Enzensperger (1788-1865), Schüler des Wiener Geigenbauers Johann Georg Thir (1710–1781) als weiterer bedeutender Gitarrenbauer. Obwohl Enzenspergers frühe Gitarren noch stark an die Modelle der Stauffers angelehnt waren, emanzipierte sich Enzensperger und entwickelte eigene Ideen. Der bekannte Gitarrist Franz Bathioli regte den Bau einer „Akustick-Guitarre“ an. Diese wurde 1831 verwirklicht. Sie besaß einen wappenförmigen Korpus, am Hals waren Flageolettstreifen eingearbeitet, Markierungen, die zum Auffinden der Flageoletttöne dienten. Auch der Sohn Enzenpergers, Bernhard (1828-1896) und der Enkel Viktor (1867-1918) werden zu den begabten Gitarrenbauern Wiens gezählt. Eng an die Instrumente Stauffers und das Modell Luigi Legnani angelehnt waren die Gitarren Nikolaus Georg Ries’ (1790-1857). Friedrich Schenk (1836-1875) entwickelte mehrsaitige Gitarren, in Wappenform oder als Bogenguitarre. [FN17] [FN18]

Nach dem Abgang Stauffers wurde Anton Fischer (1794-1879) als führender Wiener Gitarrenbauer angesehen. Fischer war für die Imstrumente des Konservatoriums verantwortlich. Auch Gabriel Lemböck (1814-1892), sein Schwiegersohn, baute Instrumente in hoher Qulität. Weitere anerkannte Wiener Gitarrenbauer der ersten Hälfte des 19. Jahrunderts waren Johann Ambrosius Bogner, Franz Brunner, Johann Bucher, Franz Charwath, Franz und Ferdinand Feilnreiter, Johann Götz, Andreas Jeremias, Joseph Klimits, Jakob Krasny, Johann Kulik, Johann Rudert, Jakob Stöhr und Andreas Zettler. Hochwertige Gitarren der Stauffer-Werkstatt stammten aus der Hand von dessen meisterlichem Mitarbeiter Johann Gottfried Scherzer. [FN19] [FN20] Scherzer baute 1856 eine zehnsaitige Gitarre [FN21], sie errang den ersten Preis im Internationalen Wettbewerb in Brüssel. Scherzer war vor allem für den Bau hervorragender Kontragitarren bekannt. Er hatte einige Epigonen, die Ende des 19. Jahrhunderts in seinem Stil Instrumente bauten, so Ignaz Bucher, Franz und Wendelin Lux, Josef Swosil und Ludwig Reisinger (1863-1943), der als der wichtigste Wiener Gitarrenbauer der Jahrhundertwende gilt.

Reisinger wird als ähnlich vielseitig und kreativ beschrieben wie Stauffer. In seiner Werkstatt entstanden zahlreiche Varianten und Sondermodelle, alle in ausgezeichneter Qualität. Reisingers erste Gitarren folgten streng dem Vorbild Johann Anton Stauffers. In dieser Zeit waren auch Franz Angerer (1851-1924) und Franz Xaver Güttler (1857-1924) als Gitarrenbauer aktiv. Die großen und einflussreichen Meister des Wiener Gitarrenbaus waren nicht die einzigen Marktteilnehmer. Einige Betriebe fokussierten auf den Bau einfacher und preiswerter Gitarren für den Markt privater Gitarristinnen und Gitarristen. Sie hatte zudem die Manufakturinstrumente aus Sachsen und Böhmen im Angebot. Zu nennen sind hier die Gebrüder Placht, sowie Hoyer, Lutz und Comp, und auch Stauffers Geschäftsnachfolger Schmidt. [FN22]

Varianten der Wiener Gitarre

Die Entwicklungen im Gitarrenbau erfolgten in Wien besonders schnell und variantenreich. Nur wenige Jahre nach der bleibenden Einführung der sechsten Saite regte der Musikforscher und Gitarrist Simon Molitor (1766-1848) zusätzliche Basssaiten an. Um 1825 entstanden erste Instrumente mit erweitertem Tonumfang. Schon 1840 spielten die führenden Virtuosen Gitarren mit acht- bis zehn Saiten, wobei die Basssaiten, je nach gewünschter Tonart diatonisch gestimmt wurden. Selbst zwölfsaitige Gitarren wurde diatonisch gestimmt, dies bedeutete eine zusätzliche Oktave im Bass. Obwohl beim Solospiel üblich, verlangte die Begleitung zu Stücken aus der Wiener Volksmusik

wegen des häufigen Wechsels der Tonarten allerdings eine chromatische Stimmung. Bis heute bevorzugen traditionsbewusste Wiener Kontragitarristen die ausgereiften dreizehnsaitige Instrumente vom Bautyp Johann Gottfried Scherzers. Diese Gitarren optimieren Tonumfang und Spielkomfort in hohem Maße. Vereinzelt wurden Instrumente mit noch mehr Saiten bestellt und gebaut. Nach 1900 waren Fünfzehnsaitige Instrumente populär, die eine Saite besaßen, die auf das häufig vorkommende G gestimmt waren. Auch 17-saitige Gitarren kamen vereinzelt vor (gestimmt bis zum F). Eine „Helikan-Guitarre“ mit 2 Hälsen und 16 Saiten gilt als Erfindung Stauffers. [FN23]

Die Forschung vermutet darin einen Prototyp der Kontragitarre. Ebenfalls zwei Griffbretter mit je sechs Saiten, von denen das eine nach einer 31-teiligen Tonskala unterteilt war, besaß Johann Gottfried Scherzers „Guitharfe“, Das Instrument war 1862 vom Mathematiker Josef Petzval erfunden worden. „Guitaron“ hieß Johann Dubez’ Gitarrenmodell mit vier Basssaiten und eigentümlicher Korpusform. 

Längere Konjunktur als diese experimentellen Instrumente hatte die so genannte „Bogenguitarre“. Sie wird wegen Namensgleichheit immer wieder mit der Streichgitarre bzw. dem „Arpeggione“ verwechselt. Bei der Bogenguitarre verbindet ein bogenförmiger Resonanzkörper den Korpus mit Hals und Kopf. Ein Exemplar mit neun Saiten ist vermutlich eine Erfindung Johann Georg Stauffers aus seiner letzten Schaffensphase, bekannt wurde das Instrument aber durch den Stauffer-Schüler Friedrich Schenk. Der Typus der skandinavischen und amerikanischen „Harpguitars“ hat seinen Ursprung in diesen Wiener Instrumenten. [FN24]

Die Wiener Gitarrenbauer ließen ihre zahlreichen Verbesserungen und Erfindungen patentieren, dazu zählten spezifische Hals-Korpus-Verbindungen, neuartige Stimmvorrichtungen, und andere Innovationen, wie Wenzel Soukups lyraartige „Apollo- Guitarre“ (mit Saitenbefestigung am Resonanzboden), oder Rudolf Knaffl-Lenz’ „Pedal-Guitarre“, die mit Pedalen die Erhöhung der Saiten um einen Halbton erlaubte und so Spiel in unbequemen Tonarten erleichterte. Stauffer und Schenk bauten Instrumente mit ähnlichen Vorrichtungen auf der Rückseite des Halses.

Experimentalen Charakter hatten die „Doppel-Guitarre“ und der „Arpeggione“. Beide Innovationen wurden sowohl von Johann Georg Stauffer als auch von Teufelsdorfer für sich reklamiert. Die Doppelgitarre, eine Standardgitarre mit eingebauter Oktavgitarre, wurde von Stauffer 1807 in der Wiener Zeitung inseriert, hatte aber nur geringen Erfolg. [FN25] [FN26]

Wiener Gitarrenbau seit 1900

Der historisch bedeutsame Wiener Gitarrenbaus des 19. Jahrhunderts reichte ebenso wie die musikalische und spieltechnische Tradition noch weit ins nächste Jahrhundert. Zu den Gitarrenbauern dieser Zeit zählen Franz Angerer, Ignaz Bucher, Franz Xaver Gütter, Franz Nowy, Ernst Mönnig, Otto Mostböck, Ludwig Reisinger, und Josef Swosil. Sie produzierten meist weiterhin das von Stauffer perfektionierte Legnani- Modell und vor allem die für die Wiener Schrammelmusik wichtigen Kontragitarren, die sich auch im Ausland gut verkauften.

Das klassische Wiener Modell wurde schließlich auch von dem Münchner Gitarrenbauer Hermann Hauser I. (1882-1952) kopiert, der zu seiner Zeit als wichtigster Gitarrenbauer außerhalb Spaniens galt. Sein Sohn Hermann Hauser II. baute und verkaufte das Modell noch bis in die 1960er Jahre.

Inzwischen erstellte Ludwig Reisinger (1863-1943) verschiedenen Varianten des Wiener Modells, dazu Wappengitarren, Wandervogel- und historische Lauten. Er baute nach Stauffers Vorbild einen Arpeggione, und in Zusammenarbeit mit dem Künstler Richard Teschner (1879-1948) eine spezielle Theorbe.

Die Kontragitarren Reisingers waren sehr gefragt (und sind es heute noch). Reisingers Geselle und Nachfolger Josef Wesely galt ebenfalls als hervorragender Gitarrenbauer. Bis heute wird das traditionsreiche Geschäft in der Wiener Westbahnstraße durch den meisterlichen Gitarrenbauer Richard Witzmann geführt. Selbst die Saitenspinnmaschine aus Reisingers Werkstätte kann dort noch besichtigt werden. Zu den bekannten Schülern Reisingers zählen Josef Manomics und Josef Obrecht.

Die Geschichte der Gitarrenbauerdynastie Nowy reicht von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis in die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Für die Restaurierung historischer Gitarren galt Franz Nowy (1875-1967) lange als führende Wiener Adresse. [FN27]

Ein weiterer Gitarrenbauer mit Wurzeln in der alten Wiener Schule war Georg Haid. Sein Betrieb soll bis 2023 bestanden haben. Haid entwickelte das Wiener Modell weiter, versuchte aber später, die Grundlagen des spanischen Gitarrenbaus in seine Instrumente einzubeziehen und für die neue Mode in der Spieltechnik zu adaptieren. [FN28] 

Mit dem Siegeszug der spanischen Schule eroberten sukzessive spanische Gitarren den Markt. Anton Jirowsky (1904-1951) kopierte Luise Walkers Santos-Hernández-Gitarre und baute selbst an die 120 Gitarren dieses Typs, die Modelle wurden serienmäßig in Schönbach und Markneukirchen hergestellt. Jirowsky, der eigentlich Geigenbauer war, entwickelte 1925 eine „neue Gitarrform“ mit gewölbtem Boden, einer stimmstockähnlichen Versteifung und einer Decke mit f-Löchern. [FN29]  Auch sein Schüler Hans Jirowsky (1906-1974) war als Gitarrenbauer hoch geschätzt. [FN30] 

Zur jüngsten Generation von Wiener Gitarrenbaumeistern, die allesamt experimentelle und innovative akustische und elektrische Gitarrenmodelle auf international wahrgenommenen Niveau bauen und entwickeln zählen Andreas Neubauer (geb. 1963), Adam Wehsely-Swiczinsky (geb. 1971), Michael Spalt (geb. 1957) und Johannes Auly . Nupi Jenner (geb. 1959) baut und restauriert eine Vielzahl historischer Streich- und Zupfinstrumente.

FUßNOTEN:

FN1 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 209. 

FN2 Rudolf Hopfner: Staufer, Stauffer, Johann Georg, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume, Zweite, neubearbeitete Ausgabe, herausgegeben von Ludwig Finscher, Personenteil 15, Kassel, 2006, S. 1350f. 

FN3 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 82.

FN4 Michael Lorenz: „Stauffer Miscellanea“ (http://michaelorenz.blogspot.co.at/2014/03/stauffer-miscellanea.html), Wien, 2014. 

FN5 Tony Bacon: The Ultimate Guitar Sourcebook, Race Point Publishing, ISBN-13: 978-1-937994-04-4, London, 2012, S. 26ff.

FN6 Willibald Freiherr von Lütgendorff: Die Geigen- und Lautenmacher vom Mittelalter bis zur Gegenwart, 5. und 6. (durchgesehene) Auflage, Frankfurt 1922 (Kraus Reprint, Nendeln 1968), Bd. 1, S. 223-228. 

FN7 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 24.

FN8 Erik Pierre Hofmann/Pascal Mougin/Stefan Hackl: Stauffer & Co. Die Wiener Gitarre des 19.Jahrhunderts, Editions Les Robins, Germolles sur Grosne 2011. 

FN9 Rudolf Hopfner: Staufer, Stauffer, Johann Georg, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Allgemeine Enzyklopädie der Musik begründet von Friedrich Blume, Zweite, neubearbeitete Ausgabe, herausgegeben von Ludwig Finscher, Personenteil 15, Kassel, 2006, S. 1350f.

FN10 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 79f.

FN11 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 80.

FN12 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 8of.

FN13 Tony Bacon: The Ultimate Guitar Sourcebook, Race Point Publishing, ISBN-13: 978-1-937994-04-4, London, 2012, S. 26ff.

FN14 Vgl. Robert Shaw: Hand Made, Hand Played/ The Art & Craft of Contemporary Guitars, Sterling Publishing, ISBN 13: 978-1-57990-787-7, New York, London, 2008, S. 172.  

FN15 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 82.

FN16 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 82.

FN17 Martin Hurtig: Quellenstudie zum Manuskript „Materialien zu einer Geschichte der Guitarre und ihre Meister von Eduard Fack“. Unveröffentlichte Projektarbeit der Westsächsischen Hochschule Zwickau 2009, S. 39. 

FN18 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 82.

FN19 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 83ff.

FN20 Vgl. Gitarrefreund, Jg. 12, H. 3 (1911), S. 23-24.

FN21 Robert Shaw: Hand Made, Hand Played/ The Art & Craft of Contemporary Guitars, Sterling Publishing, ISBN 13:978-1-57990-787-7, New York, London, 2008, S. 172.

FN22 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 86.

FN23 Wilhelm Hebenstreit: Wissenschaftlich-literarische Enzyklopädie der Ästhetik, Wien 1843, S. 340.

FN24 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bisZykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 88.

FN25 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978-3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 90.

FN26 Martin Hurtig: Quellenstudie zum Manuskript „Materialien zu einer Geschichte der Guitarre und ihre Meister von Eduard Fack“. Unveröffentlichte Projektarbeit der Westsächsischen Hochschule Zwickau 2009, S. 39.

FN27 Siehe auch eine Aufstellung von historischen Gitarren mit Maßangaben in Zeitschrift für die Gitarre, Jg. 5, H. 5 (1926), S. 137ff.

FN28 Inserat derMusikalienhandlung Josef Leopold Pick in Wien, in: Die Mandoline, 1924, S. 32.

FN29 Inserat in Zeitschrift für die Gitarre, Ig. 4, H. 7 (1925), S. 22. 

FN30 Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate Costa bis Zykan, StudienVerlag, ISBN 978 3-7065 4980 6, Innsbruck/Wien/Bozen 2011, S. 168f.

Richard Witzmann 

Richard Witzmann ist ein österreichischer Gitarrenbauer, Streich- und Saiteninstrumente-Erzeuger. Dazu betreibt er eine eigene Saitenmanufaktur. Witzmann wurde am 2. Juni 1953 in Tirol geboren. Kurz nach seiner Geburt zogen seine Eltern nach Wien, wo der Vater als Spengler arbeitete, die Mutter als Hausfrau. [Vgl.: Alexander Glück: Der Klangerreger, in: Wiener Zeitung, Artikel vom 29.01.1999.]  Siehe auch –> Artikel über Witzmann im Wiener Volksliedwerk.

Ausbildung 

Nach regulärer Schulbildung absolvierte Richard Witzmann zunächst eine Ausbildung als Tischler, die ihm in seinem späteren Beruf als Instrumenteerzeuger zugute kam. Zunächst machte er eine Lehre im ersten Wiener Gemeinde-Bezirk beim Geigenbaumeister und damaligen Bundesinnungsmeister Gerhard Neubauer sen. (nicht verwandt mit dem Gitarrenbaumeister Andreas Neubauer). In Neubauers Werkstätte kam es zu einem ersten Kontakt mit Josef Wesely (geb. 9.4.1904 in Wien) der noch im hohen Alter ein gefragter Spezialist für handwerklich und klanglich hervorragende Kontragitarren war. 

Richard Witzmann führte drei Jahre lang Neubauers Geschäft und wurde später sein Nachfolger. Seit 1982 betreibt er das Unternehmen auf meisterlichem Niveau. Traditionell war das Geschäft vom jeweiligen Vorgänger dem Nachfolger zusammen mit jahrelangem handwerklichem Know-How und dem dazugehörigen, mündlich tradierten Wissen übergeben worden. Richard Witzmann gilt in der Wiener Gitarrenbauer-Szene als einer der letzten, die traditionell in einem Meisterbetrieb ausgebildet wurden.

Arbeit 

Die Firma Witzmann geht auf ein im Jahre 1886 von Ludwig Reisinger gegründete Geschäft zurück, das in der Wiener Seidengasse angesiedelt war. Witzmann übernahm die Werkstätte von Josef Wesely, der bei Ludwig Reisinger als Geselle gearbeitet hatte. Reisinger (1863-1943) [Stefan Hackl: Die Gitarre in Österreich/Von Abate bis Zykan, Innsbruck/Wien/Bozen, 2011], einer der berühmtesten Wiener Gitarrenbauer des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts war ein Schüler von Johann Georg Stauffer und galt als beste Wiener Gitarrenbauer seiner Zeit. Mit bis zu acht Mitarbeitern erzeugte die Firma Reisinger Zupf- und Streichinstrumente sowie die Saiten dafür. Von der Seidengasse übersiedelte das Unternehmen in die Wiener Schottenfeldgasse, und noch vor dem Zweiten Weltkrieg in die Westbahnstraße. Der kleine Verkaufsraum des Geschäfts ist noch mit den alten Vitrinen bestückt, in der Werkstatt steht Reisingers alte, noch funktionierende Saitenspinn-Maschine.

Zwei Drittel von Richard Witzmanns Aktivitäten betreffen den Handel mit Gitarren und anderen Instrumenten. Der andere Teil ist dem Bau und der Reparatur von Instrumenten auf meisterlichem Niveau gewidmet. Witzmann stellt ausschließlich akustische Instrumente her, er gilt als einer der weitest bekannten Hersteller der echten Wiener Kontragitarre (Schrammelgitarre). Dazu stellt er für eine Stammkundschaft individuelle Zithern und andere akustische Zupf- und Streichinstrumente her und betreibt eine eigene Saitenmanufaktur.

Endorser 

Für den bekannten österreichischen Wienerlieder-Sänger Roland Neuwirth baute Richard Witzmann eine Wiener Kontragitarre mit elektrischen Tonabnehmern.

Nupi Jenner 

Nupi (Richard) Jenner, geb 14. Dezember 1959 in Wien, ist ein österreichischer Meister für Streich-und Saiteninstrumentenerzeugung und Lehrender für Instrumentenbau. Seine Meisterwerkstätte befindet sich im Karmeliterviertel des zweiten Wiener Gemeindebezirks.

Leben

Nupi Jenner stammt aus einer Familie von Musiker·innen, schon Vater und Großvater sind professionelle Musiker. Jenners Vater, Prof. Alexander Jenner (*1929 in Wien) ist Konzertpianist. Nupi Jenner selbst ist Vater von vier musikaffinen Kindern.

Ausbildung

Von 1970 bis 1974 besuchte Nupi Jenner das Wiener Theresianum (Öffentliches Gymnasium der Stiftung Theresianische Akademie), und von 1974 bis 1978 das Akademisches Gymnasium in Wien, das er mit der Matura abschloß. Ein Medizinstudium brach er zugunsten der Musik und des Instrumentenbaus ab.

Autodidaktisch, unter Einbeziehung zahlreicher Kurse und Fortbildungsseminare im In- und Ausland bildete er sich zum Streich- und Saiteninstrumenten-Erzeuger aus. Dem folgte die Gesellen- und Meisterprüfung, sowie ein berufspädagogisches Studium. 

Jenner beschäftigt sich intensiv mit dem Bau und der Restaurierung von Instrumenten der Gattungen Gitarre, Laute, Geige, Gambe, Mandoline, Bouzouki, Drehleier, Nyckelharpa, sowie anderer historischer Streich- und Saiteninstrumente.

Instrumentebau  

Seit 1982 betreibt Nupi Jenner eine Werkstätte in der Großen Sperlgasse 16, in 1020 Wien, die sich dem Neubau und der Reparatur von Streich- und Saiteninstrumenten widmet. Jenners Interesse gilt insbesondere akustischen Instrumenten, deren musikalischen und ästhetischen Ausdrucksformen, verbunden mit individueller Kundenbetreuung – sowohl im Neubau als auch im Bereich der Reparatur und Restaurierung.

Daneben arbeitet Jenner an der Erforschung und Verbesserung von Arbeitsverfahren, Werkstoffen und Werkzeugen, nicht zuletzt, um durch moderate Preisgestaltung auch weniger finanzkräftigen Musikern den Zugang zu guten Instrumenten und gut durchgeführten Reparaturen zu ermöglichen.

Insbesondere legt Jenner Wert auf Kenntnis und Auswahl der verwendeten Tonhölzer. Für die Herstellung barocker Instrumente recycelte Jenner nachhaltig schon Altbestände aus brasilianischen Möbelfabriken. Ansonsten arbeitet er mit Sägern aus Oberösterreich zusammen, die ihn informieren, sobald sich ein passender Stamm im Sortiment befindet. Auch Tonholzhändler liefern brauchbares Holz, dabei komme es, so Jenner, jedoch auf eigenhändige Auswahl an.

In einem stillgelegten Sägewerk am Attersee trennt Jenner das Holz so auf, wie es für den Instrumentenbau notwendig ist. Das so gewonnene Schnittholz lagert dann mehrere Jahre, um richtig trocknen zu können. Jenner verwendet kein technisch getrocknetes Holz, da es beim Lufttrocknen für die Verarbeitung wesentlich ruhiger ist, so Jenner. Haselfichte und Riegelahorn eignen sich für Jenner am Besten für den Einsatz im Instrumentenbau. Wichtig sei es jedoch, ausschließlich gespaltenes Holz zu verwenden.

Nupi Jenner fertigt etwa 24 Instrumente pro Jahr, darunter Geigen, Gitarren, Drehleiern, Gamben, Lauten und Mandolinen. Die dabei verwendeten Holzarten sind Fichte, Riegelahorn, Ebenholz, Obstholz, Nuss und Palisander.

Für die Herstellung einer Geige benötigt Jenner 100 bis 120 Stunden, für eine Gitarre mit 70 Stunden etwas weniger. Auch Intarsien-Arbeiten stellt Jenner selbst her.

Musik  

Nupi Jenner ist Gründungsmitglied der Folkbands “Liederlich Spielleut” (Vocals), “Rossavielle” (Vocals) und “Hotel Palindrone” (Percussion).
–> Eintrag Nupi Jenner im SR-Archiv der österreichischen Musik: )

Ehrenämter  

Jenner ist ehemaliger Landesinnungsmeister der MusikinstrumentenerzeugerInnen in Wien, er ist langjähriger  Vorsitzender der Gesellen- und Meisterprüfungskommission für Streich- und Saiteninstrumentenerzeugung.

 Lehrtätigkeit  

*1990-2025 Lehrtätigkeit an der Fachschule für Instrumentenbau der HTBLA – Hallstatt.

*2000-2025 ist Jenner Leiter der seit 25 Jahren stattfindenden Instrumentenbaukurse auf der Burg Rapottenstein/Waldviertel.

Nupi Jenner ist Referent bei diversen Instrumentalkursen zum Thema Bordunmusik und Co-Organisator der, ein Jahrzehnt lang, jährlichen stattgefundenen Fortbildungsseminare für Instrumentenbau in Neufelden/Oberösterreich (NICE – Neufeldner Instrumentenbauer Congress und Erlebnistage).

Externe Links  

Website

Musik in den Händen“, Reportage über Nupi Jenners Instrumentebau (26.10.2002).

Skalpell aus Sinustönen“, Reportage über Nupi Jenners Instrumentebau (11.10.2004).

Eine Tradition der Innovation“ Reportage über die Werkstatt von Nupi Jenner und Simone Zopf (18. Juli 2011).

Eintrag Nupi Jenner in „The Guild of American Luthiers“.

Adam Wehsely-Swiczinsky 

Adam Wehsely-Swiczinsky, geb. 25. Juni 1971 in Wien, ist ein österreichischer Industriedesigner, Gitarrenbaumeister und Musiker. Er ist Inhaber von MADA Guitars (Guitars & Design Adam Wehsely-Swiczinsky).

Leben

Adam Wehsely-Swiczinsky ist der Sohn des österreichischen Architekten Helmut Swiczinsky und dessen Ehefrau Hilda. Seine Geschwister sind die österreichische Animationsfilmerin und Illustratorin Nana Swiczinsky und der österreichische Animationsfilmregisseur Benjamin Swiczinsky. Adam Wehsely-Swiczinsky ist mit der österreichischen Managerin Tanja Wehsely verheiratet und hat einen Sohn.

Ausbildung

Nach der Absolvierung der alternativen Hauptschule E.S.L Coop von 1986 bis 1990 besuchte Adam Wehsely-Swiczinsky das Bundesrealgymnasium II in der Vereinsgasse, das er mit der Matura abschloss. Zwischen 1990 und 1994 arbeitete er autodidaktisch als Instrumentenbauer, Musiker und Tischler. 

1991, im Alter von 20 Jahren, zog Adam Wehsely-Swiczinsky in die USA, um sich seinen Jugendtraum zu erfüllen und in Los Angeles Gitarrenbau zu erlernen. Seit seinem dreizehnten Lebensjahr Sänger und Musiker hatte er den Wunsch, ein eigenes, selbst entworfenes und selbst geschaffenes Instrument zu spielen. Bei diesem Vorhaben unterstützten ihn die Gitarrenbau-Legenden Big Jim und John Carruthers, zwei führende Gitarrenbauer Südkaliforniens, die seit mittlerweile über 50 Jahren weltbekannte Musiker mit hochwertigen, maßgefertigten Instrumenten versorgen.

1999 legte Adam Wehsely-Swiczinsky die Externisten-Lehrabschlussprüfung der Tischlerlehre ab. Von 1994 bis 2000 studierte er Industriedesign an der Universität für angewandte Kunst Wien. 2000 schloss er das Studium mit Auszeichnung als Mag. Art. ab. Nach mehrjähriger Vorbereitungszeit mit hilfreichen Reviews von Nupi Jenner und Geigenbauer Martin Rainer schloss er 2017 die Externistenausbildung zum Zupf- und Streichinstrumentenerzeuger an der HTBLA Hallstatt als Meister ab. 

Im Instrumentenbau ist Designer Adam Wehsely-Swiczinsky Nachhaltigkeit wichtig. Das Industrial Design Studium schloss er mit einem neuartigen Akustikgitarenkonzept (MADA Suoca) aus Hanfzellulose ab.

Musik

* 1983-1986: Gitarre und Gesang „Flohaufen“ aka „Fleaheap“ (Classic Rock), Wien.
* 1986-1993 : Gitarre und Gesang bei „Moon 44“ (Grunge), Wien.
* 2005 bis heute: Gitarre, Bass und Gesang bei „Extra:Gone“ (Disco Rock), Wien-Niederösterreich.
* 2008-2012: Gitarre bei „mind.in.a.box live“ (Electro Goth), Europatour, Kanada und Moskau.
* 2008-2013: Gitarre bei „Hornyphon“ (Stoner Rock), Wien.
* 2010: Bass bei „Sivan Perver & Willi Resetarits“ (Folklore), Flüchtlingsball, Konzerthaus, Gasometer.
* 2010 bis heute: Gitarre und Gesang bei „Goatmen“ (Rock, Triphop), Wien.
* 2024 bis heute: Bass und Gesang bei „The Makers“ Instrumentenbauerband (Soul), Wien.

Gitarrenbau

In der Wiener Hollandstraße 9, im Zweiten Wiener Gemeindebezirk gelegen betreibt Adam Wehsely-Swiczinsky seit 2000 MADA Gitarrenbau (Guitars) – Adam Wehsely-Swiczinsky. Die Firma ist seit 2017 Meisterbetrieb, er beschäftigt sich mit dem nachhaltigen Bau von akustischen, halbakustischen und elektrischen Gitarren, Bässen, sowie dem Sonderinstrumentenbau aus heimischen Hölzern aus Wien und Umgebung.

Wehsely-Swiczinsky baut etwa 5 Gitarren pro Jahr. Auch wenn die meisten davon auf eigenen Modellen beruhen, sind die Instrumente Einzelstücke. Halsprofile, Holz, Klangvorstellungen und Mensuren werden an die jeweiligen Musiker·innen angepasst.

Repariert und restauriert werden in Wehsely-Swiczinskys Werkstatt im Karmeliterviertel hingegen ca. 500 Instrumente. Im Rahmen von Wehsely-Swiczinskys Reparatur-Philosophie gibt es kaum ein Instrument, das nicht mehr restauriert werden kann. Ein Gitarrenkopfbruch sei kein Genickbruch, so der Gitarrenbauer und Designer. Auch Lackierungen, ob mit Nitrocellulose, Polyurethan oder Schellack können in Wehsely-Swiczinskys Werkstatt wiederhergestellt werden. Kratzende Potentiometer sind leicht getauscht.

Wiens Gitarrenbauszene versteht sich als lebendige Community. So helfen einander Gitarrenbauer mit Tips und Tricks gegenseitig aus. 2007 entwickelte Adam Wehsely-Swiczinsky mit dem Gitarrenbaumeister Andreas Neubauer das Hanfgitarrenkonzept zur halbakustischen Bauweise des Gitarrenmodells „MADA Caimes“ weiter.

Seit 2024 kooperiert Wehsely-Swiczinsky immer wieder mit dem Gitarrenbaumeister Johannes Auly. So wurde für Bernhard Schimpelberger ein elektrisches Mbira-Einzelstück entworfen und gebaut, und 2025 für Christoph Gruber unter Mitwirkung von Frank Deimel (Deimel Guitarworks) die einzigartige Super-Leichtgewicht-Gitarre „JAFmaster“ entwickelt. 

Industrial Design

Bereits vor seinem Studienabschluss an der Wiener Universität für angewandte Kunst im Jahr 2000 arbeitete Adam Wehsely-Swiczinsky in Architekturbüros als Designer, Modellbauer, Messebauer und Tischler. Nach dem Studium gründete er das Industrial Design Studio AWS Designteam. Von 2000 bis 2003 war Wehsely-Swiczinsky Leiter der Designabteilung für Skibindungen bei TYROLIA (HEAD Sports). Wehsely-Swiczinsky wurde mit zahlreichen Designpreisen ausgezeichnet. Von den Skibindungen, die der Designer für den Skibindungshersteller entworfen hat wurden bis 2025 10 Millionen Stück verkauft. 

Adam Wehsely-Swiczinskys Produkte und Entwürfe wurden in Ausstellungen und Messen, etwa bei Präsentationen von „PAD goes international“ in New York, Tokyo, London und Barcelona, 2008 bei Design Match 08 in Prag, auf der Palermo Design Week, sowie 2009 und 2011 bei der Vienna Design Week ausgestellt.

Trivia

Der Markenname MADA ist ein rückwärtsläufiges Anagramm von Wehsely-Swiczinsky Vornamen „Adam“.

Endorser

2009 spielte der US-amerikanische Country-Sänger, Gitarrist und Songwriter Willie Nelson am Timesquare in New York eine von Adam Wehsely-Swiczinsky gebaute „Mada Caimes“. Die halbakustische Gitarre wird schließlich vom Hard Rock Cafe ersteigert.

Ehrenämter

* 2013-2017: Obmann des Elternvereins des Erich Fried Gymnasiums in Wien.
* 2014-2020: Manager des Expertenclusters für Industrial Design der Design Austria.
* 2017-2023: Obmann der Initiative Neue Wirtschaft.
* Ab  november 2022: Schatzmeister und Vorstandsmitglied der European Guitar Builers (EGB).
* 2025: Kandidatur als Listenzweiter des Sozialdemokratischen Wirtschaftsverbands in der Sparte Kunsthandwerk bei der Wirtschaftskammerwahl in Wien.

Lehrtätigkeit

* 2000-2003: Lehrtätigkeit als Industrial Designer für Kunststofftechniker am TGM Technologisches Gewerbemuseum Wien.
* 2002, 2005: Lehrbeauftragter für Industrial Design an der Universität für angewandte Kunst Wien, Klasse Bořek Šípek.
* März 2020-Juni 2021: Lehrtätigkeit für Industrial Design an der Fachhochschule Technikum Wien im Studiengang „human factor and sports engineering“.
* 2024: Instrumentenbau-Coach am Instrumentenbau Seminar Rapottenstin von Gitarrenbaumeister Nupi Jenner.

Ausstellungen und Messen

* 2007: Pure Austrian Design (PAD) goes international, New York, Tokyo, London und Barcelona.
* 2008: Design Match 08, Prag.
* 2008: Design Week, Palermo.
* 2009, 2011: Vienna Design Week, Ausstellung von Produkten und Entwürfe Wehsely-Swiczinskys.
* 2022: MIGS, Montreux, Aussteller mit MADA Guitars.
* 2024: Out Now, Museum für Angewandte Kunst (MAK) Wien.
* 2023: Guitar Summit Mannheim, Aussteller mit MADA Guitars.
* 2024: Guitar Show Padua, Aussteller mit MADA Guitars.
* Seit 2021: Vinyl und Musik Festival Wien, Aussteller.

Auszeichnungen und Preise

* 2007: Nominierung für den österreichischen Adolf Loos Staatspreis Design mit der halbakustischen Gitarre „Mada Caimes“.
* 2009: IF Design Award für die „Dorso Arexa“ Orthese von Otto Bock.
* 2009: Reddot Design Award für die Carbon-Skibindung „Prestige“ von Tyrolia.
* 2010: Silberner Deutscher Designpreis 2010 für die „Dorso Arexa“ Orthese von Otto Bock.
* 2011: Reddot Design Award für die Sprunggelenks Orthese „Malleo Sprint“ von Otto Bock.
* 2011: Reddot Design Award für die Alpin-Skibindung „HEAD LX“ von Head (Sportartikelhersteller).
* 2011: Reddot Design Award für die Alpin-Skibindung „TYROLIA SX“ von Tyrolia.
* 2011: Plus X Award High Quality & Design für die Alpin-Skibindung „TYROLIA SX 10“ von Tyrolia.
* 2013: Reddot Design Award für die Touren-&Freeski-Bindung „AAA-Series“ von Tyrolia.
* 2013: Plus X Award: quality, design & functionality für Tyrolias „Attack“ binding.
* 2013: IF Design Award für die Rückenbandagen „Soft Backs“ von Otto Bock.
* 2014: Deutscher Design Preis für die Rückenbandagen „Soft Backs“ von Otto Bock.
* 2015: Plus X Award: quality, design & functionality für Tyrolias „Free Flex Evo“.
* 2015: IF Design Award für die Orthesen „Agilium Freestep“ und „Malleo Tristep“ von Otto Bock.
* 2016: IF Design Award für „Ottobock Dyneva“ für Otto Bock.
* 2017: Deutscher Designpreis für the „Ottobock Dyneva“ für Otto Bock.
* 2017: Österreichischer Design Staatspreis: Prädikat „Ausgezeichnet“.
* 2018: TIA Top Innovation Award „Top Outstanding Designer“ Adam Wehsely-Swiczinsky.
* 2018: IF Design Award für „Ottobock Liner Design“.
* 2019: Österreichischer Design Staatspreis für „Ottobock C-Brace“: Nominierung.
* 2022: Red Dot Design Award 2022 für die „Protector“ Skibindung von Head (Sportartikelhersteller).
* 2023: Big See Product Design Award für das Design der Bebionic Handprothese von Otto Bock.

Membership

designaustria

VIENNA DESIGN WEEK

WKO. 

Weblinks

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AWS Designteam

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Medienberichte

Diverse Zeitungsartikel und Clips zu Adam Wehsely-Swiczinskys Arbeit.

Porträts

Video-Porträt von Adam Wehsely-Swiczinsky.

Video-Porträt von Adam Wehsely-Swiczinsky („Wien reparierts – Folge 3“ vom 11.12.2024).

„Der Prozessor“, Bildgalerie und Porträt von Adam Wehsely-Swiczinsky (Der Standard Lifestyle, 10. Mai 2004). 

 „Das Holz für meine Gitarren wächst in Wien“, Porträt von Adam Wehsely-Swiczinsky (Der Standard RONDO, 13. Juli 2019). 

Andreas Neubauer 

Andreas (Thomas) Neubauer  (*6. Dezember 1963 in Wien Ottakring) ist ein österreichischer Gitarrenbaumeister und Designer von Gitarren und Bässen. Seine Werkstatt befindet sich in seinem Elternhaus in Wien Penzing, er lebt mit seiner Frau in Mödling.

Familie

Andreas Neubauers Mutter Maria Theresia Neubauer war Friseurin und Hausfrau, sein Vater Wilhelm Stefan Neubauer Hauptbrandmeister bei der Betriebsfeuerwehr der ÖMV. Neubauer hat eine Tochter aus erster Ehe, er ist in zweiter Ehe mit der Glasschmuckkünstlerin Katharina Eder verheiratet.

Schul

Neubauer besucht die Volksschule in der Wiener Felbigergasse (1970-1974), von 1974-1978 die Wiener IGS in der Spallartgasse, und von 1978-1979 das IGS Polytechnikum Malfattigasse in Wien.

Ausbildung

Zunächst absolviert Andreas Neubauer eine Ausbildung zum Zahntechniker im Zahntechnischen Labor Dentica in Wien (1979- 1983). Die Gesellenprüfung als Zahntechniker legt er 1983 in Baden bei Wien ab. 1984 absolviert er den Wehrdienst beim österreichischen Bundesheer mit einer Sanitätsausbildung und anschließend neunmonatiger Tätigkeit im OP des Wiener Heeresspitals. 1984-1992 ist Neubauer angestellter Zahntechniker, in dieser Zeit repariert er unter dem Geschäftsführer Helmut Sicheritz in Himberg bei Wien Instrumente für den Großhändler Bauer Sound (Marken: u.a. Alembic, Fender, Kohno) .

Arbeit

Andreas Neubauer ist 1982 begeisterter Bassist in einer Wiener Band. Als eine Neulackierung und Neubundierung seines Gibson EB-2-Basses gut gelingt, steht der Entschluss fest, Gitarrenbauer zu werden. Neubauer beginnt, für Freunde und Musikerkollegen Reparaturen, Restaurationen und Lackierungen von E-Gitarren, E-Bässen und akustischen Gitarren durchzuführen.

1988 gründet Andreas Neubauer seine Firma Neubauer Guitars, er baut Bässe für Albert Kreuzer (Ostinato), Robert Riegler (Vienna Art Orchester) und Uwe Urbanowsky (Harri Stojka Express, Wolfgang Lindner Band),  bleibt zunächst aber weiterhin als Zahntechniker beschäftigt. 

1993 beendet er seine Tätigkeit als Zahntechniker, um auf Einladung der Firma ATEC von Helmut Sicheritz einige Zeit beim US-amerikanischen Instrumente-Erzeuger Gibson in Nashville zu verbringen. Dort bekommt er eine Ausbildung für Gibson-typische Reparaturen und lernt Gibsons spezifische Arbeitstechniken und Produktionsmethoden kennen. In der Fabrik sind Mike Voltz und John Derringer seine Ausbilder, im Custom Shop Tom Murphy. 

In der Folge wird Neubauer Guitars zwischen 1993 und 1996 „Official Custom and Repair Shop“ für Gibson-Instrumente in Österreich und Ungarn. 1996 wird Neubauers Betrieb offizieller Reparaturstützpunkt für Yamaha Gitarren und Bässe.

Immer wieder geht Andreas Neubauer Kooperation mit anderen Gitarrenbauern ein. So mit Stefan Sonntag Archtops in Augsburg, Deutschland. Bis heute lackiert Neubauer alle Gitarren Sonntags.  

Von 2001 bis 2014 kooperiert Neubauer mit Klangfarbe, Österreichs größtem Musikinstrumentegeschäft. Alle Reparaturen an Saiteninstrumenten werden von Neubauer Guitars durchgeführt. Spezifische Kooperationen im Reparaturbereich gibt es auch mit den Wiener Musikhäusern Stelzhammer, Tinter, Dreiklang, For Musik, Musik Bauer, Guitars Only und Musik Hammer in Graz. 

Zwischen 2013 und 2015 kommt es zur Kooperation mit Tommy Metz von Tommy´s Guitar Lounge in Viersen, Deutschland, einen High-End-Shop für hochwertige elektrische und akustische Gitarren. Neubauer lackiert Hälse und Bodys, unter anderem für den US-amerikanischen Gitarristen Carl Verheyen.

2006 baut Neubauer für den Wiener Designer (und späteren Gitarrenbaumeister) Adam Wehsely Swiczinsky (AWS Design Team) die weltweit erste Gitarre aus Hanffasern (Hempstone). 2007 wird die erste MADA-Hanfgitarre fertiggestellt, die Produktvorstellung wird ein großen Erfolg: Der US-amerikanische Country-Sänger, Gitarrist und Songwriter Willie Nelson spielt die Gitarre in New York anlässlich der „Monsters of Rock“ Tour. 

Zwischen 2012 und 2020 kommt es zur Kooperation mit dem österreichisch-US-amerikanischen Avantgarde-Gitarrenbauer Michael Spalt. Im Zuge des Projekts „Vienna Guitar Company“ kommt es zum Bau der „Burgtheater Gitarre“, bei der Holz aus dem, im Jahre 1945 verlegten Original-Bühnenboden des Wiener Burgtheaters verwendet wird.

Ein weiteres Gitarrenmodell der „Vienna Guitar Company“ ist die mit Spalt entwickelte E-Gitarre „Wiener Gitarre No. 0001“. Die Gitarre referiert auf Bauformen des legendären Wiener Gitarrenbauers Johann Georg Stauffer. Dabei wurde die Decke einer alten Kontragitarre verwendet, die bei der Restaurierung eines Instruments für Roland Neuwirth angefallen war. Das Instrument fand inzwischen Eingang in die Sammlung eines US-amerikanischen Sammlers. [Testbericht im grand guitars 01/2012]

Endorser, Kunden und User

Rock

Ulli Bäer, Dietmar Baumgartner (Alkbottle), Bern Locker, Thomas Nordegg, Joey Zampella (Live of Agony), Christian Chris Zitta.

Austro

Timna Brauer, Oliver Gruen, Josh, Ernst Molden, David Müller (die Strottern), Raphael Sas und pauT (Ninos Band), Robert Schumy, Hans Theessink, Wanda, Der Nino aus Wien.

Jazz

Andi Bartosch, Mario Berger, Gerd Bienert, Franz „Ferenc“ Bodi, Felix Greilberger, Christian Havel, Scott Henderson, Thomas Kramer, Peter Legat (Count Basic), Bernd Leski, Lukas Maierhofer, Thomas Palme, Philip Sauberer, Reinhard Schramml, Conrad Schrenk, Martin Spitzer, Harri Stojka, Carl Verheyen, Raklo Weinrich

Bass

Marco Biliani ( Alkbottle), Manfred Chromy, Wayne Darling, Falco, Joe Griedl, „Snow Owl“ Juan Garcia-Herreros, Albert Kreuzer (Ostinato), Andi Müller, Robert Riegler (Vienna Art Orchester), pauT, Christoph Petschina, Maximilian Ranzinger, Dick Sells, Jamaaladeen Tacuma, Frank Tepel, Andi Tieber, Uwe Urbanowski, Ray Weber (Wanda) Thomas Wilding,

Ehrenamt und Lehrtätigkeit

Andreas Neubauer ist Rechnungsprüfer und Gründungsmitglied der European Guitar Builders. Er ist Prüfungsmeister bei Meisterprüfungen von Gitarrenbauern in der Höhere Technische Bundeslehranstalt Hallstatt. Als Co-Organisator betreute er ein Jahrzehnt lang, die jährlichen stattgefundenen Fortbildungsseminare für Instrumentenbau in Neufelden/Oberösterreich (NICE – Neufeldner Instrumentenbau-Congress und Erlebnistage).

Ausstellungen und Messen

1996 Frankfurter Musikmesse
2012, 2014 Montreal Guitars Show
2014, 2015 Holy Grail Guitar Show Berlin
2015 Jazz Forum Kandl
2017 London Bass Show
2017 Guitar Summit Mannheim
2023, 2024, 2025 Vinyl und Music Wien

Auszeichnungen und Preise

* 2007: Andreas Neubauer und Adam Wehsely Swiczinsky sind für den Adolf Loos Design Staatspreis und den Wiener Zukunftspreis nominiert. 

* 2010: Auszeichnung mit dem Wirtschaftspreis für das kreativste Unternehmen in Wien. In der Folge kauft Das MAK – Museum für Angewandte Kunst in Wien eine MADA-Gitarre für seine Design Sammlung an.

Externe Links

Gitarrensammler, Folge 10 über die Neubauer-Gitarre „Semidele 1996“.

W24 zu Gast bei Andreas Neubauer von Neubauer Guitars.

Bibl Rocks. Helmut Bibl in Talk&Jam mit Conrad Schrenk zu Andreas Neubauers Gitarrenmodell „Mitzi“. 

Bass Musician Magazine – „Snow Owl“ Juan García-Herreros spricht in Gegenwart von Andreas Neubauer über den Neubauer-Phoenix-Bass.“Snow Owl“ Juan García-Herreros spielt seinen Neubauer Bass.

Neubauers Website.

Neubauers Facebook-Seite mit vielen Bilder von Neubauer-Gitarren.

X-Seite mit Bildern und Hinweisen zu Artikeln, Endorsern und Projekten.

Porträt-Reportage über Andreas Neubauer.

Paris · Olympia · 2024

Ich plädiere dafür, André Heller sämtliche Eröffnungsfeiern (und Abschlussfeiern) auf dem Globus gestalten zu lassen. Lückenlos. Auf Lebenszeit. Selbst die allerschlechtesten Ideen von André Heller sind um Potenzen besser als das, was üblicherweise, und auch heute zu diesen Themenfeldern inszeniert wird. Sollte André Heller etwas zustoßen, sollen Eröffnungsfeiern (und Abschlussfeiern) aus seinem zu Verwirklichungsfundus bestritten werden. Ich plädiere weiters dafür, Sportkommentaristik bei Eröffnungsfeiern mit lebenslangem Sprechverbot zu bestrafen. Weltweit. Aber besonders in Österreich.

Das Bonbongeschäft

Boboville hat 1968 begonnen, da war ich sieben, sieben auf einen Streich, es war Sommer und Boboville war heiß. Gegenüber vom rosagestrichenen Haus, wo am 1. Mai die roten Fahnen der Sozialisten hingen, gegenüber vom rosa Haus mit der Putzerei, ein schönes Bild, das rosa Haus der Sozialisten mit der eingebauten Putzerei, gegenüber von diesem Haus lag das Geschäft. Die Keimzelle von Boboville. Das heilige Geschäft. Das Bonbongeschäft. bonbons stand in großen Lettern über dem Geschäft. Bonbonville hätte ich meine Insel genannt, hätte ich als Kind gewusst, das Zuckerl und Bonbons das Gleiche sind.

Das Bonbongeschäft, es existiert noch heute, meine ich, vierzig Jahre nach 1968, es war rot gestrichen und ist es noch. Rotsein hatte eine Logik für mich, lange bevor das Wort in mein Leben treten sollte. Als Siebenjährige hielt ich es für richtig, wie ich es damals nannte, dass gegenüber von Onkel Christians rosa Sozialistenhaus mit der Putzerei das rote Zuckerlgeschäft lag. Seine Auslagen waren mit Krapfen geschmückt, mit Indianern, Pariserspitz, leeren, vergilbten Bonbonnierenschachteln. Mit gelber Plastikfolie war sie ausgelegt, die Auslage, darin lagen Vanillekipferl, zu kleinen Vulkanen aufgeschichtet, Mannerbruch in Scheiterhaufenform, Windringe in zirkulär geschichteten Windringringen. Und manchesmal stand eine Nusstorte in der Auslage. Mit einem dicken Kakaocremekringel an der Schulter, gekrönt von einer Walnuss. Oder war es eine Kaffeebohne, mit der Schamspalte nach oben in den Kakaocremekringel gedrückt?

Die Scheibe des Bonbongeschäftes hatte 1968, wenn man die Scheibe gut kannte, auf Kindernasenhöhe leichte Blindheiten. Die kamen von den gierigen Häuchen, die wir beim Anblick von Torten und Mannerbruchgebirgen auf den kalten Scheiben hinterließen. Ein Besuch des Bonbongeschäftes ohne minutenlanges Verharren an der Oberfläche der Bonbongeschäftauslagenscheibe wäre kein Besuch des Bonbongeschäftes gewesen. Man musste sich genau einprägen, was man brauchte. Ob und welches Torteneck, welche Kombination wievielwelcher Zuckerl. In unserer linken Kinderbobofaust befanden sich, zwischen gekrümmte Finger geklemmt, die Schillinge. Schillinge. Einschillinge und Zehngroschenscheiben und kleine, randgerillte Fünfziggroschenknöpfe. Abgezählt. Zu imaginierten Groschentürmen gestapelt.

Denn Boboville 1968, als ich sieben war, hinter den Zwergenbergen, war immer auch Berechnung. Wie viel sich wovon ausging mit wie viel an kinderbobofaustgewärmtem Metall. Die Berechnung dessen, was die linke Faust umklammerte. Um zehn Groschen, das musste man wissen, wenn man mit der Nase an der Zuckerlgeschäftscheibe hing, ging sich immerhin ein Stollwerck aus, die Grundwährung meiner Bobovillekindheit. Mit einem im Fußabstreifergitter vor der Putzerei gefundenen Zehngroschenstück ging sich in der Frühzeit von Boboville ein Stollwerck aus. Es war so groß wie ein Auge im Quadrat und so hoch wie zwei Schulhefte dick, es war eingewickelt in ein zwergentischtuchgroßes Wachspapier. Das Stollwerck. Das Wachspapier, man musste es ablösen, solange das Stollwerck kalt war. War es warm, klebte das Wachspapier am Stollwerck. Fünf Minuten milchzähneverklebendes Lutschen ging sich aus mit dem Zufallszehngroschenstück aus der Bobovilleputzerei im Sozialistengebäude, dem TheodorHerzl-Hof. Theodor-dem-Erfinder-von-Israel-Herzl-Hof. Dass die Gasse ums Eck Malzgasse hieß, hatte Richtigkeit für uns. Schmeckte doch das braune, klebrige Stollwerck nach Malz. Oder nach dem, was wir für Malz hielten. Wir. Wir, die Bobovillekinder vorm Bonbonvillegeschäft. Und wo waren wir her? Aus der Leopoldsgasse, aus der Schreygasse, aus der Rembrandtstraße, aus der Nestroygasse. Aus der Unteren Augartenstraße, aus der Malzgasse. Die, nach der das Malz in den Stollwerck seinen Namen hatte.

Das Bonbonvillegeschäft in der Leopoldsgasse war eine Art Maschine, eine Konsumboboismusmaschine, die erste Konsumboboismusmaschine der Welt. Das Bonbonvillegeschäft musste man besteigen, es war nicht ebenerdig zu betreten. Ein kleiner, halbstufenhoher Absatz führte in eine rotbemalte Nische, rot, wie ja alles Holz am Bonbonvillegeschäft rot gestrichen war. In einem Rot, das eine leichte Fähle hatte, ein sonnengeblichenes, vom blauen Himmel ausgelaugtes Rot. Ein Rot, wie wenn man von oben in ein Himbeerkracherl schaute. Es knirschte, wenn man die Betretungsnische des Bonbonvillegeschäfts bestieg, es machte knarrende Geräusche. Selbst dem federleichtesten Leopoldsgassenkind aus der Schreygasse, in jedem Fall war das immer ich, denn ich war das zarteste, kleinste und gewichtsloseste aller bonbonaffinen Kinder in Frühboboville, selbst dem Hauch eines Kindes gelang es nicht, die Eingangsnische ohne das Eintrittsknirschen zu besteigen. Das Knirschen war Teil der Maschinerie.

Der zweite Mechanismus der Bonbonvillemaschinerie war nicht minder geräuschvoll. Eine Türe, rot gestrichen war sie und dreiviertelgläsern, sie musste an einer Griffstange gehalten und gegen den Widerstand eines Kugelschnappmechanismus aufgedrückt werden. Der Bonbontürmechanismus schärfte mein Talent für technische Zusammenhänge. Ich hatte damals keine Ahnung und heute ebensowenig, wie das Schloss hieß, war es ein englisches Patent oder ein amerikanisches? Für das Kindermich war es eine kleine Messingnuss, die von einer Feder in die Außenwelt gedrückt wurde. Sie war mit honigfarbenem Schmierfett verklebt und roch nach Fahrradkette. Die Messingnuss hielt die Türe im Schloss. Man musste mit dem ganzen Gewicht eines zuckerschuldigen Kindes an der Türe drücken, um den Widerstand der honigschmierfetten Messingnussfeder zu überwinden. Das geschah, so es geschah, denn es war nicht leicht, stets mit einem Knall, von dessen mechanischer Erschütterung die Glasscheibe in der Bonbongeschäftstüre klirrte. Leicht, so dachten wir, könnte dieses Glas brechen und zu enormen Kinderschulden bei den Bonbongeschäftsinhabern führen. Schellende Ohrfeigen, markzersetzendes Angeschrienwerden, schmerzhafte Schüttelungen und daheim dann schlicht lebenslanges Fernsehverbot nach sich ziehen. Der Eintritt ins Bonbonparadies war untrennbar mit der Angst verbunden, die Zuckerpforte zu zerstören. Indes, das Dilemma war Teil einer ausgeklügelten Inszenierung. Nie nämlich, ja nie ist das Glas des Paradiesportals aus seinen Kittfugen gesprungen. Die Diabolik dieses Mechanismus war ebenso perfide wie gefürchtet.

Hatte man die Türe aufbekommen, schlug ihr Blatt rechts oben, eine Handbreit aufgedrückt, gegen ein Glöckchen. Als hätte das Knirschen der Betretungsnische und das Knallen der Türe nicht schon genug Bonbongeschäftsalarm ausgelöst. Knirschknallklingeling, das war, in Geräusche umgesetzt, das Süßigkeitenprogramm des Bonbonvillegeschäfts. Zuckerlkauf war ein Abenteuer, dessen Ritualpartikeln sich nicht alle von uns aussetzen wollten. Ich jedenfalls hatte bald eine Technik einstudiert, die Sesam-öffne-dich-Arbeit anderen aufzuschultern. Einem anderen Kind, einer Bonbonnierekäuferin, einem Schokohurtigen, einem Diabetiker auf Selbstzerstörungstour. Irgendjemandem jedenfalls, der die honigfette Nuss für mich aufdrückte. Sobald ein Helfer nahte, stellte ich mich in die Nähe der Eingangsnische, studierte den Mannerbruch, zählte die heidelbeergeschmackigen unter den Hellerzuckerln oder dachte mir sonst eine Unauffälligkeit aus. Das hatte ich mir von den Bienen abgeschaut. Die zuckelten doch auch zögerlich vor den Kelchen herum, um mit ihrem Schwirren andere Bienen zum Blütenbesuch anzustiften. Diese Vorgänge wollen deshalb in aller Ausführlichkeit erzählt werden, weil zum Verständnis Bobovilles das Verständnis für die Abweichung gehört. Bobovillains sind am Ungleichartigen interessiert, nicht am Uniformen. Auch von diesen Vorgängen wollten die Blindheiten stammen, die in Kindermundhöhe in die Auslagenscheiben geätzt waren. Von den Häuchen der Wartenden. Von den perfide vor dem Kelch taumelnden Kinderbienen.

Und dann kam sie, die dicke Hummel im Hubertusmantel, die Tortensuchende, den Seppelhut aufs weiße Lockengebirge drapiert. Und die knirschknalldrückte mir die Türe zum Süßigkeitenjerusalem auf.

Von Innen, das will ich gerne zugeben, ließ sich die bestialische Türe so leicht wie geräuschlos manipulieren. Von Innen sehen alle Initiationsrituale lächerlich aus. So geräuschvoll der Eintritt war, so leise, so sakristeihaft still war es im Inneren des Bonbongeschäfts. Ein Zimmerchen, von einer L-förmigen Glastheke beherrscht. Keine von den Bonbonischen befand sich je bei Eintritt in ihr Reich hinter dieser Budel. Die Bonbonischen befanden sich in lauernder Stellung, in der Tiefe ihrer Geschäftsräume. Ich entwarf ein Bild von ihnen, wie sie auf rosaledernen Sofas, im Lichte schokoladenfarbener Stehlampen vollgeklebte Fußballbilderalben studierten und Eskimoeiskataloge, Keksbestelllisten ausfüllten oder auch nur die Kreuzworträtsel in der Zuckerbäckerinnungsgazette. Vielleicht schliefen sie auch auf großen Schaumrollen? Designschaumrollen gewiss. Aus der Carnaby Street. Im Lichte himbeersaftfarbener venezianischer Luster.

Wie auch immer, nach dem Vergehen einer guten Minute krabbelte eine der Bonbonischen aus ihrem Versteck, nach meiner Erinnerung eine kleine, dicke Frau mit blaukarierter Textilviertelschürze, die Leopoldstädter Friseurbesuchsfrisur im Haar, zur Zeit, in der meine Erinnerung spielt, war es das silberblau getönte Lockenhaupt. Die Frisur der Gegend war uniform, silberblaue Dauerwelle. Nur Frau Natiesta im dritten Stock unseres Hauses in der Schreygasse, einen Apfelbutzenwurf von hier Richtung Leopoldsberg, hatte weißgoldenes Haar.

Die Bonbonische war mürrisch, sie hatte dicke Hände wie die Babuschkas in der Ukraine, wie die Waldviertler Kartoffelbäuerinnen. Dicke, kurze Hände. Und mürrisch war sie. Alle Bonbonischen sind mürrisch, anders als mit militanter Mürrischkeit lässt sich ein Bonbongeschäft nicht führen. Die Mürrischkeit paarte sich mit Präzision. Der Bonbonischen konnte man die ungeheuerlichsten Listen vortragen. Mehrstellige Listen. Listen, die von 17 weißen Stollwerck handelten, drei Liebesherzen, zwei Fizzersrollen, zwei Bazooka-Kaugummi-Paketen, drei Kuverts Fußballbildern, zwei Schlangen, zwei Colaflascherln aus Gummi, einer Packung Brause Orange, einer Packung Brause Zitron, einem Leberknödel.

Die Bonbonische hatte im Kopf mitnotiert, und schon beim Ausklang des Wortes Leberknödel, oder was auch immer das Ende der Liste markierte, die Summe parat. Dreizehn dreißig. Mehr als Dreizehn dreißig überstieg so ein Großeinkauf im Bonbongeschäft nie, und es war immer eine Kombination aus Groschen und Einschillingmünzen. Und immer zahlten wir sofort. Nach Bekanntgabe der Liste. Erst dann grub die Bonbonische in den Details und schichtete mit einer Genauigkeit, für die sie Uhrmacher beneideten, unser Zuckerwerk in weiße Papiersäckchen. Mit denen man später, waren sie leer und aufgeblasen, einen bobovilleerschütternden Knall machen konnte. Mürrische Genauigkeit. Die lernten wir bei der Bonbonischen. So waren die mehrstelligen Listen ja auch zusammengestellt worden, durch mürrisch genaue Kalkulation von Zuckerlpreisen. Zehngroschenscheiben ließen sich gegen Stollwercke tauschen, Fünfziggroschenknöpfe gegen Fizzersrollen, Bazooka-Gums, Brausesäckchen und Gummilutschzeug. Nur die Panini-Fußballbilder waren in Schillingwährung geerdet. Und der dicke, fette Leberknödel, das Zweischillingmonster. Sein wuchtiger Preis folgte gestalterischer Logik. Nach dem Essen der Nougatbombe war der Kindermagen verklebt. Nicht mal Brause konnte dann den fetten Nougatleberknödel durch den Bauch spülen. Der Nougatleberknödel war der Gruftdeckel des Zuckerlgrabs.

Das Reich der Bonbonischen war im Gegensatz zu den anderen Geschäften auf der Insel auch an Sonntagen geöffnet. Manchesmal musste ich hier Sonntagsmilch für daheim einkaufen. Oder Sonntagskaffee. Oder Sonntagszucker. Die Bonbonischen verwahrten Milch auch an Nichtsonntagen in einem Geheimkühlschrank. Denn die Zuckerlgeschäftkonzession verbot 1968, im Jahr, als am Boulevard SaintGermain die Pflastersteine flogen, gewiss den Verkauf von ungezuckerten Nahrungsmitteln. Es war mir damals schon bewusst: Geschäft ist immer auch Verbrechen. Milch verkaufen, wo Milchverkauf verboten ist. Kaffee verkaufen, wo Kaffeeverkauf verboten ist.

Bei den Bonbonischen saßen manchmal Leute vom Grund. Ausgemergelte Gestalten bei einer Tasse schwarzen Mokkas, die sich vorgaukelten, bei den Bonbonischen etwas für die Gesundheit zu tun. Mokka und Underberg tranken sie, an einem Resopaltischchen sitzend, und auch wenn sie dabei keine Falk inhalieren durften und keine Ernte 23, war das für die Ausgemergelten gewiss so gesund wie Zuckerzeug für Kinderzähne.

Das himbeerkracherlrote Bonbongeschäft gegenüber von Herzls sozialistischer Dampfbügelei ist der Nabel von Boboville. Auch wenn andere Bobovillains von anderen Nabeln wissen wollen. Von Nabeln im Village oder im Marais. Oder Umbilicae in Castro, Mitte und Kreuzberg. Alles Quatsch. Der Omphalos von Boboville ist das rot gestrichene Bonbongeschäft gegenüber vom rosa Gemeindebau, der nach Theodor Herzl benannt ist. Gestern habe ich das Schreiben des Bobovillebuchs unterbrochen, um in einem hastigen Anflug von Bekümmerung in die Leopoldsgasse zu fahren und Nachschau zu halten, ob das Bonbongeschäft überhaupt noch existiert. Ich parkte vor dem rosa Gemeindebau, wie es sich für Bobovillains gehört, mit drei Rädern im Kriminal, auf der Bushaltestelle nämlich. Mein Schreck war groß. Das Bonbongeschäft existiert. Unverändert. Sogar die gelben Plastikbahnen in seinen Auslagen sind noch da. Etwas gebleicht von der Leopoldstädter Sonne.

Aus: Dusl, Andrea Maria: Boboville, Residenz Verlag, St. Pölten/Salzburg, 2008, pagg. 10ff.

Contessa

Gehe am Korso an einem Café vorbei, eine ältere Dame, Typus Contessa, jenseits der 80, weißblaues Haar, Gucci-Brille, sitzt beim Capucchino. Ich denke mir, coole Alte, hat das ganze Dekolleté voll mit Tätowierungen – alter Adel meets Rock’n’Roll. Dann rutscht mir die Brille von der Stirne. Alles ganz anders. Die Dame trug eine fleischfarbene Bluse mit blauen Floralmotiven.

DNA Test

Ich habe in den US of A eine DNA-Analyse von mir machen lassen (don’t try this at home!) und nach der bin ich zu 44% Hunter-Gatherer, zu 43% Farmer und zu 14% Metal Age Invader. Letzteres beruhigt und beunruhigt mich gleichzeitig.

Ethnisch (heikles Terrain) bin ich zu 99% Europäerin, zu 69% West- und Zentraleuropäerin, zu 26% Osteuropäerin und sehr seltsam: zu 4% Finnin. 

Als Cousins 3-5. Grades (niemand näherer) werden durchwegs mir völlig unbekannte Finnen, Schotten und Schweden gelistet. Nur einer ist dabei, den ich tatsächlich kenne. Keine Osteuropäer, keine Westeuropäer, keine Mitteleuropäer, keine Balkanos. Irgendwas stimmt da nicht. Es sei denn, ich wurde in der finnischen Botschaft in Paris ausgetauscht. Ich muss mal mit meinen Eltern sprechen. Leider sind sie schon tot.  

Comandantina und der Stern

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 14/2018 zum 4.4.2018.

Liebe Frau Andrea,
auf ihrer Homepage „Comandantina“ habe ich Ihr persönliches Symbol entdeckt, einen roten Stern. Zelebrieren und verharmlosen Sie hier überkommene und verkommene Ideologien?
Verwirrt, Dr. Ernst Hillarius Fröhlich, per Twitter-Direktnachricht

Lieber Dottore,

Symbole und Zeichen, aber auch Namen und Begriffe sind dem Gezeitenspiel der Bedeutungen unterworfen. Mal gehen sie unter, mal werden sie an Land geschwemmt, mal als Strandgut aufgelesen. Ich darf im folgenden die sehr persönlichen und kontingenten Ideengeschichten zu „Comandantina“ und dem „Stern“ berichten. Die Knappheit der Erläuterungen ist dem Platz geschuldet.

Der pseudonymisch mobilisierte Künstlername „Comandantina“ enstand im Februar 1997 in Havanna, Kuba. Die Begegnung mit der Geschichte Kubas hielt für das revolutionäre Personal der Insel den Kampfnamen „Comandante“ in ehrender Schwebe. Frauen waren allerdings keine Comandantes und wenn, wären sie als Comandanta bezeichnet worden. In satirischer Aufweichung des Begriffs habe ich die Endsilbe Tina dazugestellt, extrahiert aus „Tina Turner“, und erinnerlich aus Namen wie Bettina, Christina und Martina, wie Agostina, Albertina und Clementina, wie Costantina, Giustina und Valentina. Comandantina antwortete aber auch feministisch auf Titel wie Commendatore, Conte und Cavaliere.

Der rote Stern ist kein kommunistischer, wie mir Chefredakteure führender Boulevardmedien schon unterstellten, sondern der Flammende Stern der Freimaurer (die Venus in ihrem fünffältigen Lauf), tingiert in meiner Lieblingsfarbe rot, und ergänzt um die brennende Fackel der Aufklärung, einen Olivenzweig für die Friedlichkeit meiner Mittel und meinen Klarnamen für die Lauterkeit meiner Absichten. Das Spruchband ist mottolos, weil Texte immer wieder neu gefasst werden wollen. Aber der Stern!, fauchen die Chefredakeure führender Boulevardmedien trotz all dieser Erläuerungen. Und dann machen sie Urlaub unter der Flagge Kalifoniens, trinken Mineralwasser der Marke San Pellegrino und Bier von Heineken. Und wenn man sie genau befragt, geben sie womöglich zu, dass sie sich schon für eine Wohnung in der Rotensterngasse interessiert haben.

comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

Seltsamer Traum

Seltsamer Traum. In einem Hotel in der Provinz begegneten einander Madonna (Louise Ciccone) und ich. Vor einem Auftritt. Es ergab sich eine Melange aus Seelenverwandtschaft, Bewunderung des jeweilig Fremden und manifester körperlicher Anziehung. Es barg alle Verstörungen einer Affäre. Sehr seltsam. Weder höre ich Madonna noch tat ich das je absichtlich. (In Aussertraumland.) Undeutlich war das Setting in einer Art oberösterreichisiertem Kärnten verortet. Eine der Kellnerinnen des Hotels erzählte, sie sei in ihrer Jugend schreibend für den Residenzverlag tätig gewesen. Madonna war in mich verknallt, dies aber sehr verhalten, von gespielten Gleichgültigkeiten durchmischt. Sie sprach ausgezeichnet Deutsch, verbarg dies aber vor ihrem Personal.

AMD, FB 23. Januar 2018 12:04