Österreich hatte es niemals leicht. Nicht einmal sehr leicht. In allen Belangen der Vorbildlichkeit war es immer auf andere angewiesen. Schönbrunn war das kleinere Versailles, Groß-Deutschland die braunere Nation, die Schweizer hatten die bessere Neutralität. In kulturellen Belangen hat sich Nachkriegs-Amerika als Vorbild etabliert. Rock und Pop trällern auf US-Englisch, Business wird in der Lingo der Wallstreet betrieben, statt Direktoren sitzen CEOs in den Chefetagen, Bürohengste heißen längst Project Manager. Nur der Dompfarrer heißt noch so, wenngleich seine Attitude eher auf dem Felde der Californication grast.
Die letzte Bastion der Einheimischkeit war lange Zeit das Wetter. Mit den Ubers (früher sagte man Taxi) kommen die PAXe (früher sagte man Fluggäste) in die Airbnbs (früher sagte man Urlaubsquartier). Ihr erste Griff gilt der Remote Control der Air Condition (früher machte man das Fenster auf). Eine Klimaanlage ist längst kein Unique Selling Point mehr, sondern Imperative Must-Have in der Hospitality Industry (früher sagte man Gastgewerbe). Eisgekühltes wohnt jetzt nicht mehr in der Eistruhe beim Schnitzelwirt, sondern springt uns aus den Menus der Lokale entgegen (früher sagte man Getränkekarten). Statt Eiskaffee bestellen wir Frappuccino, Matcha Iced Latte, Mocktail on the rocks, Iced Americano, Cold Brew. Hinter den Tresen der Bars klunkern die Cubes aus den Ice-Makers.
Fehlt noch, dass die Temperaturen im Lande amerikanisch angesagt werden. Statt Hitzewellen werden wir von Heat Domes hören: „Temperatures für Saltcastle erreichen 100 Grad Fahrenheit. Southern Styermark stöhnt bei 110 Degrees.“ Barbecue Time!
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 30. Mai 2026.
