„Die Arbeit geht aus, wer geht mit?“ Der Spruch war in die Pulte von Gymnasialtischen geritzt, in die Bankreihen des Audimax, er wurde mit Kugelschreiber auf Mädchenjeans gemalt und prangte von den Klotüren der Studenten-Lokale. Irgendwann titelte Doppeldoktor, Club-Zwei-Moderator und Journalisten-Gewerkschafter Günther Nenning damit, in seinem Hausorgan, der legendären Diskursgazette FORVM. Vielleicht war es auch umgekehrt, so genau weiß man das nicht mehr. Die Mikrogedichte (heute würde man sie „Meme“ nennen) zirkulierten in den Siebziger- und Achtzigerjahren, einer Zeit poetischer Zügellosigkeit. Dem, was der kalifornische „Summer of Love“ des Jahres 1967, der Höhepunkt der Hippiebewegung ins graue Österreich gespült hatte. Der Scherzspruch reihte sich ein in ein ganzes Universum an launigen Einzeilern, die da kalauerten: „Lieber arm dran als Arm ab“, „Keine Macht für Niemand!“, „Lieber krank feiern als gesund arbeiten.“ Mit der beliebtsten Feriendestination der Zeit spielte „Ouzo statt Juso.“ Die Studentensprüche stammten aus der linken und autonomen Szene der sogenannten „Spontis“. Die hielten die „Spontaneität der Massen“ für das legitime revolutionäre Element der Geschichte.
Als ältester und weitest verbreiteter Spruch darf der Antikriegsslogan „Make love, not war“ gelten, Anfang 1965 von radikalen Aktivisten in Berkeley, Kalifornien in die Welt gesetzt, wahrscheinlich aber nur vom politischen Theoretiker Herbert Marcuse geklaut. Wer den dazu passende Spontispruch „Schreiben ist Silber, kupfern ist Gold“ ersann, harrt noch der Erforschung.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 8. August 2026.
