Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 11/2026 vom 11. März 2025
Liebe Frau Andrea,
ich bin ja nicht ganz von gestern, aber immer öfter stehe ich sozialmedial auf der Leitung. Was bitte (ich ahne es!) ist „ghosting“? Muss ich mich vor „breadcrumbing“ und „orbiting“ fürchten? Und wie gehen „benching“ und „firedooring“?
Bitte um explaining!
Liebe Grüße und lieben Dank!
Pauline Watzlawick, Villach, per Postkarte
Liebe Pauline,
die Digitalisierung unserer Beziehungen hat alte Verhaltensmuster ins Groteske aufgeblasen und neue etabliert. Der Social-Media-Hegemon Amerika und seine lingua franca, das US-Englisch hat eine Vielzahl von Begriffen für moderne Umgangsformen angelegt. Wir finden sie im Rahmen von online- und RL- (real life) „dating“, dem Kennenlernen von Personen, gemeinhin in der Absicht, eine romantische Beziehung oder eine „situationship“ einzurichten. Die Liste der „ingen“ ist lang und fokussiert meist auf Schiefgelaufenes.
Unter „breadcrumbing“, der schmerzhaften Fortsetzung von „love bombing“ versteht man das unverfängliche Streuen von Brotkrümeln, kleinen Portiönchen an Aufmerksamkeit und geradezu mikroskopischer Zuneigung. „Ghosting“ bezeichnet den plötzlichen und erklärungslosen Abbruch jeglicher Kommunikation, „slow fading“ oder „soft ghosting“ das langsame Ausbluten der Beziehung. „Ghoster“ bleiben im Rahmen ihrer sozialen Deformation in Kontakt, in dem sie „orbiting“ betreiben, der geghosteten Beziehung weiterhin folgen, vielleicht sogar „haunting“ betreiben, nach Abbruch der Kommunikation Stories, Beiträge und Postings beobachten, ja manchmal sogar liken.
Verstörend kann „submarining“, sein, das toxische Auftauchen nach langen Phasen der Funkstille. Direkt und unverblümt, als ob nichts passiert wäre, und „ghosting“ „orbiting“ und „haunting“ nie stattgefunden hätten. Als Sonderform des „submarining“ gilt das „zombieing,“ der Versuch Geghosteten vorzugaukeln, das Abtauchen wäre ein Missverständnis gewesen. Verletzend kann „benching“ (das Wahrmhalten der Beziehung auf der Ersatzbank) sein, richtig böse schließlich „firedooring“, die einseitige Beziehung, die sich nur meldet, wenn sie etwas braucht, ansonst aber unerreichbar bleibt.