Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 50/2025 vom 10. Dezember 2025
Liebe Frau Andrea,
meine in Oberösterreich geborene Mutter erzählte mir unlängst, dass keine der Damen aus ihrem Englischkurs das Wort Pumpernella als Bezeichnung einer nicht gerade erotischen – eventuell sogar langen – Unterhose gekannt hätte. Eine kurze Umfrage meinerseits in der Hochsteiermark ergab, dass sich gerade einmal einer an den lange zurückliegenden Gebrauch durch Wiener Feriengäste erinnerte. Woher kommt dieser schöne Ausdruck denn?
Liebe Grüße,
Beate Mayer, per Email
Liebe Beate,
die praktischen, aber weitgehend unerotischen Dessous sind dem Publikum älterer Semesterkohorten auch als Liebestöter bekannt. In der Regel wurden die ballonartigen, oft bis ans Knie reichenden Hosen nicht aus Gründen der Sexualattraktion angezogen. Frühere Zeiten sahen das übrigens anders, wie zahlreiche erotische Darstellungen beweisen. Im Englischen wird die besagte Hose als Bloomers bezeichnet. Das Mehrzahlwort reflektiert die Tatsache, dass Hosen immer als Paar bezeichnet verstanden wurden.
Die Etymologie der Pumpernelle (Wienerisch Bumpanölla) ist noch nicht hinreichend geklärt. Mit einiger Wahrscheinlichkeit haben sich Wörtlichkeiten vermischt, die das Thema tabureich umzukreisen. Die Botanik kennt den Kleinen Wiesenknopf (Sanguisorba minor), eine Pflanzenart aus der Familie der Rosengewächse (Rosaceae). Die Bauchigkeit seiner Blütenstände erinnert an jene der besagten Hosen. Diese Blume wird Pimpinelle oder Pimpernell genannt. Das „u“ kam wohl in die Pumpernelle, weil das Wienerische und seine provinziellen Ableger mit der bauchigen Hose das lautmalerische Pumpern (oder Bumpan) verband, das Geräusch undezent abgehender Winde. Anbumpan bedeutet in Wien überdies soviel wie anklopfen. Die glockenartge Form kennen die Wiener·innen auch von der Pummerin, der legendären Riesenglocke im
Nordturm des Wiener Stephansdoms.
Die winters wärmende, dicke Flanellhose, stets unter bauschigen Röcken getragen, ist mit dem Modeeinzug enger Jeans fast verschwunden. Manche kennen sie auch unter dem Namen Pumpinger. Ein Schelm, der dabei Assoziationen erfährt.
