Durch den Angstgarten strolchte der Zahlentarzan.
Kategorie: Dramolette
Strandkorb, Usedom. Wind.
DRAMOLETT
Strandkorb, Usedom. Wind.
Ring Ring.
DIECKMANN (greift zum Handy): Wo brennts?
NEHAMMER (aus dem Handy): Nehammer.
DM: Neue Chats aufgetaucht?
NH: Rechnungschhof. Dingsch. Vereine.
DM: Die Kleine vorschicken, die mit der Brille, Sachsheimer.
NH: Schachschlehner. Die Laura.
DM: Die Laura.
NH: Hamma schon.
DM: Dann den Clown.
NH: Hanger.
DM: Reinschicken.
NH: Wir brauchen was Groschesch. Kömma nochamal nach Moschkau?
DM: Schwierig, bin grad Urlaub.
NH: Preschekonferenzsch isch morgen.
DM: Rufen sie Vladi an.
NH: Telefonieren?
DM: Telefonieren.
NH: Worüber?
DM: Völlig egal.
NH: Was schag ich bei der Pekah?
DM: Irgendwas mit schwierig.
NH: Schwierig, wasch noch?
DM: Lage mitgeteilt.
NH: Wasch noch?
DM: Humanitär. Humanitär ist immer gut.
NH: Humanitär. Scher gut.
DM: Noch was?
NH: Dasch war allesch.
Vorhang.
Neue ungarische Gedicht
Oft schon hat im Parlament,
und auch sonst viel is erwähnt,
dass wann Mann von Ungarland
andre Mann gibt Bussihand,
auch wann küsst sich Altmarxist,
Orbánviktor böse ist.Übergetitelt:
Das Regenbogen is gefährliche Kurve.
Andrea Maria Dusl, 25. Juni 2021
BUKADRÖ und POTUS
Corona im Weißen Haus. Donald alleine im Spital.
Was wird jetzt aus dem Besuch des BUKADRÖ beim POTUS?
Explosive Trees
Dramolett
21. Februar 2019. Washington. Ein ovales Zimmer. Ein älterer Herr mit Toupet, ein junger Mann mit schöner Frisur. Beide sitzen auf Thronsesseln. Ein Fotograf mit zittrigen Händen macht ein Foto. Der ältere Herr mit Toupet und der junge Mann mit der schönen Frisur lächeln in die Kamera. Der Fotograf wird von einem Agenten nach draußen geleitet.
Junger Mann mit schöner Frisur (stolz, sieht dem Fotograf nach): Der Arno!
Älterer Herr mit Toupet: Donald!
Junger Mann mit schöner Frisur: Trump.
Älterer Herr mit Toupet: Same name, I like that.
Junger Mann mit schöner Frisur: No, no, same name. I just.
Älterer Herr mit Toupet (zu Büroleiter): Who’s the guy?
Büroleiter (gebeugt, flüsternd): Sebastian Kurds.
Junger Mann mit schöner Frisur: Kurz.
Älterer Herr mit Toupet: Coords?
Junger Mann mit schöner Frisur: Yes.
Älterer Herr mit Toupet: Whatever, great, so. What’s your job?
Büroleiter (gebeugt, flüsternd): Sebastian.
Älterer Herr mit Toupet: What?
Büroleiter (gebeugt, flüsternd): Sebastian.
Junger Mann mit schöner Frisur: Sebastian. Kurz.
Büroleiter (gebeugt, flüsternd, sieht auf die Uhr): 3 Minutes.
Älterer Herr mit Toupet: Well, great, Sebastian. So when did you enter college?
Junger Mann mit schöner Frisur: I’m the Bundeskanzler.
Älterer Herr mit Toupet (zum Büroleiter): What?
Büroleiter (gebeugt, flüsternd): He ist the young government guy I told you.
Junger Mann mit schöner Frisur: Hello. I have.
Älterer Herr mit Toupet: So where do you come from?
Junger Mann mit schöner Frisur: Ostria. Actually Waldviertel. Wood Quarter.
Älterer Herr mit Toupet: Wood Quarter?
Junger Mann mit schöner Frisur: Pendeling to Vienna.
Älterer Herr mit Toupet: What’s Wood Quarter? You live in the Woods?
Junger Mann mit schöner Frisur: Wonderful. Nature. Wood. Trees. Forest.
Älterer Herr mit Toupet: So you are taking care?
Junger Mann mit schöner Frisur: Everybody is taking care. In the Wood Quarter besonders. Espeschalli.
Älterer Herr mit Toupet: Bad thing, the wildfires. Bad thing. Terrible thing.
Junger Mann mit schöner Frisur: We have no wildfires.
Älterer Herr mit Toupet: No wildfires?
Junger Mann mit schöner Frisur: Zu feucht. Außerdem: We are managing the forest. The Bundesforste genauer gesagt. Exactly.
Älterer Herr mit Toupet: What?
Junger Mann mit schöner Frisur: Bundesforste. Everybody has the trees. Every Ostrian has the trees. It is the Bundesforste. I have the Bundesforste. My neighbor has the Bundeyforste, everybody has it. Bundesbesitz. All of us have the Bundesforste.
Älterer Herr mit Toupet: But no fires?
Junger Mann mit schöner Frisur: No fires. Rauchverbot.
Büroleiter (gebeugt, flüsternd, tippt auf die Uhr): Next appointment, Sir.
Älterer Herr mit Toupet (zum Büroleiter): Great guy, they all live in the woods. They have quarters in the woods. Cities!
(Zum jungen Mann mit der schönen Frisur): The trees don’t ever burn?
Junger Mann mit schöner Frisur: Only thing we burn is Raketen at Silvester (lacht kieksend). Alle zünden Raketen an. Explosives you know. But no burn trees.
Älterer Herr mit Toupet (schüttelt die Hand des jungen Manns): Explosive trees, but no fires. Great country.
Junger Mann mit schöner Frisur: Ostria.
VORHANG
Bezirksamt
DRAMOLETT
Bezirksamt, grüne Bezirksvorsteherin. Ich komme vom Wahllokal, will zum Pickerlreferat. Aus dem Foyer ein Ruf.
Stiller: Wohin?
Drei junge Männer hinter großen Tischen: Ein Stiller, ein Unscheinbarer und ein Knecht, Typ “Security Bobolokal”. Keine Corona-Masken.
Ich (durch die Maske): Pickerl.
Boboknecht: Was?
Ich (laut): Park Raum Bewirtschaftung. Pickerl.
Stiller: Geht nicht. Kann man nicht hin.
Ich (laut): Wieso? Ich war grad dort. Am Weg vom Lift.
Stiller: Da ist jetzt zuviel los.
Ich (laut): Da war nichts los.
Stiller: Da ist jetzt zuviel los. Da sind jetzt zuviele drin. Ausserdem sind zwei krank.
Ich (laut): Ich muss nur was fragen.
Boboknecht: Was müssen sie fragen?
Ich (laut): Ob mein Pickerl noch aktuell ist, oder ob sie wieder vergessen haben, mir den Zahlschein zuzuschicken.
Boboknecht: (händigt mir Zettel aus) Sie brauchen Anmeldung.
Ich (laut): Wo kann ich mich anmelden? (schaue auf Zettel mit Kontaktdaten des Referats Parkraumbewirtschaft).
Boboknecht: Anmelden geht telefonisch. Aber es wird niemand abheben.
Ich (laut, zum Stillen): Was soll das? Erst sagen sie mir, es ist grad viel los, deswegen kann ich nicht vorsprechen, dann sagen sie, man kann gar nicht vorsprechen, wegen Corona, und anrufen kann man zwar, es wird aber niemand abheben. Was ist das für eine Auskunft?
Boboknecht: Schreien sie nicht.
Ich (sehr laut): Ich schreie, wann ich will, ausserdem schreie ich, weil Sie mich mit Maske nicht verstehen. Sie können auch schreien, ich hab da nichts dagegen.
Boboknecht Wenn Sie schreien, rede ich mit ihnen nicht. Ich wollte ihnen einen Vorschlag machen.
Ich: Dann machen sie mir einen Vorschlag.
Boboknecht: Jetzt nicht mehr.
Ich (laut): Was soll das, wird das eine Machtdemonstration?
Boboknecht: Was bin ich, bin ich Regierung?
Ich: Nein, sie sind hier zuständig für Auskunft. Ich muss unter Umständen Strafe zahlen, wenn ich das Parkpickerl nicht verlängere. Verstehen sie das? Und sie machen hier Spiele und kosten ihre Macht aus.
Boboknecht: Ich rede nicht mit ihnen, wenn sie schreien.
Ich: Geben Sie mir jetzt Auskunft? Sie wollten mir einen Vorschlag machen. Machen Sie mir bitte einen Vorschlag.
Boboknecht: Nein, zu spät.
Ich: Wie, zu spät? Was soll das? Sie sind doch für die Bürger da.
Boboknecht: Zu spät.
Ich: Was ist das für ein Spiel?
Boboknecht: Wenn Sie nicht geschrien hätten, hätte ich ihnen einen Tipp gegeben.
Ich: Wie heißen sie?
Boboknecht: Datenschutz.
Ich: Zeigen sie mir den Dienstausweis.
Boboknecht: (schweigt).
Ich: Wie heißt Ihr Vorgesetzter?
Boboknecht: Bezirksvorsteher.
Ich: (gehe ungehindert Richtung Lift, wo auch das Pickerl-Referat läge, kehre aber um, weil der Satz mit dem Bezirksvorsteher ja ein Leger war, die Bezirksvorsteherin ist ja jetzt sicher nicht da.)
Ich: Sie haben doch einen unmittelbaren Vorgesetzten.
Boboknecht: Nein.
Ich: (wieder zurück bei den Tischen der Jungmänner): Was machen Sie hier eigentlich?
Stiller: Wir schauen, dass keiner hier reingeht ohne Maske.
Ich: Warum haben SIE keine Masken auf?
Boboknecht: Müssen wir nicht. (Maske liegt vor ihm). Geben Sie mir ihren Ausweis.
Ich: Zeigen Sie mir vorher ihren.
Boboknecht: Nein.
Ich: Sie werden Beton bekommen.
Boboknecht: (lacht) Sicher nicht.
Ich: Wieso brauchen sie meinen Ausweis?
Boboknecht: Ich gehe für sie rein, und mache einen Termin für sie aus.
Ich: Ich dachte, es ist niemand da. Und niemand darf rein?
Boboknecht: Ich darf.
Ich: Sie können doch für mich nicht einen Termin ausmachen! Sie kennen doch meinen Terminkalender nicht. Einen Termin kann ich nur selber ausmachen.
Boboknecht: Also sie wollen nicht.
Ich: Schon wieder so eine Machtdemonstration. Ich werde mich beschweren. Wenn sie mir Ihre Dienstnummer und ihren Namen nicht geben, werde ich ein Foto von Ihnen machen.
(hole mein Handy raus, mache KEIN Foto.)
Boboknecht: (baut sich vor mir auf, 2cm, keine Maske, drängt mich Richtung Ausgangstreppe): Verlassen Sie das Bezirksamt. Hau ab hier.
Ich gehe wortlos, ohne Information, ohne Vorsprachetermin, mit einem Datenzettel, der wertlos ist. Am Weg nach Hause rufe ich die Nummern am Zettel an: Niemand hebt ab.
VORHANG.
Straßenbahn
Dramolett.
Straßenbahnstation Ring-Börse. Frühling,
Samstagmittag vor dem Stadt-Marathon.
Wientouristin aus dem Schwabenland (starker schwäbischer Dialekt): Ach entschuldige sie mal, wann geht hier die Straßabahn?
Wienerin (ich): Da müssens da oben auf die Anzeigetafel schauen. Da oben, göb. Da steht immer ois, auf die Minute genau.
Wientouristin aus dem Schwabenland: Es ist aber aine Veranschdaltung.
Wienerin: Sie können trotzdem auf der Anzeigetafel da oben lesen, was los ist, wann was kommt. Ob überhaupt wos kommt. Mehr weiß ich auch nicht.
Wientouristin aus dem Schwabenland schaut nicht auf die Tafel: Jaja.
Wienerin: Was is, sans jetz beleidigt?
Wientouristin aus dem Schwabenland: Nainnain.
Wienerin geht weiter, entdeckt Informationstafel über Umleitungen wegen Veranstaltung: Da schauns her, da steht alles!
Wientouristin aus dem Schwabenland (unbeeindruckt): Jaja.
Wienerin: Was sans’n so ignorant?
Wientouristin aus dem Schwabenland sagt nichts.
Wienerin (schon aus der Ferne): Na daun woatst hoid.
Social Media Dramolett
8. April 2016
Andrea
Gestern saß da der NZZ.at-Ex-Presse-Haudegen F. im Bräunerhof. Ich nicke ihm freundlich zu, wie man das macht unter Kollegen, selbst, wenn man sich nicht mag. Keine Reaktion. F. sieht mich an, regt keine Wimper. Es gibt zwei Möglichkeiten. Er weiß nicht, wer ich bin. Dann ist er ein schlechter Journalist und unhöflicher Zeitgenosse. Zweite Möglichkeit: Er weiß, wer ich bin, dann ist er ein eitler, manierenloser Ungustl.
Irene
Ähnliches denke ich mir bei den Kollegen am Landl, grüße aber weiterhin höflich.
Katharina
oder völlig gedankenverloren – das passiert mir leider öfter und wird dann als arroganz verstanden.
Christof
Kann man die beiden Möglichkeiten auch kombinieren?
Andrea
Christof: Kurzsichtig und gedankenverloren?
Christof
nein, deine angeführten Kombinationen.
Andrea
Katharina, Robert: Ich bin selbst oft gedankenverloren und generell kurzsichtig, und im Rahmen dieser Kondition früher oft der vemeintlichen Arroganz geziehen worden. Ich habe mir daher angewöhnt, auf schieren Verdacht zurückzugrüßen. Dies weitergedacht, müsste F. ähnlicher Strategien entwickelt haben. Dafür gab es keinerlei Evidenzen. Ich werde ihn also in Zukunft nicht mehr nickend grüßen, weil dies a) sinnlos ist und b) unserem tatsächlichen Verhältnis entspricht.
Josef
Ist mir neulich am Schwedenplatz passiert. Du hast einfach durch mich durchgeschaut.
Andrea
Du mußt freundlich nicken! Und mich ansprechen!
Josef
Ich hab nur freundlich genickt und Serwas gesagt. Du warst aber in Gedanken, glaub ich.
Andrea
Bitte verzeih! Ich darf ins Treffen führen, dass ich ein netter Mensch bin und im Verteilungswettkampf auf der Seite der Verlierer stehe. Auch in dem der Aufmerksamkeit. Wann war das, Josef?
Josef
Vor 1-2 Wochen. Ich habs nicht persönlich genommen, keine Sorge.
Andrea
Eine Sorge weniger!
Stephan
Ein 1 A Popagandist der neoliberalen Zerstörung-komplett erfolglos siehe NZZ JOURNALISTENENTLASSUNGEN::::
Götz
Erlaube mir eine Erklärung in eigener Sache. Als Europa Stammgast mit dem Ecktisch im vorderen Bereich. Ich erkenne Menschen exakt und ausschließlich an den fünf mir Nahestehenden Tischen. Außerhalb dieser Distanz ist alles nur menschliches Plasma mit Matschgesichtern. Nehme kein Nicken und Grüßen wahr. Nichts Danke für die Aufmerksamkeit.
Andrea
Abstand war einen Meter. Aber egal. Ich sehe, das Thema polarisiert.
Andrea
Beziehungsweise: Ich polarisiere. Es gibt nämlich andere auch, die mich niemals grüßen. Neben mir stehende schon.
Andrea
Ich empfinde das dann als Kränkung. Was ich vielleicht nicht sollte.
Götz
Absolut verständlich. Es ist einfach sehr unangenehm wenn jemand einen Gruß zweifelsfrei und absichtlich nicht erwidert.
Ursula
Ich wiederum werde von an sich wohl erzogenen Menschen plötzlich nicht mehr gegrüßt, für die ich mal gekocht habe bzw. die bei mir zu Gast waren. DAS ist für mich ein ungehobelter Mensch. Der mag vielleicht aus einem ‚guten‘ Haus kommen, aber ein Zimmer hat gefehlt: Die Kinderstube.
Georg
ich tip auf beides
Corinna, Bestätigtes Konto
Ich kann das nicht einschätzen, bin aber ganz sicher, dass dich jeder denkende menschen in dieser stadt und jeder, der es sein möchte, gerne grüßen und kennenlernen würde. ich möchte an dieser stelle einen disclaimer anbingen: ich sehe nichts, trage aber keine brille. mein gesichtserkennungsradius beträgt ca 80 cm (also unterhalb der abstands-komfort-zone). und bin außerdem einer dieser menschen, die gedankenverloen mit dem mistsack in der hand bis zur endstation der ubahn fahren. meine augen sind dann nur staffage. ich grüße nicht und nicht zurück, und ich meine es wirklich wirklich nicht böse. es ist eher ein handicap.
Andrea
Aber wir erkennen einander doch auch in solchen Situationen! Und ich sehe auch nichts zwischen 45cm und und 120cm vor mir.
Andrea
Aber vielleicht ist es tatsächlich das Problem der Blindheit. Und F. ein zauberhafter Kollege.
Andrea
Und vielleicht ich die arrogante Gas.
Corinna, Bestätigtes Konto
haha
aber stimmt. ich seh schon manchmal leute und grüße sie. aber oft auch nicht, und ich hab urangst, dass sie dann denken, ich bin übergeschnappt. ich bin heute harmoniebedürftig und sage: alle sind zauberhaft, manche haben eben das eine oder andere handicap an ihren augen oder ihrer persönlichkeit.
Andrea
Ich habe generell Harmoniebedürfnis. So hat das ja angefangen. Vielleicht wäre Verrohtheit tatsächlich die bessere Handlungsanweisung. Auch in Hinblick auf lukrative Karrieren im öffentlichen Raum.
Brigitte
Liebe Andrea, dass einer grüsst, heißt noch lange nicht, das er kein obereitlter Ungustl ist
Andrea
Eh nicht, Brigitte. Aber auf Umgangsformen könnte man sich einigen. Ich ärgere mich ja nur über mich selbst, weil ich mir das freundlich Nicken hätte sparen können. Und zwar aus allen hier bisher vorgebrachten Gründen. Von der Kurzsichtgkeit, über die Gedankenverlorenheit bis zum Meschuggesein öffentlich zu Bekannter. Und dann frage ich mich, warum Aggression und manierenlose Halbeleganz bei Männern als Karrierefestiger fungiert. Ganz jenseits der hier dargstellten Person.
Andrea
Kann sein, dass das noch immer als Echo auf frühere Verhältnisse herumwandert. Ich werde das in Zukunft so halten, um schüchterne Kerlchen nicht zu verunsichern.
Andrea
Nana: Andererseits schreckt es mich immer, wenn Männer mir aus und in den Mantel helfen oder die Türe aufhalten. Nur im Einklang mit diesen Sitten liesse sich das Antwortgrüssen heute noch legitimieren.
Andrea
Nana, der Mann hat große Redaktionen geleitet. Und kleine. Und große und kleine Budgets. Der Mann tritt vor Publikum auf und ist Öffentlichkeit gewohnt. Verunsicherung sollte nicht zu seinen Defiziten gehören, auch wenn dies die Türe zur Liebenswürdigkeit öffnete.
Andrea
Es gibt noch eine Möglichkeit, an die ich aus Gründen überschießenden Narzissmus garnicht gedacht hatte. El Grande F. könnte mich für einen Fan gehalten haben und durch die unbekannte Freundlichkeit inkommodiert gewesen sein. Ich tendiere zu dieser neuen Variante. Mick Jagger hätte es nicht anders gemacht. Charlie Watts zumindest „Hi“ gesagt, wie mir Chris Duller aus einer asymmetrischen Begegnung mit dem Rolling Trommler berichtete.
Jill
grüßen tue ich aus prinzip schon einfach ‚mal alle zurück, die mich grüßen. alles andere käme mir sehr seltsam vor. es gibt bisher nur sechs ausnahmen, darunter zwei frauenschläger und zwei vergewaltiger. bemerkenswerterweise grüßen die mich immer.
Conrad
Zurückgrüßen wäre schon angebracht – ich mache das, wann immer mir auffällt, dass mich jemand gegrüßt hat. Aber wahrscheinlich bemerke ich es das eine oder andere Mal gar nicht. Beim Michael F. ist es mir auch mal so ergangen – an einem Vormittag in einem Lokal, in das ich sonst nie gehe. Denk ich mir halt: „No, der kennt mich nimmer. Werd ich verschmerzen.“ Ein paar Wochen später begegne ich ihm spätnachts auf der Straße, er grüßt mich zuerst, fragt freundlichst, wie es mir geht.
Er war halt das eine Mal unaufmerksam, das andere Mal aufmerksam. Ich kenn das von mir selber – und nehme an, dass mich auch manche für einen arroganten Dummkopf halten. Dabei bin ich meistens gar nicht arrogant, sondern nur ganz gewöhnlich dumm.