Kunst kommt

Durchsage. Liebe Kunsteinpfleger und Kunsteinpflegerinnen in all euren Kunsteinrichtungen und Museen, Feuilletons und Wochenendbeilagen. Das sitzt ihr und verwaltet Kunst, und das ist gut und mächtig und all das, was euch daran Spass macht. Und dann denkt ihr, in euren Kunsteinpflegebüros und Kuratoriensälen, Kunst muss gefallen und vor allem: Kunst muss euch gefallen. Oh nein, das muss sie nicht. Sie muss nur kommen. Zu euch, Kunsteinpfleger und Kunsteinpflegerinnen, kommen von den Künstlerinnen und Künstlerinnen. Die geben euch die Kunst und sagen, stellt das aus, rückt das ein, bringt das. Es muss euch garnicht gefallen. Es muss nur zu euch kommen. Und es kommt. Aber, da könnte ja jeder kommen, sagt ihr dann, voller Beurteilungsangst. Stimmt. Es sollte auch jeder kommen. Aber ich sage euch mit ernster Stimme: Habt keine Angst, Kunsteinpfleger und Kunsteinpflegerinnen, es kommen nicht alle. Denn alle, die kommen, sind die Künstlerinnen und Künstler. Mit ihrer Kunst. Wenn ihr die nicht bringt, nicht ausstellt, nicht einrückt, bringt das nur euch etwas, dann stellt ihr nur euch aus. Und ihr seid eines nicht: Künstlerinnen und Künstler. Seid also demütig und dienstbar und offen.

Song-Contest

Anschließendes zum Song-Contest. Die nationalstaatliche Zuordnung von Vortragskunst wäre grotesk, die alleinige Idee eines Wettkampfes von Kunstdarbietungen gaga. Es geht aber gar nicht um Kunst und Kampf, sondern um schlichte Unterhaltung. Der ESC ist eine Nummernrevue in Form einer gesungenen Modeschau. Ein bunter Reigen Horror.

Revolution und Gewitter

Früher dachten wir: Das Gewitter bringt die Kühle. Indes: Es ist umgekehrt, die Kühle bringt das Gewitter. So ist es auch mit der Revolution. Nicht diese bringt das Systemende. Sondern das Systemende die Revolution. Warten wir also auf das amerikanische Gewitter.

Andrea Maria Dusl, 3. Mai 2025

Es kracht zusammen

Diese Leute wurden uns als epochal vorbildlich gepriesen. Als Speerspitze neoliberalen Heils. Wirkliche, große Leistungsträger. Unerreicht. Mit der hohen Politik im ständigen Austausch. Jetzt krachen ihre Imperien zusammen wie Kartenhäuser. Bis zur Kenntlichkeit entstellt sind sie nun, die Bauriesen, Möbeltandler, Mopedhändler.

Andrea Maria Dusl, 7. November 2024

Trump 2.0

Niemand liebt die Schwachen und Benachteiligten. Nicht einmal die Schwachen und Benachteiligten.

Und die Rattenfänger pfeifen die Schwachen und Benachteiligten herbei, indem sie erfolgreich behaupten, auch benachteiligt zu sein: Vom Süstem, von der Ostküste, vom Weltverschwörungsbund, von der Medikamentenmafia, von den Osländern. Davon fühlen sich die Schwachen und Benachteiligten abgeholt. Vom Oberbenachteiligten, der verspricht, aufzuräumen.

Andrea Maria Dusl, 7. November 2024

Demokratie

Das wird man ja noch sagen dürfen, sagen sie. Das ist meine Meinung, sagen sie. Wir haben Meinungsfreiheit, sagen sie, wir haben Redefreiheit. Dann sagen sie das, was sie wirklich wollen, wen sie wirklich wollen. Den starken Mann, der es den Schwachen so richtig reinsagt. Den Parasiten und Faulen, den Schädlingen. Den starken Mann, der dann aufräumt, mit dem ganzen linken, woken, genderverseuchten Spuk. Der dem heimatblinden Gesindel zeigt, wo der Hammer hängt. Der starke Mann, der es sich verdient hat, der starke Mann zu sein, der starke Mann, den das Volk verdient hat, der für das Volk da ist, ganz und gar. Mit Haut und Haar und Bart. Der das Ohr am Volk hat. Tag und Nacht. Immerzu. Der starke Mann, der weiß: Demokratie ist schlecht für das Volk. Meinungsfreiheit ist schlecht für das Folk, Redefreiheit ist schlecht für das Volk. Ja, Freiheit ist schlecht für das Volk. Wollt ihr die totale Diktaur, fragt der Diktator dann das Volk, und das Volk, das noch schreien darf, das Volk das noch schreien kann, sprich: Das Volk, das dann schreien muss, schreit: Ja so ist es, Führer befiehl, wir folgen Dir.

Ja aber, sagen dann die Kritiker, der Führer, der Volkskanzler, die Sonne des Landes, das Jahrunderttalent, er ist doch demokratisch gewählt worden! Ja, das stimmt. Ein einziges mal ist er gewählt worden. Sobald er an der Macht ist, schafft er die Demokratie ab. Die freie Presse, die Versammlungsfreiheit, die Redefreiheit, die Gewaltentrennung, die freien und geheimen, und regelmäßigen Wahlen. Die Minderheitenrechte. Die Freiheit, die Gleichheit, die Gesellschaft. 

Es ist vielfach geschehen. Und es geschieht auch heute noch. Die Führer, die Verführer versuchen es immer wieder. 

Demokratie heißt, dies zu erkennen, dies zu benennen, die Abschaffung der Demokratie zu verhindern. Wenn es sein muss jeden Tag. Wenn es sein muss, durch jede und jeden von uns. 

Demokratie ist alternativlos.

Demokratie ist Leben – Diktatur ist Tod.

Andrea Maria Dusl, Wien, 7. August 2024

Paris · Olympia · 2024

Ich plädiere dafür, André Heller sämtliche Eröffnungsfeiern (und Abschlussfeiern) auf dem Globus gestalten zu lassen. Lückenlos. Auf Lebenszeit. Selbst die allerschlechtesten Ideen von André Heller sind um Potenzen besser als das, was üblicherweise, und auch heute zu diesen Themenfeldern inszeniert wird. Sollte André Heller etwas zustoßen, sollen Eröffnungsfeiern (und Abschlussfeiern) aus seinem zu Verwirklichungsfundus bestritten werden. Ich plädiere weiters dafür, Sportkommentaristik bei Eröffnungsfeiern mit lebenslangem Sprechverbot zu bestrafen. Weltweit. Aber besonders in Österreich.

Österreich-Werte

Aus gegebenem Anlass eine kleine Nachilfe für die Österreich-Werte-Kommission:

Schnitzel, Volksmusik, Osterhase, Krampus. Schifahren, Großglockner, Schnaps, Schönbrunn. Völlig irrelevant. Essentiell hingegen: Kenntnis und Bekenntnis zu:

Frauenrechten, Kinderrechten, Demokratie, Laizismus, Sozialstaat, Antifaschismus, Pluralismus, Wissenschaft, Republik, Gewaltentrennung, Menschenrechten.

An diesem Wertekatalog scheitern schon manche Einheimische.

Fehlleistung

Da habe ich doch gerade, in einer Art Freudscher Fehlleistung, statt von jemandes Trottelhaftigkeit zu sprechen, von dessen entgleister Eigentümerstruktur gesprochen.
Die Sprache der ökonomischen Verhältnisse dringt jetzt auch in die tieferen Schichten unserer Begrifflichkeiten vor. Dem gilt es Einhalt zu gebieten.

Plagiatsjagden

Da ich ja selber eine Dissertation geschrieben habe, ein paar Gedanken zu Plagiaten, Fehlern, Ungenauigkeiten.

Es gibt, aus guten Gründen, genau eine Instanz, die eine Dissertation bewerten kann und soll: Die Universität und stellvertretend für diese die beiden Betreuer·innen der Arbeit.

Nach Vorlegen derselben, wird unter Vorsitz einer dritten universitätsprofessoralen Person die Arbeit öffentlich und ausführlich hinterfragt. Defensio (Verteidigung) heißt dieser Vorgang. Er dient der öffentlichen Überprüfung, ob die Arbeit vom Dissertanten, von der Dissertantin selbst und redlich verfasst wurde.

Das akademische Leben sieht keine Plagiatsjäger vor, schon garnicht selbsternannte. Für die nachträgliche Prüfung und eventuelle Aberkennung erschwindelter oder sonstwie unredlich verfasster Dissertationen ist die Universität zuständig. Und nur sie. Wissenschaft ist auf die Expertise und Prüfung der Peers im jeweiligen Fach gegründet, nicht auf die Schnüffelei von freischaffenden Software-Anwendern.

Gleichwohl darf und muss jeder/jede jede Dissertation lesen und bewerten dürfen. Und dazu auch qualifizierte, ja sogar unqualifizierte Texte verfassen dürfen.

Die Existenzvernichtung und politmediale Besudelung von Promovierten durch fachfremde und selbsternannte „Jäger“ ist nicht vorgesehen.

Nachsatz: Die Geschichte der Menschheit kennt keine einzige fehlerfreie Publikation. Absolutheit ist Göttern, Monarchen und Faschisten vorbehalten.

Facebook-Feedback dazu:

Faschismus

Nicht vergessen. Faschismus ist immer auch ein großes Geschäft. Es paart sich also Sadismus mit Gier. Bei den Betreibern (Führer genannt). Für die Anhänger gibts Tand und Sand (in die Augen). Sadismus und Gier sind unheilbar. Dummheit nur in Maßen. Die drei dürfen also nicht miteinander zusammengehen.

Der Trottel mag den starken Mann

Merke:
Der Trottel mag den starken Mann, weil er fühlt, dass der starke Mann ja auch ein Trottel ist. Aber jetzt: Ein starker Trottel. Das gefällt dem Trottel, der ja immer auch ein schwacher Mann ist. Im starken Mann sieht er seine Wut gehört, sein Unglück verstanden. Um den Trottel zu halten, muss der starke Mann hetzen, wüten, Hass entfachen. Gilt weltweit. Von Hamas über Trump bis zum Vokaki.
Sei kein Trottel.

Was wäre der Tod ohne das Wienerlied?

Morgen Mittwoch 1. November 2023 bin ich im Radio Ö1 zu hören. 15:05h „Was wäre der Tod ohne das Wienerlied?“ Kollege Bernhard Eppensteiner hat die Sendung gestaltet. Die Strottern sind zu hören, Georg Kreisler, Franui und viele andere Kompetente. Enjoy!

https://oe1.orf.at/programm/20231101#737177/Was-waere-der-Tod-ohne-das-Wienerlied