Soviet Hero

Comandantina Dusilova

 by Andrea Maria Dusl

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Die Grenzen von Meinungsfreiheit und Kunst ::: Podiumsdiskussion

Martin Sexl im Gespräch mit
Andrea Maria Dusl und Roman Siebenrock

Montagsfrühstück. Forum für strategische Langsamkeit.

Eine Kooperation zwischen Literaturhaus am Inn
und der Abteilung für Vergleichende Literaturwissenschaft
der Universität Innsbruck

Montag, 2. November 2015
9-11 Uhr

Literaturhaus am Inn

Josef-Hirn-Straße 5, 10. Stock
A-6020 Innsbruck
Fax 0512/507- 45199
Tel. 0512/507-45014
Literaturhaus@uibk.ac.at

Der Anschlag islamistischer Terroristen auf das Pariser Satiremagazin Charly Hebdo im Jänner 2015 ließ die Diskussion über die Grenzen von Meinungs- und Pressefreiheit und von Kunst neuerlich aufflammen. Mittlerweile hat sich der Arbeitsalltag des neu gegründeten Redaktionsteams, das immer wieder mit Karikaturen des Propheten Mohamed und zu Muslim_innen Aufsehen erregt(e), komplett gewandelt: Das Team arbeitet hinter bewachten Türen, ein kugel­sicherer Schutzraum steht für den Ernstfall zur Verfügung. ­Geblieben sind jedoch die gleichen Fragen: Warum existieren für eine satirische Auseinandersetzung mit religiösen Themen (nach wie vor) Tabu-Zonen? In welcher Gesellschaft leben wir, wenn sich Künstler_innen, die sich mit diesen Themen beschäftigen, vor potentiellen Anschlägen schützen müssen? Woran liegt es, dass viele Gläubige in manchen (künstlerischen) Darstellungen eine „Verunglimpfung“ ihrer Religion sehen? Haben wir es bei Karikaturen von religiösen Themen und Figuren mit unangemessenen Darstellungen und Grenzverletzungen zu tun, die mit dem Argument der Meinungsfreiheit verkauft werden?

Univ.-Prof. Dr. Roman Siebenrock, geboren 1957, ist Professor für Dogmatik an der Theologischen Fakultät der Universität Innsbruck.

Univ.-Prof. Dr. Martin Sexl ist Leiter des Bereichs Vergleichende Literaturwissenschaft und Leiter des Instituts für Sprachen und Literaturen der Universität Innsbruck.

31. Oktober 2015

Arbeitsübereinkommen

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 31.10.2015.

Das Lexikon der Unaussprechlichkeiten hat einen neuen Begriff gewonnen. Koalition gilt neuerdings als Tabuwort. Die Oberösterreichische Volkspartei und die Freiheitliche Partei Oberösterreichs haben sich auf ein temporäres Bündnis verständigt und auf die Betonung der Sprachregelung, dass dieses Zusammengehen zum Zwecke des Regierens mit einem spezifischen Ausdruck bedacht wird: Arbeitsübereinkommen. Ein Übereinkommen die Arbeit betreffend. Die magischen Wortbestandteile, die diesen Pakt beschreiben: Arbeit; Über; Einkommen. Anders, als im Wortekrieg mit den Vertretern der Arbeitnehmer spricht die Partei des Volkes hier nicht von Leistung.

Es soll geabeitet werden. Aber wie? Miteinander? Gegeneinander? Aneinander? Voreinander? Hintereinander? Füreinander? Durcheinander? Und gelebt soll werden, wie in der Aussendung zum Übereinkommen betont wird. Zumindest “der Geist der Konzentrationsregierung”. Man werde mit allen im Landtag vertretenen Parteien zusammenarbeiten. Wie jetzt? Auch mit denen, mit denen es kein Arbeitsübereinkommen gibt? Oder gibt es unbekannte Arbeitsübereinkommen?

Zurück zum vorgestellten Papier. Insgesamt umfasst es 47 Seiten, ein Umfang, der alle überraschen sollte, die je eine Bedienungsanleitung zu einer Waschmaschine, einer Bohrmaschine oder sonst eines Arbeitsgerätes in Händen gehalten haben. Mit 47 Seiten kommt keine Anleitung aus.

Neben einigen Punkten wie den Budgets soll es eine "relativ weite Freiheit" bei den Entscheidungen geben. Das Wort “Freiheit” hat den Freiheitlichen gewiss zugesagt. Entscheidungen aber, das wissen dort nicht alle, fallen, Beschlüsse hingegen werden gefasst.

Wie es um die die Causa Prima steht, die Angst der Bevölkerung vor den Fremden und die Lust der Freiheitlichen an dieser Angst, wurde seitens der Arbeitsübereinkommenden auch bekanntgegeben. So weich das Arbeiten alle im Landtag vertretenen Parteien auch spülen mag: Eine härtere Gangart, so heißt es apodiktisch, werde bei der Integration eingeschlagen.

Ein. Geschlagen.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 31.10.2015.

31. Oktober 2015

Simmeringer Wasserleitung

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 45/2015 zum 4.11.2015

Liebe Frau Andrea,

neulich ist mir wieder die Redewendung "Deine Uhr geht nach der Simmeringer Wasserleitung" eingefallen. Nun gehen in Simmering nach der Wahl die Uhren tatsächlich etwas anders, aber der Spruch ist doch schon viel älter. Woher kommt er? Können Sie mir weiterhelfen?

Liebe Grüße,
Siegi Lindenmayr, Alsergrund

Lieber Siegi,

so einfach der Anwendungsbereich des Spruchs ist, so komplex ist die Fundlage zu seiner Herkunft. Es gibt zwar Wasserleitungen in Simmering, jedoch keine “Simmeringer Wasserleitung”. Zwar kannte schon das römische Wien komplizierte Wasserleitungen, bis ins beginnende 16. Jahrhundert versorgte sich Wien aber ausschließlich aus Hausbrunnen, die nach Überschwemmungen regelmässig verseucht waren oder unmittelbar neben den jeweiligen Senkgruben lagen. Die Wasserqualität war in der Regel gesundheitsgefährdend. Mit dem Bau der ersten modernen Wasserleitung, der Hernalser, wurde 1526 begonnen, 1553 folgte die Siebenbrunner Hofwasserleitung. Spätere Wasserleitungen waren die Schottenfelder, die Schönbornsche, die Albertinische, die Mariahilfer, die Dietrichsche, drei Liechtensteinsche (mit Quellen in Hernals, Währing und Döbling) und die Woebersche Wasserleitung (ihre Quellen lagen an der Ottakringer und an der Hernalser Hauptstraße). Das rapide Wachstum der Stadt dürstete nach mehr und besserem Wasser. 1870 wurde die Erste Wiener Hochqellwasserleitung (mit Wasser von Rax und Schneeberg) inauguriert. Die Zweite Hochquellenleitung (aus dem steirischen Hochschwabgebiet) ging 1910 an die Hähne. Wo aber ist unsere Simmeringer Wasserleitung? Es gibt keine. Dass damit die Wasserleitungen aus Kaiserebersdorf und Schwechat gemeint sind, die ein Hans Gasteiger 1568-1575 baute, um die Gärten des Schloss Neugebäude zu bewässern, ist unwahrscheinlich. Ein guter Kandidat für die Simmeringer Wasserleitung ist indes das Wasserwerk Moosbrunn, südlich von Favoriten und Simmering gelegen, und als III. Wiener Wasserleitung bekannt. Es sichert die Wasserversorgung der Stadt Wien in Zeiten höheren Wasserbedarfs und während der Wartung der Hochquellenleitungen. Das ist alle heiligen Zeiten einmal. Die Uhr kann man danach nicht stellen.www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

29. Oktober 2015

Herbst

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 24.10.2015.

Mit dem Herbst ist es so eine Sache. Er steht im Schatten prominenterer Jahreszeiten. Der Winter verzaubert mit Schneerennen und Schiflügen, und mit dem Geschenkefest zu Ehren von Ochs und Esel. Das Frühjahr macht sich mit Liebesdingen beliebt, mit dem Osternager und der Milde von Düften und Lüften. Der Sommer schenkt uns Ferien und Licht. Weltmeisterschaften, Olympische Spiele, Stadionrock.

Was kann der Herbst? Er deckt uns mit Wahlen und mit Arbeit ein, hustet uns ins Gesicht, nässt und nebelt, und kärchert uns die Gegend voll. Die kalten Schauer der Depression nennen wir Herbstverstimmung, das knöcherne Siechen im Alter den Herbst des Lebens. Dem Resultat dieser Vorgänge, der Toten und Untoten, wird zu Allerheiligen gedacht, der Nation nur kurz davor. Als läge sie darnieder, herbstkrank und temperaturmarod, vom Wind zerzaust und der Früchte beraubt. Abgeerntet, kahlgemäht, zu Ende gelesen. Wem drohte je die Winterverstimmung? Mit welcher Seelenqual ginge eine Sommerdepression einher? Fürchtet irgendwer die Frühjahrelegie? Sprechen wir vom Winter des Lebens? Springen Kinder und junge Hunde durch dessen Frühjahr? Nein. Immer geht es gegen den Herbst.

Dabei ist der Herbst eine gute Zeit. Eine wunderbare Zeit. Die Zeit der Ernte und des Dankes. Fassen wir zusammen: Die Sonne wandert wieder zu vernüftigen Zeiten über das Firmament (zu tropischen nämlich) und die Temperaturen erlauben das Tragen respektabler Mode. Fliegen und Gelsen haben ihr lästiges Geschäft beendet, Kaschemmen und Spelunken rufen zu kommunikatorischer Muße, das Bett wird vom Straflager zur Erholungsstatt.

Wer das saftige Grün sommerlicher Wälder und Wiesen preist, hat noch nie einen Indian Summer erlebt, wer das Juliblau eines Postkartenhimmels lobt, hat noch kein herbstliches Wolkenglühen gesehen. Gegen die klare Luft eines Spätoktobersonnentags kommt kein Mailüfterl an und keine abendliche Sommerbrise. Der Herbst, auch wenn die Nebel hoch hängen und der Hausbrand tief, ist eine schöne Zeit.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 24.10.2015.

25. Oktober 2015

Von aus und von aus jetzt

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 44/2015 zum 28.10.2015

Liebe Frau Andrea,

ich bin verwirrt. Ich habe gelernt zu sagen, “diese Buchbesprechung von 1999”, “dieser Bericht von 2008”, “dieses Musikstück von...”, aber im ORF heißt es nicht mehr so, auch in der Fachliteratur wird dauernd gesagt “aus 1999”, “aus 2008” etc. Bin ich als Exdeutsche völlig daneben oder hat sich da im Deutsch-Österreichischen etwas in den letzten Jahren geändert?

Ganz freundliche Grüße,
Mag. Marianne Wewalka, per Email
P.S. Liebe Ihre Kolumne sehr!

Liebe Marianne,

begeben wir uns kurz in die Niederungen der Deutschen Grammatik. Präpositionen (von lateinisch "praeponere", voranstellen) geben an, in welchem Verhältnis Personen, Dinge oder Vorgänge zueinander stehen. Diese Wortarten werden auch Verhältniswörter oder Beziehungswörter genannt, in der germanistischen Literatur firmieren sie zudem als “Fallfügteile” oder “Lagewörter”, österreichischerseits kennen wir sie als “Vorwörter”. Die Präposition “von” bezeichnet die Herkunft einer Person oder Sache - wenn damit ein lokales Verhältnis ausgedrückt wird, also etwa in einem Satz wie: “Ich ging von der Alserstraße in die Bräunerstraße”. “Von” kann aber auch temporal gebraucht werden - um damit eine bestimmte Zeitdauer und ihren Anfangspunkt zu bezeichnen. Ein Satz könnte dann lauten: “Von früh bis spät schreibe ich Falter-Kolumnen.” Gebrauchen wir die Präposition “von” modal, bezeichnen wir in der Regel Qualität oder Material einer Sache oder Person. Wir sagen dann: “Die Frage der Leserin war von großer sprachlicher Relevanz” oder “Der Tisch war von Holz gemacht”. Hier hat unser Gebrauch des Deutschen eine Wandlung erfahren, sagen wir doch (zumindest in Österreich) längst: “Der Tisch war aus Holz gemacht.” Und hier finden wir den Keim unseres Problems! Die Präposition “aus” kann bekanntlicherweise auch lokale Beziehungen präzisieren, etwa, wenn wir sagen: “Die Leserin nimmt den Falter aus ihrer Tasche”. In kausaler Bedeutung benennt die Präposition “aus” einen Grund: “Aus Lust an Erkenntnisgewinn vertiefte sich die Fragentante in Unbeantwortetes.” In der scheinbaren Austauschbarkeit der Verhältniswörter “von” und “aus” liegt unser Hund begraben! Dies schreibt Ihnen Dottoressa Dusilova in einer Antwort aus dem Spätoktober 2015. Geschrieben am Freitag, den 23ten von acht Uhr früh bis kurz nach Elf. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

23. Oktober 2015

Die Bim und ihre Farbe

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 43/2015 zum 21.10.2015

Liebe Frau Andrea,

hat das schon mal jemand geklärt, warum die Wiener Bim rot-weiß-rot angestrichen ist? Ist das nicht etwas zu nationalistisch?

Alexander Kloibmühlpointner,
Neubau, per Email

Lieber Alexander,

den Vorwurf des Nationalismus können wir, zumindest, was ihre Tingierungsstrategen betrifft, von den Wiener Linien nehmen (bis 1999 firmierten sie als Wiener Stadtwerke - Verkehrsbetriebe). Zwar gondelten schon unsere Urgroßeltern in Straßenbahnwägen durch Wien, die rot und weiß lackiert waren, deren Farbe kommt aber nicht vom Rotweißrot der österreichischen Fahne, sondern vom Wiener Wappen, das ein weißes Kreuz auf rotem Grund darstellt.

Wie die das Banner der republikanischen Schweiz und der Danebrog, das heiligmässige Fahnentuch der Dänen, das nach der Legende 1219 in einer Schlacht gegen die Esten vom Himmel gefallen ist, kommt das weiße Wiener Kreuz auf rotem Grund von der alten Reichsfahne des Heiligen Römischen Reichs. Da dessen Kaiser traditionell den Adler als Zeichen führten, lag bei Heerfahrten eine Verwendung des Kreuzbanners nahe, zumal dieses Zeichen dem Schutzpatron des Heeres zugeschrieben wurde, der schon im frühen Mittelalter als Anführer der himmlischen Heerscharen und Bezwinger Satans in hohem Ansehen stand.

Ist doch der Fahnenfarbenträger Wiens niemand geringerer als der Heilige Michael, hebräisch Mīkā’īl, genauer: Mi kamocha elohim, oder “Wer ist wie Gott“. Seit der Schlacht auf dem Lechfeld, wo am 10. August 955 die Ostfranken unter Otto dem Großen die Magyaren vernichtend besiegten, gilt der Erzheilige als Schutzpatron des Heiligen Römischen Reiches. (Zuletzt wird das rote Reichsbanner mit dem weißen Kreuz übrigens 1683 bei der Entsetzung Wiens gebraucht.) Die Wiener Strassenbahnen sind, zumindet der Farbe nach also Himmelsfahrzeuge und Satansbezwinger. Erzengelkutschen. Auch wenn der amtierende Bürgermeister damit nicht in direkten Zusammenhang gebracht werden kann: Michelbims. Das apokryphe 1. Buch Henoch beschreibt Michael als Führer und Lehrer, der Henoch unter anderem den Baum des Lebens, sowie “alle Geheimnisse der Barmherzigkeit und Gerechtigkeit, (...) alle Geheimnisse der Enden des Himmels und alle Behälter aller Sterne und Lichter“ zeigt. Also doch die Stadtwerke.
www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

17. Oktober 2015

Die Umfrage

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 17.10.2015.

Früher nannte man es “die Stimmung im Land”. Man deutete und gewichtete die Gespräche an Stammtischen, in Tabaktrafiken und Taxis, und schärfte damit die Einschätzung der politischen Großwetterlage. Wenn irgendwo in der Provinz gewählt wurde, maß man diesem Urnengang gerne das Gewicht einer Testwahl zu, verglich frische Wahlergebnisse mit früheren, zückte Millimeterpapier und Rechenschieber und füllte Zahlen in Tabellen. Mit viel Glück enstanden einfache Diagramme, mit denen die wenigen Parteizentralen des Landes Argumentationsnotstände sanieren konnten und Perspektivenschau betreiben. Das Augurenwerkzeug der Umfrage hatte sich noch nicht etabliert in Schnitzelland. Politiker entschieden aus dem Bauch, fragten ihre Haushälterin oder liessen sich von grauen Eminenzen treiben.

Mit dem Einzug der Marktanalyse in das Feld ökonomischen Handelns veränderte sich auch das Verständnis von politischer Strategie. Wähler wurden als Kunden erkannt, die es “abzuholen” galt. Die Marktforschung erweiterte ihren Kundenkreis um Presse und Parteien. Wahlwerber lernten von Waschmittelstrategen, Demagogen von Designern und Think-Tank-Denker von Trademark-Managern. Wer Staubsauger verkaufen konnte oder Sportlimonade, konnte auch Ideologie unters Volk bringen. Alles war nur mehr eine Frage der Zielgenauigkeit, und diese eine der richtigen Frage. Für die politische Kultur hatte das verheerende Folgen. Massnahmen wurden zu Verlautbarungen, Verlautbarungen zu Massnahmen. Den Diskurs bestimmten Umfragekaiser, politisches Gewicht wurde in Beliebtheitskurven gemessen. Die Nase hatte vorn, wer die bessere Daten in der Tasche hatte. Umfragen dienten nicht mehr der Politik, sondern die Poltik der Umfrage.

Das Wiener Wahlergebnis vom letzten Sonntag brachte einen Paradigmenwechsel auf diesem Feld: Umfragen und Prognosen haben die Genauigkeit von Lottotipps. Niemand weiss alles. Alle wissen nichts. Das hat auch etwas Gutes. Wahlen werden wieder geheim und frei. Und damit demokratisch.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 17.10.2015.

17. Oktober 2015

Zischen durch dies (4):

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16. Oktober 2015

So schaut's aus. Wienwahl 2015

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13. Oktober 2015

Freund und Zwetschkenröster

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 42/2015 zum 14.10.2015

Liebe Frau Andrea,

gelegentlich werde ich als “Freund und Zwetschkenröster“ angesprochen. Bitte, was hat die interpersonale Empathie mit der herbstlichen Obstverwertung zu tun? Freundschaft und Zwetschken – sind die nicht wie die unvergleichbaren Äpfel und Birnen? Mir ist nicht einmal klar, ob es sich um eine negative oder positive Konnotation handelt. Bitte um Aufklärung!
 
Josef Dollinger,
Neubau, per Email

Lieber Josef,

unsere Anrede ist österreichischer Herkunft und auch nur hier verbreitet. Semantisch schließt sie an Wendungen an, die den Kupferstecher (mein lieber Freund und Kupferstecher) und den Gesangsverein (mein lieber Herr Gesangsverein) inkorporieren. Es verbinden sich Momente des Warnens, Drohens und des verblüfften Erstaunens mit mahnender, aber wohlgesonnener Umarmung. Woher aber kommt die Redewendung? In seinen Werken Älpler (1886), Das Volksleben in Steiermark (1888) und Alpensommer (1908) beschreibt der steirische Waldbauernbub und Nationaldichter Peter Rosegger die verschieden Charaktere seiner Bergbauernheimat. Es werden der Dorfgeistliche, der Richter, die Hausfrau, die Zuchtdirn, der Einleger, der Gelehrte, der Winkeldoktor, der Lotterienarr, der Viehhändler, der Bratelgeier und zahlreiche andere Typen des Hochgebirges beschrieben. In der Wiedergabe einer Scherzpredigt, die ein Bauer in der östlichen Steiermark mit aufgeklebtem Kapuzinerbart zum Besten gibt, zitiert Roseger den verkleideten Gebirgsgeistlichen mit dem satirischen Eröffnungsstatement: “Geliebte Zuhörer, Zwetschkenröster und Schafscherer!” Eine Variante dieser Geschichte kennt die “Geliebte(n) Zuhörer, Zwetschkenröster und Gassenkehrer!”, zwischendurch eingeschoben werden “meine lieben Zuhörer, Schuhflicker und Kohlenstörer!” Die Begrifflichkeiten stellen sich in eine Tradition von Faschingsreden und Schmähpostillen. Gemeint ist mit dem Zwetschgenröster also nicht das kompottartige Beigericht zum Kaiserschmarrn sondern der Dörrzwetschgen röstende Bergbauer. Die Frage nach der Autorenschaft der Redewendung muss die Roseggerforschung beantworten, mit einiger Berechtigung ist an die weitgehend dokumentarische Wiedergabe von Originalzitaten aus Zeit und Millieu zu denken.

www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

12. Oktober 2015

Mahlzeit

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 10.10.2015.

Oft genug tritt uns die Europäische Union als Übermutter entgegen, schilt uns und verbietet, nimmt uns Zigarettenrauch und Dieselruss, Glühbirnen und Gartenfrüchte, eiert herum in Fragen der Menschlichkeit, schlägt den Esel, wenn es den Sack meint, und gibt sich unredlich Mühe, ein Bild innerer Zerissenheit und äusserer Konturlosigkeit zu bieten. Bisweilen schafft die Union aber auch Mögliches und erfindet Dinge. Respektive findet Dinge. Soeben hat die Europäische Union das Insekt gefunden. Mittelmeer und Atlantik sind leergefischt, Rinder gasen zuviel aus, Eier wollen bodennah gelegt werden und Schweine glücklich leben. Den traditionellen Proteinlieferanten sollen neue Edibilitäten zur Seite gestellt werden. Asien und Afrika ernährt sich schon seit langem von essbaren Kerbtieren.

In Nachtalkoholikerkreisen ist der Wurm schon länger drin. Seit 1950 sind die Freunde des mexikanischen Agavensprits Meczkal mit den Schmetterlingsraupen der Art Aegiale hesparidis und Hypota agavis vertraut. Ein gewisser Hacopo Lozano Páez hatte herausgefunden, dass Meczkal aus raupenbefallenen Agavenblättern besser schmeckt, als der aus unbefallenen. Aus dem Marketinggag, einen Agavenwurm in jede Flasche einzulegen, wurde ein Alleinstellungsmerkmal.

Bei den Vokabeln Allein, Stellung und Merkmal sollte Österreich hellhörig werden. Darf man Vorschläge machen? Wie wäre es mit Sliwowitz mit eingelegter Pflaumenwicklerlarve? Wie mit Zirbenschnaps con Kiefernrüsslerraupe? Welchem Obstler stünden welche heimischen Fruchtbohrer zu Geiste? Eine Konsultationsindustrie könnte Ursprungsregionen definieren und Gschmacksbezirke etablieren. Auf geht’s!

Auch in der Kochkunst kann die österreichische Gourmetindustrie dem essbaren Insekt mit Zuversicht begegnen. Werden wir bald gebackene Heuhupfer essen? Mehlwurmsulz? Panierte Zitronenfalter? Geröstete Hirschkäfer im Brunnenkressebett? Welcher Gourmetgau wird als erster rüstiges Raupenschlemmen anbieten, Genussurlaub am Grillenhof und Kochkurse für Käferfreunde? Das Wanzenparadies Weinviertel? Die Libellenheimat Lunz? Das zikadenreiche Zillertal?

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 3.10.2015.

10. Oktober 2015

Mach mir Macheloikes

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 41/2015 zum 7.10.2015

Liebe Frau Andrea,
Nina und ich haben gestern “Schauplatz Gericht” geschaut. Da hat eine Schrebergartenbesitzerin in der Donaustadt das - anscheinend Altwiener - Wort "Machaloites" verwendet. Der Obmann mache “Machaloites“, oder so ähnlich. Ein herrliches Wort, zu dem ich keine Informationen finde. Können Sie mir weiterhelfen?

Beste Grüsse vom Praterstern,
Joseph Gepp, Leopoldstadt

Lieber Joseph, liebe Nina,

in die laufende Debatte zwischen Schrebergärtnerinnen, Obmännern und Schauplatzkibitzen wollen wir uns nicht einmischen, wohl aber in die Klärung der Begriffe. Das von Ihnen gehörte und seither gesuchte Wort lautet nicht “Macheloites”, wohl aber sehr ähnlich, nämlich “Macheloikes”. Die lautmalerische Silbenfolge zirkuliert in der Bedeutung “Machenschaften”, “Betrügereien”, “unlautere Praktiken” und ist tatsächlich Bestandteil des Altwiener Sprachschatzes. Trotz seiner Ähnlichkeit mit den deutschen Vokabeln “Machen”, “Macht” und “Machenschaften” (das gaunersprachliche “machen”, etwa “eine Bank machen” bedeutet ja das Begehen einer Tat) hat unser Begriff keinen germanischen, ja nicht einmal einen indoeuropäischen Ursprung. Wie viele Ausdrücke im Wienerischen kommen die Macheloikes aus dem Jiddischen. Dort bezeichnet “machlójkeß, machlokes, machlaukes” familiensprachlich den Streit, die Streiterei, den Zank. Wie aus den häuslichen Zores (jidd. Sorgen, Leiden, Unglück) die Chuzpe (jidd. Unverschämtheit, Frechheit) einer korrupten Handlung, gewissermaßen illegaler Reibach (von jidd. rewach, Weite, Vorteil, Gewinn) wurde, ist noch Gegenstand sprachwissenschaftlicher Untersuchungen. Der Ausgang von Macheloikes ist auch für Gojim nicht selten die Mechulle (von jidd. mechule, verdorben), also der Bankrott. Meschugge (jidd. verrückt) wäre, wer beim Begehen von Macheloikes das Mischpet (jidd. mischpot: Gericht) oder gar das Mackelbajes (jidd. makel: Stock, Prügel; bajis: Haus), schlicht das Gefängnis nicht fürchtete. Es sei denn, er hätte Massel (jidd. Glück) und wäre nur mit der Mischpoche (jidd. Familie), den Mechutten (jidd. Verschwägerte) oder dem Meschuttef (Gesellschafter, Compagnon) in Konflikt und müsste nur um Mechiele (jidd. mechila, Verzeihung) bitten. www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

4. Oktober 2015

Wählen in Österreich

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 3.10.2015.

Ein fundamentales Missverständnis führt zu dem trügerischen Befund, Wahlen in Österreich wären Ausdruck einer Willenskundgebung, die in die Zukunft gerichtet ist.

Ein Irrtum.

Wer in Österreich wählt, gibt niemals den Auftrag, das Kommende zu gestalten. Jede Wahl in Schnitzelland und jede abgegebene Stimme darin, (ja sogar jede nichtabgegebene), ist Ausdruck einer Rückwärtsgewandtheit. Österreich schreitet rückwärts in die Zukunft.

Naturgemäß stolpert es dabei, stösst an, geht in die Irre. In einem Amalgam aus Intuition und Berechnung tragen dem die Leitartikler und Meinungsführer Rechnung. Alle. Sie arbeiten, auch wenn sie anderes behaupten, stets der Vergangenheit in die Hände, (niemals der Zukunft, noch seltener der Gegenwart), stellen diese dar, rühren darin um, panschen sie zusammen. Auch die Parteien und ihre Strategen gehen nichtsehenden Auges durch die Zeit. Wenn sie denn überhaupt Strategen beschäftigen und nicht bloß Verwalter gescheiterter Konzepte. Davon ahnt das Volk etwas, manchmal alles, zieht aber die falschen Schlüsse. Es wählt, das hat Tradition, Machthabende ab, bestraft die Erfolglosen, dezimiert die Moderaten. Wahlsieger werden jene, deren Erfolg den Abgestraften den größten Schmerz zufügt.

Die Gründe für diese sadomasochistische Mechanik liegen tief in der österreichischen Vergangenheit. Stecken wie ein Kloß im Urschlund katholischen Absolutismus’. Das Land, das keine einzige Revolution erfolgreich gestemmt hat, außer die Gegenreformation, ergibt sich sprachloser Wut und selbstmitleidiger Opferpermanenz. Wem verwehrt ist, eine Stimme zu haben, weil das Land zwar die Veröffentlichung kennt, nicht aber die Öffentlichkeit, der spricht mit dem Wahlzettel.

Gibt Stimme. Gibt Stimmen.

Diese Stimmen sind Anklage, Urteil und Strafe zugleich. Strafe Strache muss sein. Zum Leitgedanken wird der tragische Witz: Geschieht dem Vater ganz recht, dass ich an den Fingern friere, was hat er mir keine Handschuhe gekauft.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 3.10.2015.

3. Oktober 2015

Grant Turismo Iberico

Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 40/2015 zum 30.9.2015

Liebes Internet, "wie schafft es das Café Bräunerhof, immer die grantigsten Kellner anzuheuern?” - Florian Klenk, Twitterversum.

“Da trage ich Schuld. Ich schätze die Grantigkeit der Bräunerhofkellner sehr und bestärke sie. Bin gegen siasslnde Kellner.” - Andrea Maria Dusl, ebendort.

“Liebe Frau Andrea, woher stammt eigentlich das Wort Grant? Ihr Leser, Internet.”


Lieber Leser aus dem Internet,

willkommen im Gesprächstechnikum von These, Antithese und Synthese. Auf der Suche nach dem Grant werden wir nicht nur im Innenstadtcafé Bräunerhof fündig, sondern auch bei seinem launischen Stammgast Thomas Bernhard, der diese überaus Wienerische Befindlichkeit wie eine Exoprothese einzusetzen wusste. In anderen Gegenden als der Bitterwelt Bernhards wäre der Grant eine Sünde wider das Miteinander, im Wien der Ichleidenden ist er nicht die Krankheit, sondern sein Remedium. Wer in Wien grantelt (und nur hier lässt es sich granteln), der ist schon auf die sichere Seite therapeutischer Sinnstiftung gekrochen. Der Grant ist tiefgefühlter Ausdruck ehrlichen Ringens um Güte. Man hüte sich, befinde man sich in Wien, vor der Lüge der Freundlichkeit.

Eine beliebte Herkunftshypothese will den Grant, die Miene gewordene Unzufriedenheit, in den Gesichtern der spanischen Granden ausmachen, die Wien im Zuge der habsburgischen Imperialexpansion aufsuchten. Nach dieser Erklärversion hätten die Wiener die blasierten und übelgelaunten iberischen Aristokraten als grandig, grantig wahrgenommen und die höfische Bezeichnung für die Hohen Herren flugs zur Vokabel für hiesige Stimmungswetterlagen gemünzt. Nur um Nuancen wahrscheinlicher ist eine Wortherkunft vom althochdeutschen “grintan”, das nicht belegt ist und dem ein altenglisches “grindan”, mit den Zähnen knirschen, zur Seite gestellt wird. Mit größerer Sicherheit kommt der Grant aber vom oberdeutschen “grennen”, weinen. Hier schliesst unser heute noch verwendetes Greinen an, das lautmalerisch noch stärker dem Weinen ähnelt, und das leise in sich Hineinflennen meint, ursprünglich aber wohl - wie das verwandte Grinsen - jegliche Form des Mundverziehens bezeichnete. Wir fassen zusammen: Einzig der Grant ist Glückes Garant.
www.comandantina.com dusl@falter.at Twitter: @Comandantina

27. September 2015

Zwischendurch dies (3):

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27. September 2015

Angstfidel

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 26.9.2015.

Seit Wochen das selbe Lied. Die einen haben Angst vor Flüchtenden. Die anderen haben Angst vor den solcherart sich Ängstigenden. Deren Furcht wird verstärkt durch die Angst vor jenen, denen Flüchtende keine Angst machen und die ihnen Mineralwasser und Babynahrung zustecken. Die sie vom magyarischen, slowenischen oder kroatischen Erdboden auflesen und mit dem Auto in Sicherheit bringen. Und dann zum Zug. Die sie im Gästezimmer schlafen lassen, ihnen ein Abendessen kochen, ein Frühstück gar. Die ihnen Schuhe schenken, ein Stofftier und eine regendichte Jacke.

“Invasionskollaborateure” werden die Helfenden neuerdings geheissen und sind doch nur Menschen. Gute Menschen. Normale Menschen. Menschen, die mit ihren Ängsten produktiv umgehen. Die Handeln statt zu hetzen.
Das darf nicht sein. Und weil Hetze auch ein Geschäft ist, ist Gutsein böse. Denkt das jemand durch in Kicklland? In einer Welt, in der Helfende “Invasionskollaborateure” sind, wären Feuerwehrleute “brandlüstern”, Ärzte “Krankheitsprofiteure” und Angehörige von Pflegeberufen “zuneigungspervers”. Die blaue Liste gutmenschlichen Versagens liesse sich beliebig fortsetzen.

Dass die Flüchtenden von Angst getrieben werden, spielt für die Ansässigen und Anständigen naturgemäß keine Rolle. Weil nicht sein darf, was offensichtlich ist, sind die Ankommenden und Durchreisenden Täuscher und Tarner. Und wenn schon Mineralwasser und Babynahrung zuviel des Guten sind, wie der Überfremdungsdiagnostiker meint, dann erst recht Gefühle der Angst. Angst ist was Inländisches, sagt der Strachist, der Flüchtling hat das nicht zu haben. Ist er doch kein solcher, sondern nur trügerischer Wirtschaftsmigrant. Seine Sehnsucht ist das Schlaraffenland. Hier will er sich breit machen, hier will er sich in die Hängematte legen, den Sozialstaat auszutzeln, sich mit Kind und Kegel gemütlich machen. Auf Kosten der Ansässigen, der Anständigen und Arbeitswilligen.

Der Strachefeldzug ist in vollem Gange. Keine Angst. Nur Angstlosigkeit wird ihn stoppen. Und Menschlichkeit.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 26.9.2015.

26. September 2015

Invasions-Kollaboration

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21. September 2015

Willkommen!

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Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 19.9.2015.

Wenn es dick kommt, kommt es immer ganz dick. Schulanfang wäre ja schon so ein dickes Ding, oder der Beginn der parlamentarischen Saison. Oder der Herbsteinbruch. Aber jetzt kam auch noch der Flüchtling. Und er kommt weiter.

Im Land der Gulaschkessel war der Flüchtling nicht ganz willkommen, er musste sich durch Stacheldrahtverhau kämpfen und Bekannschaft machen mit verwirrenden Wegmarkierungen, umgeleiteten Zügen und Konzentration in Lagern. Zu essen gab es Hingeworfenes, die Hotellerie beschränkte sich auf feuchtherbstlichen Pusztaboden. Das stolze Volk der Magyaren fühlte sich bedrängt von der fremden Gästeschar. Ihr Beherrscher, der Fürst der Tiefebene, Viktor Orbán, handelte. Und mal handelte er auch wieder nicht. Sein ständiger Umgang mit christlichsozialen Freunden aus demokratisch weiterentwickelten Ländern hat sein Gespür für Unrecht und Unordnung nur unwesentlich verbessert.

In der Stracheldrahtpartei des Herbert Kickl wuchs ihm indes ein starker Mentor zu. Zustände wie in Ungarn seien dringend zu vermeiden, hiess es von blauer Seite, auch Österreich müsse eingezäunt werden, sprach der Hazeh und seine Gefolgschaft dankte es ihm mit Applaus und Affirmation.

Orbánische Verhältnisse liess das Österreich der Nächstenliebe nicht aufkommen, die Zivilgesellschaft übernahm die Bahnhöfe, richtete Schienenersatzverkehr ein und übte sich in international bewunderter Wilkommenskultur.

Jetzt haben die bayerischen Freunde Viktor Orbáns die Reißleine gezogen. Um das maßvolle Miteinander auf Europas größtem Alkoholikertreffen nicht durch Ankommende aus durchstrudelten arabischen Verhältnissen zu inkommodieren, hat der Ministerpräsident von Bayern die Grenzen dicht gemacht und die Oktoberfestung ausgerufen. Wenn die halbe Welt anreist, um sich auf der Wiesen volllaufen zu lassen, soll die andere halbe Welt nicht in warmen Zügen und kuscheligen Bahnhöfen sitzen und dort Mineralwasser schlucken. Auch der Flüchtende soll die bayrischen Wiesen kosten. Die grüne Grenze ruft. Es kommt dick.

Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 19.9.2015.

20. September 2015

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