Comandantina bei „10 Jahre FM4-Ombudsmann“ ::: Showtime

Hosea Ratschiller

10 Jahre FM4 Ombudsmann

Ein Festakt
28. April 2016
Stadtsaal Wien
Beginn: 20 Uhr
www.stadtsaal.com
http://fm4.orf.at/

Vorab: Im Rahmen des Festakts trete ich mit einem kleinen Spektralausschnitt meines Gesamtwerks – ausgewählte Aufwühlungen aus „So geht Wien!“ auf. Dabei werde ich Diamanten und Smaragde meiner Essaykunst zum Funkeln bringen. Kommet und lauschet und teilt die Freude!

Nun Näheres:

Zum Dienstjubiläum gratulieren: der Champion Austrofred, die vagabundierende Indie-Supergroup Nowhere Train, Bauern-Rebell Petutschnig Hons aus SchlatzingDie Sterne-Frontman Frank Spilker sowie die Wissenschafts-Boygroup Science Busters – wer nichts weiß, muss alles glauben! Online-Satire-Shootingstar Stefanie Sargnagel, Journalist und Clown Klaus Werner-Lobo, Polemiker und Fußballexperte Martin Blumenau, Autorin/Filmemacherin/Zeichnerin Andrea Maria Dusl sowie Schriftsteller und Satiriker Richard Schuberth.
Die Laudatio hält ein EU-Kommissar.

Vor Ort vorhanden: buntes Unterhaltungsprogramm, Erfrischungen, radikale Gedanken.

Mitzubringen: gute Laune.

***10 Jahre FM4 Ombudsmann – Ein Festakt***
28. April 2016
Stadtsaal Wien
Beginn: 20 Uhr
www.stadtsaal.com
http://fm4.orf.at/

Obacht, ORF-Weltrekord! Der „FM4 Ombudsmann“ ist die langlebigste tägliche Satire-Sendung in der Geschichte des Österreichischen Rundfunks. Seit 2006 beantwortet der charmante Universalgelehrte jeden Morgen die Fragen seiner lieben Hörerinnen und Hörer: „Was ist Liebe?“, „Wer rettet Europa?“, „Wieso ist schon wieder nix G´scheites im Fernsehen“ oder „Wie böse ist der Mensch wirklich?“

Die Rolle des inbrünstigen Greises mit granitener Allgemeinbildung erfüllt Kabarettist Hosea Ratschiller mit Leben. Konzept und Texte für bisher weit über 2000 Ausgaben „FM4 Ombudsmann“ entwickelte Ratschiller in Zusammenarbeit mit Martin Puntigam. Die Fangemeinde von Wiens unbestechlichstem Volkstribun reicht weit über Österreichs Grenzen hinaus. Die gesammelten Satiren sind in Buchform erhältlich, die „FM4 Ombudsmann Dienstreise“ wurde 2012 mit dem Österreichischen Kabarettpreis ausgezeichnet.

Wassermair sucht den Notausgang XIII

Wassermair sucht den Notausgang – comandantina hilft dabei

Gespräch zu Politik und Kultur in Krisenzeiten
Sendetermin: Dienstag, 19. April 2016, 13.00 Uhr
Gast: Andrea Maria Dusl
Die Sendung war per Live-Stream auf dorf TV zu sehen und ist hier abrufbar: https://dorftv.at/video/24673

 

In der dreizehnten Ausgabe der Sendereihe auf dorf TV ist Andrea Maria Dusl zu Gast. Die Comandantina tritt gerne auch als Buchautorin, Kolumnistin, Zeichnerin, Filmemacherin und Kulturwissenschafterin in Erscheinung – und inspiriert damit politische und mentalitätsgeschichtliche Diskurse.

Im Mittelpunkt des Gesprächs stehen u.a. Fragen, wie mit Veränderungswillen den politischen Realitäten am besten entgegentreten, inwieweit identitäre Volkstribune für die satirische Kritik eine Herausforderungs darstellen und warum die Sozialdemokratie noch immer Hoffnung auf Erneuerung verdient.

Andrea Maria Dusl, geb. 1961 in Wien; lebt in Wien und San Francisco; Bühnenbild-Studium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien; Dissertationsstudium der Philosophie an der Universität für Angewandte Kunst in Wien; Magistra Artium; Doktorin der Philosophie; Universitätslektorin an der Angewandten; Spielfilm: „Blue Moon“ (Locarno-Wettbewerb, 2001, Großer Diagonale-Preis); Publikationen: „Die österreichische Oberfläche“ (2007), „Boboville“ (2008), „Channel 8“ (2010), „Ins Hotel konnte ich ihn nicht mitnehmen“ (2012). „So geht Wien!“ (2016). Essays, Kolumnen und Zeichnungen v.a. für Falter, Standard, Salzburger Nachrichten.

http://wassermair.net/media/notausgang_190416/

https://dorftv.at/video/24673

 

Divide et impera

Der Pegida-Dolm, die AfD-Schantalle, der Heimatpartei-Koffer und die Obergrenzen-Schastrommel sind den Flüchtenden und Asylsuchenden soviel näher, als sie ahnen. In ihrer finanziellen Not, in ihrem Ausgeliefertsein, in ihren Möglichkeiten. Damit sie sich nicht verbünden, werden sie aufeinander gehetzt. Divide et impera. It’s as easy as that. Brotneid und üble Spiele.

Zero* Hotels ::: East Village 2B

NYC-Room-East-Village.jpg
Meine romantische Bleibe im Summer of 94. New York City. East Village. 2nd Ave B. Natural Born Killers spielten gerade im Kino. T-Shirts mit dem Abschiedsbrief von Curt Cobain hingen frisch bedruckt an den Touristen-T-Shirt-Ständen. Das T-Shirt, das ich trug war schwarz und drauf stand in weissen und gelben Buchstaben:

WELCOME TO NEW YORK
NOW LEAVE.

Es war warm und der Sommer im Village roch süsslich, mal nach Asphalt, mal nach Gift, mal nach den Reifen eines Muscle-Cars. In der früh weckte mich die Sonne, die über den East River strich, oder ein Anruf von Triebl, der beim Höller Klaus in der der 35ten in einem Dachappartment mit Blick aufs Empire State Building logierte und in der früh immer einen Bagel oder zwei brauchte. Der Bagel-Bring-Walk vom East Village nach Midtown dauerte genau zwei American-Spirit-Zigaretten, die es bei einem Pakistani Ecke Stuyvestant/St.Marks gab. Damals rauchte ich noch. Die Twin Towers standen nütz herum und niemand gab einen heck about ihnen. So war das.
Am Fensterbrett lag in der früh immer schwarzer Staub.

Angstschweiß

Andrea Dusl, 6b
4. Schularbeit (zweistündig), geschrieben im Frühjahr 1978, da war ich 16 Jahre alt.

„Die Angst des Tormannes beim Elfmeter?“
„Die Angst des Angeklagten vor dem Urteil?“
„Die Angst des Delinquenten vor der Guillotine?“

Angst und Angst und Angst! Drei verschiedene Situationen – drei verschiedene Menschen – drei verschiedene Ängste!

Der Tormann: Ein Sportler, ein Mann, dessen Aufgabe es ist, seinen Körper zu beherrschen. Er ist für dieses Spiel auserwählt worden, weil er der beste, weil er derjenige ist, dessen Körper am besten gehorcht. Er hat die besten Augen, die beste Reaktion. Er hat sich geschult, seinen Körper und seinen Geist. So, wie ein anderer lernt, mit  einer Maschine, hat er es gelernt, mit seinem Körper umzugehen. Es ist nebensächlich, in welchem Spiel, wo und wann. Denn es ist eine Situation eingetreten, in der Millionen auf ihn blicken. Die einen hoffen, daß die Angst ihn einen Fehler machen läßt. Ein Fehler genügt! Die anderen hoffen darauf; daß seine Erfahrung, seine Reaktion, sein  Selbstbewußtsein die Angst besiegen. Sie hoffen auf seine Routine, vertrauen auf sein Können. Er hat Angst. Die Ehre der Mannschaft, einer Nation steht auf dem Spiel. Von ihm hängt ab, wer gefeiert wird, wer in Schmach davonziehen muß. Sein Körper ist der Brennpunkt von Millionen Augen. Wird er den Ball halten? Wird er ihn früh genug sehen? Doch daran denkt er nicht. Er denkt an die Angst. Die Angst ist sein Gegner. Wird er gewinnen?

Der Angeklagte: Ein Gesetzesbrecher, ein Mann, der etwas Unrechtes getan hat. So sagt es das Gesetz. Vielleicht hat er nicht anders können. Vielleicht zwang man ihn dazu. Lenkte ihn ein Trieb? Versuchte ihn Geld? Forderten ihn Haß oder Liebe? Er glaubt unschuldig zu sein. Er fühlt sich keiner Schuld bewußt. Er hat es getan. Er hat seine Gründe gehabt. Würde er sich schuldig fühlen, er hätte keine Angst. Wer hat Angst davor, belohnt zu werden? Für eine Sache, mit deren Belohnung man einverstanden ist? Eines Verbrechers Belohnung ist anderer  Natur. Er weiß das, weiß, daß er bestraft werden wird. Doch womit, wie, wann, wielange, wie hart, … wozu …? Er ist unsicher, und Unsicherheit macht Angst. Eine eigenartige Angst, die sein Zwerchfell zusammenzieht, die seine Hände rosig-rot und feucht werden läßt. Er hat Angstschweiß! Seine Hände zittern. In einigen Sekunden wird sich der Schweiß auf seiner Stirne in Erleichterung aufgelöst haben, oder er wird mit Tränen gemischt werden. Auch er ist ein Mensch. Die nächsten Sekunden werden über sein Leben entscheiden. Er hat Angst, sehr, sehr große Angst!

Der Delinquent: Ein Mensch, der sein Leben verspielt hat. Ihm liegt nur noch an den letzten Zügen einer Zigarette. Er hat anderer Menschen Leben zerstört, er weiß das, man weiß das. Man hat gefunden, daß er kein Recht hat weiterzuleben. Viele Ängste hat er in seinem Leben schon ausstehen müssen. Er sollte das gewöhnt sein, Angst zu haben. Er hat Schlagzeilen gemacht, man kennt ihn, haßt ihn, verachtet ihn. „Das Scheusal“, sagen sie. „Mörder, Schwein!“ – „Die Leute sollen reden!“ Was hat er zu verlieren: Nur ein Leben! Wäre es denn noch ein Leben, sein Leben? Warum also Angst vor dem Sterben? Trotzdem hat er Angst, die größte Angst seines „Lebens“. Angst davor, anders zu sein, tot zu sein. Nicht der Tod ist das Schreckliche. Die Ungewißheit. Leben nach dem Tod? Er glaubt nicht daran, aber wer weiß? Angstschweiß tritt aus seiner Stirne. Die Zigarette ist feucht, dort wo er seine Finger hat. Man hat ihm die Hand freigelassen; die Linke. Raucht sich gut an der Linken!“ In ein paar Sekunden wird die Angst weg sein. Der Schweiß wird kalt werden. Man wird ihn vergessen. Nicht gleich! Aber die Angst wird sofort weg sein. Die Angst der Leute vor ihm ist schon längst geringer geworden. Seine Angst wird sofort vergessen sein. Seine Todes“-Angst!

Dreimal Angst also! Dreimal anders! Dreimal große Angst! Man kann nicht sagen, was Angst ist. Man muß sie fühlen; dann, wenn man nicht daran denken will.


Abgedruckt in: Jahresbericht des Bundesgymnasiums Wien 9 (Wasagymnasium) über das Schuljahr 1977/78, Herausgegeben von Direktor Dr. Erich Rebholz. Unter Mitarbeit von Hilde Leitgeb, Prof. K. H. Ribisch und Prof. Dr. Sepp Redl. pagg.

Klasse: 6b, 4. Schularbeit (zweistündig):
1. Kriemhild und Lady Macbeth – zwei „vâladinnen“.
2. Angstschweiß!
3. „Wer seine Schranken kennt, der ist der Freie, wer frei sich wähnt, ist seines Wahnes Knecht.“ – Ein Dichterwort, des Überlegens wert.
Prof. Dr. Kurt Schlintner

Download des Scans: Angstschweiß