Kategorie: Comandantina-Zitate
Plagiatsjagden
Da ich ja selber eine Dissertation geschrieben habe, ein paar Gedanken zu Plagiaten, Fehlern, Ungenauigkeiten.
Es gibt, aus guten Gründen, genau eine Instanz, die eine Dissertation bewerten kann und soll: Die Universität und stellvertretend für diese die beiden Betreuer·innen der Arbeit.
Nach Vorlegen derselben, wird unter Vorsitz einer dritten universitätsprofessoralen Person die Arbeit öffentlich und ausführlich hinterfragt. Defensio (Verteidigung) heißt dieser Vorgang. Er dient der öffentlichen Überprüfung, ob die Arbeit vom Dissertanten, von der Dissertantin selbst und redlich verfasst wurde.
Das akademische Leben sieht keine Plagiatsjäger vor, schon garnicht selbsternannte. Für die nachträgliche Prüfung und eventuelle Aberkennung erschwindelter oder sonstwie unredlich verfasster Dissertationen ist die Universität zuständig. Und nur sie. Wissenschaft ist auf die Expertise und Prüfung der Peers im jeweiligen Fach gegründet, nicht auf die Schnüffelei von freischaffenden Software-Anwendern.
Gleichwohl darf und muss jeder/jede jede Dissertation lesen und bewerten dürfen. Und dazu auch qualifizierte, ja sogar unqualifizierte Texte verfassen dürfen.
Die Existenzvernichtung und politmediale Besudelung von Promovierten durch fachfremde und selbsternannte „Jäger“ ist nicht vorgesehen.
Nachsatz: Die Geschichte der Menschheit kennt keine einzige fehlerfreie Publikation. Absolutheit ist Göttern, Monarchen und Faschisten vorbehalten.
Facebook-Feedback dazu:
Faschismus
Nicht vergessen. Faschismus ist immer auch ein großes Geschäft. Es paart sich also Sadismus mit Gier. Bei den Betreibern (Führer genannt). Für die Anhänger gibts Tand und Sand (in die Augen). Sadismus und Gier sind unheilbar. Dummheit nur in Maßen. Die drei dürfen also nicht miteinander zusammengehen.
Comandantina-Jahresend-Rätsel
Der Trottel mag den starken Mann
Merke:Der Trottel mag den starken Mann, weil er fühlt, dass der starke Mann ja auch ein Trottel ist. Aber jetzt: Ein starker Trottel. Das gefällt dem Trottel, der ja immer auch ein schwacher Mann ist. Im starken Mann sieht er seine Wut gehört, sein Unglück verstanden. Um den Trottel zu halten, muss der starke Mann hetzen, wüten, Hass entfachen. Gilt weltweit. Von Hamas über Trump bis zum Vokaki.Sei kein Trottel.
Was wäre der Tod ohne das Wienerlied?
Morgen Mittwoch 1. November 2023 bin ich im Radio Ö1 zu hören. 15:05h „Was wäre der Tod ohne das Wienerlied?“ Kollege Bernhard Eppensteiner hat die Sendung gestaltet. Die Strottern sind zu hören, Georg Kreisler, Franui und viele andere Kompetente. Enjoy!
https://oe1.orf.at/programm/20231101#737177/Was-waere-der-Tod-ohne-das-Wienerlied
Die Erinnerung
Die Erinnerung ist eine mächtige Herrscherin in einem seltsamen Reich. Wirsch und unbelehrbar, so gefürchtet wie geliebt.
Comandantina 22.9.2023
Comandantina Fakten
Comandantina-Vulkanismus-Faktum. Anzahl der Vulkane, auf denen ich schon oben war: 1. Name der Vulkane auf denen ich schon oben war: Mount Hood, Oregon.
Comandantina-Maritimal-Fakten. Anzahl der Meere, in denen ich schon geschwommen bin: 7. Namen der Meere, in denen ich schon geschwommen bin: Ostsee, Nordsee, Tyrrhenisches Meer, Adria, Ionisches Meer, Atlantik, Pazifik.
Super. Normal.
Früher war super gut. Supermann, Superbenzin, Superkleber, Superfunkycalifragisexy.
Jetzt soll normal der große Renner sein? Wer will das? Der Normalmann will das. Superkraft: Normalgeschwurbel. Oder richtiger: Normalkraft Supergeschwurbel.
Unsere Leute
Aus gegebenen Anlässen ein paar Klarstellungen.
c) Ich bin nicht “normal“.
b) Ich bin nicht Teil des “Volks“.
a) Wenn Andreas Babler von “unseren Leuten“ spricht, dann meint er selbstverständlich auch mich.
Gentechnik
Für alle, die sich vor den Genen fürchten. Gene, Leute, sind überall. In der Supermarkt-Karotte, in der Bio-Erbse, im gesunden Schnitzel. Bei jedem Kuss werden fremde Gene übertragen. 2 kg fremdes Genmaterial lebt permanent in und auf uns. 2 fucking Kilogramm. Ganz normal. Seit Anbeginn, seit Adam und Eva. In den gesündesten, ungeimpftesten Inländern. Was erst abgeht bei Geschlechtsverkehr, kann man sich denken. Falls man das kann.
Das Denken.
Schönreden
Seit ich denken kann, habe ich mir die SPÖ schöngeredet. Vor allem ihr Frontpersonal. Den Leider-Nein-aber-später-dann-doch-Millionär Androsch, den Bankdirektor Vranitzky, seinen Sekretär Klima, den Magister Kern und die Promovierten Gusenbauer und Rendi-Wagner. Alles nur aus vorauseilender Exkulpations-Neurose. Um die Vorsitzenden und Kanzler aus der argumentativen Schusslinie zu bekommen. Immer war der „bürgerliche“ Vorwurf im Raum gestanden, die „Sozi“ hätten keine Ahnung von Wirtschaft. Seien Träumer und Spinner, rote Gfrieser, zuletzt Gsindel und jetzt Marxisten. Doktoren, Direktoren, Diplomkaufmännern, Bautenstadträte. Mit denen tun sich die Schwarzen schon schwerer, dachte auch ich. Bis jetzt. Und so durften die Direktoren, Diplomkaufmänner und Bautenstadträte, sobald sie regierten, die furchtbarsten neoliberalen Blödheiten mittragen. Nur um den volatilen Fetisch Akzeptanz zu bedienen. Wem gegenüber eigentlich? Den Reichen gegenüber, und, wie wir inzwischen wissen, den Huren der Reichen. Wer die sind, wissen wir. Sie melden sich gerade im Minutentakt. Keine Matura heißt es jetzt, keine Ausbildung, keine Erfahrung, nur Träumereien im Schädel, der kleine Bürgermeisterwappler.
Ende Gelände, Babler ist der erste, den ich mir nicht schönreden muss, weil er schon lange das sagt und das tut, was mir das Herz wärmt. Und nicht nur mir.
Besorgte
Man solle Trotteln, die FPÖ wählen, nicht mehr Trottel nennen, weil sie sich diskriminiert fühlen und noch mehr Trottel dazu überreden FPÖ zu wählen, beziehungsweise sich bestärkt fühlen in ihrer Wahl und so weiter und so fort. Okay, mach ma. Ich nenne die Trottel ab jetzt nur mehr „besorgte Bürger von überragender Intelligenz“. Auch Politiker, die mit der FPÖ koalieren, sind ab jetzt keine Trottel mehr, und kein gewissenloses Drecksgesindel, sondern „besorgte Verantwortliche mit großer Redlichkeit“. Versprochen.
Strenua
Back from the hatter
Andrea AI
Millionenshow
Es gibt die Millionenshow – für Normalos, und die Promi-Millionenshow – für Promis. Das ist zuwenig. Was ist mit Millionären und Milliardären? Die haben keine Show? Ich schlage also die Millionärs-Millionenshow, und die Milliardärs-Milliarden-Show vor. Eventuell sogar die Milliardärs-Billionenshow. Halt mit einfacheren Fragen und mehr Hilfe vom Moderator. Als Telefonjoker Minister, Landeshauptleute und Bundeskanzler. Wie im echten Leben auch.
Fran Lebowitz und Martin Scorsese
Adoptieren geht ja nur in eine Richtung, also von Alt nach Jung. Das ist maximal ungerecht. Ich habe keine Eltern mehr und werde auch keine mehr bekommen, was sehr traurig ist. Ich möchte also Eltern adoptieren. Und zwar Fran Lebowitz und Martin Scorsese. Wer die beiden auf Netflix gesehen hat, wird mich verstehen.
Klimek
Durch den Angstgarten strolchte der Zahlentarzan.
Bundespräsidentenwahl. Wen ich wählen werde
Wie war das damals, beim letzten mal? Es gab einen wichtigen Grund, damals, 2016, den grünen Kandidaten Alexander van der Bellen zu wählen. Beim Stichwahlgang der Bundespräsidentenwahl 2016, und dann, bei der Wiederholung dieses Wahlgangs. Zweimal hab ich seinen Namen auf einen Stimmzettel geschrieben. In Schönschrift. Damit ja nichts passiert, oder falsch gezählt wird. Falls es um jede Stimme ginge. Eventuell meine.
Alexander van der Bellen schien vielen (auch mir) ein Garant dafür zu sein, dass Schwarzblau nicht an die Regierung kommt. Bei seinem Kontrahenten war das nicht so klar, im Gegengeil, der meinte, wir würden uns noch wundern, was alles ginge. Er hat recht behalten, der seltsame Herr Hofer. Wir haben uns sehr gewundert, was alles ging.
Alexander van der Bellen hat Schwarzblau angelobt, Gymnasialabsolvent Kurz als Kanzler angelobt, Kickl als Innenminister, Strache als Vizekanzler und mit ihnen die ganze messagekontrollierte Familie, die Huren der Reichen, wie sich sich intern nannten. Präambel (wie unter Klestil) gab es keine. Abgelehnte Minister auch nicht. Ich habe das nicht vergessen.
Es war bald zu erkennen: Realpolitisch war es sinnlos gewesen, Hofer zu verhindern, weil Alexander van der Bellen das exakt selbe gemacht hat. Es war ein Zeichen, ihn zu wählen. Mehr nicht. Denn Alexander van der Bellen hat Schwarzblau angelobt. Und wir haben uns alle sehr gewundert, was alles ging.
Jetzt könnte man sagen, ja, er hat nicht anders können. Das stimmt, er hat nicht anders können. Hin und wieder hat er was gesagt, mit seiner großväterlichen Stimme, wir sind nicht so, oder so sind wir nicht, schon vergessen, wie der Spruch ging, solche Sachen hat er gesagt. Ja, aber er war doch ein linker Präsident in der Hofburg! Ja, so geht der Spin, aber der Spin ist falsch. Er geht von der irrigen Idee aus, die Grünen seien Linke. Sie sind keine Linken.
Ja, aber er hat doch die Grünen in die Regierung gebracht, post Ibizam, und zugelassen, ja vielleicht sogar eingefädelt, dass Strache fällt und nachher, dass Kurz geht, mit Hilfe vieler Gespräche. Alexander van der Bellen hat hinter den Tapentüren so vieles eingefädelt. Ja, so geht der Spin.
Und jetzt sind die Grünen in der Regierung, das ist doch gut! Ja, sieht man an vielen parlamentarischen Abstimmungen, wie da der Hase läuft. Ja, aber die Umwelt! Stimmt, die Grünen haben Windräder in den westlichen Bundesländern aufgestellt. Zu tausenden inzwischen, sie haben Tempo 100 auf der Autobahn eingeführt. Sie haben die Energiepreisspirale gekappt. Sie haben durch kluge Gesundheitsminister (drei an der Zahl) Corona gebannt. Gräben zugeschüttet! Sie haben Vermögensteuern eingeführt, die Besteuerung der Milliardenvermögen. Nun. Das haben sie nicht gemacht. Weil sie keine Linken sind.
So, und jetzt gehts wieder ans Wählen. Diesmal werde ich den Alexander van der Bellen nicht wählen.
Ich werde Dr. Dominik Wlazny wählen.
Österreichs Souveräne
Österreichs zwei Souveräne: Die Liftkaiser und die Klangschalenschwurbler.
Andrea Maria Dusl, 26. 7. 2020
Ostern im Vintage-Kabinett
Logo-Time
Ich habe ein bißchen in der Vintage-Kiste gespielt.
Wien, Wien, nur du allein …
Auf der Suche nach dem Kern des echten Wieners.
Gespräch mit Andrea Maria Dusl über Verzwergung und Attitüde, Sprache, Schwergewichte und Humor.
BARBARA HUTTER, Salzburger Nachrichten vom 13. November 2021, Kultur/Leben, Seite 9.
„Es gibt keine echten Wiener.“ Ein bisserl schlucken muss man schon bei dieser kategorischen Verneinung. Weil: Schön war’s schon, im Ausland immer sagen zu können, ja, ich bin eine Wienerin, ja eine echte. So was. Vor allem bei den deutschen Nachbarn kommt das ziemlich gut. Wien, hach! Aber Befindlichkeiten beiseite, die Person, die das eingeboren Wienerische so ganz generell in Abrede stellt, muss halt schon als Fachfrau, ja wenn nicht gar Autorität auf diesem Gebiet respektiert werden. Andrea Maria Dusl, aus alteingesessener (gilt das?) Wiener Großbürgerfamilie mit schwedischen Episoden, Kulturwissenschafterin, Autorin und Zeichnerin, Kolumnistin in Falter, Standard und vor allem in den „Salzburger Nachrichten“, diese kleine Eigenwerbung darf sein, sagt also auf die Frage, ob es so etwas wie echte Wiener gebe: „Nein.“
Na gut. Dusls Expertise lässt sich durch drei Bücher belegen, „Wien wirklich!“, „So geht Wien“ und „Wien für Alphabeten“. Und, wenn man so will, auch ein viertes Buch, „Boboville“, das sich allerdings mit einer Teilmenge der Wiener und Wienerinnen befasst, wenn auch einer wachsenden. Wien, das ist ein ewiger Zuzug. Manche bleiben hier, andere ziehen wieder weg.
Die Historie zählt sie auf: Die Ziegelböhm’, nach dem Ersten Weltkrieg dann die Altösterreicher aus Triest, Czernowitz und Reichenberg, später die Gastarbeiter, erst vom Balkan, dann aus Anatolien, in letzter Zeit die laut Dusl „unintegrierbaren“ Deutschen. Ein hartes Urteil. Über das man gleich ins Grübeln kommt. Dusl hat eine Theorie: „Alle, die hierherkommen, lieben diese Stadt.“ Vielleicht hat ja sogar Thomas Bernhard, in dessen Stammcafé „Bräunerhof“ dieses Gespräch stattfindet, trotz seiner Schimpftiraden Wien geliebt. „In der G’ham“ sozusagen.
Andere sind weggezogen, nicht selten nach Berlin, der „geheim-ungeheimen Exildestination enttäuschter Wiener“. So auch der Kaffeehausliterat Anton Kuh. Er lästerte: „Lieber unter Wienern in Berlin als in Wien unter Kremsern.“ Wobei für Wiener a priori nichts gegen Krems einzuwenden ist, wer so viel Grünen Veltliner erzeugt wie die Kremser, kann kein schlechter Mensch sein.
Das resche Tröpferl hat jüngst einen Siegeszug durch die Weinbars von New York hinter sich, die Erinnerung an die Dauermigration ist auch sehr wienerisch. „New York ist die Fortsetzung von Wien, selbst wenn man die Sprache nicht beherrscht, ist alles sehr wienerisch. Woody Allen könnte ein Wiener sein.“ Und Hollywood – ein Wiener Exporthit. „Das sind eigentlich Operetten, mit Wiener Programmmusik von Max Steiner, Erich Korngold. Die Regisseure haben dort mit dem weitergemacht, was sie am Theater in Wien getan haben. Der Kern kommt eben aus Wien, auch der Humor.“
Apropos Humor. Die Schreiberin dieser Zeilen – als echte oder jedenfalls gebürtige Wienerin, wir erinnern uns – kommt aus dem Kichern gar nicht mehr heraus beim Blättern in „Wien für Alphabeten“. Bassena, so steht hier, das Facebook der Metternichzeit. Opernball, seit Beginn der Treffpunkt der zweiten und dritten Gesellschaft. Und man fühlt sich leicht ertappt. Und manchmal sogar ein bisserl, na, sagen wir, ang’rührt. „I wü’s gar ned wissen, ned so genau“, singt Willi Resetarits, alias Dr. Kurt Ostbahn, der musikalischere der beiden bühnenpräsenten Resetarits-Brüder.
Womit wir in der Vorstadt wären, in den proletarischen Bezirken, zwischen – siehe oben – Bassena und dem Beserlpark, einer der Brutstätten heimischer Fußballerfolge. Die Familie Resetarits als Burgenlandkroaten übersiedelte zu Beginn der 1950er nach Wien, nach Favoriten. Dort lernten die Buben Willi und Lukas Deutsch. Als Waffe. „Es ging darum, wer den besseren Schmäh hat und daher das bessere Deutsch.“ Das Wienerisch des entsprechenden Soziotops, in dem Fall Favoritnerisch, das Dusl so definiert: eine Schwestersprache von Meidlingerisch mit tschechischer Grammatik. Wienerisch gebe es gar nicht, es sei vielmehr eine Art von Effekt. „Wenn man wissen will, wie früher Wirte oder Kutscher in Wien gesprochen haben, muss man ins Weinviertel fahren. Ein Hollabrunner Bauer spricht wie ein Wiener aus dem Jahr 1900.“
Favoritnerisch ist jedoch nicht zuletzt Idiom von Edmund Sackbauer, dem Mundl, der in den 1970ern zum „echten Wiener, der nicht untergeht“ wurde. In der Person von Karl Merkatz, im weißen Feinrippleiberl und mit Bier in der Hand. Kindheitserinnerungen kommen hoch. An die Großmutter, ebenfalls in Favoriten ansässig, die mit erstarrter Miene und einem Blick voll Verachtung die Tirade an Kraftausdrücken, die aus dem SchwarzWeiß-Fernseher quoll, über sich ergehen ließ. Allerdings nur ein einziges Mal und mit dem abschließenden, eisigen Kommentar: „So ordinär reden wir Wiener ned.“
Eins allerdings hat der Mundl mit dem Vater der Oma gemeinsam: das Gewichtheben. Ein zeitlich begrenztes Phänomen in Wien. Der Volkssport – fast jedes Wirtshaus hatte seinen eigenen Gewichtheberverein, der Uropa hatte beides – geht auf Markgraf Pallavicini zurück, Alpinist, begeisterter Gewichtheber und Erfinder der Hantel, so will es die Anekdote, als er vor dem Sacher zwölf Personen in eine Kutsche klettern ließ und dann die Achse hochhob.
Wienerisch gibt es nicht, das ist eine Art von Effekt.
Andrea Maria Dusl
Kolumnistin, Autorin, Zeichnerin
Wien ist eine alte Stadt. Einst größte Stadt im Heiligen Römischen Reich, noch 1910 viertgrößte Stadt der Welt. Wen wundert der Phantomschmerz? Dusl: „Die zwei Weltkriege haben Stadt und Land verzwergt. Aber alle Attitüden sind noch da, ein österreichischer Diplomat fühlt sich auf Augenhöhe mit russischen oder britischen Kollegen.“ Vom scheinbar Servilen soll man sich nicht täuschen lassen: Das Aufmüpfen zählt ebenfalls zum Wesen des Wieners. Hier musste sich die Intelligenz immer entscheiden: Aufrührer oder loyal?
Und noch etwas: Die wirklichen Deals werden im Kaffeehaus gemacht. Die byzantinische Technik, in Halbsätzen was anzudenken, Nuancen im Dialog. Übers Handy? Das ist provinziell. Alles passiert gleichzeitig: Verzwergung und Überhöhung, Provinzialisierung und Internationalisierung. Qualtinger hat gesagt: Österreich ist ein Labyrinth, in dem sich jeder auskennt. Das stimmt auch für Wien. Dem Besucher rät Andrea Maria Dusl, in ein gutes Kaffeehaus zu gehen, sich hinzusetzen und den Mund zu halten. Was man da trinken soll? Wurscht. Ein Wiener würde ohnehin nichts empfehlen. Besichtigen? Gar nichts. Alle Sehenswürdigkeiten seien Fantasieorte, erzählen keine lebendigen Geschichten, seien Statuen. „Lesen ist einfacher. Lesen Sie Thomas Bernhard und alle meine Bücher.“
