Und dann traf ich...
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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Alfred Gusenbauer
Gusenbauer zweifelt am Wert der Eurofighter-Gegengeschäfte
Der österreichische Bundeskanzler will im STANDARD-Interview die Gesamtschule in drei Legislaturperioden flächendeckend umsetzen. Wie, das erklärte er der Autorin und Zeichnerin Andrea Maria Dusl, die Michael Völker als Überraschungsgast zum Gespräch in das Museumsquartier begleitet hat.
Die Bilder in diesem Interview hat Matthias Cremer gemacht. --> Hier geht's zu seinem Photoblog im Online-Standard.
Anmerkung AMD: Gusenbauer kommt mit zwei Staatspolizisten, hagere Gestalten mit wunderschönen Schnurrbärten. Im Schlepptau hat er seinen Pressereferenten Sven Pusswald. Michael Völker und ich sitzen mit Standard-Fotograf Matthias Cremer im Kunsthallen-Café im Museumsquartier. Gusenbauer kommt und stellt sich vor: "I bins, der dicke Ybbser"

Dusl: Kommt es jetzt zu einer Fusion Sozialdemokratie und Grüne? Du räumst ihnen ja die hellen Köpfe ab.
Gusenbauer: Andreas Wabl ist ein kluger Kopf. Ich betrachte das so: Man darf nicht so engstirnig sein, immer nur eigene Parteigänger für gewisse Funktionen zu verwenden. Ich versuche auch Menschen aus anderen politischen Bereichen, die Potenzial, Kapazitäten und Fähigkeiten haben, miteinzubeziehen.
Standard: Mit Wabl haben Sie sowohl bei der ÖVP als auch bei den Grünen für ziemliche Verwirrung gesorgt.
Gusenbauer: Das ist doch sonderbar in Österreich. Es wird immer von Parteibuchwirtschaft gesprochen. Frei nach dem Motto: Immer werden nur irgendwelche Parteigänger etwas. Zu Recht gefordert wird, dass die besten Köpfe berücksichtigt werden. Dann gibt es endlich einmal jemanden, der dementsprechend agiert, und auf einmal sitzen alle da und schauen ganz verdutzt. Insofern ist die Irritation ein Mangel der politischen Kreativität. Aber Van der Bellen hat Wabl ohnedies gratuliert.
Standard: Nicht mit übermäßiger Begeisterung.
Gusenbauer: Ich war beim Gratulationsgespräch nicht dabei. Aber in der Frage des Klimaschutzes, in der in den letzten zehn Jahren alles verschlafen wurde, besteht absoluter Handlungsbedarf. Die Grünen können nur froh sein, dass ein so wichtiges Thema eine so starke Prominenz bekommt.
Standard: Andrea, hast Du Alfred Gusenbauer schon in einem Cartoon verarbeitet?
Dusl: Ja, selbstverständlich. Und zwar, wie ich hoffe, treffend. Letztens habe ich mich geirrt. Da habe ich einen Super-Gusi gezeichnet, wie er die Abfangjäger aufhält. Das ist sich dann doch nicht ausgegangen. Was mich so stört, ist dieser Empörungswirrwarr. Einerseits wird versucht, diese Flugzeuge zu verhindern, um zu zeigen “Wir stehen zu unseren Versprechungen", und gleichzeitig ist allen bewusst, dass sich das eh nicht ausgehen wird.
Gusenbauer: Der Super-Gusi war eine gute Idee. Aber natürlich ist es richtig, dass die Abfangjäger eine Symbolfrage sind, ein Symbol dafür: Was ist jetzt wichtiger in Österreich, Ausgaben für Bildung und Soziales oder Ausgaben für diese Eurofighter? Daher war das eine sehr zugespitzte Darstellung: Was sind Ausgabenprioritäten und was sollte in unserer Gesellschaft wichtiger sein? In der Tat hat man bis zum Schluss nicht gewusst, ob und wie man aus dem Ganzen herauskommt. Aber Norbert Darabos hat eine Exitstrategie gefunden.
Standard:: Jetzt kommt noch die Sonderprüfung vom Rechnungshof, auch zu den Gegengeschäften.
Gusenbauer: Das finde ich besonders lustig. Was wird denn da geprüft? Werden die wolkigen Ansagen über die Gegengeschäfte geprüft oder das, was real gelaufen ist? Wir haben von Gegengeschäften in der Höhe von vier Milliarden Euro gehört. Wo sind die? Ich frage mich, was dabei geprüft wird. Wird der Wolkigkeitscharakter früherer Aussagen der vorhergehenden Regierung geprüft?
Standard: Wissen Sie, wie hoch die Gegengeschäfte tatsächlich sind?
Gusenbauer: Nein. Außer den Propagandaaussagen der vergangenen Regierung gibt es ja nichts Stichhaltiges.
Standard: Martin Bartenstein blieb bis zuletzt bei den vier Milliarden.
Bild: Michael Völker, Matthias Cremer, der vielbeschäftigte Sven Pusswald und der markisengerötete Bundeskanzler. Ins Bild klicken für grosse Version.
Gusenbauer: Wie man weiß, hat die Inszenierung oft nichts mit der Realität zu tun. Ich glaube, den meisten Menschen in Österreich ist bewusst, dass man von den vier Milliarden Euro so genannter Gegengeschäfte relativ wenig sehen wird.
Standard: Was ist, wenn Eurofighter jetzt sagt, wir reduzieren die Gegengeschäfte?
Gusenbauer: So what? Österreichs Unternehmer sind konkurrenzfähig genug, auch so Aufträge zu lukrieren.
Standard: Sie meinen, diese Gegengeschäfte hätte es sowieso nicht gegeben?
Gusenbauer: Hier ist vieles fragwürdig und noch unklar.
Dusl: Aber warum glaubt die Politik, dass die Menschen an diese Lüge glauben?
Gusenbauer: Ich glaube nicht, dass die Politik daran glaubt. Die frühere Regierung hat daran geglaubt.
Dusl: Sitzt Du nie mit Bartenstein zusammen und sagst, jetzt lassen wir den Blödsinn, wir wissen doch beide, dass das so nicht funktioniert?
Gusenbauer: Das ist ein politisches Spiel der ÖVP, die versucht, mit allen Mitteln den Verhandlungserfolg des Norbert Darabos schlecht zu machen. Jetzt ist man auf die besonders einfallsreiche Idee gekommen, diese wolkigen Gegengeschäfte herauszuziehen. Die Wahrheit ist, man muss nur mit den Betrieben reden, die so genannte Gegengeschäfte bekommen haben, die sagen natürlich, das war für uns kein Nachteil. Aber das Geschäft hätten wir in jedem Fall gemacht. Ich kenne eine Reihe solcher Firmen, die auf der Gegengeschäftsliste stehen.
Dusl: Aber wer macht das Geschäft? Welcher Arbeitnehmer hat einen Vorteil von den Geschäften, die die großen Konzerne machen? Ich habe noch niemanden kennen gelernt. Ganz im Gegenteil: Je besser es denen geht, desto schlechter geht es den Arbeitnehmern, weil der Rechenstift angesetzt wird: Wo können wir noch jemanden einsparen? Das ist mein Vorwurf - in aller Liebe, das können wir uns doch nicht gefallen lassen, diese Menschen verachtende Grundhaltung: Wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es uns allen gut.
Gusenbauer: Darum sagen wir das Gegenteil. Wir sagen, wenn es den Menschen gut geht, geht es der Wirtschaft gut. Daher ist die Auseinandersetzung um die heurigen Lohnerhöhungen ganz besonders wichtig. Was haben wir vom Wirtschaftswachstum, wenn es sich nicht niederschlägt in höheren Löhnen für die Menschen, die arbeiten? Wann sollen die Löhne denn sonst steigen als in Jahren, wo wir ein gescheites Wirtschaftswachstum haben?
Standard: Warum muss die Koalition so viel streiten? Man hat den Eindruck, da findet ein permanenter Wahlkampf statt. Vizekanzler Molterer hat das kürzlich bestätigt – er hat gesagt, er will Erster werden. Sie wollen wahrscheinlich vorn bleiben. Wie kann man in dieser Konkurrenzsituation überhaupt arbeiten, wo jeder dem anderen misstraut?
Gusenbauer: Ich habe nichts dagegen, wenn jemand politische Ziele verfolgt und sagt, ich möchte gerne stärker werden oder den anderen überholen. So ist das in der Politik. Es ist aber noch ziemlich lange hin bis zur nächsten Wahl. Es tun sich alle Beteiligten nichts Gutes, wenn sinnlose Streitereien stattfinden. Ich habe kein Problem damit, wenn inhaltliche Auseinandersetzungen geführt werden. Wenn es etwa in der Bildungspolitik eine Auseinandersetzung gibt, wo die ÖVP klar sagt, wir sind der Meinung, es muss zum frühesten Zeitpunkt selektiert werden, und wir fangen schon bei den Dreijährigen an. Das nächste Mal bei den Sechsjährigen zu sagen, wer sind die Starken und wer die Schwachen, dann bei den Zehnjährigen, dann bei den Vierzehnjährigen.
Und alle, die schwach sind, werden immer weggeschoben. Das ist eine eindeutige politische Ansage. Ich finde, sie ist völlig falsch, weil sie unsere Probleme nicht verkleinert, sondern vergrößert. Unser Problem besteht darin, dass 20 Prozent unserer 15-Jährigen Schwierigkeiten mit Lesen, Schreiben und Rechnen haben. Wir müssen nicht darauf schauen, dass ein paar wenige sehr Talentierte noch um ein Alzerl besser werden, sondern dass alle eine möglichst gute Bildung haben.
Und da ist die Integration und nicht die Selektion das Konzept. Das ist ein klarer, weltanschaulicher Unterschied. Darüber zu diskutieren, halte ich für sinnvoll. Weil es hier um eine wesentliche Frage geht. Aber irgendwelche sinnlosen Streitereien, wo kein Mensch mehr nachvollziehen kann, über was eigentlich gestritten wird - das ist völlig sinnlos.
Standard: Warum sprechen Sie kein Machtwort?
Dusl: Ich würde mir wünschen, dass der Bundeskanzler viel öfter auf den Tisch haut. Meine ganz bescheidene Vermutung ist, dass es noch nie geschadet hat, mit Vehemenz die eigene Position zu vertreten.
Gusenbauer: Mit Vehemenz die eigene Position zu vertreten, das halte ich für richtig. Es gibt aber wichtige Fragen und weniger wichtige Fragen. Sich in irgendwelches Kleinklein einzumischen, das ist nicht meine Aufgabe. Meine Aufgabe besteht darin, mich darum zu kümmern, dass in der Bildung etwas weitergeht, in der Gesundheit, in der Arbeitsmarktpolitik.
Standard: Die ÖVP hat jetzt ein Feuerwerk an Bildungsideen gezündet. Und hat sich festgelegt, die Gesamtschule wird es nicht spielen. Sie setzen große Erwartungen in die Gesamtschule - wie kann das im Herbst weitergehen? Wird es bei diesen fünf Modellregionen bleiben, und verläuft das danach im Sand?
Gusenbauer: Das verläuft nicht im Sand. Ich halte das finnische Schulsystem für vorbildlich. Ganztagsschule und Gesamtschule. Die Finnen haben uns gesagt, man braucht im Wesentlichen drei Legislaturperioden, bis man das flächendeckend einführt - eine Periode zur Vorbereitung; die zweite, in der man die Einführung beginnt; und die dritte Periode, in der man das flächendeckend umsetzt.
Was jetzt geschieht, ist die Periode eins. Jetzt finden die Versuche in diesen fünf Modellregionen statt, die noch vor der nächsten Nationalratswahl ausgewertet werden. Danach kann man mit der Einführung beginnen. Wir werden uns auf dem Weg dorthin nicht aufhalten lassen. Dieser Weg ist vielleicht nicht so schnell, wie er sonst sein könnte, aber die Entwicklung geht in jedem Fall in die richtige Richtung. Und es gibt immer mehr aus der ÖVP, die erkennen, dass in Wirklichkeit kein Weg daran vorbeiführt.
Standard: Da müssten Sie über drei Legislaturperioden lang Bundeskanzler bleiben.
Gusenbauer: Das wäre das Gescheiteste.

Dusl: Ich würde mir wünschen, dass Du radikaler wirst. Ich mag einen radikalen Regierungschef. Das hat auch etwas mit der Projektion von Sehnsüchten zu tun. Die Menschen wollen doch Helden haben. Wie sehr möchtest Du dich zum Helden eignen?
Gusenbauer: Zum Helden wird man durch die Geschichte.
Dusl: Das Heldentum findet auch auf symbolischer Ebene statt. Che Guevara war in Wirklichkeit Finanzminister und Asthmatiker, kein großer Held. Aber auf symbolischer Ebene war er natürlich einer. Was spricht dagegen, dass Du ein österreichischer Che wirst? Der Schüssel kann es ja nicht sein.
Gusenbauer: Österreich rückt nach links. Wie auch Deutschland. Das hat unlängst auch die Zeit festgestellt. Es gibt ein starkes Bedürfnis: Die Welt ist aus der Balance geworfen, und es wäre wieder einmal an der Zeit, dass das Pendel in die andere Richtung geht. Dass es wieder mehr soziale Gerechtigkeit, mehr Fairness, mehr Chancen für den Einzelnen gibt. Das ist nicht nur ein starkes Bedürfnis, sondern völlig berechtigt. Darum dreht sich auch die aktuelle Auseinandersetzung. Ich betrachte mich als Anwalt der sozialen Fairness.
(Redigiert von Michael Völker/DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.8.2007). Anmerkung AMD: Das ursprüngliche Du zwischen Gusi und Dusi habe ich wieder eingefügt. Die Bilder in diesem Interview hat Matthias Cremer gemacht. --> Hier geht's zu seinem Photoblog im Online-Standard.

26. August 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
Mailathverkürzung
Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ist ein grosser Mann. Ein sehr grosser Mann. Er ist schon mal zwei Köpfe grösser als andere. Ich bin ihm mehrmals begegnet. Bei Oskarverleihungen, im Theater, bei filmpolitischen Restaurantbesuchen. Ein grosser Mann. Und er steht dazu. Ungebeugt.
Ulrich Seidl ist auch ein grosser Mann, ein berühmter Filmregisseur. Von Statur ist Ulrich Seidl eher zurückhaltend. Den Grössenunterschied der beiden Händeschüttler Mailath-Pokorny und Ulrich Seidl kann man auf dem linken Bild gut sehen. Die beiden stehen anlässlich der Wiener Filmpreisverleihung vor dem Vorhang des Wiener Gartenbaukinos. Wenige Jahre später ist Unordnung in die Körpergrössen von Mailath und Seidl geraten. Wieder Händeschütteln, wieder Viennale, wieder ein Filmpreis. Nur diesmal begegnen die beiden einander auf Augenhöhe. Was ist passiert? Ist Mailath geschrumpft? Steht Seidl auf einer Kiste? Kniet Mailath gar?
Sachdienliche Hinweise bitte an die Kasperlpost, Postfach 700, 1136 Wien zu senden.

21. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Zirkowitsch Dusl Goldt
Wie mir Max Goldt das Leben rettete.
Aus einer Emailkorrespondenz.
Geschätzte Frau Dusl!
Haben Sie schon einmal überlegt mit Max Goldt gemeinsam zu lesen oder eine Doppelconference mit ihm abzuhalten? Werden Doppelconferencen abgehalten, gehalten, geführt oder gemacht? Jedenfalls würde sich darüber freuen,
Maximilian Zirkowitsch,
am 11.04.2007 um 11:03
Lieber Herr Zirkowitsch,
das habe ich noch gar nicht überlegt. Schöner Gedanke. Sollte Herr Goldt das wollen, würde ich dem mit Wohlwollen gegenübertreten. Man müsste Herrn Goldt wohl fragen. Vielleicht können Sie das einfädeln? Kenne Goldt nur von den Büchern. Die, die ich kenne, die ihn kennen, sprechen nicht mit ihm. Nicht mehr. Vielleicht spricht er mit Ihnen?
Liebe Grüsse,
Andrea Maria Dusl
am 11 Apr 2007 um 11:34
Liebe Frau Dusl!
Ich fühle mich immer noch geschmeichelt von ihrem Ersuchen, mich mit Herrn Goldt in Verbindung zu setzen. Ich tat auch wie geheißen, leider antwortet er nicht. Auf einer Homepage besteht keine direkte Kontaktmöglichkeit, auf der Homepage seiner Agentur gibt es überhaupt keine eMail-Adresse, und das kommt mir komisch vor.
Glücklicherweise liest Herr Goldt am 9.5. im WUK. Ich werde einfach auf die Bühne stürmen und ihn fragen. Oder einen Brief für ihn abgeben.
Ich hoffe Sie sind noch geneigt.
Haben Sie mich schon gegoogelt oder nehme ich mich zu wichtig? Missverstehen Sie mich nicht! Es liegt nicht an 'diesem einen Beitrag da' für den Standard ('Ich google Ninas Neuen'), sondern daran, dass ich alle frage. Werden Sie zur Goldt'schen Lesung kommen?
Missverstehen Sie mich aber auch nicht dahingehend, als dass Ihre Artikel mich nicht dazu bringen würde, alles zu googlen. So habe ich sofort Sie gegoogrlt, um nachzuprüfen, ob seit dem Verfassen, neue Einträge dazukamen.
Mit bestem Gruß,
Maximilian Zirkowitsch
am 23.04.2007 um 11:49
Lieber Maximilian Zirowitsch,
Herr Goldt dürfte im Lesestress sein und zudem kein Freund des Emailierens zu sein. Bedenken Sie auch bitte, dass Herr Goldt mich höchstwahrscheinlich gar nicht kennt. Da ich doch nur im Falter publiziere. Wie auch immer, die Neigung ist aufrecht. Zur Goldtschen Lesung werde ich nicht kommen, arbeite gerade an Eigenem und kann nicht gut auf lepschi gehen.
Viel Erfolg und liebe Grüsse,
Andrea Maria Dusl
Liebe Andrea Maria Dusl!
Ihre Antwort klingt sehr entmutigt. Ich habe gestern erfahren, dass eine gute Freundin wiederum eine nicht ganz so gute Freundin hat, die ihrerseits im WUK arbeitet. Es sollte also möglich sein, ...
... Max Goldt einen, zwecks Tarnung parfumierten Brief auf seinen Schminktisch oder was man als Leser so hat, zu legen.
Ich nehme an, dass Max Goldt Sie nicht kennt. Wie dem Abhilfe tun? Soll ich ihm einen Falter schenken? Haben Sie Texte, die Sie gerne zeigen wollen würden, könnten Sie kommen, um die Gunst fremder Autoren zu gewinnen?
Machen Sie es nicht von mir abhängig Sie vollends zu präsentieren. Ich les den Falter doch so gut wie nie; Na, Sie schon und die Herren Klenk und Thurnher, aber das zählt nicht.
Man sagte mir, dass Autoren und Journalisten sich gegenseitig gerne Bücher schicken. Ist dem so? Dann will ich ihnen gerne Goldts Adresse zukommen lassen, und Sie schicken ihm eines. Schriebe ich 'Schuicken Sie mir...' käme ich mir ein bisschen schäbig vor. Wie vorgeschlagen ist besser.
Harry Rowolth hat seinen Briefen auch gelegentlich Bücher beigelegt. Zumindest schreibt er das. Aber der ist ja Übersetzer.
Stets der Ihre,
Maximilian Zirkowitsch
am 03.05.2007 um 12:28
Post Scriptum: Glauben Sie nicht, ich hätte nichts zu tun, weil ich immer so schnell antworte! Ich bin nur gerade sehr auf meinen PC angewiesen und sitz halt meistens davor, vormittags.
Lieber Herr Zirkowitsch,
Moment, Moment, Sie drehen den Spiess um.
Die Idee Goldt und Dusl gemeinsam lesen zu hören, kam von Ihnen, nicht von mir. Ich habe weder Zeit noch Lust, Kollegen Goldt nachzutrappeln, geschweige denn, parfümierte oder sonstwie präparierte Post zu erzeugen und an intimen Orten zu deponieren.. Wenn sie was einfädeln wollen, gerne, wenn nicht - auch gerne. Mein Leben ist mit den eigenen Hervorbringungen und deren Vertrieb mehr als ausgefüllt.
Autoren und Journalisten sind erstmal Konkurrenten. Sie schicken einander Bücher nur zur Erniedrigung. Entweder zur eigenen oder zu der des Anderen. Für beides fehlen mir die emotionellen Budgets.
Ich zeige Texte auf meiner Seite www.comandantina.com Und zwar alle.
Mehr wollen sie mir, bitte, nicht abringen.
Mit allerfreundlichsten Grüssen,
Andrea Maria Dusl
P.S.: Ich sitze nicht vor einem PC und habe grundsätzlich nie etwas zu tun. Auch nachmittags nicht. Meine Schreibarbeiten erledigen Zwerge.
Liebe Frau Dusl,
ich war heute bei der Lesung Herren Goldts und hatte die Gelegenheit ihn auf eine Lesung mit Ihnen anzusprechen! Leider hat er kein Interesse daran, weil er das nie macht, es nicht mag und außerdem "alle sterben, die mit ihm lesen", wie Robert Gerhardt (natürlich hat er für ihn eine Ausnahme gemacht). Wiglaf Droste sei zwar noch am Leben, aber das soll seiner abschlägigen Antwort keinen Abbruch tun. Ich danke Ihnen für ihr Interesse und werde mich weiterhin ein klein wenig damit rühmen, dass ich beinahe eine Lesung von "der Dusl" und "dem Goldt" eingefädelt hätte.
Seien Sie gegrüßt und auch Ihre Schreibzwerge,
Maximilian Zirkowitsch
Am 10.05.2007 um 00:35
Lieber Herr Zirkowitsch,
vielen Dank für Ihre Bemühungen, ich kann Ihnen ein gerüttelt Maß an ritterlicher Tapferkeit nicht absprechen. Und irgendwie stimmt es mich tröstlich, dass mir Max Goldt das Leben rettet.
Liebe Grüsse.
Andrea Maria Dusl
13. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Ich google Ninas Neuen
Andrea Maria Dusl
Für 'Der Standard' - RONDO
Morgen bringt Nina Ihren Neuen mit. Der Neue ist Kabarettist. Und das ist gut so. Warum das gut ist, wenn der Neue Kabarettist ist? Weil man ihn dann gut googeln kann. Nina hat das natürlich gleich nach Ihrer ersten gemeinsamen Nacht gemacht. Den Neuen gegoogelt.
Der Kabarettist ist noch in Ninas Futon gelegen und hat Restalkohol verbrannt, der 11-Uhr-Frühstücks-Kaffee hat sich durch die Espressomaschine gequält, da ist Nina schon am Laptop gesessen und hat ihren Neuen gegoogelt. 66.400 Einträge. Na prack, hat sich Nina gedacht. Kein Bemmerl, der Neue.
Heute bringt Nina den Neuen mit. Sechsundsechzigtausendvierhundert Google-Einträge. Ein bissl viel für Nina. Nicht gut für Ninas Gugel-Ego. Nina ist Redakteurin und hat magere 530 Einträge. Aber so ist das. Nina darf nicht unbescheiden sein. Guten Sex und Google-Zahlen, die auf den Siebzigtausender zurudern. Was was will sie mehr?
Blöd nur, dass auch im Kabarett-Forum was steht über den Neuen. Das gefällt Nina nicht so gut. Der Neue hat ein Kind aus erster Ehe. Obwohl sie nicht verheiratet waren. Wie sagt man da? Ein Kind aus erster Zusammenlebung? Ein Sohn aus früherem Konkubinat? In der Wikipedia steht nichts über den Sohn. Und auch nicht, wie das heute unter Bobos hiesse, ein Sohn aus erster Wohngemeinschaft. Auch Orkut hat noch kein wording für moderne genealogische Zusammenhänge.
Der Neue hat sich gerade umgedreht und wäre fast aufgewacht. Aber der Neue ist bedient und sägt weiter an den Real-Life-Tequilas von gestern Nacht. Nina hat was entdeckt, was ihr wirklich Sorgen macht. Der Neue wohnt in einer Dachwohnung mit Terrasse. Hat er gesagt. Im Zweiten, wo die Bobos wohnen. Vom Kulturstadtrat abwärts. So weit, so sehr gut.
Im Häuserblock in dem der Neue wohnt, wie er sagt, gibt es aber keine Dachterrasse. Jedenfalls keine mit 120 Quadratmetern. Sind Kabarettisten Mythomaniacs? Oder darf man noch "Einedrahra" sagen? Ecke Nestroygasse, hat der Neue gesagt. Auf 48.22038 nördliche Breite mal 16.373974 östliche Länge: Keine Dachterrasse. Er wird doch nicht lügen? Andererseits: Die Wien-Auflösung von Google-Earth ist nicht berühmt. Da kann ein Hundertzwanzig-Quadratmeter-Zitronengras-Dachgarten doch glatt übersehen werden. In Paris müsste man sein. Von Paris haben sie bessere Luftbilder bei Google-Earth.
Der Neue ist aufgewacht und küsst Nina in den Nacken. Nina: ”Wie heisst Kabarettist auf französisch?”
Unsere Freundin Nina (530 Google-Einträge, kein Wikipedia-Artikel, kein Kind) bringt also ihren Neuen mit (66.400, Wikipedia-Eintrag, Sohn und keine Dachterasse.) Nina gefällt es bei uns. Wir haben nämlich wirless LAN und eine googelbare Dachterrasse. Und auf der sieht man den Olivenbaum, den Nina vor fünf Jahren zur Dach-Warming-Party mitgebracht hat. Sagt Sie.
Bei uns ist es locker. Thomas ist Journalist (69.800 Google-Einträge, aber nichts in der Wikipedia.) Die Google-Einträge sehen allerdings nur deswegen so fett aus, weil es einen weinhändlernden Onkel, einen Comiczeichner, einen Hotelmanager, einen theoretischen Physiker und einen Boy Soprano in Tölz gibt, die exakt so heissen wie Thomas. In Anführungszeichen gegoogelt. Ohne Anführungszeichen hätte Thomas 1.260.000 Einträge. Aber ohne Anführungszeichen googeln gilt nicht.
Mein Boy Soprano, sage ich deshalb zu Thomas. Immer dann, wenn er sich selbst googelt. Dann explodiert Thomas. Mit einem Pornoheft in der Hand kann ich meinen Lebensabschnittspartner nicht erpressen, mit Egogugeln schon. Deswegen liebe ich Thomas. Für die roten Ohren, wenn ich ihn beim Egogugeln erwische. Ausserdem: Das Weingut gehört wirklich seinem Onkel und das Online-Archiv von Thomas' Brötchengeber biegt sich von Artikeln aus Thomas Tastatur. Da ist der Neue schwach auf der Brust.
Die Thomas-Lücke in der Wikipedia schmerzt. Ich könnte das fixen. Das Blöde an der Sache: Wenn ich das von unserem Laptop aus mache, sieht das aus, als hätte sich Thomas selbst eingetragen. Nicht auszudenken, wenn jemand Thomas’ IP-Adresse in einem Wikipedia-Artikel über ihn selbst entdeckte! Der Ausweg wäre die düstere türkische Internetbude neben dem Branntweiner. Will ich das? Moderne Liebe hat Grenzen.
Maja kommt heute auch, sie ist Malerin und international gefragte Festemacherin. Aus ihren 240 Google-Eintragungen wird noch was, sag ich. Spätestens, wenn Maja sich einen Computer zulegt. Dafür fürchtet sich Maja. Davor und vor den Wörtern: Online, Weblog, Google. Darling, what a sweet Furcht!
Immerhin bringt Maja den entzückenden Georgier mit. Giga heisst er und hauert Bild. Giga bringt seine Freunde Mega und Kilo mit. So nennen wir sie jedenfalls. Mega ist Restaurator und Kilo ist Opernsänger. Internetmässig haben Sie es faustdick hinter den Ohren. Immerhin hat Mega seine Freundin Deka im georgischen Ficktempel in Second-Life kennengelernt. Nicht im georgischen Bobo-Lokal am Karmelitermarkt, wie sie gerne behaupten. Der runde Bauch, den Deka von ihrer siebenten Offline-Nacht mit Mega hat, heisst Mikro. Und frage nicht, auf wieviele Einträge Mega kommt.
Nina kommt also und bringt den Neuen mit. Der Neue mag Wirsing und hasst Fenchel. Woher wir das wissen? Das steht in einem Interview, das Nina im Internet gefunden hat. Anlässlich des dritten Programms vom Neuen. Das soll nicht so spannend gewesen sein, wie das zweite. Sagt das Netz. Gut, dass der Neue ein viertes Programm hat. Und gut, dass es darüber ein Weblog gibt.
Mit einem Blog bist Du fein raus. Geschicktes Bürschchen, der Neue, sagt Thomas, pumpt seine Google-Präsenz mit einem Blog auf. Wenn er das geschickt macht, sagt Thomas, und er macht das geschickt, sagt Thomas, dann ist der bald über die Hunderttausend. Mit Old-School-Journalismus ist das nicht zu schaffen. Findet Heidi auch. Deshalb macht Heidi jetzt Filme. Wegen der Google-Einträge.
Nina ist gerade gekommen. Der Neue sieht gut aus. Besser als auf dem Bild, das mit dem Hut, auf der Website seiner Agentur. Das war nach der Trennung von der Kindsmutter, hat mir Nina heute Mittag beim Skypen reingedrückt.
Der Neue hat vier Flaschen Umathum mit, 2004er Haideboden Magnum, elegante Struktur, leichte Kakaonote im Duft, sehr saftig, sehr feine Frucht, eine Kanone. Wenn wir 12 Flaschen nehmen, hat Nina gegoogelt, kostet der Saft nur 41,73 die Flasche. Wir brauchen aber nur 4 Flaschen, hat der Neue gesagt.
Das hat mir Nina am Nachmittag gemailt. Und dass der Neue einen seltsamen Fleck hat. Am Dings, an der Kabarettlatte. Naja, so ein Muttermal halt. Steht nicht in der Wikipedia. Im Echelon sehr wohl. Im Echelon werden alle mails ausgewertet. Alle. Auch die von Nina. Das Echelon ist die Wikipedia vom CIA.
Egal, der Neue ist da, es gibt keinen Fenchel, dafür Lamm und Wirsing. Und Umathum um 41,73. Bis zum Abwinken. Und keine Gespräche über Söhne aus früheren Verbindungen, Dachterrassen oder Flecken auf Künstlerpenissen. Und auch keine über selbstverfasste Wikipedia-Einträge.
.............................................................
Andrea Maria Dusl (28.100 Google-Einträge, 2 Wikipedia-Einträge, kein Dachgarten, drei Weblogs) ist Autorin, Zeichnerin und Filmemacherin. Sie hostet ein vielbesuchtes Blog auf www.comandantina.com
Dieses hier.
Für Standard-RONDO, geschrieben am 21. März 2007
30. März 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (5) Comments (0) Pings
Dusls Ticks
Absolutes Sperrrgebiet
Doris Knecht berichtet über mich in ihrer Falter-Kolumne vom 1. März 2007.
(...) Diejenigen meiner Freunde, die keine Kinder haben, die sie ankeppeln könnten oder die ihre Kinder schon aus dem Haus gekeppelt haben, nutzen ihre Freizeit, um sich faszinierende Ticks anzueignen, welche sie mir dann beim Mittagessen im Wirtshaus vorführen. Kollegin A. hat sich auf das Kirremachen von Kellnern spezialisiert. Sie hätte gerne, sagt A. im Sapa, den im Wok gebratenen Tofu mit Gemüse und Reisnudeln, aber mit Reis statt Nudeln und ohne den Tofu, geht das? Das geht erstaunlicherweise. (Was mich an den Kerl erinnert, der kürzlich, als ich mal auflege, am DJ-Pult erscheint und sagt, so, langsam hat er genug, wenn ich jetzt nicht gleich etwas spiele, das er kennt, verlässt er das Lokal. Worauf ich, um keinen Publikumsverlust zu riskieren, schlagartig „Lets Stick Together“ von Bryan Ferry in den CD-Player schiebe, worauf der Herr erneut das DJ-Pult aufsucht, um mir erbost mitzuteilen, so, es sei jetzt endgültig genug, tschüss, auf Nimmerwiedersehen. Für diesen Mann konnte ich nichts tun.)
Während Kollegin Dusl die Unfähigkeit kultiviert , eine Konversation am Wirtshaustisch zu beginnen, bevor das Teehäferl exakt mittig auf dem exakt mittig ausgerichteten Set ausgerichtet ist, wobei der Teebeutelfaden in die Diagonale zeigen muss. Sie sei auch, sagt Dusl, nicht mehr in der Lage, mit weißem Papier zu arbeiten, weißes Papier lenke sie ab, es dominiere durch seine Weißheit allzusehr die Atmosphäre, sie arbeite nur mehr mit gelbem Papier. Gelbes Papier sei bescheiden und zurückhaltend, gelbes Papier dränge sich nicht auf, weißes Papier dagegen. Wenn weißes Papier, dann streng mittig und kantig, aber sie könne ja nicht auf einem dicken Packen streng mittig platziertem Papier. Ein schönes Hobby, sage ich. Nicht wahr, sagt Dusl.
1. März 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Mein Hippie-Bäcker
Der Hugo-Wiener-Platz, gegenüber von meinem französischen Atelierfenster herbirgt nun schon einige Monate keine polnische Pizzeria mehr. Das Lokal ist waise und west vor sich hin. In der gut beleuchteten Telefonzelle vor dem Friseur hat das Werbebild von Heinz Conrads Strache einem von Franz Klammer Platz gemacht. Wofür Franz Klammer wirbt, sieht man von hier oben nicht. Schlecht gelaufen, würde der Werbeprofi sagen. Message versemmelt. Anwohner missen die Message. Und bloggen es bis Zeitland.
Semmeln selbst gibts dafür auch nächtens am Hugo-Wiener-Platz, gegenüber von meinem französischen Atelierfenster.
Mein Bäcker. Er trägt ein weisses, mehlstaubiges Unterhemd und eine mehlstaubige kurze Hose, die den Ausdruck Hot Pant nicht verachten würde. Mein Bäcker. Seine LSD-farbigen, nicht minder mehlstaubigen Haare werden von einem mehlstaubigen Zopf und einem mehlstaubigen Stirnband gebändigt. Mein Bäcker spricht breites Wienerisch und seine Nase hat den eleganten breiten Höcker, den auch Mundls Sohn Karli mit proletarischem Stolz trug.
Mag es zwölf sein oder drei, sieben oder elf, stets dampft und duftet, staubt und semmelt es in der Bäckerei. Durchs offene Bäckerfenster gibt es Milch und Salzstangerl, Marmelade und Eckerlkäse. Eine kleine Oase der Unversperrtheit, die mehlstaubige Bäckerei schräg gegenüber von meinem französischen Atelierfenster. Nur Nachmittags hat er zu, mein Bäcker. Wenn er schläft. Dann träumt er von San Francisco und Monterey, von Iron Butterfly und Canned Heat, von Grateful Dead, Steppenwolf und Zappa und den Mothers. Mehlgestaubt natürlich.
23. Februar 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (6) Comments (0) Pings
Baum mitten in der Welt
Wenn Oberösterreich ruft, setzen sich Klaus Nüchtern und ich am Westbahnhof in den Speisewagen und fahren in das Land zwischen Inn und Enns. Im Gepäck haben wir die Taschenbücher, die wir geschrieben haben. Bücher mit sehr österreichischen Geschichten drin. Sie handeln von Erdäpfelgerichten und Bundeskanzlern, von Verwirrung und Ungemach, vom Heldenplatz und vom Böhmischen Prater, von Bauchfilz und Heisse-Luft-Maschinen.
Nach Oberösterreich fahren wir deswegen, weil Oberösterreich Nüchternsche und Duslsche Geschichten mag. Von unserer Haus-Postille Falter entsandt, fahren wir also in die Heide-Metropole Wels, ins saftige Lambach, in die Zweitürmestadt Vöcklabruck, ins halbmondäne Bad Schallabach, ins schlafende Kremsmünster.
Die Oberösterreicher mögen unsere Geschichten, weil sie für die Nestbeschmutzung, wie die Österreicher die Österreichkritik nennen, sehr aufgeschlossen sind. Thomas Bernhard war Oberösterreicher. Ausserdem: ein Land, das einen Ort mit dem offiziellen Toponym Sankt Johann konsequent Seigahans nennt, kann sprachanarchistisch gesehen kein schlechtes Land sein.
Wenn also Nüchtern und ich im sprachludernden Oberösterreich lesen und uns über die Unzulänglichkeiten des Landes hermachen, dann tritt sowas wie Versöhnung ein. Oberösterreicher können über Wolfgang Schüssel genauso gut lachen wie über Viktor Klima, über Wiener Bobos so gut wie über provinzielle Volksdeppen. Über Oberösterreich lachen sie sowieso.
Nach unseren Oberösterreichlesungen nächtigen Klaus Nüchtern und ich im zentralen Gasthof. Nirgendwo allerdings geht das zentraler und gasthöflicher als in Kremsmünster.
Das dortige Plaza, der Landgasthof Mair liegt auf einem sanftgerundeten Hügel, der wie ein Grammelknödel aus der milde gekräuselten Oberösterreichsuppe ragt. Und wie ein Schnittlauchfutzel thront auf der Kruppe des Grammelknödelrückens, der den mundanen Namen Gustermairberg trägt, der "Baum mitten in der Welt".
Der Baum, Nachfahr einer blitzgefällten Linde, die hier seit Urzeiten stand, ist der Mittelpunkt Österreichs. Der Baum mitten in der Welt heisst "Baum mitten in der Welt", weil sein Standort 1823 zu einem Koordinatenursprung der österreichischen Katastervermessung wurde. Neben dem Baum steht eine Ausichtswarte und der erwähnte Landgasthof .
Dem stecken die Nullkoordinaten von Schnitzelland in der Schwelle.
Hier am "Bam", wie die Kremsmünsterer die Örtlichkeit nennen, verbrachten mein Lesefreund Nüchtern und ich eine feuchtnebelige Novembernacht. Hier am Gipfel des Grammelknödels, gibt es kleine Zimmer, in denen die Zeit 1971 stehengeblieben ist. Eine Dusche, ein Heizkörper, ein Bett, ein Kruzifix, ein Stuhl, ein Aschenbecher, eine Steckdose, ein Fenster. Kein Hoteltelefon, keine Minibar, kein kabelkanalisierter Fernseher. Nur das Surren des Stallgenerators hinter den Nebelschwaden.
Im Mittelpunkt ist Österreich bescheiden und still.
25. November 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (6) Comments (0) Pings
Der Ösi-Blog
Die gute alte ZEIT, die armdicke Hamburger Zeitungsdame, hat ein neues Spielzeug. Ein Blog von Ösis für Nicht-Ösis. Ein Österreich-Fundamt für all die Passanten da draussen in den Gängen und Gassen der deutschsprachigen Welt.
Ein Blog, wo der Ösi dem Nicht-Ösi erklärt, wie das Land zwischen Thaya und Drau so tickt. Florian Klenk, der Parsival der Aufklärung, emeritierter Falter-Zentral-Aufdecker und nunmehr Zeit-Redakteur, hat es mit viel Elan und balkanesischer Überredungskunst aus Waterkant-Treibholz schnitzen lassen. Prabo Klenk! Prabo! Ö-Blog heisst das Ding.
Im Ö-Blog schreiben sich die Autorinnen Sigrid Neudecker und Eva Menasse, Peter Hörmanseder von der Fernsehstörtruppe maschek, die Zeit-Schurnos Florian Klenk, Ulli Ladurner und Joachim Riedl, Strafrichter Oliver Scheiber, Robert Treichler vom profil, der Koch Jürgen Wolf, der Anwalt Georg Bürstmayr, EU-Berater Wolfgang Sporrer und die Comandantina die alpine Verkrüppelung (© Otto Mühl) von der Schnitzellandseele.
28. September 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
George Bush und die Nachtkästchenlampe
Der Tag, an dem George W. Bush vergass, die Nachtkästchenlampe
in seinem Fluzeug auszuknipsen.

Dienstag, 20. Juni 2006, Flughafen Wien-Schwechat, kurz nach 21.10 Uhr.
Die Sonne ist gerade hinterm Wienerwald verrostet. Der 43. Präsident der
Vereinigten Staaten betritt in Begleitung seiner Ehefrau Laura die Gangway
vor "Air Force One". All lights down. Nur ein kleines Fensterchen ist beleuchtet.
George Walker Bush hat vergessen, die Nachtkästchenlampe auszuknipsen.
Kleiner Lageplan der präsidialen Luftkutsche:

Wie man deutlich sehen kann, gehört das beleuchtete Fensterchen
zum Schlafzimmer der Bushs. Hier hat der Präsident während des
Transatlantikflugs gemütlich gemützt.
Nicht uninteressant ist in diesem Zusammenhang die Entdeckung,
dass amerikanische Präsidenten offenbar mit den Füssen in Fahrtrichtung
reisen. Die Bugkoje liesse eine andere Orientierung auch gar nicht zu.
Kein gutes Feng Shui, George!
Wie gut hatten es da die Potentaten früherer Zeiten! Ihre Kajüten
befanden sich stets im Heck ihrer Flaggschiffe,
21. Juni 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings
George Bush und die österreichische Strassenverkehrsordnung

Mittwoch, 21. Juni, 2006, 10.04 Uhr: George Walker Bush,
mächtigster Limopassagier auf diesem Planeten, fährt
von seinem Wiener Domizil, dem Plattenbauhochhaus
"Hotel Intercontinental" zu einem Phototermin in die
Wiener Hofburg. Abgesehen davon, dass er - zumindest
ab der Albertina - gegen die Einbahn fahren lässt, ist auch
der Respekt vor Radwegen für den obersten amerikanischen
Kriegsherrn kein Thema. Ob Bush in der beflaggten Limo
"Pretzel" knabberte, ist nicht überliefert.
21. Juni 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Günther Nenning †
Günther Nenning ist gestern Nacht in Tirol, wo er zuletzt zu Hause war, gestorben. Ich habe es nicht aus der Zeitung erfahren, nicht aus dem Fernsehen, nicht aus irgendeinem der anderen Medien. Die Nachricht hat mich tief berührt, sie hat mich traurig gemacht. Günther und ich kannten einander aus dem FORVM und aus den wilden, komischen Tagen in der Hainburger Au. Viel später sollte sich zwischen uns eine sehr zärtliche Art von Freundschaft und stiller gegenseitiger Bewunderung entwickeln. Bei den vielen Frühstücken, die wir in seinem, von abertausenden von Büchern vermurten Bureau in der Museumstrasse verbrachten, habe ich unendlich viel gelernt übers Schreiben und übers Denken. Seltsam, dass einer, der wie kein anderer die Klaviaturen der Öffentlichkeit bespielen konnte, so sanft und unbemerkt einschlafen konnte. Ich werde Dich vermissen, Günther!
15. Mai 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings
Zero* Hotels ::: East Village 2B
Meine romantische Bleibe im Summer of 94. New York City. East Village. 2B. Apartment 3B.
Natural Born Killers spielten gerade im Kino. T-Shirts mit dem Abschiedsbrief von Curt Cobain
hingen frisch bedruckt an den Touristen-T-Shirt-Ständen. Das T-Shirt, das ich trug war
schwarz und drauf stand in weissen und gelben Buchstaben:
WELCOME TO NEW YORK
NOW LEAVE.
In NYC war ich mit Triebi und dem Höller Klaus. Mein Bettchen befand sich im Appartment
von Kai Hagmüller, der damals im Architekur-Büro von Raimund Abraham arbeitete.
Es war warm und der Sommer im Village roch süsslich, mal nach Asphalt, mal nach Gift, mal
nach den Reifen eines Muscle-Cars. In der früh weckte mich die Sonne, die über den East
River strich, oder ein Anruf von Triebl, der beim Höller Klaus in der der 35ten in einem
Dachappartment mit Blick aufs Empire State Building logierte und in der früh immer einen
Bagel oder zwei brauchte.
Der Bagel-Bring-Walk vom East Village nach Midtown dauerte genau zwei American-Spirit-
Zigaretten, die es bei einem Pakistani Ecke Stuyvestant/St.Marks gab.
Damals rauchte ich noch. Die Twin Towers standen nütz herum und niemand gab einen
heck about ihnen. So war das.
Am Fensterbrett lag in der früh immer schwarzer Staub.
20. Februar 2006 © Andrea Maria Dusl # Permalink (3) Comments (0) Pings


