Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Wo die Sonne lacht
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 06/2010
Liebe Frau Andrea,
haben Sie eine Erklärung für die verstörenden Parallelen zwischen Griechenland und Kärnten? Beide Länder sind Meister im originellen budgetieren, beide sind auf Imagetour unterwegs, beide verstehen unter "Xenos" Tourist und wehe wenns ein Flüchtling ist, beide behaupten “Das Land der Sonne” zu sein, beide haben Sonderbegabungen für Bankenpleiten. Haben sie eine Erklärung für dieses außerirdische Phänomen? Könnten das alles zur Verschmelzung dieser beiden Länder führen? Und was hätte dies für Auswirkungen auf Menschen wie mich? Bitte um dringende Antwort!
Mit besorgten Grüssen,
Maria Vassilakou, per Gesichtsbuchnachricht
Liebe Mary,
ich darf Sie Ihrer grösste Sorge insoferne entledigen, als eine Vereinigungen von Kärnten und Griechenland nicht unmittelbar bevorsteht und auch für die voraussehbare Zukunft nicht wirklich zu befürchten ist. Möchten auch die eine andere Similarität für eine Union sprechen, so finden wir bei genauem Studium der jeweiligen Idiosynkrasien starke Divergenzen zwischen den beiden Ländern. Für die Kärntner befindet sich das Land der Hellenen in der falschen Weltgegend, seine Bevölkerung spricht ein unverständliches Idiom und montiert Ortstafeln in Krixikraxischrift. Für die Griechen dürfte Karantanien wiederum zu deutsch sein, zu naseweis und schlicht zu unwichtig. Auch auf den zweiten Blick sehe ich Unterschiede zwischen den beiden Völkerschaften. In Griechenland hat sich der Lenker eines Phaetons nur im Himmel derstessen. In Kärnten hat er sich nach dem irdenen Impakt in die Sonne verwandelt und ist vom Firmament gefallen. In Griechenland würde er am Olymp sitzen und sich mit anderen Fortgegangenen balgen. In Kärnten sitzt er als heilendes Lichtwesen bei den Menschen am Tisch, führt ihre Hand und leitet ihre Taten. In Griechenland erzählte ein blinder Seher die grosse Geschichten. In Kärnten tut dies ein sehender Blinder. In Griechenland wurde die Demokratie ersonnen. In Kärnten wurde sie abgeschafft. Griechenland hat die Olympischen Spiele erfunden. Kärnten den Beach-Volleyball. Griechenland rühmt sich der Denker Sokrates, Demokrit und Pythagoras. Kärnten hat, ähem, Scheuch, Dörfler und Petzner.
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7. Februar 2010 (0) Comments
Wo man die Hachse reisst
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 05/2010
Liebe Frau Andrea,
man kann in seiner Jugend – ungestüm, wie man ist – der Welt einen Haxen ausreißen. Später zeigt man Engagement und reißt sich für jemanden oder eine Sache einen Haxen aus. Jetzt aber: „sich einen Haxen abfreuen“ – das übersteigt meine Fähigkeit, Sprache in Bilder zu übertragen. Sie würden eine große Bürde von meinen Schultern nehmen, wenn sie mir erklären könnten, wo dieser Ausspruch herrührt. In der Erwartung, mir ob Ihrer Antwort einen Haxen abzufreuen,
Ihr Norbert Mottas,
per Elektrobotschaft
Lieber Norbert,
die Haxe oder der Haxen wird von den Etymologen Hachse geschrieben. Die Hachse, Hechse, auch Hesse (wie der steppenwölfische Glasperlenspieler) bezeichnet den unteren Teil des schweinernen, kälbernen oder rindernen Beines. Auch die entsprechende menschliche Extremität kann Hachse, Haxe genannt werden. In Skifahrerkreisen ist der eingegipste Haxen ein gängiger Begriff. Das althochdeutsche hahs(e)na bezeichnete aber nicht die Knochen, die ja als Wadenbein und Schienbein bekannt sind, sondern die Sehne - um genau zu sein, die Achillessehne. An dieser konnte das geschlachtete Tier aufgehängt werden. Die Hahs(e)na, Hach-Sehna ist also die Sehne der Hache, Hacke, der Ferse. Das Bild des Tatendurstigen, der sich anschickt, der Welt die Achillessehne auszureissen hat damit durchaus mythologische Qualität. Ausgerissene Hachsen hatten die Schmiede. Hinkend konnten Hephaistos, Vulcanus und Wieland weder Esse noch Dorf verlassen. Das Bild des ausgerissenen Haxen dürfte allerdings eher mit dem Spanferkel und dem gebratenen Ochsen zu tun haben. Der Feitertagsköstlichkeit die knusprige und damit begehrte Haxe auszureissen entspricht wohl eher dem sprichwörtlichen Sinn unseres Beispiels. Wann und wo die Variation mit dem Abfreuen der Fersensehne aufgekommen ist, vermag ich nicht zu beurteilen. Sinngemäss darf von einem Glücksausbruch von solch bemerkenswerter Amplitude ausgegangen werden, dass sich sogar bleibende orthopädische Schäden in Kauf nehmen lassen. Ich hoffe, ich konnte mit meinem kleinen Erklärstück Last von ihren Schultern nehmen.
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27. Januar 2010 (0) Comments
Heisse Luft, gut gekühlt!
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 04/2010
Liebe Frau Andrea,
warum ist in der Sauna die bewegte (gewachelte) Luft fast unerträglich heiß, während sie gefächert an heißen Sommertagen kühlt? Wie es sich mit bewegter Luft in Eiseskälte verhält, weiß ich nicht, meine Skifahrerlebnisse liegen schon lange zurück, aber so weit ich mich erinnere, ist der Fahrtwind nicht speziell kalt. Sollte die Luftfeuchtigkeit etwas damit zu tun haben?
Alles Liebe,
Stefan Griebl, per Gesichtsbuch-Direktnachricht
Lieber Stefan,
beim Besuch einer Sauna können wir Temperaturen wegstecken, mit denen man jenseits des Heißluftbades locker Tee aufgiessen und Eier hart kochen könnte. Ein Saunabesuch wäre gelinde gesagt tödlich, handelte es sich um Wasser und nicht um trockene Luft. Dass wir in der Sauna nicht sterben, dafür sorgt unsere Fähigkeit zur Transpiration. Die hat die Menschheit in den heissen Savannen Afrikas entwickelt. Ohne Schweissdrüsen und ohne haarlose Haut wäre langes und ausdauerndes Laufen in der prallen Sonne schier unmöglich gewesen. Verdunstender Schweiss entzieht der Haut Wärme und kühlt sie dadurch ab. Auch jenseits Afrikas und auch ohne stundenlanges Jagen lässt sich Hitze umso besser aushalten, je trockener sie ist. Wir kennen das auch aus unseren Breiten. Heisse Sommertage bei 25° Grad und feuchter Luft kommen uns weitaus ärger vor als 30° Grad in trockener. Geht nun auch noch Wind oder bläst ein Ventilator, stellt sich durch die konvektive Abführung hautnaher und damit warmer Luft sogar Kühlung ein. Durch den Luftstrom wird die Verdunstungsrate erhöht, die für den Phasenübergang des Wassers notwendige Energie wird dabei durch Wärmeleitung aus der Körperoberfläche abgezogen. Dabei kühlt die Haut und die oberflächennahen Schichten unseres Körpers ab. Im Grunde genommen ist das der gleiche Effekt, den wir bei Kälte und Sturm als Windchill wahrnehmen - Kühlung, wo wir sie nicht brauchen können. Warum aber fühlt sich ein gewachelter Aufguss so elendiglich heiss an? Simpel gesagt, weil er so feucht ist. Und weil der Schweiss, den wir zur Kühlung produzieren, nicht mehr so gut verdunsten kann, wie in trockener Luft. Warum in Österreichs Saunas so gerne mit Schnaps aufgegossen wird, klären wir ein andermal.
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24. Januar 2010 (0) Comments
Hilfe, ich hasse meinen Chef!
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 03/2010
Liebe Frau Andrea,
seit rund 40 Jahren verdiene ich meinen Macherlohn unter diversen Chefredakteuren. Ganz ehrlich, keinen von ihnen habe ich je gemocht. Ich glaube, dass dem weniger eine Phobie zugrunde liegt, als eine tiefgründige Abneigung gegen die Exemplare von Chefredakteuren, die ich im Lauf der Zeit kennen gelernt habe. Seit mehr als zwei Monaten habe ich es wieder mit einem besonders inkompatiblen und inkompetenten zu tun. Können Sie mir und meinen Kollegen raten, wie man so jemanden los wird, ohne dass er sein Gesicht verliert?
Sehr verbunden,
Helene Behlich, Wieden, per Elektropost
Liebe Helene,
Die Angstforschung hat für so ziemlich alle Befürchtungen und Abneigungen Bezeichnungen in die Welt gesetzt, von der Ablutophobie, der Angst sich zu Waschen bis zur Zoophobie, der Angst vor Tieren. Die Angst vor Chefs und Vorgesetzten ist bemerkenswerterweise nicht dabei. Das darf uns insoferne nicht beunruhigen, als das Individuum auf dem Gebiet der Bewältigung sozialer Phobien äusserst kreativ ist und diesen mit einem vielfältigen Instrumentarium an Strategien begegnet. Eine beliebte Lösung in den Büros dieser Welt ist das Entwickeln verhüllender Ängste, hier wollen wir die Kathisophobie erwähnen, die Angst sich niederzusetzen, die Ideophobie, das Zurückschrecken vor Ideen, oder die Graphophobie, die Furcht vor dem Schreiben. In ihrem speziellen Fall fände die Bezeichnung Misarchie ihre Berechtigung, die Abneigung Autoritäten gegenüber. Ich halte diese im Rahmen von hierarchischen Systemen für unheilbar und rate zur Selbstständigkeit. Ein Schritt der wohl überlegt sein will, gewiss, aber er würde sie schlagartig von ihrem Grundsymptom befreien, der Theatrophobie, der Angst, jemand lächerlich zu machen. Wie man einen unliebsamen, ja inkompetenten Chef ohne Verlust seines Gesichts loswird, kann ich als bekennende Archophobikerin nicht wirklich beantworten. Das Problem könnte in dieser Form durchaus unlösbar sein. Mein Rat: Putschen Sie ihre Ängste und Abneigungen, befreien Sie sich von den Fesseln der Bevormundung durch Hilflose und werden Sie selbst Chefin!
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18. Januar 2010 (0) Comments
Kinder, Könige, Knete und Knöpfe
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 01.02/2010
Liebe Frau Andrea,
letzte Woche zogen die Scheinheiligen Drei Könige wieder durchs Land, und abermals versuchten sie ihre traditionelle Sachbeschädigung an meiner Eingangstür zu verrichten, wieder beschmierten sie den Türstock, nachdem die gesangliche Ruhestörung vonstatten ging. (Dem Schattigen von den dreien habe ich diesmal die (m)ohren langgezogen). Meine Frage: Wird eine Klage wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch Erfolg haben? Was raten Sie? In Verehrung,
Andrè Freibad, per Elektropost
Lieber Andrè,
ich begrüsse Ihren Unmut, orte aber Unschlüssigkeit in der Wahl der Waffen. Von einer Klage wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch möchte ich Sie weniger aus moralischen denn aus technischen Gründen abhalten. Ein Gang zum Salzamt könnte nicht sinnloser sein. Gewiss wird die eine oder andere exekutivorganische Kraft ihre Klage entgegennehmen und möglicherweise sogar einen Akt dazu anlegen. Bedenken Sie aber, dass die Mühlen der heimischen Justiz mit der Nichtbearbeitung weit gravierenderer Verfehlungen beschäftigt sind. Ich frage Sie: Was ist das Bemalen eines Türstocks und das Absingen eines Liedes gegen das Versenken einer Bank? Von Selbstjustiz an der Haustüre würde ich ebenso abraten. Junge Königsdarsteller nehmen frühe Beschädigungen in ihr späteres Leben. Wie hätte die Karriere von Jörg Haider ausgesehen, hätte ihm Volksschulkollege Wilfried Scheutz damals in St. Agatha nicht eine feste umg’hängt? Ich rate zu Lug und Betrug. Schreiben Sie schon jetzt vorsorglich die Kürzel 20 - C + M + B - 11 an ihren Türstock. Die nächstjährliche Sternsingerbande wird meinen, eine rivalisierende Dreikönigspartie sei schon tätig geworden und von einer Zweitbebettelung absehen. Falls sie Mut zur Sinnlichkeit haben, könnte Gegenzauber angezeigt sein. Verkleiden Sie sich als Satanspriester und verlangen Sie die Seelen der singenden Kinder. Decken Sie sich mit Exemplaren des “Wachturm” ein und betreiben Sie hinterhältig eine Scheinmissonierung. Eine österreichische Lösung wäre passiver Widerstand. Schütten Sie kiloweise fremdländische Groschen in die Klingelbeutel der Magoi! Auch Knöpfe und Beilagscheiben tun ihr Gutes. Seien Sie kreativ!
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11. Januar 2010 (2) Comments
Zehn Wünsche an die Jahresendperson
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 52/2009
Gefeierte Fragende!
Ich gratuliere. Wer hier landet, hat sich brav und behände durch ein böse dickes Heft geackert oder schlau und listig von der Maschekseite eingeschlichen. Beide Vorgangsweisen begrüsse ich. Bekanntermassen beschäftigt sich dieser Textturm mit der Beantwortung devianter Alltagsfragen, dem Lösen gordischer Sprachknoten und der Enthüllung verborgenen Wissens. Frau Andrea’s Kolumne steht im Dienste der Aufklärung. Es gibt nichts, wonach nicht gefragt werden dürfte und fast nichts, was nicht erhellt werden könnte.
Am Ende des Falter’schen Dienstjahres macht die Kolumne eine Ausnahme, sie wendet sich mit einem Paket an Eingaben an das Salzamt. In den Büroräumen dieser altösterreichischen Institution finden sich gegen Ende jeden Jahres ein paar lichtscheue Gestalten ein, die sich hauptberuflich mit dem Dezemberausklang beschäftigen: Eine junge Dame im Goldkittel, engelsblond gelockt, eine Märchenkrone im Haar, ein weissbärtiger Opa im rotweissen Wams und ein eleganter, nach Acqua di Parma duftender Herr im anthrazitfarbenen Mass-Anzug, genagelten Budapestern und Konfetti auf Schultern und Scheitel. Der Herr mit dem grossbürgerlichen Habitus befindet sich im Zustand der fortschreitenden Champagner-Derangierung. Der illuminierte Gentleman ist Insidern und Auskennern als Jahresendperson bekannt. Die letzte Kolumne des Jahres richtet sich traditionell mit einer kleine Liste von Wünschen an diese drei Herrschaften.
Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, sehr geehrte Jahresendperson, ungeachtet aller bisherigen Enttäuschungen und in mildem Eingedenksein Eures Wunschlöse-Unvermögens übermittle ich Euch meine Wunschliste für das erste der Zehnerjahre. Ihr möget doch bitte Folgendes in Erfüllung gehen lassen:
1. Die Wiedereinführung der Solidarität. 2. Das Bedingungslose Grundeinkommen. 3. Die Trennung von Kirche und Staat. 4. Die Entscheuchung Kärntens. 5. Die Entkärntnerung Österreichs. 6. Die EntORFung des ORF. 7. Ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften. 8. Das Zigaretten-Rauchverbot. 9. Die Wiedereinführung von 13A-Doppelstockbussen. 10. Die Einführung von 24-Stunden Delis nach New Yorker Vorbild.
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21. Dezember 2009 (0) Comments
Wie der Hund in die Pfanne kommt
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 51/2009
Liebe Frau Andrea,
im Kontext meiner studentischen Besetzungsaktivitäten reagierte ein Freund aus dem Inneren Salzkammergut per SMS mit dem Satz "Bei an jedn Hunddaschlogn dabei". Sinngemäß scheint damit gemeint zu sein, "jede Gelegenheit zum Mitmachen zu nützen". Zur Frage nach der Entstehung blieb eine Antwort aber bis dato aus. Bitte helfen Sie mir!
Richard Schachinger, Vöcklabruck, per Elektrobrief
Lieber Richard,
mit grosser Wahrscheinlichkeit hat der von Ihnen eingesammelte canohostile Ausdruck handfeste Wurzeln in lokaler alpiner Tradition. Eine hundemordende Salzkammergutbevölkerung müssen wir dennoch nicht hinter dem Sprichwort vermuten. Das Hunddaschlogn gilt heute als Synonym für jegliche Form von öffentlicher Veranstaltung. Das Zutodebringen von streunenden, tollwütigen oder kranken Hunden darf, dessen dürfen wir gewiss sein, als Gegenteil einer spassigen Veranstaltung angesehen werden. Jemandem also nachzurufen, er oder sie sei bei jedem Hunddaschlogn dabei, meint in Wahrheit gar nicht die Teilnahme an allfälligem Hundeerschlagen selbst. Vielmehr soll insinuiert werden, die so Bezeichneten würden keine einzige Gelegenheit ausfallen lassen, sich gesellschaftlich zu betätigen, und sei es, bei so etwas niedrigem wie dem Erschlagen von Hunden mitzumachen. Gut, das klingt jetzt alles ein bisserl gespreizt, Richard, aber ich denke, Sie verstehen mich.
“Mit an Oasch auf zwa Kiatog” zu sein, mit einem Arsch auf zwei Kirchtagen, oder ein “Schas im Reindl”, ein Darmwind in der Pfanne, wären schon mal derbe Ausdrücke, die jegliche Misokynie vermieden. Zwei andere Wendungen beschreiben, wie die Sache nach dem “Daschlogn” weiterginge. “Auf den Hund gekommen”, soviel wie: Verarmt, im Elend zu sein, bezeichnet den Prospekt auf den vierbeinigen Freund als Nahrungsmittel. Um die Überschreitung des Ernährungstabus nicht auszusprechen, verweisen Sprichwortdeuter hier auf mittelalterliche Geldkassetten, auf deren Boden ein Hund gemalt worden sei, der nur bei höchster Finanzebbe sichtbar geworden wäre. Das Bild ist dennoch eindeutig. Wollen wir schliesslich einen Ort bezeichnen, der an depressiver Unwichtigkeit und tragödischer Wertlosigkeit nicht zu überbieten sei, greifen wir zum Diktum, “hier ist der tote Hund begraben.” Wau wau!
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13. Dezember 2009 (0) Comments
Knallcharge Krampus: kinderschreckendes Kettengerassel
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 50/2009
Liebe Frau Andrea,
nächstes Jahr kommt meine kleine Tochter Zoé in den Kindergarten. Muss ich mit bleibenden Schäden rechnen, wenn sie in ihrer Vorschulkarriere Nikolaus und Krampus nicht kennenlernt?
Desirée Hinterleitner, Neubau, per Elektrobrief
Liebe Desirée,
mit einiger Sicherheit dürfte Ihrer kleinen Prinzessin die Begegnung mit dem Gut-Böse-Team des österreichischen Pantheons erspart bleiben. Es sei denn, sie griffen auf die Dienste privater Nikolaus-und-Krampus-Darsteller zurück. Davor möchte ich eindrücklich warnen. In die Rolle von Teufel und Bischof schlüpfen allzugern alleinstehende Männer, die sich tiefer in ihre Rollen versenken, als es Erziehungsberechtigten lieb sein sollte. Führende Kinderpsychologen haben sich inzwischen mit der Verbannung des Krampus aus Spielstuben und Krabbelwiesen abgefunden, das Fehlen von nikolaudischen Kindergartenbesuchen beklagen sie dennoch. Den Nachweis, dass Bartrauschen, Mitragewackel und das geheimnisvolle Wühlen in tiefen Säcken mit aufgeklärtem Heranwachsen in Einklang gebracht werden kann, bleiben sie schuldig. Sollten sie für ihre Tochter Zoé den Berufsweg einer Psychotante vorsehen, wären frühkindliche Erschütterungen durch erwachsene Verkleidete kein grosser Nachteil. Wie mache ich Prinzesschen, werden Sie mich jetzt fragen, mit dem Prinzip Gut-Böse vertraut? Nichts leichter als das, antworte ich Ihnen, das österreichische Fernsehen hält eine Palette von Sendungen bereit, die jede Schattierung zwischen Himmel und Hölle illustriert. Als Einstiegsvorlesung wollen wir an Andi und Alex aus der Küchensendung “Frisch gekocht” erinnern. Prof. Andreas Wojta und Prof. Alexander Fankhauser spielen behände auf der Klaviatur österreichischer Abgründe. Aber auch die hohen Momente heimischer Kleingötterdarstellung wollen ihnen gelingen. Erdiger geht es im Parlament zu. Zögern Sie nicht, Ihr Töchterchen schon früh mit dem Vokabular des parteipolitischen Insults vertraut zu machen. Eine Karriere im Hohen Haus werden sie gewiss zu diesem Zeitpunkt noch nicht in der Glaskugel ihres Kindes Zukunft sehen, für die Sandkiste eignen sich die Mechanismen parlamentarischer Kommunikation allemal. Sollte sie darin noch immer zu wenig lebensschulenden Krampuseratz erblicken, bliebe immer noch das Hochleistungsmalefizium “Vera”.
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4. Dezember 2009 (0) Comments
Fußballs Farben: Fantastisch fabulös
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 49/2009
Liebe Frau Andrea,
werte Allwissende, da sich das Nationalteam Neuseelands nun zum zweiten mal für die Endrunde einer Fussball-WM qualifizierte, bejubelten die Zeitungen die Qualifikation der "All Whites". Nun erinnere mich aber, dass das Rugby-Team Neuseelands den Spitznamen "All-Blacks" führt. Woher diese Diskrepanz? Aufklärende Worte erhofft
Michael Wögerer, Alsergrund, per Elektrobrief
Lieber Michael,
ihre Erinnerung täuscht Sie keineswegs. Das weltbeste Rugby-Team, die neuseeländische Rugby-Union-Nationalmannschaft spielt traditionell in tiefschwarzen Dressen. Einziger Lichtblick in der Spieleruniform der “All-Blacks”: Weisse Stutzen und das Logo, ein kleiner silberner Farn, die Wappenpflanze der Insulaner. Nachtschwarze Leibchen tragen die “Men in Black”, in dem Maori gleichberechtigt neben Anglosachsen spielen, seit 1893. Ganz in Schwarz spielen sie seit 1905. Die Idee dazu hatte Thomas Rangiwahia Ellison, alias Tom oder Tamati Erihana, legendärer Kapitän von Neuseelands erstem offiziellen Rugby-Team. Gegen diesen Mythos trat die Kiwi-Fußball-Nationalmannschaft erstmals 1981, während der Qualifikationsrunden zur Fußballweltmeisterschaft an - in jungfräulich weissen Rasenuniformen. Seither gelten Neuseelands Kicker als “All Whites”.
Damit befinden sie sich in prominenter Gesellschaft. So kennt die Fußballwelt die italienische Nationalmannschaft im Einklang mit dem piemonteser Königsblau ihrer Dressen als “Squadra Azzurra”, Argentiniens weissblaue Nationalkicker als “Albiceleste”. “Os Canarinhos”, die Kanarienvögel nennen die Brasilianer ihre “Seleção” (Auswahl) aus begreiflichen Gründen nur daheim. Einfacher haben es hier Boliviens “Verdes”, die Grünen und Uruguays “Charrúas”, die Himmelblauen. “Equipe Tricolore”, die dreifarbige Truppe heisst die französische Mannschaft. Wenn sie ganz in Blau antreten, nennen sich die Franzmänner “Les Bleu”, die Blauen. Spaniens Balltechniker treten als “Furia Roja”, Rote Furie an, Belgiens Kicker als “Rode Duivels” oder “Diables Rouges”, Rote Teufel. Die Niederländer kennt man als “Oranje elftal” - kurz “Oranje”, die Iren als “Boys in Green” und die Kroaten gar als “Kockasti”, die Karierten. Deutschland und Österreich ringen noch um einen Namen für ihre Teams. “Unsere Jungs” und “The team formerly know as Cordoba-Truppe” sind noch nicht der Weisheit letzter Schluss.
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30. November 2009 (0) Comments
Derb, derber, Derby
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 48/2009
Liebe Frau Andrea,
letzten Sonntag fand schon wieder ein Fußballspiel Austria Wien gegen Rapid - das sogenannte Derby statt. Bitte woher kommt der Ausdruck? Doch wohl aus dem Mutterland des Ledertretens, oder?
mit fussballerischen Grüssen,
Joe Schmelzer, per Gesichtsbuch
Lieber Joe,
zur Erklärung des Begriffs gibt es Theorien mit unterschiedlichem Potential. Nach einer von ihnen soll der Ausdruck aus der mittelenglischen Stadt Derby kommen. Dort findet seit dem Mittelalter im Dorf Ashbourne im Nordosten der Stadt das Shrovetide-Fußballspiel statt, es ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert: Mehr als tausend Spieler treten auf einem Spielfeld an, das das ganze Dorf umfasst. Die gegnerischen Tore, zwei Mühlsteine, sind etwa 3 Meilen von einander entfernt. Ein französischer Beobachter notierte 1829 voll Schrecken: Wenn die Engländer das Spielen nennen, möchte ich nicht wissen, wie bei ihnen Kämpfen aussieht. Eine andere Theorie meint den Begriff “Derby Match” - in der Begegnung der beiden Clubs Liverpool und Everton auszumachen. Ihre beiden Spielfelder waren durch einen Park getrennt , der dem Earl von Derby gehörte. Ebenfalls auf einen Earl von Derby, den 12ten des Namens bezieht sich die wahrscheinlichste Deutung. Das legendäre “Derby-Pferderennen, seit 1780 in südenglischen Kurort Epsom ausgetragenen, wurde alljährlich von nicht weniger als eine halben Million Zuschauern besucht.
Der moderne Fussballfan versteht unter Derby ein Aufeinandertreffen rivalisierender Mannschaften der selben Stadt. Legendär ist “das “Old Firm” zwischen den Glasgower Clubs Celtic und Rangers. Aus zwei Kontinenten kommen gar die Mannschaften des meistgefürchteten Derbys der Welt, die Istanbuler Vereine Fenerbahce und Galatasaray. Fussballspezialisten können aus dem Tiefschlaf erweckt gewiss an die hundert legendäre Derbys aufzählen, unsere Aufzählung muss sich mit ein paar davon bescheiden: Dem Derby del Colosseo zwischen Roma und Lazio etwa, der Paarung Cracovia Kraków - Wisła Kraków, von den Polen pathetisch “Der Heilige Krieg” genannt, oder dem Revierderby zwischen Borussia Dortmund und Schalke 04, Gegner im Kampf um den Titel “Meister unter Tage”. Als “Mutter aller Schlachten” hingegen gilt “El Superclásico”. Das „Superderby“, in Buenos Aires zwischen den Klubs River Plate und Boca Junios soll in seiner 96-jährigen Geschichte angeblich schon 250 Menschen das Leben gekostet haben. Schiedsrichter ans Telefon!
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23. November 2009 (0) Comments
Weltuntergang. Wie wird’s werden?
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 47/2009
Liebe Frau Andrea,
angesichts des Medienhypes um den neuen Roland-Emmerich-Film 2012 hab ich im Netz zu recherchieren begonnen und mich auf Mayakalender- und End-of-the-World-Seiten herumgetrieben. Ich werde nicht ganz schlau. Kommt jetzt der Weltenbrand oder ist das alles nur Chimäre?
mit ernsten, aber nicht ganz unbesorgten Grüssen,
Martin Weber, per Elektronachricht
Lieber Martin,
Die grandiosen cinematographischen Effekte von Hollywoods neuestem Doomsday-Movie sind gewiss einen Kinobesuch wert. Die apokalyptische Kitschorgie eines Vorarlbergers und eines Schwaben sind die neuesten Schichten am jahrzehntelang ausgewalzten Blätterteig astronomischer Vorhersagen zum Ende der Welt. Sie basieren lose auf der sogenannten “Langen Zählung” des Maya-Kalenders, der für den 21. Dezember 2012, nach Ablauf einer 5.126jährigen Ära die erstmalige Wiederkehr des Schöpfungstages postuliert. Dabei greift der Film die 1958 vom Polverschiebungsalarmisten Charles Hapgood vorgestellte Hypothese der Erdkrustenverschiebung auf, die begleitet von Erdbeben, Vulkanausbrüchen und Tsunamis zum Weltuntergang führen soll. Glaubt man den zahlreichen Autoren der 2012-Literatur, wussten die Mayas Dinge über den Himmel, die tausenden professionellen Astronomen mit Multimilliarden-Euro-Teleskopen, Sonden und Satelliten bisher verborgen geblieben ist. Aufgeklärte Wissenschaft hält offenbar nicht Schritt mit der mystischen Erkenntnis einer alten abergläubischen Kultur. Was ist also dran am Polsprung, am Zusammenbruch des Magnetfelds, an der lebensgefährlichen Überquerung des Milchstrassenäquators und anderen Gründen für das Jüngste Gericht? Wenig. Um eine Schwungmasse wie die Erde ernsthaft ins Taumeln zu bringen, bräuchte es den Impakt mit einem Objekt in Marsgrösse. Alle martialischen Protoplaneten wurden vor 4 Milliarden Jahren in den interstellaren Raum gekickt. Das Sonnensystem ist stabil. Wildgewordene Planeten sind nicht zu erwarten. Und das Überqueren des Milchstrassenäquators? Die gedachte Ebene ist - gedacht. Sie hat auf die Kinetik unseres Mutterplaneten soviel Einfluss wie die gedachte Linie Stephansturm-Millieniumstower auf die Sicherheit der sie querenden U-Bahn-Züge. Aber das Magnetfeld! Nada. Das Feld hat seine Orientierung zehntausende Male über Erdgeschichte umgekehrt. Dass eine Magnetfeldumkehrung je Massensterben aufgrund erhöhter kosmischen Strahlung ausgelöst hat, lässt sich nicht beweisen. Bleibt der Mayakalender. Irgendwas werden die sich ja gedacht haben. So ist es. Aber wie Andreas Fuls, Wissenschaftler des Instituts für Geodäsie und Geoinformationswissenschaft der Technischen Universität Berlin in seiner Dissertation berechnet hat, geht die Lange Zählung der Mayas erst am 6. November 2220 durch den Nullpunkt dieses Irgendwas. Time to relax.
www.comandantina.com dusl@falter.at
16. November 2009 (0) Comments
Bachelor: Bessere Benennungen bringen's.
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 46/2009
Liebe Frau Andrea,
nun bin ich endlich mit der FH fertig und ein "Bachelor of Science". Meine stolzen Eltern, die Oma und ich fragen uns jetzt, wie man mich anreden soll, um meinem akademischen Grad gerecht zu werden. Wie werde ich ab sofort im Ärzte-Wartezimmer aufgerufen, um mich würdevoll zu erheben und allen anderen Wartenden zu zeigen, dass ICH der "Herr Bachelor" bin?
Besten Dank und liebe Grüße,
Max Mustermann (B.Sc.), per Elektronachricht
Lieber Max,
ich gratuliere ganz herzlich zum Bakkalaureat. Nie wieder wird irgendetwas wieder so sein wie vorher. Nicht für Sie und nicht für andere. Sie befinden sich im Orbit um den Planeten Normalität. Im Gegensatz zu den präbolognesischen Titeln Doktor, Diplomingenieur und Magister, die in Österreich bekanntermassen dem Namen vorangestellt werden, erfahren wir gerade die Evolution des akedemischen Anredeprozesses. Eine Frau Doktor und ein Herr Magister werden wohl auch in Zukunft beim Fleischhauer, beim Abschleppdienst oder in der Apotheke als solche apostrophiert werden. Was wir noch nicht wissen ist, wie der Volksmund mit dem neuen, aus dem anglosächsisch-universitären Raum auf uns gekommenen Titel Bakkalaureus umgehen wird. Wir wollen also spekulieren. Die englische Bezeichnung Bachelor kommt von der lateinischen Bezeichnung Baccalaureus, sie lässt sich aus der mittelalterlichen Bezeichnung Baccalaria (kleines Lehn-Grundstück) herleiten. Die These, wonach Bakkalaureus ein Amalgam aus Baccalar (Kleingrundlehner) und laureus (Lorbeer) wäre, dürfen wir getrost wieder ins Regal stellen. Vielmehr soll das französische bachelier von bas chevalier (niederer Ritter) kommen. Der Bakkalaureus, eine latinisierte Verschleifung dieses Ausdrucks gilt seit dem 13. Jahrhundert als Einstieg in die akademischen Grade. Er wurde erstmals an der Pariser Sorbonne verliehen. Deutschsprachigen Universitäten kannten den Titel als Bakkalor oder Baccalar. Sie lägen sprachtechnisch also richtig, wollten sie sich im profanen Raum hinkünftig nicht denglisch als Bätschler oder Bätschala, sondern als Bakkalar, Bakkalor, ja Bakler, Baklor ansprechen lassen, im Extremfall gar als “Kleinritter ohne Lorbeer”. Gaudeamus igitur!
www.comandantina.com dusl@falter.at
9. November 2009 (2) Comments



