Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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In Schwimmen 2 Lerchenfelderstrasse
Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 20/2010
Liebe Frau Andrea,
auf Facebook und YouTube zirkuliert ein Handyvideo, das reissende Sturzbäche in einer Wiener Vorstadtstrasse zeigt. Erst schwimmt ein Blumenkübel im kniehohen Wasser talwärts, dann fetzt es zwei Passanten vorbei, die von einem Dritten aus den Fluten gerettet werden. Das Video soll während der Unwetter vom letzten Donnerstag gemacht worden sein. Kritiker aber meinen, die Aufnahme stamme vom 13.5.2001. Wo war das und wann und wie können in Wien solche Wassermassen auftauchen? Oder war das gar nicht Wien? Wasserratlos,
Udo Gruber, Klagbaumgasse, per Elektronachricht
Lieber Udo,
der 13. Mai 2001 ist als strahlender Sonntag in die Archive eingegangen. Über Mitteleuropa lag ein Hochdruckgebiet. Als Tageshöchstwert wurden in Wien um fünf Uhr Nachmittags maienhafte 19° gemessen. Niederschläge gab es an diesem Tag keine. Das Video mit den reissenden Strassenfluten stammt aus Wien, aber es ist nicht neun Jahre alt, sondern ganz frisch. Es wurde am 13. Mai 2010 im Sonnenstudio Sun One in der Lerchenfelderstrasse 162 aufgenommen. Diese Seite der Strasse liegt schon im Achten Bezirk. Der Blick in besagtem Video (es ist auf http://www.youtube.com/watch?v=G0MhD5NAUT0 abrufbar) geht durch die grossen Auslagenscheiben des Sonnenstudios Richtung Siebten auf die Kreuzung Kaiserstrasse/Lerchenfelderstrasse, einen Häuserblock vom Gürtel entfernt. Die braunen Fluten schiessen aus der Thaliastrasse kommend die Lerchenfelderstrasse hinunter. Bei den Wassermassen, ausgelöst durch einen Wolkenbruch mit der Regenmenge eines ganzen Monats, handelt es sich, salopp ausgedrückt, um den übergeschnappten Ottakringerbach. Er hat sein Kanalbett unter Thaliastrasse und Lerchenfelderstrasse verlassen und rauscht oberirdisch talwärts. Welche Kräfte der wilde Wienerwaldbach auf seiner Route von Galitzinberg bis zu seiner heutigen Mündung im Wienfluss entwickeln kann, lässt sich am Tiefen Graben feststellen. Der tief in das Gelände eingeschnittene Strassenzug in der Innenstadt ist das alte Bett des Ottakringerbaches.
www.comandantina.com dusl@falter.at
........................
Hier das oben erwähnte Video, mit inzwischen korrigiertem Datum:
16. Mai 2010 © Andrea Maria Dusl
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