Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Für meine Kolumne 'FRAGEN SIE FRAU ANDREA' in Falter 44/2009
Liebe Frau Andrea,
in einem beliebten Forum haben mehrere Leute am Rande von was ganz anderem über die Schreibung von "einmagerieren" vs "einmagarieren" diskurriert. Warum "einmagarieren", wie der Duden meint? Im Französischen scheint es fern mir zugänglicher Wörterbücher "magarer" bzw "se magarer" zu geben, vor allem im Zusammenhang mit ungünstigen Beziehungsentwicklungen. Oder soll ich mir die ganze Diskussion am besten gleich einmag'rieren? Bitte helfen Sie! Mit bestem Kratzfuß,
Mirko Burijan
1150 Wien, per Elektronachricht
Lieber Mirko,
vor der Erörterung allfälliger Herkünfte wollen wir dem unwienerischen Publikum und den Sprechern ferner Idiome näherbringen, worum es sich bei unserem “einmagriern” eigentlich handelt. Wenn die Wienerin oder der Wiener zum Ausdruck bringen möchte, eine Sache oder eine Person befinde sich ausserhalb des Fokus ihres oder seines ganz persönlichen Interesses, wird gerne das Verbum “eimagrían” zum Einsatz gebracht. Sätze können dann lauten: “Loss di eimagrían” (Lass dich einmagerieren) oder: “De gfeudn Wuaschdraadl kennan sa se eimagrían” (Die fauligen Wurstschnitten können sie sich einmagerieren). “Kannste knicken” würde der Deutsche sagen, vergessend, daß wir Wiener akut Einzumagerierendes oft gar nicht knicken können, kommt der Ausdruck doch vom Vorgang des Einmarinierens, Einlegens, des luftdicht in Gläser oder Tiegel Abfüllens. Seine Herkunft aus dem Französischen kann das Eimagrían (das "Einmagerieren") nicht ganz verleugnen. Es kommt von mariner (marinieren) und dieses wiederum von mariner (in Salzwasser einlegen). Das g hat sich das Wienerische zusammenhanglos aus der Margarine ausgeborgt. Das Wort für die streichfähige Kunstbutter ist seinerseits eine Erfindung. Der Name beruht auf einer Entdeckung des Pariser Chemieprofessors Michel Eugène Chevreul, der 1819 bei Forschungen über Rinderfett weissglänzende Kristalle in seinem Reagenzglas gefunden hatte und nach dem griechischen Wort „margaron“ (Perle) benannte.
www.comandantina.com dusl@falter.at
22. Oktober 2009 © Andrea Maria Dusl
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Kommentare
Liebe Andrea Dusl!
Das Wort "einmargerieren" stammt höchstwahrscheinlich nicht von "Margarine" ab, sondern von einem Mundartausdruck, der in Tirol, Kärnten und Salzburg belegt ist, nämlich "Marge" (= kleiner Kasten für Esswaren, Küchenschrank), auch "Kuchelmärgen".
"Das kannst du dir einmargerieren" hat also ursprünglich so viel wie "Das kannst du dir ins Kastl stellen" bedeutet. Die Vorsilbe "ein-" dient nur der Verdeutlichung. Wenn sekundär eine Anlehnung an ein anderes Wort stattgefunden hat, dann am ehesten an "marinieren". In diesem Punkt sind wir ja einer Meinung. Der Gleichklang mit "Margarine" scheint jedenfalls rein zufällig zu sein.
Liebe Grüße
Robert Sedlaczek
PS.: Ich habe das in dem Buch "Die Sprachirrtümer Österreich" erläutert, wobei die Verwandtschaft mit "Küchenkastl" meinem genialen Ko-Autor Sigmar Grüner aufgefallen ist. Leider ist Sigmar Grüner inzwischen verstorben. Ich schreibe dieses Posting auch deshalb, um die Arbeiten dieses leidenschaftlichen Mundartforschers zu würdigen.
Robert Sedlaczek | 05.11.09 00:14



Robert Sedlaczek | 05.11.09 00:14