Wie ich links wurde, ...

...obwohl ich es schon war.

Vom Erfinden der Beichte, dem Aufwachsen in unheiligen Zeiten und dem linken Furor gegen Bruno Kreisky. ANDREA MARIA DUSL für Falter 22/2007

Wenn ich es recht bedenke, war ich immer schon links. Schon meine Ururgroßeltern sind glühende Linke gewesen. Zu einer Zeit, als das für aufgeklärte Bürgerliche mit viel Geld und Tagesfreizeit eine charmante Folie war. Dieses großbürgerliche Linkssein, das auch Bruno Kreisky ausstrahlte, war bei mir zuhause Religion.

Kein Wunder, dass mein Vater, ein genetischer Slawe mit österreichischer Lackierung, den mütterlichen Familiensozialismus mit katholischer Erziehung zu ersticken versuchte.

Sein Kalkül, mich in die Erziehungskerker der Schulschwesternburg zu werfen, hatte existenzielle Motive: Mein irregeleiteter Vater versprach sich von der Nähe zum Katholizismus die Progression seiner schleppenden Karriere als Kirchenarchitekt. Der Irrtum, in dem er sich befand, wurde erst Jahrzehnte später aufgeklärt: Als Ehemann einer Lutheranerin lebe er in ständiger Sünde, hieß es kirchenintern, von einem häretischen Fremdling ließe man sich kein Gotteshaus bauen. Da sei der Teufel davor. Weil also kein und kein Betonkirchlein bei ihm bestellt wurde, baute mein Vater Gemeindebauten und Gewerkschaftssiedlungen. Die Wiener Sozialdemokratie hatte im Gegensatz zum bischöflichen Ordinariat ein offenes Ohr, wann immer er im Rathaus vorstellig wurde, um einen Auftrag zu ergattern.

SPOe.jpgSchon von Kindesbeinen an waren also die Roten für mich die, die unsere Familie ernährten.
  
Die Schwarzen aber, das waren die Nonnen, die mir Ohrfeigen runterhauten, wenn ich in der Pause eine Geschichte von mir gab, oder mir mit dem Bambusstab über die Finger wichsten, wenn ich statt des Mollakkords einen Durdreiklang ins Klavier drückte.
  
Für die Rechte ging ich endgültig verloren, als der Tag der Erstkommunion mit dunklem Habit auf mich zuschritt. Wer sein Sündenregister nicht reinige, hieß es, wer nicht minutiös und lückenlos den Katalog an sündig Begangenem beichte, dem werde es am Tag der Heiligen Erstkommunion böse ergehen: Noch am Weg zur Ersteinnahme des Leibs unseres Heilands werde sich der Höllenschlund auftun und mich, so funkelte Schwester Benedikta mit schaurigem Nonnenblick, in die Tiefe ziehen. Und für immer bei lebendigem Leibe verzehren. Schluck.

Solch Ungemach kam in den bösesten Micky-Maus-Geschichten nicht vor. Das war ein Szenario aus den Gespensterheften. Nur: Was beichten? Mir wollte beim besten Willen keine böse Tat einfallen. Nicht die klitzekleinste Sünde. Nicht mal meine Brüder hatte ich gebirnt. Ich war der Inbegriff des braven Kindes.
  
Also erfand ich mir schnell ein paar böse, ein paar richtig böse Taten. Und die drückte ich mit den Arabesken der Übertreibung durch das Beichtsieb.
  
War ich sieben oder acht? Keine Ahnung. Ich war klein und rein und voller Lüge. Und mit diesem unkatholischen Ballast schritt ich zur Verspeisung des Jesuleibes, in der bitteren Gewissheit, auf der siebten Marmorkachel der Leopoldskirche im zweiten Wiener Hieb in die Hölle zu fahren. Dass ich ohne Sünde war, so wie ich es sah, hätte mir die Nonnenbande nie geglaubt. Und Gott, ihr Arbeitgeber, so versicherten sie mir, schon gar nicht. Gott, mit dem sie täglich Konferenz hielten.
  
17 Schritte waren es bis zum Altar, und ab der achten Fliese war mir klar: Es gibt keinen Gott. Der Höllenschlund hatte sich nicht aufgetan. Alles war Lüge, Chimäre, Teil einer eitlen Inszenierung. An diesem Tage bin ich links geworden. Ganz persönlich links. Ich hielt zu Donald und war gegen Dagobert, ich war für die Indianer und gegen die Kavallerie, für Freitag und gegen Robinson.

Der-Linke.jpgBruno Kreisky kam zur selben Zeit ins Bundeskanzleramt wie ich ins Gymnasium. Und ins Justizministerium kam ein Onkel von mir: Christian Broda. Es war eine gute Zeit. Schulbücher wurden verschenkt und das Straßenbahnfahren war gratis. Warum das manche empörend fanden, weiß ich nicht. Links war doch die Hand mit der Jimi Hendrix spielte, links hatte was Exklusives!Dass der Begriff der politischen „Linken“ aus Frankreich kam, war auch logisch. In Paris lebte mein Cousin Bertin. Wenn er auf Besuch kam, brachte er mir Platten von George Brassens mit und Comics von Pilote.

Links, gauche, so wusste man aus dem Geschichtsunterricht, hatte sich ursprünglich auf die parlamentarische Sitzordnung nach der Revolution von 1830 bezogen. Alles passte zusammen und wenn es nicht zusammenpasste, wurde es passend gemacht. Links war, „Steppenwolf“ zu lesen und Texte von Bob Dylan. Clapton Gott nennen, patschuligetränkte Palästinenserschals zu tragen und amerikanische Militärtaschen mit dem Peace-Symbol.
  
Links war es, „Whole Lotta Love“ zu hören und die Arena zu besetzen. Gedichte zu schreiben, im Hawelka Camel zu heizen und das Haar lang und offen zu tragen. Links war natürlich auch Party und Schmusen. Der Summer of Love hat in meiner Erinnerung elf Jahre gedauert. Bis ich über die lachende, aber asexuelle Sonne der Antiatomkraftbewegung stolperte. Von dort bis nach Hainburg war es nur ein kurzes Fallen.
  
Paradoxerweise zielte unser linker Zorn nicht auf den emeritierten Klassenfeind. Der linke Furor war familiär und schmerzhaft, er richtete sich gegen den mürrischen Altvater des Nachkriegssozialismus, Bruno Kreisky. Gegen seine Kronprinzen Androsch, Blecha und Gratz. Links leuchtete an denen nichts. Die Brieftasche vielleicht.
  
An der Weggabelung Hainburg hat die Sozialdemokratie viele Linke an die gerade entstehenden Grünen verloren. Als die sich formierten, war ich auch dabei. Im Schlepptau von Günther Nenning. Der bunte Haufen begann seine Parteiwerdung mit dem grünbraunen Konrad Lorenz, mit lächerlichen Kostümen und obskuren Politdilettanten in Unfallfrisuren. Meine Welt war dort nicht im Entstehen. Heimlich habe ich über die Jahre rot gewählt und dabei unheimlich über Vranitzky, Klima und ihren Bankdirektoren-Sozialismus gewettert.

Entlinkst haben sie mich nicht. Und als der kleine Kanzler an die Macht kam, und die dunkelschwarze Zeit ausrief, war mein linkes Feuer mitsamt der Unangst vor den Höllenschlünden wieder entfacht. Gusenbauer, ein Besserwisser wie ich, hat sich mit seiner botanischen Politik des unsichtbaren Fortschreitens in mein Herz geschlichen. Woran das wohl liegt? Vielleicht daran, dass wir in denselben unheiligen Zeiten aufgewachsen sind?

29. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Plädoyer für die Langsamkeit

Saturn-V.jpgIch bin in einer seltsamen Zeit aufgewachsen. Es gab keine Handys, es gab kein Internet und die Computer waren so groß wie Bungalows. Musik wurde von Leuten gemacht, mit Frisuren so gross wie Kleinplaneten. Und Sohlen von der Höhe einer Hochzeitstorte. Es war eine coole Zeit. Und sie dauerte ewig. Denn es war eine langsame Zeit. Das schnellste, was es zu dieser Zeit gab, war die Saturn V. Die Rakete, mit der man Menschen zum Mond brachte. Gut der Mond war weit weg, und wenn sie mal im All war, flog Brauns Rakete auch ganz schön hurtig. Aber hier unten? Minuten dauert es, bis sich der Riesenspargel gegen die Schwerkraft gestemmt und ein paar Etagen an Höhe gewonnen hatte.

Eine coole Zeit. Ich mochte sie. Eine Zeit der gesunden Langsamkeit. Sie hatte nur eine Sehnsucht. Die Sehnsucht nach Geschwindigkeit. Schneller wo anders sein, schneller fertig sein, schneller schnell sein. Schnellsein war irgendwann cool geworden. Cooler als die Mucke der Frauen und Männer mit den Lockenkugeln. Mehr Freizeit wurde versprochen, mehr Individualität, mehr Fortschritt, mehr Freiheit. Und eingelöst wurden diese Versprechen mit einer prosperierenden Währung: Geschwindigkeit. Ein perfider Plan der Industrie. Denn ausser Geschwindigkeit ist alles andere dem Sparstift zum Opfer gefallen. Speed hat den Planeten befallen. Alles geht zu schnell. An der Supermarktkasse, beim Bankomat, an der Ampel, im Bus. Wo auch immer wir sind - ständig haben wir das Schuldgefühl, zu langsam zu sein. Wir sind eingespannt ins Joch der neoliberalen Eilslehre: Hasten statt Rasten. Rennen statt Pennen.

Herbie-Hancock-Secrets.jpgSeit die Globalisierer den Kaputspruch “Time is Money“ in die Matrizen unseres Daseins gestanzt haben, befinden wir uns in der Geschwindigkeitsspirale. Dem Hagelsturm des Hastens entkommen wir nur mit einem allerletzten Sprung in die Nebel der Langsamkeit. Wie das geht? Ganz einfach. Statt auf Tempo 45 abzuhotten und alle drei Minuten die Scheibe zu wechseln, müssen wir Lernen, unser Leben auf 33 downzugraden. Ein Leben in Longplay und Konzeptalbum sozusagen. Chill as chill can. Die Entschleunigung des Selbsts beginnen wir an der Supermarktkasse: Zählen wir zwischen den verschiedenen Produkten, die wir auf das Förderband legen, laut und langsam bis Sieben. Antworten wir auf hektische Vorwürfe der Kunden hinter uns, der Kassierin, des Filialleiters, des Konzernspeedbeauftragten, der Weltpolizei, das ginge auch schneller, auf Lateinisch oder Sanskrit. Und legen wir uns Musik von Leuten mit Kleinplantenfrisur zu.

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Für planet° - Zeitung für politische Ökologie der Grünen Bildungswerkstatt Österreich.

26. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Butchige Komplikationen

Butch-Margot.jpgLiebe Frau Andrea,

eben lese ich im „Falter“ Ihre erhellenden Ausführungen zum Thema „Stiefmuttertägliches“. Meine Zwillingshalbschwester hat zu diesem Thema einiges durcheinandergebracht, weshalb ich Sie neuerlich bemühen muss. Nicht ihr Vater, schon seit langem der Familie abtrünnig, sondern unsere mittlerweile lesbische Mutter hat eine neue Freundin in den Haushalt gebracht. Insofern ist die Frage dahingehend abzuändern, ob, wie von Ihnen dargelegt, als Stiefmutter nur die neue Ehefrau des eigenen Vaters gilt, oder ob dieser Status auch jener der eigenen Mutter zukommt, denn die beiden haben vor kurzem in Spanien geheiratet (inwieweit das hier Rechtskraft hat, weiß ich nicht). Komplizierend kommt hinzu, dass Margot – die neue Gattin meiner Mutter – früher mit meinem Farbtherapeuten Dr. Sauerzopf verehelicht war, der über sie sagt, sie sei ein „kesser Vater“, mir aber eine nähere Erläuterung dieser Bezeichnung schuldig blieb. Müsste ich Margot jedoch als Stiefvater akzeptieren, würfe das die Zusatzfrage auf, ob ich ihr dennoch Stiefmütterchen schenken könnte, und wenn ja, zum Mutter- oder zum Vatertag?

Mit herzlichen Grüßen, La Ruina,
Castello Sezzate, Toscana

Carissima Ruina,

zum Familienglück riete ich dieses: Kessen Vätern (maskulinisierte Lesben, im englischen Butches genannt) schenke man am Vatertag, dem 2. Sonntag im Juni. Und zwar Rasierwasser und Partagas. Sollte Margot stiefväterliche Gefühle entwickeln, wollten Sie ihr zu einem einen butchigeren Vornamen raten. Kerl, Hartmann und Burschi wären keine falsche Wahl.

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 22/07
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Von: Frau Andrea
An: La Ruina, Castello Sezzate
Thursday, May 24, 2007 10:16 PM

Liebste Ruina,

ich werde mich an der Beantwortung dieses Fragenkonvoluts versuchen. Vielen Dank und beste Maigrüsse in die Toscana!

Andrea


Von: La Ruina
An: Frau Andrea
Donnerstag, 25.05.2007 12:20 PM:

Danke für die Maisgrütze. Ich bin hier zur Entziehungskur, weil ich feststellen musste, dass ich auf "Mitten im 8en" süchtig war. Und hier ist kein TV, nur Glühwürmchen.
LG, LR


Von: Frau Andrea
An: La Ruina, Castello Sezzate
Monday, May 28, 2007 7:10 PM

Beste Grüsse ins Chianti. Eine Antwort auf die ruinöse Frage erscheint im Feudl vom Mittwoch, ist aber schon hier ---> www.comandantina.com sichtbar:

Kessen Vätern (maskulinisierte Lesben, im englischen Butches genannt) schenke man am Vatertag, dem 2. Sonntag im Juni. Und zwar Rasierwasser und Partagas. Sollte Margot stiefväterliche Gefühle entwickeln, wollten Sie ihr zu einem einen butchigeren Vornamen raten. Kerl, Hartmann und Burschi wären keine falsche Wahl.

Aspora Dränger


Von: La Ruina
An: Frau Andrea
Dienstag 29.05.2007 um 7:56 PM

Werte Frau Andrea,

ganz lieben Dank für die Ratschläge; bis zum 10. Juni ist es ja nicht mehr weit hin, und dann wird sich zeigen wie Margot reagiert. Ich wusste zwar nicht dass Frauen sich dort rasieren, werde ihr aber ein Fläschchen "TARR" After Shave schenken, das ich - noch orginalverpackt in der Cellophanhülle - unter Papis Zurückgelassenem im Keller gefunden habe (aber das muss sie ja nicht erfahren). Zigarren raucht sie nicht, aber manchmal Wasserpfeife.

Übrigens erfuhr ich inzwischen von Dr. Sauerzopf, dass Margot vor einiger Zeit den mohammedanischen Glauben angenommen hat, weil sie sich tendenziell einen Harem mit vier Gattinnen halten möchte. Worauf hat sich meine Mutter da nur eingelassen?! Mich verwirrt das natürlich auch, denn wenn Margot jetzt die Position meines Stiefvaters zukommt, wird sie ja womöglich erwarten, dass ich ihre drei anderen Frauen als Stiefmütter anerkenne.

Sind Ihnen in Ihrer Beratungspraxis schon ähnliche Fälle untergekommen, in denen jemand zwei Stiefelternteile bzw. mehrere Stiefmütter gleichzeitig hatte? Ich wäre jedenfalls sehr an einem Erfahrungsaustausch mit anderen Betroffenen interessiert.

In herzlicher Verbundenheit,
Ihre LR


Von: Frau Andrea
An: La Ruina, Castello Sezzate
Wednesday, May 30, 2007 4:06 PM

Beste Ruina,

soviele Menschen in Europa müssen mit schlampigen Familienverhältnissen leben, es wäre Ihnen sicher Rost und Trat, wenn ich unsere Konversation online stellte. Wer weiss, ob nicht dem einen oder der anderen durch unsere Erörterungen geholfen werden könnte.

Zur Sache dieses: Ausser TARR empfiehle ich auch Herrendüfte der Marken "OLD SPICE" und das gute alte "PITRALON". In der Not wäre auch ein Finger Dieselöl hinter die Ohrläppchen kein falscher Rat.

Ist Margot eigentlich Autofahrerin? Was fährt er? Hoffentlich einen lendenstarken Wagen. Deutsch? Der Taxifahrer Margotti in Bad Aussee fuhr stets Mercedes Baujahr 1956.

Sie sehen auch die Kummertante hat Fragen.

Beste Grüsse ins Chianti. Der Bundeskanzler und ich beneiden Sie.

Andrea


Von: La Ruina
An: Frau Andrea
Mittwoch, 30. Mai 2007 20:49:13

Werte Frau Andrea,

meine Bewunderung für die subtile Konstruktion Ihrer Nachrichten wächst von Mal zu Mal. Sobald ich - bei der jüngsten - verstanden hatte, dass der erste Satz der Schlüssel für das Verständnis des letzten ist (und umgekehrt), war mir klar, wie tief Sie mich ins Vertrauen ziehen. Ist das Mäderl denn bei Frau Steiner geblieben oder haben Sie jetzt selbst stiefmütterliche Pflichten?

Von den erwähnten Duftmarken "Old Spice" und "Pitralon" habe ich schon gehört, verbinde mit ihnen aber keine olfaktorische Erinnerung. Ich verstehe jetzt natürlich auch besser weshalb Sie sich damit befassen, weil er scheint ja stark zu transpirieren, jedenfalls vermitteln einem die Fernsehbilder diesen Eindruck. Vielleicht kann ich mich diesbezüglich mit einer Empfehlung revanchieren: Papi hat immer "Blenheim Bouquet" oder "English Fern" von Penhaligon's benützt, die sind beide so kräftig und rezent dass man immer nachsehen musste ob die WC-Ente noch da ist.

Margot, weil Sie danach gefragt haben, hat derzeit kein Auto, sondern fährt ein Zündapp-Beiwagengespann aus Wehrmachtsbeständen. Meine Mutter hat schon komische Ringe um die Augen, weil sie im Beiwagen immer sonderbare Brillen an Gummibändern tragen muss. Dr. Sauerzopf meint aber, dass Margot auf einen Hummer-Geländewagen umsteigen wird, sobald sie ihren Harem beisammen hat.

Ich muss allerdings gestehen, dass ich seit Ihrer überraschenden Enthüllung viel mehr an Sie als an Margot denke. Hoffentlich kriegen Sie es nicht in die falsche Kehle, aber die erste Einsicht die sich mir aufdrängte war, dass ja auch die Monroe keine schönen Männer hatte.

Mich ruft jetzt die Pasta, addio und alles Gute, Ihre

LR


Von: Frau Andrea
An: La Ruina, Castello Sezzate
31. Mai 2007 18:51:35

Beste Ruine,

gerne schlug ich Rat.

Wasserpfeife. Hmm. Margot raucht Wasserpfeife. Von da zu einer gepflegten Cohiba, Romeo y Juliet, der erwähnten Partaga, jedenfalls einer gut gewickelten cubanischen Cigarre sollte der Weg nicht allzu weit sein.

Herr Sauerzopf lässt mich indes nicht los. Sprechen wir vom legendären burgenländischen Conservativen Ferry Sauerzopf? Vom Mohammedanismus möchte ich abraten. Atheismus vertägt sich ebenso gut mit der Vielweiberei, bringt aber nicht die bekannten Nachteile des arabischen Glaubens mit sich. Auf gepflegte Rotweine müsste also nicht verzichtet werden. Auch nicht auf ein Stehseidel in der Kessen-Väter-Bar. Mit oder ohne Femmes.

Mehrere Stiefmütter gleichzeitig? Da müsste man entgegen meinen ursprünglichen Intentionen, eine gewisse Gottlosigkeit zu empfehlen, dann doch wieder in in grösseres arabisches oder exiltürkisches Königshaus schauen. Auch die Nasreddiniden, Vorgänger der Pahlewis auf dem Pfauenthron, haben sich in der Vielschwiegermütterei grosse Verdienste erworben.

Ob man da noch lebende Erfahrungsträger namhaft machen könnte? Einen Versuch wäre es wert.

Beste Grüsse,
Achilla Douglas

25. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Dining Car ::: Neuer Dusl Film

Ich entwickle mit Ulrich Seidl als Produzent gerade mein nächstes Filmprojekt:


Dining Car.

ANNE trägt ein schmutziges Geheimnis mit sich, als sie in Düsseldorf den InterCityExpress 1753 nach Dresden besteigt. Aber Anne wird nie in Dresden ankommen. Denn Anne hat eine Bombe an ihren Körper geklebt. Und mit dem Finger am Auslöser kapert sie das Bord-Restaurant des ICE, in dem Sie sitzt. Mit Personal und Passagieren.


DE-Deutschland-Todesstreifen.jpg


DINING CAR ist ein Film über die Entführung eines SPEISEWAGENS. Es erzählt die Geschichte von Anne, der gefeuerten Physik-Lehrerin und ihren sechs Geiseln: Ein tingelnder Kaufhaus-Moderator, eine humorlose Aktienhändlerin, ein Traktorvertreter und seine Postleitzahlen aufsagende Tochter - beide unterwegs zu einem Wetten-Dass-Auftritt. Ein psychotischer Frühpensionist aus dem ehemaligen Osten, ein hinkender Wiener Kellner und sein wortkarger österreichischer Kochkollege. Sie alle sind unfreiwillig in dem engen, heissen Wagon zusammengesperrt.

Auf dem ehemaligen, noch immer verminten Todesstreifen an der innerdeutschen Grenze abgestellt, fiebern Sie einer ungewissen Zukunft entgegen. Annes Forderungen? Schwerer Tobak. Das Mindestgehalt für Alle. Und gleich auch noch die Abschaffung von Hartz. Ihre Verhandlungspartner sind der Verfasungsschutz, die Bundeskanzlerin und Deutschlands grösster Showmaster. Ihre Argumente: Sieben Päckchen Semtex-Sprengstoff, an ihren Körper geklebt.

In seiner radikalen Zuspitzung ist DINING CAR ein Film über deutsche Befindlichkeit, über soziale Spannungen und die irrational-unrealistische Sehnsucht nach einem besseren Deutschland. DINING CAR ist ein knallharter Thriller, ein aufwühlendes Melodram, eine abenteuerliche Mediensatire. Ein Film über DEUTSCHLAND , in seiner Zerrissenheit und schlecht verkitteten Gesellschaft das spannendste Land Europas.

ULRICH SEIDL, der Regisseur von HUNDSTAGE (Grosser Preis der Regie Venedig) und IMPORT-EXPORT (Cannes Competition) wird den Film produzieren, ANDREA MARIA DUSL (BLUE MOON) hat das Buch geschrieben und wird Regie führen.

Bald mehr.

23. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Ulrich Seidl ::: Import Export

Trailer



Trailer von Seidls neuem Film Import Export.

22. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Mailathverkürzung

Der Wiener Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny ist ein grosser Mann. Ein sehr grosser Mann. Er ist schon mal zwei Köpfe grösser als andere. Ich bin ihm mehrmals begegnet. Bei Oskarverleihungen, im Theater, bei filmpolitischen Restaurantbesuchen. Ein grosser Mann. Und er steht dazu. Ungebeugt.

Ulrich Seidl ist auch ein grosser Mann, ein berühmter Filmregisseur. Von Statur ist Ulrich Seidl eher zurückhaltend. Den Grössenunterschied der beiden Händeschüttler Mailath-Pokorny und Ulrich Seidl kann man auf dem linken Bild gut sehen. Die beiden stehen anlässlich der Wiener Filmpreisverleihung vor dem Vorhang des Wiener Gartenbaukinos. Wenige Jahre später ist Unordnung in die Körpergrössen von Mailath und Seidl geraten. Wieder Händeschütteln, wieder Viennale, wieder ein Filmpreis. Nur diesmal begegnen die beiden einander auf Augenhöhe. Was ist passiert? Ist Mailath geschrumpft? Steht Seidl auf einer Kiste? Kniet Mailath gar?

Sachdienliche Hinweise bitte an die Kasperlpost, Postfach 700, 1136 Wien zu senden.

Maillath-und-Seidl.jpg

21. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Welcome Screen

FA-Free-Software.jpg

Illustration für den Free-Software-Schwerpunkt
in Falter 21/2007

21. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Allerlei Icons

FA-Free-Software-Vignetten.jpg

Icons, die ich für einen Free-Software-Text in
Falter 21/2007 gezeichnet habe.

21. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Der Fischmarkt

Fischmarkt-2.jpgLiebe Frau Andrea,

neulich habe ich Otto Schellmann über sein Brückenbauprojekt Trialto plaudern gelesen. Dabei hat er, so entsinne ich mich, erwähnt, aus dem 2. Bezirk zu stammen, wo er als Kind an der Stelle des geplanten Brückenkomplexes noch den alten Wiener Fischmarkt gekannt habe. Ein Fischmarkt am Donaukanal? Sicher wissen Sie da mehr als ich.

Liebe Grüsse,
Anja Hausenblas, Favoriten

Liebe Anja,

Sie entsinnen sich sowohl richtig als auch falsch. Bei “Otto" Schellmann handelt es sich um den U4-Erfinder, Stein-Wirt und Summerstage-Macher "Ossi" Schellmann. Der Winzersohn stammt allerdings nicht aus der Leopoldstadt, sondern aus Gumpoldskirchen und dürfte den Fröschen im Marktbach näher gewesen sein, als den Huchen im Donaukanal.
Fischmarkt-1.jpgDiese widerum waren einer anderen Wiener Szenelegende vertraut, dem Roten-Engel- und First-Floor-Wirt Michael Satke nämlich. Der Trialto-Planer kommt tatsächlich aus der Leopoldstadt. Und hat als Kind den Fischmarkt gesehen. Ganz wie Frau Andrea, die auch aus dem zweiten Hieb ist und deswegen weiss, dass sich erwähnte ichtyomercantile Einrichtung am stadtseitigen Ufer befand, oberhalb der Salztorbrücke. Wo jetzt ein weisser Schwimmpavillon ankert standen seit dem Mittelalter die Buden der Fischverkäufer. Die eleganten gusseisernen Fischhallen und des Zentralen Fischmarkts wurden 1904 eröffnet. Dort habe ich in den 60ern als Kind meine ersten richtigen Fische gesehen. Die Treppen, die zu den Fischbehältern im Donaulkanal führten, gibt es noch, die Stände selbst wurden 1972 abgerissen.
www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 20/2007

20. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Import Export

Import-Export-Site.jpg

Screenshot der Website, die ich zur Cannes-Premiere von Import Export für
meinen Regie-Kollegen Ulrich Seidl gemacht habe.

14. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Stiefmuttertägliches

Stiefmuetterchen.jpgLiebe Frau Andrea,

angesichts des gerade vergangenen Muttertages werde ich immer verzweifelter! Meine Familie wurde nämlich durch eine neue Freundin meines Vaters ergänzt. Ab nun ergeben sich folgende Fragen: Gibt es einen eigenen Stiefmutter-Tag bzw. Stief-Muttertag? Oder wird dazu einfach der Muttertag mißbraucht? Und wie ist überhaupt der Begriff "Stiefmutter" definiert?

Mit verzweifelten Grüßen,
La Nuria, Internet

Liebe La Nuria,

die Silbe “Stief” kommt vom althochdeutschen "stiof" (beraubt, verwaist). Als Stiefmutter gilt traditionell die neue Ehefrau des eigenen Vaters. Der Muttertag, eine US-amerikanische Festidee zu Ehren der leiblichen Mutter ist weltweit verbreitet, wird aber an verschiedenen Tagen begangen. In Österreich gilt die Frauenrechtlerin Marianne Hainisch als Initiatorin des Muttertages, der 1924, während der zweiten Amtszeit ihres Sohnes Michael Hainisch als Bundespräsident für jeden zweiten Sonntag im Mai eingeführt wurde. Schon in Polen gehen die Kalender anders. Dort gilt der 26. Mai als Muttertag. Bisher gingen hier wie dort Stiefmütter, väterliche Geheimkonkubinen, Neufreundinnen und Lebensabschnittgefährtinnen leer aus. Es sei denn, der häusliche Friede verlangt nach individueller Adaption der familienfestlichen Traditionen. Hier ist soziale Kreativität sicher kein falscher Richtstock. Der individuellen Einführung eines Stiefmuttertages sollte also so wenig entgenstehen, wie der Anbetung von Oster-Tapiren oder der Umbenennung des Valentin-Tages in Amstetten-Tag. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 19/2007

14. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Zirkowitsch Dusl Goldt

Wie mir Max Goldt das Leben rettete.
Aus einer Emailkorrespondenz.

Goldt-rettet-Dusl.jpgGeschätzte Frau Dusl!

Haben Sie schon einmal überlegt mit Max Goldt gemeinsam zu lesen oder eine Doppelconference mit ihm abzuhalten? Werden Doppelconferencen abgehalten, gehalten, geführt oder gemacht? Jedenfalls würde sich darüber freuen,

Maximilian Zirkowitsch,
am 11.04.2007 um 11:03

Lieber Herr Zirkowitsch,

das habe ich noch gar nicht überlegt. Schöner Gedanke. Sollte Herr Goldt das wollen, würde ich dem mit Wohlwollen gegenübertreten. Man müsste Herrn Goldt wohl fragen. Vielleicht können Sie das einfädeln? Kenne Goldt nur von den Büchern. Die, die ich kenne, die ihn kennen, sprechen nicht mit ihm. Nicht mehr. Vielleicht spricht er mit Ihnen?

Liebe Grüsse,
Andrea Maria Dusl
am 11 Apr 2007 um 11:34

Liebe Frau Dusl!

Ich fühle mich immer noch geschmeichelt von ihrem Ersuchen, mich mit Herrn Goldt in Verbindung zu setzen. Ich tat auch wie geheißen, leider antwortet er nicht. Auf einer Homepage besteht keine direkte Kontaktmöglichkeit, auf der Homepage seiner Agentur gibt es überhaupt keine eMail-Adresse, und das kommt mir komisch vor.

Glücklicherweise liest Herr Goldt am 9.5. im WUK. Ich werde einfach auf die Bühne stürmen und ihn fragen. Oder einen Brief für ihn abgeben.

Ich hoffe Sie sind noch geneigt.

Haben Sie mich schon gegoogelt oder nehme ich mich zu wichtig? Missverstehen Sie mich nicht! Es liegt nicht an 'diesem einen Beitrag da' für den Standard ('Ich google Ninas Neuen'), sondern daran, dass ich alle frage. Werden Sie zur Goldt'schen Lesung kommen?

Missverstehen Sie mich aber auch nicht dahingehend, als dass Ihre Artikel mich nicht dazu bringen würde, alles zu googlen. So habe ich sofort Sie gegoogrlt, um nachzuprüfen, ob seit dem Verfassen, neue Einträge dazukamen.

Mit bestem Gruß,
Maximilian Zirkowitsch
am 23.04.2007 um 11:49

Lieber Maximilian Zirowitsch,

Herr Goldt dürfte im Lesestress sein und zudem kein Freund des Emailierens zu sein. Bedenken Sie auch bitte, dass Herr Goldt mich höchstwahrscheinlich gar nicht kennt. Da ich doch nur im Falter publiziere. Wie auch immer, die Neigung ist aufrecht. Zur Goldtschen Lesung werde ich nicht kommen, arbeite gerade an Eigenem und kann nicht gut auf lepschi gehen.

Viel Erfolg und liebe Grüsse,
Andrea Maria Dusl

Liebe Andrea Maria Dusl!

Ihre Antwort klingt sehr entmutigt. Ich habe gestern erfahren, dass eine gute Freundin wiederum eine nicht ganz so gute Freundin hat, die ihrerseits im WUK arbeitet. Es sollte also möglich sein, ...

... Max Goldt einen, zwecks Tarnung parfumierten Brief auf seinen Schminktisch oder was man als Leser so hat, zu legen.

Ich nehme an, dass Max Goldt Sie nicht kennt. Wie dem Abhilfe tun? Soll ich ihm einen Falter schenken? Haben Sie Texte, die Sie gerne zeigen wollen würden, könnten Sie kommen, um die Gunst fremder Autoren zu gewinnen?

Machen Sie es nicht von mir abhängig Sie vollends zu präsentieren. Ich les den Falter doch so gut wie nie; Na, Sie schon und die Herren Klenk und Thurnher, aber das zählt nicht.

Man sagte mir, dass Autoren und Journalisten sich gegenseitig gerne Bücher schicken. Ist dem so? Dann will ich ihnen gerne Goldts Adresse zukommen lassen, und Sie schicken ihm eines. Schriebe ich 'Schuicken Sie mir...' käme ich mir ein bisschen schäbig vor. Wie vorgeschlagen ist besser.

Harry Rowolth hat seinen Briefen auch gelegentlich Bücher beigelegt. Zumindest schreibt er das. Aber der ist ja Übersetzer.

Stets der Ihre,
Maximilian Zirkowitsch
am 03.05.2007 um 12:28

Post Scriptum: Glauben Sie nicht, ich hätte nichts zu tun, weil ich immer so schnell antworte! Ich bin nur gerade sehr auf meinen PC angewiesen und sitz halt meistens davor, vormittags.

Lieber Herr Zirkowitsch,

Moment, Moment, Sie drehen den Spiess um.

Die Idee Goldt und Dusl gemeinsam lesen zu hören, kam von Ihnen, nicht von mir. Ich habe weder Zeit noch Lust, Kollegen Goldt nachzutrappeln, geschweige denn, parfümierte oder sonstwie präparierte Post zu erzeugen und an intimen Orten zu deponieren.. Wenn sie was einfädeln wollen, gerne, wenn nicht - auch gerne. Mein Leben ist mit den eigenen Hervorbringungen und deren Vertrieb mehr als ausgefüllt.

Autoren und Journalisten sind erstmal Konkurrenten. Sie schicken einander Bücher nur zur Erniedrigung. Entweder zur eigenen oder zu der des Anderen. Für beides fehlen mir die emotionellen Budgets.

Ich zeige Texte auf meiner Seite www.comandantina.com Und zwar alle.

Mehr wollen sie mir, bitte, nicht abringen.

Mit allerfreundlichsten Grüssen,
Andrea Maria Dusl

P.S.: Ich sitze nicht vor einem PC und habe grundsätzlich nie etwas zu tun. Auch nachmittags nicht. Meine Schreibarbeiten erledigen Zwerge.

Liebe Frau Dusl,
ich war heute bei der Lesung Herren Goldts und hatte die Gelegenheit ihn auf eine Lesung mit Ihnen anzusprechen! Leider hat er kein Interesse daran, weil er das nie macht, es nicht mag und außerdem "alle sterben, die mit ihm lesen", wie Robert Gerhardt (natürlich hat er für ihn eine Ausnahme gemacht). Wiglaf Droste sei zwar noch am Leben, aber das soll seiner abschlägigen Antwort keinen Abbruch tun. Ich danke Ihnen für ihr Interesse und werde mich weiterhin ein klein wenig damit rühmen, dass ich beinahe eine Lesung von "der Dusl" und "dem Goldt" eingefädelt hätte.

Seien Sie gegrüßt und auch Ihre Schreibzwerge,
Maximilian Zirkowitsch
Am 10.05.2007 um 00:35

Lieber Herr Zirkowitsch,

vielen Dank für Ihre Bemühungen, ich kann Ihnen ein gerüttelt Maß an ritterlicher Tapferkeit nicht absprechen. Und irgendwie stimmt es mich tröstlich, dass mir Max Goldt das Leben rettet.

Liebe Grüsse.
Andrea Maria Dusl

13. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




"Das macht dann mal die Frau"

Frauen kommen von der Venus und Männer aus dem Baumarkt. Frauen haben ein Verständnis für Technik und Männer eines fürs Basteln.

Für den Standard vom 11.5.2007

Tool-Set-For-Woman.jpgFrauen wird gemeinhin ein Verständnis für Technik abgesprochen. Sagen die Männer. Frauen interessieren sich nicht für Mikroelektronik, nicht für Motorentechnik, nicht für logische Denke. Sagen die Männer. Völliger Holler. Frauen können das alles. Besser und schneller. Frauen fliegen im All, rechnen an Superstrings, pilotieren Megatanker und leiten Großkonzerne. Was Frauen nicht können und nicht wollen ist: Basteln. Und bei aller Liebe: Übers Basteln reden wollen wir schon gar nicht.

Basteln ist ganz sicher Männerland. Darin sind die Männer groß: im Zusammenstecken nicht kompatibler Computerbestandteile, im Schrauben an verrosteten Altautomotoren, im Bohren dicker Löcher in feste Betonwände. Schon an der Programmierung einer Waschmaschine scheitern Männer: "Das macht dann mal die Frau, das ist nicht so meins."

Das angebliche Faible der Männer für Technik ist nur eine tranige Umschreibung für ihre Lust am Basteln. Basteln ist aber nicht Technik, Basteln ist Basteln. Topfuntersetzer aus Kluppen, Raumplastiken aus Kleiderbügeln und Nistkästen aus Tischlerabfall. Schon von Bubenbeinen an werden Männer im Basteln ausgebildet. Angeblich, um später einmal die Welt mit dem Lösen komplexer funktioneller Probleme zu beglücken. Papperlapapp. Einen Knopf kann kein Mann annähen, schon ein gerissenes Schuhband stellt ihn vor ein Dilemma, und vom Bohren dicker Löcher in feste Betonwände abgesehen, haben Männer keine signifikanten Vorteile im Umgang mit komplizierten Dingen. Dicke-Löcher-in-feste-Betonwände-Bohren geht mit zwei linken Händen auch.

Und was ist mit den Uhrmachern? Auch zwei linke Hände? Die Uhrmacher sind doch wohl alle Männer, sagt mein Männer liebender Männerfreund. Die Uhrmacher, Honey? Soll ich lachen? Wenn Uhrmachen eine virile Tätigkeit wäre, gäbe es Schwarzenegger-Filme von Zahnradfeilern. Dann würde Claude van Damme an Patek-Philippes schrauben und Bruce Willis ein Uhrengeschäft retten und nicht sein Raumschiff. Hand aufs Hosentürl, meine Herren: Uhrmachen ist so männlich wie Haare zu mèchen oder T-Shirts zu batiken.

Den Mythos, ein Verständnis für Technik zu besitzen, leiten Männer aus ihrer Neigung ab, Schrauben in Muttern zu stecken. Über die Symbolkraft dieses Vorgangs gibt es meterweise Literatur. Nehmen wir Autowerkstätten: Vergaser wollen ein- und ausgeschraubt werden, Ventilritzel justiert, Kurbelwellen zentriert, Lenkspiele optimiert. Ein idealer Ort für die Schrauben-in-Muttern-Stecker. Kein Wunder, dass Autowerkstätten von Männern geliebt werden. Automechanik ist Basteln mit Eisen. Männerland.

Schrauben in Muttern stecken können Männer auch beim Zusammenfummeln von Computerbestandteilen. Die größte Industrie des Planeten hat sich darum entwickelt, dass Männer gerne Komponenten zusammenstecken. Bei den Computern kennen sich die Männer so gut aus wie bei den Bohrlöchern und den Gaspedalen. Glauben sie. Auf die Idee, Computer zu erfinden, die ohne Glauben und Komponentenstecken funktionieren, sind bisher nur wenige gekommen. Solche Computer heißen dann auch nicht Computer, sondern Apple und machen nur Frauen Spaß. Und Grafikern.

Wir erinnern uns an die Zeit, als Männer noch Buben waren und statt in Betonwänden noch in der Nase bohrten: Wenn der Typ aus der Nachbarklasse seiner Liebe Ausdruck verleihen wollte, hat er eine Kassette zusammengestellt. Minutiös waren darauf Titel, Interpret, Länge der Aufnahme, Mikrofonabstand, Dolby-ein/aus-Status, Band-Magnet-Ratio und ähnlicher technischer Schnickschnack verzeichnet. Dazu verfasste er ein Beipackheft von der Dicke einer kleinen Bibel. Wenn wir Mädchen Kassetten aufnahmen, schrieben wir allemal "Gute Musik" drauf oder "Partyband", "Kuschelmucke" und "Beste Freundin".

Männer können mit Traktoren auf Biergläsern balancieren, aber schon beim Zusammenlegen ihrer T-Shirts kläglich scheitern. Sie können mit skischuhgroßen Schlagbohrern zolldicke Dübellöcher in Stahlbeton meißeln, aber beim Feilen eines rissigen Fingernagels in Ohnmacht fallen. Sie können spritzen und angasen, schrauben und zangeln, aber schon vor der Öffnungsarchitektur eines Geschirrspülers stehen sie wie das Kalb vor dem Gatter.

Andrea Maria Dusl/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 11.5. 2007

12. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Vom Knattern am Dünenkamm

Für das Ösi-Blog in der ZEIT.

Knille-in-Knillehult.jpg

Hier am Land geht es um die Qualität des Knatterns. Das Land von dem ich schreibe, liegt im Osten der Steiermark und heisst phantasieloserweise auch schlicht: Oststeiermark. Die Oststeiermark hat wellige, langezogene Hügel, die sich wie waldige Riesendünen dort entlang gelegt haben, wo die Alpen ihr ungarisches Ufer haben.

Am Abhang einer dieser Riesendünen sitze ich nun, mit einem silbernen Apple in der Wiese und tippe vor mich hin.

Unten im Tal, wo die Holztransporter rasen und die Semmelautos und die Alfas der Kellner, unten im Tal heisst es Ebersdorf. Oben am Dünenkamm: Ebersdorfberg.

Also: Unten Ebersdorf, oben Ebersdorfberg. So ist das hier. Soundsodorf und Soundsodorfberg. Zwei Kilometer weiter südlich, Richtung Fürstenfeld, heisst es Sebersdorf und Sebersdorfberg. dann Waltersdorf und Waltersdorfberg und soweiter Dorf und Berg, bis einmal Schluss ist mit den Dünen und Slowenien. Und dann heisst ohnedies alles irgendwie anders, altösterreichisch, karantanisch, krainerisch, slowenisch, windisch.

Eine kleine avantgardistische Freunde habe ich nun an dem Örtchen Wagerberg, hier ums Eck. Das liegt, obwohl es doch ein Berg zu sein scheint, im Tal. Oke. Schon mal gut. Und wie heisst es dann oben? Heisst es da dann Wagerbergberg? Richtig. Der Dünenkamm von Wagerberg heisst Wagerbergberg. Sowas gefällt mir. Die Steiermark kann mir mit solchen nomenklatorischen Schnalzern eine grosse, kindische Freunde bereiten. Die Steiermark bringt ja auch so fantastische Orte hervor wie: Großklein und Kleinklein.

Nachbars-Rasenmaeher.jpgSonst hält es die Oststeiermark mit dem guten alten Knattern. Mein Bruder, der hier mit mir die Wiese und das dazugehörige Bauernhaus besitzt, hat sich deswegen vorgestern einen benzinbetriebenen Rasenmäher der Marke “ALKO” zugelegt. (Das Wording der Alko-Fabrikanten möchte ich an dieser Stelle extra loben!) Der Alko ist silberfarben, mit Rennschürzen und Spoilern, knattert gehörig und legt auf das frischgemähte Gras jenen würzigen Landduft, den nur das Verknattern öligen Mähmaschinensprits hervorzurufen vermag.

Gut. Die Wiese war auch in nullkomma58 Stunden gemäht - bis auf die Inseln mit den seltenen Wiesenblumen. Und das Knattern war gehörig!

Ganz gewiss deshalb hat sich unser Ebersdorfberger Nachbar, ein feister und wortkarger Tischlermeister namens Hörzer, auf die Gummistiefel gemacht, um den englischen Rasen vor seiner Tischlerei zu mähen. Weil das öffentliche Auftreten auch hierzulande den Status bemisst, ging das natürlich nicht mit einem handgeschobenen Gerät vor sich, wie bei uns, sondern mit einem ferrarirot gelackten Vorgartentraktor. Das Knattern war naturgemäss nicht ohne. Landtischler haben hier die dickeren Hosen.

11. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (2) Comments (0) Pings




Regen bringt Segen

Mairegen.jpgLiebe Frau Andrea,

zwei Sprüche des Volksmundes beschäftigen mich seit Kindertagen. Da ich trotz intensiven Grübelns nicht den Schimmer einer Lösung habe, wende ich mich in meiner Verzweiflung an Sie. Warum wächst man im Mairegen, und warum macht kalter Kaffee schön? Beim Mairegen könnte ich mir noch vorstellen, dass kleine Kinder gerne in selbigem herumlaufen, und die wachsen eben, naja. Aber Kaffee und Schönheit? Auf Hilfe hoffend, Ihr

Christian Goldstern, Wien

Lieber Christian,

der Volksmund spricht so manches, was das Volksohr nicht mehr versteht. Wachstum durch Mairegen dürfen wir als verhohlene sexuelle Andeutung verstehen, dernach der Frühling gerne lustvoll in die Glieder fährt. Der Mairegen selbst ist für das Wachstum der bäuerlichen Flora von grösstem Wert, weshalb der Aberglauben dem Niederschlag zu dieser Zeit allerlei Heilkraft zuschreibt. Besonders wirksam soll der Regen in der Walpurgisnacht und am ersten Mai sein, weshalb die Sozialdemokratie an diesem Tag auch bei strömendem Regen stets ohne Schirme marschiert. Kalter Kaffee wiederum hält aus zweierlei Gründen schön: So soll der dampflose Trank der üppig geschminkten Aristokratie des Barocks ihre auf Wachsbasis hergestellten Teints bewahrt haben. Zweitens ahne ich hier eine Durchhalteparole während der Sparzeiten des 19. Jahrhunderts, die das Trinken rationierten Koffein-Bohnen-Safts auch in untemperiertem Zustand empfahl. Ganz als würde man sagen: “Kaltes Duschen macht schön”. Was ja auch nicht ganz falsch sein soll. www.comandantina.com dusl@falter.at
Für meine Kolumne 'Fragen sie Frau Andrea' in Falter 18/2007

6. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Sager von Welt ::: Die begehbare Prostata

Kdolsky-in-der-begehbaren-Prostata.jpg"Kdolsky wirbt in begehbarer Prostata für Krebsinfo

Unter dem Motto "Richtige Männer leben länger" haben Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky (ÖVP) und Urologen über Vorsorgemaßnahmen bei Prostatakrebs informiert. Kulisse war ein begehbares Prostatamodell vor der Wiener Staatsoper."



ORF.at am 5.5.2007

5. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (1) Comments (0) Pings




Der Autowascher

Falter-Autowaschen-Original.jpgErinnern wir uns: Sujet 3 meiner Falter-Kampagne
"Wir holen Dich da raus" war der angestrengt arbeitende Vati
Vati beim Autowaschen der Familienkutsche (links). Mit Schaum
und Pflegehandschuh schrubbt er seine grosse Liebe.

Falter-Mastermind Siegmar Schlager hat
Bewegung in die Sache gebracht und auch dieses Bild
fürs Kino animieren lassen. Die Hintergründe
des Spots hat das Bureau Dusilova gezeichnet,
die Animation der real im Studio gedrehten Szene
hat Niki Cortolezis durchgeführt. Die Stimme am
Ende des Spots ist die von Hermes Phettberg.
Wenn man so will, war das die zweite cinematografische
Zusammenarbeit zwischen Hermes und mir. Die erste
kann man --> hier sehen.



Hier geht's zum Spot --> Der Autowascher (~7,4MB)
Er läuft jetzt, 2007 in Wiener und Grazer Kinos. Und im Werbeblock
des Wiener Stadtsenders Puls.


Falter-Autowaschen-Still.jpg

In Cinemascope: Vati, der Autowascher.

3. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Warum Frauen keine Uni-Karriere machen

FA-2007-Heureka-Trichter.jpg

Frauen sind in den Führungsetagen und Professorenkollegien der Österreichischen Universitäten unterdurchchnittlich vertreten. Das hat keine genetischen Gründe. An der fehlen Qualifikation fehlt es auch nicht. Frauen kommen ganz einfach nicht durch die Männertrichter.

Für 'Heureka' 02/07, das Wissenschaftsmagazin des Falter.

2. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




Eissorten für Leute, die schon Alles haben

1. Kaktusblüteneis
2. Uhudler-Trockenbeerenauslese-Eis
3. Weisses piemontesisches Trüffeleis
4. Rosendorneneis
5. Bhut-Jolokia-Extremchili-Eis
6. Usbekisches Haschischeis
7. Propolis-Eis von der spitzbergischen Fingerkrautbiene
8. Kolibritränen-Eis
9. Eis vom Mouton Rothschild 1945
10. Stracciatella von der libanesischen Hamstermilch

1. Mai 2007 © Andrea Maria Dusl # Permalink (0) Comments (0) Pings




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