Karnickeljournalismus

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(...) In Österreich (...) triumphiert der Karnickeljournalismus, der die Seiten der
Gratisblätter füllt. Ich sage Karnickeljournalismus, weil der (...) Verleger* des
Hosenfleckblattes** eine seiner Redaktionen einmal als einen „irrsinnig perfekt
funktionierenden Hasenstall“ pries (...) meint Falter-Herausgeber Armin Thurnher.

Dusilation zu einem Text basierend auf einer Rede, die Armin Thurnher anlässlich der Verleihung des
Horst Knapp-Journalistenpreises an Renate Graber, Wirtschaftsredakteurin des „Standard“, hielt.
Erschienen in Falter 18/2007

.........................................
* Wolfgang Fellner
** Die Tageszeitung 'Österreich' coverte den Lulufleck eines Bankräubers

29. April 2007 (0) Comments

Der Geldspeicher

Liebe Frau Andrea,

im Zusammenhang mit Abfangjägerkäufen, Grossbankenfusionen und dem Einstieg russischer Oligarchen in die heimische Strassenbauerzeugung fällt mir immer wieder Onkel Dagobert ein. Der sagenhaft reiche Kapitalist, der seinen Neffen Donald bis zur Weissglut demütigt. Sicher wissen Sie, wer den Geldspeicher, den Duck’schen Riesensafe erfunden hat! Das steht sicher in ihrem schlauen Handbuch, meint 

Karin Wagner, Währing.

Liebe Karin,

der Geldspeicher (Money Bin) ist eine Erfindung des berühmten Donald-Duck-Zeichners Carl Barks. Die Residenz von Onkel Dagobert (Scrooge McDuck) taucht 1950 zum ersten mal in der Geschichte "The Pixilated Parrot" auf. Der Geldspeicher (französisch: ‘Le coffre’, schwedisch: ‘Pengabingen’) ist ein kubischer, konkav verjüngter, fensterloser Betonbunker mit einem riesigen Dollarzeichen (bzw. den Initialen DD) an der Fassade und einer flachen roten Kuppel am Dach. Angeblich sind die Flaktürme im Wiener Augarten die architektonische Folie für den riesigen, minenfeldumringten Knetebunker, der seit 1886 an Stelle eines Fort Duckburg (Fort Entenhausen) auf einem Hügel namens Killmotor Hill steht. Im Geldspeicher befindet sich neben seinem ersten, selbstverdienten Taler Onkel Dagoberts Barvermögen, laut Barks: "5 billion quintiplitilion unptuplatillion multuplatillion impossibidillion fantasticatrillion” Dollar (Taler). Von Onkel Dagoberts Privaträumen im 11. Stock führt eine Tresortür zum Sprungbrett über dem legendären Taler-Schwimmbad. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 18/2007

27. April 2007 (0) Comments

Marathon Wien

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Kleiner Plan des Wien-Marathons mit Sehenswürdigkeiten. Für Falter 17/2007.

Legende: Eissalon Venezia 1,2 km, Meierei auf der Hauptallee 2,8 km, Liliputbahn 3,9 km,
Bowlinghalle 4,3 km, Wein & Co 11,6 km, Cafe Drechsler 12 km, Rosalila Villa 12,8 km,
Burger King 14,4 km, Pornokino 16 km, BP-Tanke 16,3 km, Eissalon Garda 18,3 km,
Museumsquartier 20,6 km, Centimeter 22,4 km, Liechtensteinmuseum 22,9 km,
Badeschiff 26,3 km, Bootsvermietung 30 km, Lusthaus 33,1 km, Palmenhaus Burggarten 42 km.

26. April 2007 (0) Comments

Der gute Lodsch

Liebe Frau Andrea,

glücklich umgeben von guten Lotschen habe ich eine dringende Frage: Warum heisst der "gute Lotsch" eigentlich "guter Lotsch"? Oder heisst der Latsch eigentlich Łódź und ist ein Pole? Wahlweise vielleicht auch ein Ruthene? Und weiters ergibt sich die Frage, ob es auch gute Lotschinnen (Lotschienen, Łódźinnen) gibt, oder ob ‘der’ gute Lotsch auch die Damenwelt integriert! In der Hoffnung auf Aufklärung, Ihre
 
Ada Kollwitz, Schleifmühlien
  
Liebe Ada,

die etymologischen Autoritäten des Wienerischen wollen den “guten Lodsch” von den Latschen ableiten. Entweder von abgehatschten Schuhen, die bereits ins Bequemlichkeitsnirvana eingetreten sind oder vom schleifenden Gang, den solche Fussbekleidung hervorruft. Da bin ich bei aller Schuhliebe nicht dabei. Vielmehr meine ich, im guten Lodsch einen männlichen Vornamen zu sehen. Wie im Schani, dem Kellner. Ganz genau lässt sich der Lodsch nicht lokalisieren, aber er scheint vom gutmütigen ungarischen Vornamen Lajos zu kommen. So magyarisch der Name und seine Derivate Laji und Lajcsi auch klingen, er ist die Übersetzung des französischen Louis, das wiederum vom germanischen Ludwig kommt. Ursprung des Namens ist das Silbenbündel hluth (berühmt) und wig (Kampf, Krieg). Der gute Lotsch war also ursprünglich ein berühmter Kämpfer. Der Heilige Ludwig (1214-1270), grosser König von Frankreich war kampfeslustig und berühmt, aber weniger gut, weil böser Antisemit. Der beste Lodsch, den wir kennen, dürfte Lajos de Funès sein, der Hans Moser der französischen Spassfilmkunst. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 17/2007

23. April 2007 (0) Comments

Wer kam von wo?

Aus unserer kleinen Statistikserie 'Woher kommen wir und wo gehen wir hin?'. Die Stammgäste des Bureau Dusilova kamen letzte Woche aus unten angeführten Städten, Weilern und Marktflecken. Erfasst sind alle Orte, aus denen mehr als 5 Bureaugäste kabeln. Den Stern der Woche erhält Verschwörungstopos Bielefeld.

Eigenbericht aus unserem Maschinenraum.

Aus Wien kamen 648
Aus Berlin 130
Aus Karlsruhe 61
Köln 57
Hamburg 53
Linz 49
Graz 44
Frankfurt Am Main 28
Düsseldorf 28
Weitra 25

Stuttgart 20
Dresden 19
Dortmund 19
Munich 19
Dornau 19
Kiel 18
Duisburg 17
Bochum 17
Gern 17
Bonn 17

Salzburg 16
Perchtoldsdorf 16
Zürich 16
Fellbach 15
Bremen 15
--->Bielefeld 15
Hanover 14
Essen 13
Herne 11
Tulln 11
Castrop-Rauxel 11
Budapest 11
Emeryville 11
Seoul 11
Nürnberg 11
Sindelfingen 10
Innsbruck 10
Leipzig 10
Krefeld 9
Oldenburg 9

Erlangen 9
Braunschweig 8
Offenbach 8
Wesseling 8
Stuhr 8
Osnabrück 8
Madrid 8
Gräfelfing 8
Mainz 8
Eisenstadt 8
London 7
Gelsenkirchen 7
Villach 7
Nyon 7
Traun 7
Rome 7
Black Bull 7
Kieneck 7
Bad Vilbel 7

Fürth 7
Purkersdorf 7
Esslingen 7
Traismauer 7
Paris 7
Sitters 7
Leonding 7
Gebersdorf 6
Oberhausen 6
Bergisch Gladbach 6
Hallein 6
Kaarst 6
Schwerte 6
Hürth 6
Ehingen 6
Eltville 6
Slough 6
Leinfelden-Echterdingen 6
Maria Enzersdorf 6
Paderborn 6

Fels Am Wagram 6
Niederkassel 6
Wels 6
Marl 5
Straße 5
Eichstätt 5
Klagenfurt 5
Halle 5
Linnich 5
Regensburg 5
Bern 5
Ingelheim Am Rhein 5
Magdeburg 5
Kelsterbach 5
Würzburg 5
Norderstedt 5
Moscow 5
Gratkorn 5
Dornbirn 5
Mödling 5
Bratislava 5

21. April 2007 (1) Comments

Die Maschekseite

Liebe Frau Andrea,

gestern waren wir im Rabenhof und lachten uns krumm, als die Synchronisiertruppe Maschek Gusi und die anderen Puppen tanzen liess. Maschek ist doch tschechisch, das heisst doch was unanständiges, aber was? Sicher wissen Sie Rat, frägt

Ihr Florian Possanner, Alsergrund

Lieber Florian,

obwohl es naheliegend wäre und auch so klingt, kommt der Begriff “Maschek”, den die drei Originaltonzerstörer Peter Hörmanseder, Ulrich Salamun und Robert Stachel ‘maschek’, also klein geschrieben wissen wollen, nicht aus dem Tschechischen, und nicht aus dem Unanständigen, sondern über den Wiener Dialektausdruck “Maschekseiten” (von hinten, über die Irxen) aus dem Ungarischen. In den tiefen Ebenen hinter den langen Lacken heisst másik: die, der, das andere. Die másik-Seite ist magyarisch genau genommen ‘die andere Seite’. Másik, wegen des ungarischen “s” ‘maschik’ ausgesprochen, kommt von einem noch kürzerem ‘más’ (anders), mit dem die Ungarn mássenhaft andere Begriffe bilden: másol (kopieren) zum Beispiel oder másfél (anderthalb), máshol (anderswo), máskor (ein andermal), másnap (andernags), másképpen (anderswie) máskent (anders) und másmilyen (anders geartet). Die Sache ist also nicht böhmisch, sondern ‘a dolog másképp áll‘ - anders beschaffen, nämlich magyarisch. Während meiner Schulzeit im Wasagymnsasium war das durchaus verwirrend für mich, denn Maschek war der Name des sportlehrernden Kustoden des Turnkammerls. Und mit ihm des östlichen Teils des Schulgebäudes. Erinnert sich Duszl Másik Mizzi.
www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 16/2007

P.S.: Die wirkliche Maschekseite, die der 'mascheks' befindet sich --> hier.

16. April 2007 (2) Comments

Supergusi

FA-16-Cover-Supergusi.15.4.2007.jpg

Schafft es der Ybbser Volkskanzler mit dem baroloroten
Kämpferkostüm, die ungeliebten Eurofighter abzuwehren?

Cover-Dusilation für Falter 16/2007

Und so sah das dann als fertiges Cover aus:

FA-16-Supergusi-17.4.2007.jpg

16. April 2007 (3) Comments

Slow Down

Liebe Frau Andrea,

was soll ich machen, ich bin verzweifelt. Alles geht zu schnell. An der Supermarktkasse, beim Bankomat, an der Ampel, im Bus. Wo auch immer ich bin - ständig habe ich das Schuldgefühl, zu langsam zu sein. Das ständige Hasten macht mich fertig! Was soll ich machen, wissen Sie Rat? Liebe Grüsse aus Neubau,

Ines Zirbensäger

Liebe Ines,

wir sind beide nicht die einzigen, die ins Joch der neoliberalen Eile gespannt wurden. Seit die Manchesterbanditen den Kaputspruch “Time is Money“ in die Matrizen unseres Daseins gestanzt haben, befinden wir uns in der Geschwindigkeitsspirale. Dem Hagelsturm des Hastens entkommen wir nur mit einem allerletzten Sprung in die Nebel der Langsamkeit. Wie das geht? Ganz einfach. Statt auf Tempo 45 singlemässig abzuhotten und alle drei Minuten die Scheibe zu wechseln, müssen wir Lernen, unser Leben auf 33 downzugraden. Ein Leben in Longplay und Konzeptalbum sozusagen. Chill as chill can. Erstmassnahmen zur Entschleunigung des Selbsts beginnen an der Supermarktkasse: Zählen sie zwischen den verschiedenen Produkten, die sie auf das Förderband legen, laut und langsam bis Sieben. (Fortgeschittene bis 11, 13 oder 17.) Antworten Sie auf hektische Vorwürfe der Kunden hinter ihnen, der Kassierin, des Filialleiters, des Konzernspeedbeauftragten, der Weltpolizei, das ginge auch schneller, auf Lateinisch oder Sanskrit - Fortgeschrittene können auch auf Finnisch, Sumerisch, Akadisch, Altbaskisch, Ainu oder Paläoaltaisch kontern. Nächstes Mal: Entschleunigen von Ampelstarts und Autobahnfahrten. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 15/2007

6. April 2007 (0) Comments

Hermes Phettberg ::: Der Phillishave

REKONVALESZENZ Nach einem Schlaganfall war Österreichs berühmtester Talkmaster und Kolumnist monatelang ausser Gefecht. Was passiert ist und wie es Hermes Phettberg jetzt geht, berichtet Andrea Maria Dusl.

Für Falter 14/2007

FA-Phettberg-3.4.2007.jpgWenn man bei Hermes Phettberg aus dem Haus tritt und sich im Augenblick der Gehsteigberühung um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn dreht, kann man ohne gröberen Richtungswechsel geradewegs bis Reggio di Calabria wandern. Vor Hermes Phettbergs Haustüre in der Grabnergasse beginnt sozusagen der Weg nach Süden. Nach Süden wandte sich Hermes am 23. Oktober letzten Jahres, bei seinem, bis dahin ersten Gang auf ein Sozialamt.

Am Weg zum Amtshaus Margareten sah Hermes Phettberg, wie er sich erinnert, alles doppelt. Zwei Tage vorher hatte das Zwiegesicht begonnen, bei einem Happening in der Wiener Sargfabrik - Phettberg musste eine Stunde regungslos in einem Sarg liegen.

Auf dem Weg zum Sozialamt sah Phettberg vier Wienzeilen, zwei Ramperstorffergassen und zwei Schönbrunnerstrassen. Jeder Wagen, der aus dem Wiental kommend, Richtung Stadt raste, war doppelt vorhanden.

Phettberg hält es nachträglich und eingesichtig betrachtet für eines der Wunder seines Lebens, dass er unbeschädigt eines der beiden gesehenen Amtshäuser erreichte und dort eine der beiden Frau Stiefsöhne sprechen konnte, denen er dort begegnete. Frau Stiefsohn, von Phettbergs Zustand besorgt, alarmierte die Rettung, der Parteienverkehrer wurde ins Spital gebracht. Dort diagnostizierten Neurologen nichts weniger als einen Schlaganfall.

Vier Wochen verbrachte Hermes Phettberg im Wilhelminenspital. Genas langsam vom Doppeltsehen. Das Predigtdienen, wie Phettberg sein Kolumnieren im Falter nennt, war ihm indes nicht mehr möglich. Nach einem Monat kam Hermes wieder nach Hause, drehte einen Film mit Kurt Palm, seinem Dompteur aus Nette-Leit-Show-Zeiten. Thema des Films: Hermes Phettberg, Hauptdarsteller: Hermes Phettberg. Die Zerwürfnisse und Dispute der Jahre nach der Trennung Palms und Phettbergs von Couch und Tisch waren überwunden.

Auf die Frage, ob sich der Schlaganfall angekündigt habe, weiss der Phettberg Eindrückliches zu berichten. Schon ein Jahr vor der Apoplexie habe er Blitze gespürt, "de facto explodierte dabei jedes mal ein kleines Blutgefäß". Es seien kleine explosionsartige Einschläge gewesen, Stiche. Kleine Schauer im Kopf. Im Jänner diesen Jahres, lange schon wieder zu Hause in seiner Wohnung in der Gumpendorfer Grabnergasse, muss in Phettbergs Gehirn ein zweites mal zu dickes Blut zu dünne Äderigen verstopft haben. Jedenfalls passierte etwas, was ihn in dreitägigen Schlaf warf, aus dem ihm erst das heftige Klopfen "der Frau Schweiger" an der Eingangstüre erweckte. Die Erinnerungen an diese drei Tage sind ausgelöscht, zwei volle Gläser mit Urin seien, so Phettberg, detektivisch gesehen, ein Indiz dafür, das er die drei Tage nicht ausschließlich mit Schlaf zugebracht haben könne.

Kurt Palm suchte mit Hermes den Neurologen Dr. Wolf auf, der diagnostizierte nach einem EEG einen neuerlichen Schlaganfall und liess Phettberg mit der Rettung ins Kaiser-Franz-Josef-Spital führen. Dort wurde Hermes, wie er berichtet, am späten Abend “wegen Geheiltheit“ entlassen. Hermes hatte aber unglücklicherweise den Haustorschlüssel vergessen. Er fuhr palmlos wieder ins Spital, und verbrachte die Nacht in der Notunterkunft. Am Morgen fuhr er mit dem Taxi nach Hause. In die Wohnung gelangte er mit einem Ersatz -Schlüssel, den Palm mitgebracht hatte.

Auf Vermittlung von Kurt Palm, Armin Thurnher und Werner Vogt kam der König von Gumpendorf schliesslich für 6 Wochen in das Rehabilitationszentrum auf der Lassnitzhöhe nahe Graz.

Wir erinnern uns: Man muss sich vor Hermes Phettbergs Haustüre nur ein einziges mal nach links drehen, um geradewegs auf fast schnurgeraden Strassen Richtung Süden zu gelangen. Konstruierte man einen Auferstehungsmythos, wäre Phettberg nach seiner öffentlichen Einsargung schon am 23. Oktober automatisch in Richtung Genesung aufgebrochen.

Auf der Lassnitzhöhe absolvierte Phettberg einen minutiös geplanten Rehabilitationsplan aus Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie, Psychologie und Akupunktur. Sogar Joga und die Kunst des richtigen Atmens gehörten zum Wiederherstellungsparcour.

70 Kilo hat Phettberg in den letzten 12 Monaten abgenommen. Er passt in längst archivierte Hosen aus seinem persönlichen Jeans-Museum. Seltsamerweise, so Phettberg, sei der Gewichtsverlust kein Effekt der Apoplexie gewesen, sondern sei schon vorher eingetreten. Wiewohl das Spital zur Entschlackung beigetragen habe. Wochenlang habe er keinen Bissen hinuntergebracht. 14 Tage lang konnte Phettberg nur riechen an den Speisen.

Was seine Verdünnung ausgelöst habe? Phettberg hatte sich im letzten Jahr von enormen Mengen bedruckten Papiers getrennt. Im Augenblick des grössten Loslassens von gesammeltem Material habe ihn dann buchstäblich der Befreiungsschlag getroffen. Während der Rehabilitation habe aber ein anderes Phänomen Besitz von seiner Oberfläche ergriffen. Weil Phettberg wegen der Blutverdünnung das Rasieren mit Klingen nicht wagte, hatte er sich einen elektrischen Rasierapparat zugelegt. “Der macht was er will”, berichtet Hermes, “und egal wo man ihn hinführt, ober der Lippe lässt er die Stoppel stehen.” Phettberg trägt also, wiedergenesen und predigtdienstbereit, einen Schnurrbart. “Bitte nicht Schnurrbart zu schreiben. Nenne ihn den Phillishave!”

3. April 2007 (1) Comments

Die Josefstadt

FA-Josefstadt.jpg

Ins Bild klicken für grössere Version!

Der kleinste Wiener Bezirk, die Josefstadt ist eine eigene Welt. Der Achte ist umspült vom Oceanus Ottakringiensis, von den kanalisierten Wienerwaldbächen Alserbach und Ottakringerbach und vom Canale Grande Wiens, der sturmumtosten 2erlinie. Die Zitadelle des Achten heisst Graues Haus. Hier schmachten Gefangene aus allen Bezirken.

Zwei Verkehrsmittel verbinden den Achten mit der Aussenwelt: Die Strassenbahnlinie J und der Autobus mit dem magischen Code 13A. Dumm gelaufen: In die Krankenbettenburg im benachbarten 9. Bezirk kann man mit dem 13A genau nicht rübergondeln. Über die Alserstrasse wagt sich der Dreizehn-Ah nicht.

Das wichtigste Haus im Achten ist das legendär-abgeschnarchte Theater in der Josefstadt. Gut und billig wohnt man im Studentenwohnheim Pfeilgasse. Berühmtester Exstudent mit Wohnsitz in der Josefstadt: UHBP Heinz Fischer.

Dusilation für die Josefstadtgeschichte in Falter 14/2007.
Nochmal abgedruckt in der U-Bahn-Gazette 'heute'.

2. April 2007 (2) Comments

Falterfaltekunst

Liebe Frau Andrea,

warum schafft es der Falter als einzige mir bekannte Zeitung nicht, die einzelnen Druckbögen in der richtigen Reihenfolge zu ordnen? Best of Böse löste zum Jahreswechsel den Overkill aus. Drei Teile waren bunt zusammengewürfelt zwischen den Coverbogen gequetscht. Ausserdem habe ich den Eindruck, dass die Druckerschwärze des Falters meine haltenden Finger besser färbt als die anderer Qualitätsmedien. In geneigter Hoffnung auf Aufklärung,

Andreas Brunner, Internet

Lieber Andreas,

es ist ein gut gehütetes Geheimnis der Zeitungserzeugekunst, dass der Falter als eine der letzten Publikationen weltweit in ausschliesslicher Handarbeit hergestellt wird. Recherchen werden stadtweit in echten, verstaubten Archiven, in persönlichen Gesprächen und Korrespondenzen mit Betroffenen und Portraitierten betrieben. Orte werden besucht und nicht gegoogelt. Fotografen belichten ihre Bilder mit hochwertigen Plattenkameras, Texte werden mit gut gespitzten Bleistiften und auf Adler-Qualitätsschreibmaschinen verfasst und von scharfgesichtigen Redakteuren mit Rotstiften redigiert. Ein Heer von Kartoffelschnitzern schneidet Sätze und Bilder in rohe Erdäpfel und druckt den Falter in vielen langen und unfair getradeten Kaffeenächten mit verdünnter Schuhpasta auf handgeschöpftes Löschpapier. Langzeitstudenten, Drogentherapierte und Unterstandslose verdingen sich bei der manuellen Zusammenlegung der wertvollen Druckbögen. Dass es dabei zu Falter-Falte-Irrtümern und Reihenfolge-Artefakten kommt, ist Absicht und Teil eines langjährigen Rätselwerkes. www.comandantina.com dusl@falter.at

1. April 2007 (0) Comments

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