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Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
This work is licensed under a Creative Commons License.
Der Stick zum Glück
Für 'Der Standard/Rondo' vom 27.1.2007
Da war doch dieses Bild von Bill Gates. Der König aller Nerds sitzt auf zwei masthohen Stapeln weißen Kopierpapiers und wedelt grinsend mit einer CD. Das war 1995, als sich der Windows-Imperator im Sitzgurt in luftige Höhe ziehen ließ, um die Speicherkapazität einer CD zu demonstrieren. Speicher, das hatte was. Und für Sachen, die was hatten, hatte Bill Gates schon immer einen Riecher.
Speicher brauchte man. Das unglückliche Wort hatte bis dahin nur in Donald-Duck-Geschichten die Grenzen unserer sprachlichen Wahrnehmung überschritten. Speicher hieß der Geldbunker von Onkel Dagobert. Speicher nannten die Deutschen aber auch das, was bei uns ein Dachboden war. Kein glücklicher Ausdruck für die Aufbewahrung schnell abrufbaren Wissens. Den Speicher Kaprun gab es auch noch, ein Wunderwerk der Wasseranhaltetechnik. Speicher, das war ein Wort, an das wir uns erst gewöhnen sollten.
Mein erster Computer, irgendwann in den späten 80er-Jahren, war von Apple, ein Wunderwerk in beigem Grau. Mit einem Bildschirm von der Größe einer Postkarte. Das Internet existierte damals nur für ein Dutzend Freaks. Es gab keine E-Mails und kein elektronisches Verschicken von Bildern, Dokumenten oder gar Musik.
Was es gab, war eine quadratische Plastikhülle mit einer metallenen Litze. Diskette hieß das Ding, und alles wurde gut. Auf die Diskette lud man ein Bild. In Worten: 1 Bild. Oder die Seminararbeit. Oder das raubkopierte Tetris-Spiel. Eine gute Welt war das. Eine Diskettenwelt. Auf die Diskette passte der Inhalt eines veritablen Buchs. Fantastisch! Bald stapelten sich die Disketten, und ein neues Phänomen, das wir bei Büchern bislang nicht gekannt hatten, trat in unser Leben: die Unlesbarkeit. Der Horror schlechthin. Unlesbarkeit, die kleine, schmutzige Schwester des ungesicherten Absturzes. Unsichere 1,4 MB hatten auf einer Diskette Platz.
Etwas Neues musste her. Zip hieß das Ding, es schrammte hart am magischen Hunderter. 100 Megabyte, was für ein Speicher! Bald purzelte auch dieses Format. Jemand hatte die Büchse der Pandora geöffnet. Aus der Musik-CD war ein individuell beschreibbares und massenkompatibles Speichermedium geworden. Auf eine CD passte bald nicht nur Sergeant Pepper, sondern, in schlanke MPs umgewandelt, gleich das Gesamtwerk der Beatles.
Die Sache hatte einen Haken. Die Silberscheibe war ein Depot für die mittlere Ewigkeit, als Zwischenspeicher eigneten sich aber nur spezielle Rohlinge, und irgendwie war das sehr kompliziert. Außerdem, eine Schallplatte auf Widerruf zu bespielen, das war nicht cool. Nein, etwas Neues musste wieder her. Und das Neue kam dieses Mal durch die Hintertür. Die Hintertür war ein Steckersystem namens USB - Universeller Serieller Bus.
Was klingt wie ein Billigangebot für Seniorenreisen, bedeutet nur, dass der strom- und datentransportierende Anschluss für alles und jedes brauchbar ist. Ursprünglich für PC-Mäuse und Computer-Tastaturen gedacht, griff das große Stöpseln schnell auf Drucker, Scanner, externe Festplatten, iPods, Digitalkameras und hunderte anderer Gadgets über. Sogar Verrücktheiten wie Tischgrills und Taschenstaubsauger gibt es mittlerweile mit dem USB-Anschluss.
Und dann kam das Ding, ohne das heute kein Computnik aus dem Büro geht: der USB-Stick. Er baumelt an Autoschlüsseln, klappt aus Schweizer Messern und Armbanduhren. USB-Sticks speichern Daten wie die Flash-Karten in Digitalkameras, weshalb die kleinen Helferleins überm Teich auch "USB Flash Drives" heißen. Mit dem sprunghaften Anstieg der Speicherkapazität - wir halten heute bei maximalen 64 GB - lagern manche von uns Teile ihres Büros in den USB-Stick aus. Das muss nicht nur der Text sein, der zu Hause noch den letzten Wochenendschliff braucht, das kann durchaus auch ein ganz persönliches kleines Archiv sein. Die Sticks horten nicht nur Daten, sondern sogar Applikationen wie Mailprogramme, Skype, Virenscanner oder OpenOffice. Sie müssen am "Gast-PC" nicht installiert werden. So kann man in der Firma oder bei Freunden Software nutzen, die es auf den Rechnern gar nicht gibt, und hat gleich auch noch alle Daten mit dabei.
USB-Sticks sind inzwischen so normal geworden wie Wegwerffeuerzeuge, Taschenbatterien und Kaugummi und hängen auch genau dort, wo wir diese Essentials finden, im Last-Minute-Regal neben der Supermarktkasse. Ein ausgewachsener USB-Stick ist auch mein zahnpastafarbener iPod-Plastikriegel. Er ist nicht größer als eine Packung Kaugummi, fasst aber 100 Songs. In CDs umgerechnet, müsste Bill Gates dafür auf einem Dutzend Papierstapel sitzen. Und mit Grinsen wäre auch nichts, das Teil ist nämlich von Apple.
28. Januar 2007 © Andrea Maria Dusl
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