Pockerlfras

Pockerlfras.jpgLiebe Frau Andrea,

neulich las ich in der Bobo-Postille Fleisch, Sie bekämen manchmal die "Pockerlfras". Schon oft habe ich diesen Ausdruck gehört. Alleine: ich weiss nicht was Pockerlfras bedeutet, wiewohl es in den Wäldern bei Baden einen Föhrenzapfen fressenden Riesen namens Bockerlfraß geben soll. Bitte klären Sie mich auf!

Ihre Karin F. Knolle, Eichgraben; c/o Achtern, Leopoldstadt


Liebe Karin,

die gute alte Pockerlfras bekomme ich, wie sie richtig zitieren, nicht manchmal sondern regelmässig und zwar beim Gedanken an Religion. Ob Christentum, Buddhismus, Amethystanbetung oder Sonderformen des Wahns wie Oper, Schilauf und Kapitalismus: ich bin unheilbar an Areligiosität erkrankt. Die Pockerlfras hat weniger mit einer Badner Sagengestalt, als mit der Fraisen (Frasen, Fras) zu tun, einer Altwiener Bezeichnung für Zuckungen und Anfälle aller Art. Unter Frasen wurden einst Krankheitsbilder wie Epilepsie und Schüttelfrost zusammengefasst. Mit Pockerl bezeichneten die alten Wiener den Truthahn. Aus der Redensart, ”rot z’wern wia’r a g’razts (gereiztes) Pockerl” entstand die mit Gesichtsröte einhergehende Frasen, eben die Pockerlfras. Ob man in diesem Fall von frühen Formen von Vogelgrippe sprechen könnte, müssen Paläopathologen klären. Geklärt ist hingegen, das die Bezeichnung Pockerl (auch Pokerl oder Boggerl) vom ungarischen Wort Pulyka für den schmackhaften, aber leicht errötenden amerikanischen Hühnervogel kommt.
www.comandantina.com dusl@falter.at

Für meine Kolumne 'Fragen Sie Frau Andrea' in Falter 43/2006

23. Oktober 2006 © Andrea Maria Dusl

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Kommentare

Hochverehrte Frau Andrea!
Natürlich bin ich der Besserwisserei allzeit schuldig zu sprechen. Deshalb möchte ich auch höflich anregen, darüber nachzudenken, ob 'die Pockerlfras' (Artikel und Endung erscheinen mir streitbar), möglicherweise mit den Pocken und den Fraisen (Fieberanfälle) zusammenhängen könnten. Dieser Theorie hing ich nämlich bislang an, wenngleich gänzlich ohne religiösen Extremismus. Soll heißen: ich bin ja lernwillig, damit ich dann zukünftig wieder alles besser wissen kann.

Herzliche Grüße
Frau Beatrice

Beatrice Eipeldauer | 25.10.06 16:23

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