Wien baut die Pampa aus

FA-Vifzack-Campus.jpg

Wien baut seinen Stadtrand aus.

Dusilation für Falter 09/2006

27. Februar 2006 (1) Comments

Familie Grün

FA-Grune-Familie.jpg

Ins Büdel eineklicken

Österreichs Familie Grün rüstet für den Wahlkampf. Von links nach rechts: Mutti Eva Glawischnig, Vater Sascha van der Bellen, ADS-challenged: Söhnchen Petzi Pilz, Stieftochter Brigid Weinzinger, Tante Marie Vassilakou, Urstrumpftante Freda Meissner-Blau, Rudi Anschober, der reiche Onkel aus dem fernen Oberösterreich.

Dusilation für Falter 09/2006

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Von der Familie Grün gibt es auch eine kolorierte Version.

27. Februar 2006 (0) Comments

Zeit ist Geld

Kirova-Uhr.jpgLiebe Frau Andrea,

letztens an der Billakasse: Die Kassierin zog meinen Einkauf mit 160 km/h über die Laserleuchte und stapelte ihn auf der kleinen Ablage hinter dem Band. Ich kam mit dem Einsackeln gar nicht nach. Sie müsse das nicht so schnell tun, meinte ich, doch, müsse sie, meinte sie, Anweisung von Oben. Aber ich müsse das nicht, entgegenete ich, beim mir gäbs kein Oben. Darauf schob die Kundin hinter mir ihre Frühstückszeralien gegen meine Milchpackerln und herschte mich an: “Tuan’s weiter, Zeit ist Geld”. Was soll man denn da sagen?

Ines Zirbensäger, Margareten

Liebe Ines,

mit dem schönen Satz “bei mir gibts kein Oben” haben Sie Ihr Arsenal an argumentativ hochstehenden Antworten für Billakassierinnen fast ausgeschöpft. Die Arme kann nicht viel für die Eile, die in ihrem Laufrad herrscht. Ein Empfehlung der Lektüre von Marx und Engels oder einer frischeren Arbeitnehmerschrift tun aber immer ihr Gutes. Problematischer scheint mir da doch das Zitat der am neoliberalem Denkparkett tanzenden Kundin hinter Ihnen. Hier könnte man entgegnen: “Zeit ist Geld? Meinen Sie, geehrte Getriebene? Zeit, dieser durch Abstraktion herausgehobene Verlaufsaspekt der veränderlichen Zustände der Realität? Das erlebte Vergehen von Gegenwart? Die Begriffswolke, die kausal verknüpfbaren Ereignissen und Handlungen eine Reihenfolge zuregnet? Diesem Mysterium soll Tand von Menschenhand gleichkommen? Aber gengan’s!” www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Falter 09/2006

25. Februar 2006 (2) Comments

Verve Impressions

Brass, Strings, Keys, Saxes, etc.

Verve-Impressions-Saxes.jpgUniversal Das Universum jener musikalischen Ausdrucksformen, die mit dem Etikett Jazz eingerext werden, lässt sich auf vielerlei Art bereisen. Für die Klientel des "Lieblingsartisten" erscheinen kiloweise Ausgrabungsergebnisse aus diversen “Vaults” und anderen Jazzlagerstätten. Die führenden Diziplinen dieser Schule, die Miles-Davisologie und die John-Coltraneologie widmen sich mit Doppel- und Dreifachalben, Out-Takes-Boxen, Legendary-Concert-Schubern und allerlei Jubiläums-Kisten dem Oevre der grossen Giganten. Eine anderere Jazzforschungsmethode fokussiert weniger den einzelnen Künstler, sondern widmet sich dem Genre, dem Stil, der Epoche und kompiliert Editionen mit Material verschiedener, aber miteinander musikalisch hochgradig verwandter Aufnahmen.

Einen völlig anderen, aber gewinnenden Ansatz zum archäologischen Verständnis des Jazzs hat die Edition Verve impressions der österreichischen Tochter des Musikmajors Universal, die Zugang zu den die Lagerstätten des Verve-Labels hat. Grabungsleiter Chrsitian Krug hat den Instrumenten des Jazzs 12 Doppel-CDs gewidmet und darauf grosse Namen mit weniger bekannten, aber nicht minder mitreissenden gereiht. Der schräge Ansatz hat eine erfrischende Konsequenz. Unter dem Stratum der grossen Namen liegen weniger bekannte Jazzinstrumentalisten, die zwar weniger berühmt, aber nicht weniger guten Jazz erarbeitet haben. Zudem geht die Edition Verve chronologisch vor, es lassen sich Entwicklungslinien im Umgang mit einem Instrument verfolgen, die überraschende Einblicke in die Geschichte des Jazz erlauben. Die Edition gerät dabei nie in Gefahr schnarchige Belehrung zu transportieren. Im Gegenteil, die Reise durch die Zeit ist leichtfüssig und erfrischend und lässt sich bei jedem Instrument (auch Vocals werden als eines verstanden) aufs Neue antreten.

Die Doppel-CDs “Brass” und “More Brass” (von Louis Armstrong über Chet Baker, bis Roy Hargrove), “Bigbands” (von Gene Krupa bis Vienna Art Orchestra), “Strings” und “More Strings” (von Reinhardt über Montgomery, Metheny bis Scofield), “Keys” (Mingus bis Wesseltoft), “Saxes”, “More Saxes”, und “Woodwinds” (von Coltrane bis Shorter), Female, Male und Voices (von Nat King Cole bis Cassandra Wilson). Das doppelte Dutzend ist Bügel- und Überlandfahrttauglich und wird dem Puristen mindestens so viel Dejavus bescheren wie dem Novizen Einlicke in das funklelnde Universum des Jazz. ANDREA MARIA DUSL für Falter 09/2006

25. Februar 2006 (0) Comments

Zero* Hotels ::: East Village 2B

NYC-Room-East-Village.jpg

Meine romantische Bleibe im Summer of 94. New York City. East Village. 2B. Apartment 3B.
Natural Born Killers spielten gerade im Kino. T-Shirts mit dem Abschiedsbrief von Curt Cobain
hingen frisch bedruckt an den Touristen-T-Shirt-Ständen. Das T-Shirt, das ich trug war
schwarz und drauf stand in weissen und gelben Buchstaben:

WELCOME TO NEW YORK
NOW LEAVE.

In NYC war ich mit Triebi und dem Höller Klaus. Mein Bettchen befand sich im Appartment
von Kai Hagmüller, der damals im Architekur-Büro von Raimund Abraham arbeitete.

Es war warm und der Sommer im Village roch süsslich, mal nach Asphalt, mal nach Gift, mal
nach den Reifen eines Muscle-Cars. In der früh weckte mich die Sonne, die über den East
River strich, oder ein Anruf von Triebl, der beim Höller Klaus in der der 35ten in einem
Dachappartment mit Blick aufs Empire State Building logierte und in der früh immer einen
Bagel oder zwei brauchte.

Der Bagel-Bring-Walk vom East Village nach Midtown dauerte genau zwei American-Spirit-
Zigaretten, die es bei einem Pakistani Ecke Stuyvestant/St.Marks gab.

Damals rauchte ich noch. Die Twin Towers standen nütz herum und niemand gab einen
heck about ihnen. So war das.

Am Fensterbrett lag in der früh immer schwarzer Staub.

20. Februar 2006 (3) Comments

Bumstinazl

Ignatius.jpgServus, liebe Frau Andrea,

in letzter Zeit verwendet meine Freundin immer wieder den Spruch: "Na bumst da Nazl". muß ich befürchten dass sie sich rechtsradikale Parolen angeeignet hat? Erschwerend kommt hinzu, dass sie diesen Spruch meist beim Wechseln der Windel unseres Sohnes verwendet.

Danke für Ihre Antwort, Michael, Liesing

Lieber Michael,

die Hintergründe dieses Spruchs liegen tief in den Nebeln der Vergangenheit. Es gibt zwei Lösungsansätze, einer böse und ideologisch, der andere harmlos und religiös. Wir alle kennen Ausrufe wie Jessasmaria! (Jesus-Maria) oder Marantjosef! (Maria und Josef). Früher war man in Notsituationen durchaus versucht, auch einen der hunderten Schutzheiligen anzurufen. Solch ein Schutzheiliger ist der Heilige Ignatius von Loyola. Der Gründer des Jesuitenordens war nicht nur begabt im Errichten einer katholischen Eliteorganistation und dem Protrudieren von Gebetstränen, er gilt auch als Protektor der Kinder und Antidämon von Gewissensbissen, Flöhen und Zauberei. “Bumsti, Nazl” (die Kurzform von Ignatius) mag also seinen Ursprung im Anrufen des Heiligen bei Kinderunglück aller Art haben. Profaner ist die Deutung von Bumstinazl als “Bumst-der-Nazi”, das ein Echo aus den dreißiger Jahren gelten könnte, als man auf diese Weise Sprengstoffattentate der illegalen Nationalsozialisten, leicht verschlüsselt, zustimmend kommentierte. Es sei Ihrer Phantasie überlassen, welche Version beim Anblick einer vollen Windel angebracht ist. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Falter 08/2006

20. Februar 2006 (0) Comments

Blaufrau

BM-Viktoria-Malektorovych-Blau.jpg

Mai 2001, Lviv/Lemberg, Ukraine
Viktoria Malektorovych im kleidsamen Blaumann
und einer Mechanikerdosis Marboro während
der Dreharbeiten zu meinem Spielfilm Blue Moon.

Das Bild wird gross, wenn man draufklickt.

17. Februar 2006 (2) Comments

Böse Tiere

Alle ängstigen sich vor toten Schwänen, lebenden Hühnern und anderen gefiederten
Überträgern der Vogelgrippe. Dabei sind die Eierleger nicht die einzigen Überträger böser Krankheiten.

FA-Bose-Tiere.jpg


Dusilation für Falter 08/2006

17. Februar 2006 (0) Comments

Böse Bahn

FA-Rollstuhl-Gepack.jpg

Ein Rollstuhlfahrer fährt gerne Bahn. Die Bahn fährt aber nicht gerne Rollstuhl.
Der reisefreudige Behinderte berichtet, es sei ihm mangels behindertengerechter
Waggons wiederholt das Gepäcksabteil zugewiesen worden. Skandalös.

Dusilation für Falter 08/2006

17. Februar 2006 (0) Comments

Nordwestbahnhöfliches

Napoleon-Murphy-Brock.jpgLiebe Frau Andrea,

mir ist aufgefallen, dass die Straßenbahnlinie 5 an der Westbahnstraße, der Nordwestbahnstraße und der Nordbahnstraße hält. Ich kenne den Westbahnhof, ich kenne Wien Nord (den Praterstern), aber was genau ist der Nordwestbahnhof?

Herzlich, Napoleon Murphy Brock, Internet

Lieber Napoleon,

welch Fragenglanz in meiner bescheidenen Antworthütte! Dass ein legendärer Zappa-Mitmusikant und Saxophon-Funk-Berater wie Sie, Napoleon, mit dem 5er durch Wien gurkt und dabei Standortfragen hiesiger Kopfbahnhöfe reflektiert, rührt mich. Sogleich will ich ins Zappaeum eilen und “One Size Fits All” und die “You Can’t Do That On Stage Anymore”-Volumes auflegen um Sie auch musikalisch ganz bei mir zu haben, Nappy! Nun zu Ihrer Frage. Der gründerzeitliche Nordwestbahnhof war der Kopfbahnhof der Österreichischen Nordwestbahn, die Wien über Stockerau, Hollabrunn, Retz und Znaim mit Jungbunzlau verband. Das Bahnhofsgebäude stand an der Ecke Nordwestbahnstraße/Taborstraße im 20. Bezirk. 1924 eingestellt und von den Nazis kurz aktiviert, wurde der Personenverkehr 1959 endgültig beendet. (Das Bahnhofsgebäude selbst war im Krieg zerstört worden). Das Nordwestbahnhof-Gelände wurde zu einem modernen Güter- und Containerterminal mit Krananlagen und Lagerhäusern ausgebaut. Mit dem Auto, lieber Napoleon, können Sie über die alte Nordwestbahnbrücke fahren. Sie heisst jetzt Nordbahnbrücke. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Falter 07/2006

13. Februar 2006 (2) Comments

Andrea Maria Dusl ::: Report . ORF 2 - Di 14.2. - 21:05

Comandantina Dusilova zu Gast in der ORF-Polit-Sendung "Report".

TV-Report-Logo.jpgDienstag den 14. Februar 2006, um 21:05 - in ORF 2 in der Sendung Report - gebe ich Eva Weissenberger Auskunft über Boris Jelzin, seine blutige Hände, und warum der damalige Präsident Russlands nicht nach Österreich auf Staatsbesuch kam. Ich beantworte die Frage, ob ich den Profeten abbilden würde, doziere über Scheren in Zeichnerinnen-Köpfen und referiere das Abbildungsverbot von slowenischen Schriftzeichen auf Kärntner Ortstafeln.

13. Februar 2006 (8) Comments

John Irving ::: Bis ich dich finde

FA-John-Irving.jpg

Lügen wie gedruckt. John Irving hat einen dicken Romanziegel geschrieben, der alle Aspekte seines Werks zu einem Opus magnum bündelt. In „Bis ich dich finde“ grast der 63-jährige US-Autor mit Hauptwohnsitz in Kanada seinen ureigenen Kreis an Themen, Figuren und Orten ab: Ringkämpfe, Auflüge ins Prostituierten-Milieu, plötzliches Versterben, jungen Helden, übermächtigen Frauen-Figuren und einen abwesenden Vater. Ein beträchtlicher Teil der Handlung ist in good old europe angesiedelt. Und als Draufgabe liefert das Buch auch noch gründliche Einführungen in die Welt des Tätowierens und der Orgelmusik.

Beeindruckend mühelos hält der Dickens-Verehrer Irving über mehr als Tausend Seiten die verschiedensten Themenstränge und ein Personal von mehreren Hundert liebevoll ausgestalteten Figuren zusammen, setzt sie zu einem schlüssigen Ganzen zusammen.

Wer in diesen Roman Persönliches hineinlesen will, dem zieht Irving schon im vorangestellten Motto von William Maxwell die Füße weg. „Wenn wir über die Vergangenheit reden“, steht da, „lügen wir mit jedem Atemzug.“

Dusilation für Falter 07/2006

13. Februar 2006 (0) Comments

Googeln in China

FA-Google-China.jpg

Wie man im nächsten Falter lesen kann, zensiert China den Internet-Zugang seiner Bürger massiv - einerseits über ein perfides Content-Filter-System, das dynamisch nach Reizwörtern sucht und alle Seiten, die solche enthalten, für alle Chinesen blockiert. Andererseits ganz old school über die Blockade bestimmer Web-Adressen. Angeblich arbeiten 40.000 chinesische Beamte an Zensur und Kontrolle des Internet.

Man könnte das mit dem nötigen Fachwissen umgehen, dem Vernehmen nach tut das aber kaum jemand, weil die meisten Chinesen gar nicht merken, dass es da im Internet überhaupt mehr gibt, als sie sehen können.

Zudem schließt die Regierung regelmäßig Internetcafes - wegen Sicherheitsmängeln, wie es heisst. Bloggen, wie bei uns ist in China nur mit Einschränkungen möglich. So müssen sich auch private Weblogger als Medium registrieren lassen, wenn sie im chinesischen Internet irgendwas veröffentlichen möchten. Tun sie das nicht, gelten sie allzu schnell als "Gerüchte-Verbreiter", und das ist strafbar. Im schlimmsten Fall kann missliebiges Publizieren als Weitergabe von Staatsgeheimnissen klassifiziert werden, und auf solchen Verrat steht die Todesstrafe.

China ist für Europa ein super Wirtschaftsmarkt, weswegen die großen westlichen Unternehmen durchaus mit der Führung in Beijing kooperieren. CISCO hilft mit Internet-Kontroll-Software, Yahoo und Google bieten China-Suchmaschinen an, die selbständig filtern. Weil es den dortigen Gesetzen entspricht, wie die westlichen Kommunikations-Multis sagen.

Dusilation für Falter 07/2006

13. Februar 2006 (0) Comments

Frau Andrea liest in Lambach ::: Freitag, 10. Februar!

Schwechat-Dusl-Nuechtern.jpgFRAU ANDREA UND HERR KLAUS tingeln sich die Lesefinger wund!

Bist Du Moped! Auf unserer Tournee durch die Satirefeststätten des Landes kommen wir endlich nach Lambach in Oberösterreich, in die humorverseuchte der beiden Twincities Lambach/Stadl-Paura.

Freitag, 10. Februar, 20.00 Uhr
lesen Herr Klaus und icke im
kulturverein gruppe 02
in der Hafferlgasse 1a

aus unseren Falter-Kolumnen-Büchern.

In meiner seit 1996 wöchentlich erscheinenden Kolumne „Fragen Sie Frau Andrea“ (so auch der Buchtitel) setze ich - Comandantina Dusilova alias Andrea Maria Dusl - mich mit den Verrücktheiten des Alltags und dem Alltag von Verrückten auseinander.

Mein Lesefreund, der bekennende Lederwesten-mit-Strickärmeln-Fan Klaus Nüchtern gibt mit seinem dritten Kolumnen-Band „Kleine Quittenkantate für Kastratensopran und Querflötenquintett“ Einblick in eine Welt mit rätselhaften Phänomenen, verrät nutzlose Details, schweift aus- und ab und beglückt mit markerschütternden Neologismen.

Dauer der fantastischen Lesestunde: Kürzestweilige 50 bis 300 Minuten, je nach Kondition des zuhörenden Gegenübers.

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Weiterlesen natürlich in den Büchern!

Zum Bleistift in diesem: Fragen Sie Frau Andrea

8. Februar 2006 (0) Comments

Stockenten und Samariter

Liebe Frau Dusl,

am vorvergangenen Montag (30.1.2006) um 15.40 ist mir das passiert,
um 18.30 war ich im Krankenhaus. Es stimmt alles was ich Ihnen
anbei schicke und was großteils eigentlich in die Tierecke gehört.

Grüsse Judith Schöbel
  

Liebe Andrea,

als ich joggenderweise unlängst auf der Donauinsel das Laufen
unterbrach um kurz zum Flussufer unterhalb der Wehr (Kraftwerk
Freudenau) zu gehen sah ich ein schwimmendes Stockentenpaar mit
einer etwa einwöchigen Jungente hinter sich. Dies beflügelte meine
Neugier näher zu treten und ich stürzte auf der felsigen mit Eis
überzogenen Böschung, unterhalb rauschte das Steigbächlein, die
Aufstiegshilfe für die Donaufische. Die Enten flogen weg, die
Jungente verschwand unter den Eisschollen und ich saß aufgrund
eines akuten anatomischen Defektes „fest“.

Im Laufe der nächsten
Sitz- Stunde, ich hatte Handy sei Dank sogleich die Rettung
benachrichtigt, konnte ich meine ornithologischen Studien an dem
nebelverhangenen kühlen Flussufer ungestört fortsetzen. (Die
sogleich herbeieilenden edlen Samariter hatten nämlich aus
obrigkeitlich bedingten Logistikproblemen Schwierigkeiten sowohl
meiner Handynummer wie auch meiner Position habhaft zu werden)
Neben Kormoranen, Stockentenscharen, Blesshühnern, Möwen und einem
schwimmenden Säugetier (? Bisamratte, ? Otter) kam schlussendlich
ganz alleine, aber durchaus forsch das kleine Entlein zwischen den
Schollen hervor, tauchte auf und wieder unter und verschwand
schließlich im kalten Nebel.

Kurz darauf erschien über meinem
Uferböschungshorizont die (erste) findige edle Samariterin auf, sah
mich, und fiel der Länge lang hin (ohne Beschädigung!). Liebe
Andrea, mit war nach einstündigem Sitzen bei ca -3 bis -5° zwar nur
ein bisschen kalt geworden aber wie macht das die kleine Ente?

Hat`s die im Wasser wärmer als ich (+4 °?) und sind Daunen wirklich
so warm? Mich hat die wunderbare Sportbekleidung einer
ornithologisch orientierten Sportfirma aus Oberösterreich über die
erste Stunde recht warm gehalten.

Die drei lieben Samariter konnten mich aufgrund des Glatteises und
der steilen Fels- Böschung nicht zu ihrem Wagen bergen und
forderten ihrerseits die Feuerwehr an. Da allmählich die Dämmerung
ausbrach und ich eingewickelt in Aludecken und Decken langsam zu
zittern begann und auch die tröstenden Samariter allmählich vor
Kälte klapperten, erkundigte ich mich nach Ihrem späten Erscheinen
auf dem topographisch doch eindeutigen Unfallsort (Donauufer
unterhalb der Wehr Freudenau, doppelte Hochspannungsleitung,
Schiffahrtsmarkierung „5“, Mündung des Steigbaches in die Donau).

Darauf klagten die Samariter sie hätten leider keine Karte auf der
diese Dinge eingezeichnet wären eine solche hätte nur die
Feuerwehr, sie hätten ja gerne solche Karten. Im Nebel fänden Sie,
die Samariter dann halt nix, wir hatten uns schließlich durch
Folgetonhorn, Handy und meine Rufe verständigt.

Warum liebe Andrea, warum hat uns dann aber die Feuerwehr fast eine
ganze Stunde warten lassen wo die doch so eine Karte hat und nicht
einen einfachen Strassenplan? Die Samariter zweifelten allmählich
an meiner intakten Körpertemperatur, maßen nach, aber das
Fieberthermometer gab in der Kälte seinen Geist auf. Schließlich
kamen die zünftigen Feuerwehrmannen und im Rettungswagen hab ich
immer noch stattliche 35, ° gehabt (ein altes
Quecksilberthermometer funktionierte).

Mein beidseitiger Knöchelbruch konnte im SMZO um Mitternacht operativ
top versorgt werden. Dank der Kälte blieb der Fuß fast ohne Schwellung und den
kundigen Unfallchirurgen boten sich beste  Basisbedingungen, auch
Schnupfen hab ich keinen.

Bitte liebe Andrea warum kriegen die sehr fleissigen, wirklich
edlen, aber so armen Samariter keinen Plan wie ihn die Feuerwehr
hat ? Und ist Feuer edler als Eis? Gibt es Jungenten im Jänner?… so
viel ornithologische und topo- logistische Irritationen.
 
Viele Grüße,
Deine Elisabeth

8. Februar 2006 (0) Comments

metaphysics ::: Digitale Medien

Erschienen in .copy 25/März/2005

TI30-Book.jpgAls ich ins Gymnasium ging, in den Siebziger Jahren, in Wien, war alles noch anders. Analog. Auch wenn das damals niemand so nannte. Alles war analog. Radios hatten eine Röhre, Musik kam von zerkratzen schwarzen Scheiben und mathematische Berechnungen fanden auf einem seltsamen Gerät statt, das sich Rechenschieber nannte. Elektronengehirne, gross wie Einfamilienhäuser, waren zwar schon aus den Science-Fiction-Büchern ausgebüchst und hatten Amerikaner gerade erfolgreich zum Mond und wieder zurück gebracht, aber was ein Computer sein sollte, wusste damals noch niemand. Computergenies beschäftigten sich im Spätnachkriegs-Österreich nicht mit extraterrestrischen Expeditionen, sondern ausschließlich mit "EDV", elektronischer Datenverarbeitung.

Um uns Schülerinnen und Schülern eine Vorstellung von dieser wundersamen Errungenschaft namens "EDV" zu geben, brachte unser Mathematikprofessor eines Tages einen Streifen fahlgelben Plastiks mit, den er uns stolz als "Lochkarte" präsentierte. "Das ist EDV, Schülerinnen und Schüler! Diese kleinen Löcher da. Diese kleinen Löcher, sie sind reine Information! Diese kleinen Löcher. Reine Information. Digitale Information." Wow! Information. Digital. Wow!

Aber wie ging das: "Digitale Information"?

Daß "ein" gestanztes Loch den Wert "Eins" repräsentierte, leuchtete mir noch halbwegs ein, aber daß "kein" gestanztes Loch den Wert "Null" darstellen sollte, blieb mir unerklärlich. Wie konnte etwas dargestellt werden, indem es nicht dargestellt wurde? Es war rätselhaft, aber es war digital. Und es hatte mit unserem Finger zu tun. Man konnte digitale Information mit einem Finger - lateinisch "digis" - darstellen. Finger hoch: Eins. Finger runter: Null. Digital.

Auch was ein Medium ist, wussten wir. Ein Medium ist die Mitte. Die Mittte zwischen zwei Dingen, ein Träger von Jemandem oder von etwas, ein Mittler. "Medium" hatte damals einen obskuren Unterton. Finger rauf, Finger runter - geschenkt. Aber Medium klang nach Geisterbeschwörung, nach halbgegrilltem Steak, nach Tabasco für Waschlappen. Das sollte so bleiben. Medium war halbgar und obskur. Kein guter Start für einen Begriff, in dem Fernsehen und Zeitungen Platz haben sollten, und auch noch Filme und Musik, Telefone und Computer und was die Weltraumindustrie noch an Zukünftigen in ihren Schubladen verstecken mochte.

Aus dem obskur-okulten Fingerzeigen und dem ungläubigen Staunen über elektronische Gehirne, die eine grössere Sardinenbüchse bis zum Mond steuern konnten, wurde bald handfester Alltag. Der erste digitale Freund, den wir hatten, hiess TI-30 und war ein goldbraun glänzender Taschenrechner von Texas Instruments, der - niemand nahm es wunder - aus dem Mondfahrerstaat Texas kam. Silicon Valley war da noch eine Pampa.

Kaum war das digitale Rechnen Teil unseres analogen Denkens, kaum war 12:30 dasselbe wie halbeins, schaffte Phillips die Schallplatte ab und ersetzte sie durch Karajans CD. Kaum zu glauben: Auch Jimi Hendrix, gerade noch auf einer zerkratzten Vinyl gehört, fidelte glasklar, ein wenig zu klar von der silbernen Scheibe. Voodoo Chile, Red House, Hey Joe: Alles in Eins und Null. Und so sollte es weiter gehen.

Ein Gerät nach dem anderen wurde digital. Die Telefontastatur, der Anrufbeantworter, das Autoradio, das Videoband, die Heimorgel. Alles eins oder Null, alles Zeigen oder nicht Zeigen, alles Medium. In der Mitte. Zwischen uns und wem anderen.

Und dann kam Apple und Microsoft, Quark-X-Press und Photoshop, die DVD, die Digitalkamera, die elektronische Motoreinspritzung, Lara Croft und Myst, Satelliten-Receiver und der Klingelton, CNN, das Internet und der Download. Die Volldigitalisierung der Welt.

Digitales Medium. Was war das schnell noch mal? Ach ja. Irgendwas in der Mitte, kurz nach der Mondlandung. Ein Zeigefinger und halbgare Gespräche mit Geistern.

5. Februar 2006 (1) Comments

Die Farbe der U

U-Bahn-Netz-Wien.jpgLiebe Frau Andrea,

die Wiener Straßenbahnen sind mit Buchstaben oder Zahlen gekennzeichnet (J oder 46), Busse durch eine Zahl und den Buchstaben A (13A). Was aber will uns der Buchstabe B nach einer Zahl sagen? Und stimmt es, dass die ersten U-Bahnlinien, die in Wien gebaut wurden, mit Farben codiert wurden, die zwei wichtigen lokalen Fußballvereinen sowie einer dominierenden Stadtpartei zugeordnet werden können? Der Antworten harrend, dankbar, Johannes, Internet

Lieber Johannes,

die Nomenklatur der Wiener Busse ist einfach: Linien mit dem Zusatz A werden von den Wiener Linien betrieben, Busse mit B von einer privaten Firma ("b" wie "brivat"). Die Kolorierung der Wiener U-Bahnen den Fussballvereinen Rapid (grün wie die U4) und Austria (violett wie die U2) sowie der Wiener SPÖ (rot wie die U1) zuzuordnen ist ein einnehmender Gedanke, der bei der U6 (braun) und der U3 (orange) versagt. Die wahren Hintergründe des Farbkonzepts dürften profaner sein. Man hat, so U-Bahn-Forscher Horst Prillinger, dem Beispiel andere Städte folgend, primär kontrastreiche Komplementärfarben ausgewählt. Über die unterbewussten Hintergedanken des zuständigen Beamten Dipl. Ing. Gilnreiner sind keine Details bekannt. Wenig Farbverwandtschaft finden wir in der pastellfarbenen Linienpalette der Pariser Métro. Es liegt nahe, dass das Wiener System dem der New Yorker Subway, der London Underground, und dem der Moskauer Metro folgt. Die grösste U-Bahn-Farb-Verwandtschaft gibt es aber mit dem guten alten Berlin. www.comandantina.com dusl@falter.at

Für Falter 06/2006

5. Februar 2006 (2) Comments

Saliera Erde

Buchenwalderde voll Asche
Fichtenwalderde voll Salz
Da wie dort Brand
Unter Buchen keine Urnen
Unter Fichten dann ein Fass
Geiger spielt auf
Presse Blitzlicht Würstelfinger
Krallen sich ums pure Gold
Ziseliert von Mörderhand
Das passt gut zum Mörderland
Erde zu Erde Staub zu taub

Bertha von Borotin
(anlässlicher der eBay-Versteigerung
von Orginal-Saliera-Erde aus dem Waldviertler Wald,
in dem der Kunstdieb Robert Mang Cellinis Salzfass -
die weltberühmte "Saliera" vergraben hatte.)

Bertha-von-Borotin.jpg

Hiezu erreichte das Bureau folgende Richtigstellung:

"Frau v. Borotin wünscht richtigzustellen, dass die
sie abbildende Photographie nicht wie angegeben
"anlässlich der eBay-Versteigerung von Original-
Saliera-Erde aus dem Waldviertler Wald"
aufgenommen wurde, sondern während einer
Benefizveranstaltung im Waisenhaus von Moravksá
Ostrava, in deren Rahmen sie Franz Schuberts Lied
"Die Taubenpost" zum Vortrag gebracht hat.

Kanzlei Borotin
Prunella de Queensland "


..............................................
Materialien:

Meisterdieb Mang.jpg
Meisterdieb Robert Mang mit Saliera im Wald in Brand

Meisterdirektor Seipel.jpg
Meisterdirektor Wilfried Seipel mit Saliera im Museum in Wien

Download pdf der eBay-Saliera-Erde-Seite
Meisterverkäufer Langthaler aus Brand im Waldviertel

4. Februar 2006 (3) Comments

Shalimar Rushdie

FA-Salman-Rushdie.jpg

Der satanische Verseschmied Salman Rushdie hat ein neues dickes Buch geschrieben:
Shalimar, der Narr.

Dusilation zur Rushdie-Rezension in Falter 06/2006

3. Februar 2006 (0) Comments

Beim Barte des Proleten

FA-Bartformen.jpg

Der moderne Arbeitnehmer trägt Bart. Da fährt die Eisenbahn drüber.
Kleines Kompendium der gängigsten Gesichtsfrisuren.

Für Falter 06/2006

2. Februar 2006 (1) Comments

Bumsternazl

Servus,
in letzter Zeit verwendet meine Freundin immer wieder den Spruch:

"Na bumst da Nazl"

muß ich nun fürchten dass sich sich rechtsradikalen Parolen angeeignet hat.
Erschwerend käme hinzu dass sie diesen Spruch meist beim Wechseln der
Windel unseres Sohnes verwendet?!

Danke für deine Antwort
Michael Geringer

2. Februar 2006 (1) Comments

Sauerkraut

Liebe Frau Andrea!

Wissen Sie, was es mit dem sonderbaren Brauch auf sich hat, daß man jemandem nur zum Geburtstag gratulieren darf, solange er/sie noch kein Kraut gegessen hat?

Inzwischen wird dieses Omen auch schon zu Neujahr beschworen, wiewohl ja nicht wenige Menschen am 1.1. irgendetwas vom Schwein plus Kraut und Knödel essen...

In diesem Sinne grüßt Sie (mit den besten Wünschen für den morgigen Groundhogday (früher: Maria Lichtmeß)

Ihre Dr.Elisabeth Vitouch

1. Februar 2006 (0) Comments

Anonymous Design ::: Marlene Dietrich und die Frau in Blau

Marlene-Dietrich-Blue-Woman.jpg

22. Juni 2002. Plakat-Dyptichon auf einer Elektrokonsole in Wien.
Papierriss auf Metall. Wie bekomm' ich das in meine Sammlung?
Mang, der Meisterdieb sitzt in Untersuchungshaft.

Wie finde ich den/die Künstler? Wenn ich das Dyptichon dann
gegen einen Banksy aus dieser Epoche eintausche, wann interessiert
sich der Baumarktmann dafür, wann der Augenarzt, wann Sankt Matt,
wann die Republik?

1. Februar 2006 (0) Comments

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