Fragen Sie Frau Andrea
Comandantina Dusilova - genannt "Das Bureau" -
ist das Weblog der Wiener Autorin, Regisseurin
und Zeichnerin Andrea Maria Dusl.
Das Bureau ist ein ständig wachsendes Archiv ihrer, in Zeitungen
und Magazinen veröffentlichten Texte, Illustrationen
und Interviews. Im Bureau gibt es aber auch Informationen
zu ihren Filmprojekten und Nachrichten und
Überlegungen zu diesem, jenem und noch ganz anderem.
Portrait: © Corn
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Päule geh'n
Liebe Frau Andrea,
wir alle kennen den Ausdruck "Meier gehen" fürs Verhaftet- und Eingesperrtwerden. Woher stammt diese Redewendung? Hat die "Meierei" wie das "Mülli gehen" etwas mit Milch zu tun? Eine mit Landwirtschaft vertraute Freundin wies darauf hin, dass Milchkühe früher frei auf der Weide liefen und nur zum Melken vom Meier in spezielle enge Verschläge gesteckt und angekettet wurden! Doch leider warf das sofort die nächste Frage auf: Woher kommt der Ausdruck "beuli gehen" fürs Flüchten? Am Bauernhof wurden wir nicht fündig.
Mit freundlichen Grüßen,
Susi Strolcher, Internet
....................
Liebe Susi,
ich muss Sie und Ihre landwirtschaftliche Freundin enttäuschen. "Meier gehen" kommt weder vom Gutshof noch von der Alm und auch nicht von gemolkenen Kühen. Es stammt wie die Mehrzahl der Ausdrücke dieses Genres aus dem Rotwelschen, in diesem Fall ursprünglich aus dem Jiddischen. More, Moire (Mz. Mores, Moires) ist die Angst. Auch "päule gehen" oder "päulesieren" kommt aus dem Rotwelschen und bedeutet "weg" gehen, "fort"-laufen, flüchten. Das gaunersprachliche "päule" kommt von "polat" und bedeutet glatt und schlüpfrig zu sein, zu fliehen, zu entkommen, sich in Sicherheit zu bringen. Die Gleichgesinnten, auf die sich ein flüchtender Päulesierer verlassen kann, sind seine "Platte". Von "Pleto", der Flucht, kommt auch die in höchsten Kreisen vorkommende Pleite.
Erschienen in Falter" Nr. 11/05 vom 16.03.2005 Seite: 67
13. März 2005 © Andrea Maria Dusl
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