1986 blieb die SPÖ dann auch stärkste Partei, obwohl es mit Noricum-, Lucona-, Intertrading-Skandal, den Turbulenzen um den Wein-Skandal und dem – wie sich später herausstellen sollte – verwerflichen Verhalten der SPÖ mit Fred Sinowatz an der Spitze im verzweifelten Bemühen, einen Bundespräsidenten Kurt Waldheim zu verhindern, ausreichend sachliche Gründe gegeben hätte, sie nach 16 Regierungsjahren auf die Oppositionsbänke zu verbannen, wie es einem gefestigten demokratischen Ablauf und dem wünschenswerten Wechsel von Regierung und Opposition entsprochen hätte.
Anneliese Rohrer in „Charakterfehler. Die Österreicher & ihre Politiker“ (Ueberreuter, Wien 2005) pag. 41
Kategorie: Sager von Welt
Die Haut trauert
Unsere Haut trauert!
Moderator Dreizehn Koestlichkeiten am 23.06.2005 um 11:20 im Online-Forum Höfliche Paparazzi
Habemus Papam
Manchmal lösen kleine Dinge an entfernten Orten Grosses aus. Wir kennen das. Armstrongs erster Schritt auf dem Mond, der Hamburger Friseurbesuch von John, Paul, George und Ringo Beatles, solche Dinge.
Manchmal ist es auch umgekehrt. Manchmal lösen grosse Dinge an entfernten Orten Kleines aus. Dieses geschah, als folgender Sager von Welt getan wurde:
„Annuntio vobis gaudium magnum: Habemus Papam: Eminentissimum ac Reverendissimum Dominum, Dominum Josephum Sanctae Romanae Ecclesiae Cardinalem Ratzinger qui sibi nomen imposuit Benedictum XVI…“
So sprach Kardialprotodiakon Kardinal Jorge Arturo Medina Estévez am Dienstag, 19. April, um 18.43 Uhr von der Benediktionsaula des Petersdomes.
Beim Passus „Dominum, Dominum Josephum…“ hob es mich auf meinem Bett im Hotel Cairoli in der Via Lomellini in Genua vor Schreck einen halben Meter. Etwa fünfzehn Minuten später hämmerte der Messner der Kirche gegenüber von meinem Fenster seine Hauptglocke bis die Metallermüdung eintrat.
Was James Caan am päpstlichen Balkon verloren hatte, und warum er Jorge Arturo Medina Estévez die Speisekarte vom Hotel Ukraina in Moskau hinhält, wissen die Götter. Oops.
Es war einmal ein Mann
Es war einmal ein Mann,
der hatte einen Schwamm.
Der Schwamm war ihm zu naß,
da legt er sich ins Gras.
Das Gras war ihm zu grün,
da ging er nach Berlin.
Berlin war ihm zu groß,
da baut‘ er sich ein Schloß.
Das Schloß war ihm zu reich,
da sprang er in den Teich.
Der Teich war ihm zu tief,
da macht er einen Piff.
Der Pfiff war im zu laut,
da fuhr er aus der Haut.
Supertrauriges Gedicht, das ich als kleines Kind von meiner
Grossmutter Dora Dusl gelernt habe.
Auch kein Bemmerl für ein vierjähriges
Kinderherz:
Maikäfer flieg.
Der Vater ist im Krieg.
Die Mutter ist im Pommerland,
Und Pommerland ist abgebrannt.
Maikäfer flieg.
VOTE, AMERICANS, VOTE!
Vote for John F. Kerry,
Americans!
Stop the
Bushists.
No more
four years
of criminal
madness!
the World.
Spass mit Lustig
Für Christopher Wurmdobler, Herrn Tomtschek und die ganze liebe H.A.P.P.Y. – Bande.
Ich muss gestehen, dass ich sehr gerne, als ich mit Spaßmachen angefangen habe, ins Niedermeier in Wien wollte. Aber im Leben ist es oft anders, ich hab meinen späteren ersten Boyfriend kennen gelernt und es dann auch mit ihm gemacht. Er hat mich sozusagen dann davon abgehalten, nach dem Ausdenken der ersten Gags wegzugehen.
Ich wollte lieber bleiben und habe da eine Betätigung gesucht, die ebenfalls meinem Wunsch, mit dem Ausland zu tun zu haben, gerecht würde und habe dann in der deutschen Comedy-Industrie angeheuert.
Die Welt kennen gelernt
Ich habe gesehen, wie hochinteressant Lustigsein ist, wurde dann nach den ersten Lehrjahren Gagschreiberin und habe vor allem in Baden-Württemberg, aber auch in Köln und Franken, für unsere Truppe erfolgreich Auftritte gecheckt. Dadurch konnte ich natürlich meine Gags anwenden und weiter entwickeln. Und ich habe gesehen, dass sich der Kontakt mit Menschen gleichzeitig auch für den Publikumserfolg umsetzen lässt – und damit auch für mich!
Das Selbstverständnis der Komikerin im Wandel
Ich denke, die Siebziger hatten eine große Bedeutung, denn ich war ja auch eine der ersten Witzeverschickerinnen. Ich meine, das war ja damals erstaunlich! Normalerweise waren die Frauen Verkäuferinnen – und vielleicht dann Friseusen. Aber dass eine Frau dann selber einen Witzeausdenkerjob ausübt, das war damals sehr, sehr selten.
Ich habe das nur deswegen als selbstverständlich hingenommen, weil ich sehr jung war, nämlich erst 23, als ich begonnen hatte. Mit ungefähr 25 war ich schon >>>
Angstschweiß
Andrea Dusl, 6b
4. Schularbeit (zweistündig), geschrieben im Frühjahr 1978, da war ich 16 Jahre alt.
„Die Angst des Tormannes beim Elfmeter?“
„Die Angst des Angeklagten vor dem Urteil?“
„Die Angst des Delinquenten vor der Guillotine?“
Angst und Angst und Angst! Drei verschiedene Situationen – drei verschiedene Menschen – drei verschiedene Ängste!
Der Tormann: Ein Sportler, ein Mann, dessen Aufgabe es ist, seinen Körper zu beherrschen. Er ist für dieses Spiel auserwählt worden, weil er der beste, weil er derjenige ist, dessen Körper am besten gehorcht. Er hat die besten Augen, die beste Reaktion. Er hat sich geschult, seinen Körper und seinen Geist. So, wie ein anderer lernt, mit einer Maschine, hat er es gelernt, mit seinem Körper umzugehen. Es ist nebensächlich, in welchem Spiel, wo und wann. Denn es ist eine Situation eingetreten, in der Millionen auf ihn blicken. Die einen hoffen, daß die Angst ihn einen Fehler machen läßt. Ein Fehler genügt! Die anderen hoffen darauf; daß seine Erfahrung, seine Reaktion, sein Selbstbewußtsein die Angst besiegen. Sie hoffen auf seine Routine, vertrauen auf sein Können. Er hat Angst. Die Ehre der Mannschaft, einer Nation steht auf dem Spiel. Von ihm hängt ab, wer gefeiert wird, wer in Schmach davonziehen muß. Sein Körper ist der Brennpunkt von Millionen Augen. Wird er den Ball halten? Wird er ihn früh genug sehen? Doch daran denkt er nicht. Er denkt an die Angst. Die Angst ist sein Gegner. Wird er gewinnen?
Der Angeklagte: Ein Gesetzesbrecher, ein Mann, der etwas Unrechtes getan hat. So sagt es das Gesetz. Vielleicht hat er nicht anders können. Vielleicht zwang man ihn dazu. Lenkte ihn ein Trieb? Versuchte ihn Geld? Forderten ihn Haß oder Liebe? Er glaubt unschuldig zu sein. Er fühlt sich keiner Schuld bewußt. Er hat es getan. Er hat seine Gründe gehabt. Würde er sich schuldig fühlen, er hätte keine Angst. Wer hat Angst davor, belohnt zu werden? Für eine Sache, mit deren Belohnung man einverstanden ist? Eines Verbrechers Belohnung ist anderer Natur. Er weiß das, weiß, daß er bestraft werden wird. Doch womit, wie, wann, wielange, wie hart, … wozu …? Er ist unsicher, und Unsicherheit macht Angst. Eine eigenartige Angst, die sein Zwerchfell zusammenzieht, die seine Hände rosig-rot und feucht werden läßt. Er hat Angstschweiß! Seine Hände zittern. In einigen Sekunden wird sich der Schweiß auf seiner Stirne in Erleichterung aufgelöst haben, oder er wird mit Tränen gemischt werden. Auch er ist ein Mensch. Die nächsten Sekunden werden über sein Leben entscheiden. Er hat Angst, sehr, sehr große Angst!
Der Delinquent: Ein Mensch, der sein Leben verspielt hat. Ihm liegt nur noch an den letzten Zügen einer Zigarette. Er hat anderer Menschen Leben zerstört, er weiß das, man weiß das. Man hat gefunden, daß er kein Recht hat weiterzuleben. Viele Ängste hat er in seinem Leben schon ausstehen müssen. Er sollte das gewöhnt sein, Angst zu haben. Er hat Schlagzeilen gemacht, man kennt ihn, haßt ihn, verachtet ihn. „Das Scheusal“, sagen sie. „Mörder, Schwein!“ – „Die Leute sollen reden!“ Was hat er zu verlieren: Nur ein Leben! Wäre es denn noch ein Leben, sein Leben? Warum also Angst vor dem Sterben? Trotzdem hat er Angst, die größte Angst seines „Lebens“. Angst davor, anders zu sein, tot zu sein. Nicht der Tod ist das Schreckliche. Die Ungewißheit. Leben nach dem Tod? Er glaubt nicht daran, aber wer weiß? Angstschweiß tritt aus seiner Stirne. Die Zigarette ist feucht, dort wo er seine Finger hat. Man hat ihm die Hand freigelassen; die Linke. Raucht sich gut an der Linken!“ In ein paar Sekunden wird die Angst weg sein. Der Schweiß wird kalt werden. Man wird ihn vergessen. Nicht gleich! Aber die Angst wird sofort weg sein. Die Angst der Leute vor ihm ist schon längst geringer geworden. Seine Angst wird sofort vergessen sein. Seine Todes“-Angst!
Dreimal Angst also! Dreimal anders! Dreimal große Angst! Man kann nicht sagen, was Angst ist. Man muß sie fühlen; dann, wenn man nicht daran denken will.
Abgedruckt in: Jahresbericht des Bundesgymnasiums Wien 9 (Wasagymnasium) über das Schuljahr 1977/78, Herausgegeben von Direktor Dr. Erich Rebholz. Unter Mitarbeit von Hilde Leitgeb, Prof. K. H. Ribisch und Prof. Dr. Sepp Redl. pagg.
Klasse: 6b, 4. Schularbeit (zweistündig):
1. Kriemhild und Lady Macbeth – zwei „vâladinnen“.
2. Angstschweiß!
3. „Wer seine Schranken kennt, der ist der Freie, wer frei sich wähnt, ist seines Wahnes Knecht.“ – Ein Dichterwort, des Überlegens wert.
Prof. Dr. Kurt Schlintner
Download des Scans: Angstschweiß