„Zum Glück heiße ich Thomas.“ „Das deutsche Schicksal“, „Adolf, Burghart, Horst, Uta“ genannt zu werden, blieb Chorherr erspart. Ist doch sein Familienname im Gegensatz zu „Eichmann, Himmler, Seyss-Inquart und Hittler (sic!)“ nicht braun vor-, sondern nur grün nachbelastet. Kein Problem also für „Ich heiße Thomas – Gott sei Dank“ Chorherr, der allerdings „einen Herrn kannte, dessen Töchter deutsche Vornamen tragen mußten, die alle mit S begannen“. Der Vater von Sigrune und Schwertleite „war kein Nazi, sondern nur ein Wagner-Verehrer“. „Wagner zu verehren mußte nicht unbedingt Geistesverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus bedeuten, denn Wagner haben auch viele Juden verehrt, ohne daß es ihnen schließlich genützt hätte.“ Von einer „Belastung“ durch einen „Altvorderen“ weiß Chorherr auch: „Im Jahr 1938 beging meine Mutter – Gott hab sie selig! – etwas, von dem ich erst viel später erfuhr. Sie besserte in ihrem Taufschein den Namen dieses Großvaters auf „Mathäus“ um. Es war Dokumentenfälschung. Der liebe Gott hat es ihr sicher verziehen.“ Großvater Nathan vermutlich weniger.
© Andrea Maria Dusl
„Falter“ 40/98 vom 30.9.1998 Seite 22
Kategorie: Quergelesen Ferngesehen
Wem gehört Hermann Maier?
Wem gehört Hermann Maier? Dem Kurier, der seine Biografie vorabdruckt? Oder der Krone, die ihn mit Thomas Muster zusammenbrachte? Zwar punktete der Kurier mit Reflexionen über den Jahrtausendflug, den Titel des Buches hatte aber das Kleinformat besser verstanden. „Ich gehe meinen Weg“ (durch die Krone). „Aufmerksam, als wolle er später einmal in diese Branche einsteigen“, so erfahren wir über den olympischen Besucher, „ließ Maier sich Layout, Schreibcomputer, technische Aufbereitung der Bilder erklären.“ (Der Kurier wußte von Maiers Überlegungen, doch als Ziegelschupfer am Ball zu bleiben.) Wie nicht anders zu erwarten, „schloß er sofort mit den Druckereiarbeitern Freundschaft.“ Als Profi hatte Maier auch ein passendes Paar „Original-Rennskier“ mit dabei, die er mit einem Original-Autogramm verzierte. Wenn schon nicht klar ist, wem der „Hörme“ gehört – er soll ja auch eine Freundin haben -, wissen wir zumindest, wem sein ewiges Dankeschön gilt: den Druckereiarbeitern in Inzersdorf. „Ihr habt’s wegen mir oft so viel Arbeit gehabt, so viele Überstunden machen müssen.“ Danke.
© Andrea Maria Dusl
„Falter“ 39/98 vom 23.9.1998 Seite 22
Schweinekram und Briefbombenbauanleitungen
Seit Samstag weiß es auch der kleine Mann. Dieses Dings da, dieses Internet kann etwas, was die Leibzeitung nicht kann. In diesem … ja genau: Internet kann man nicht nur surfen, Schweinekram anschauen und Briefbombenbauanleitungen studieren. Dort kann man seit Freitag auch gaaanz, gaaanz geheime politische Informationen lesen. Noch bevor sie am Samstag seriös in der Zeitung stehen. Im Internet können wir, wie Kurier-Ohrwaschelautor GeKo besorgt enthüllt, wie 340.000 andere minütlich auch, den Bericht des Sonderermittlers lesen, uns an „oralen Enthüllungen delektieren, über pikante G’schichterln mit Zigarren schmunzeln und uns den Befriedigten vorstellen, wie er gerade mit Kongreßabgeordneten telefoniert“. Gerade wegen des voyeuristischen Charakters der Welt sollten wir nicht vergessen, daß „wir dadurch selbst zu einem Teil der öffentlichen Bloßstellung werden, Ankläger, Zeugen und Richter in einer Person sind“. Pfau, was dieses Internet nicht alles kann! 340.000 hartnäckige Starrs, meineidige Lewinskys und ungnädige Richter hervorbringen. In der Minute! Nur seriöse Verteidigung, so scheint’s, bringt dieses Internet keine auf den Plan.
©Andrea Maria Dusl
Erschienen in „Falter“ 38/98 vom 16.9.1998 Seite 20