Donau, Insel, Fest


Falter 26/97, 25.6.1997

Drei Millionen waren´s nicht. Die zweieinhalb Millionen Besucher des Donauinselfestes kamen trotzdem auf ihre alkoholische und akustische Rechnung. Eine geeichte Delegation aus der Weißwurst-Metropole mußte neidvoll zugestehen: Sie seien vom Oktoberfest ja einiges gewöhnt, aber der Grad der Leberschädigung, den Transdanubiens Jugend während des Inselfestes erreichten, zolle ihnen allerhöchsten Respekt ab. Wien sei biervernichtungstechnisch München turmhoch überlegen.

Mit einer großen Show in Zeltweg feierten die Österreichischen „Luftstreitkräfte“ nicht nur das eine oder andere aeronautische Jubiläum, sondern feuerten auch Abertonnen von Kerosin durch diverse alte, neue und brandneue Düsentriebwerke. Das Fest der Flügel wurde von enorm viel Zeltwegern aus dem In- und Ausland besucht und diente neben der geistigen Landesverteidigung auch einem militärisch streng gehüteten Zweck: Gute Stimmung zu machen für den Nachfolger des Lenkflüglers Saab Draken. Also flog viel teures Blech geheimnisvoll überschallschnell durch den obersteirischen Postkartenhimmel. Migs aus Rußland, allerlei gepfeilte amerikanische F-16´s und 14´s, brave deutsche Tornados, eleganteste gallische Mirage´s und höchst präzise formierte italienische Maschinen. Das steirische Publikum kreischte, die Verkaufsmanager der großen Flugzeugkonzerne und die Prominenz der heimischen Sportberichterstattung murmelten begeistert: Österreichs Luftstreitkräfte sind reif für neue Düsenjäger. Mögen ihre rasenden Loopings nie im Acker enden!

Kirchenväter leben gefährlich. Seit der Zeit der Märtyrer endet die ecclesiale Karriere zwar nicht mehr im Rachen von Großkatzen oder auf ausgesuchten Tötungsmaschinen, aber auch Gottesdienste und pastoralen Visiten haben ihre Tücken. Papa Giovanni II. kann von den leidvollen Erfahrungen mit Schießeisen und österlichen Ansprachen ein längeres Lied singen. Just ihn Wien erwischte es nun fast das Oberhaupt einer befreundeten Kirche, den Patriarch von Moskau, Alexi II. Der 68jährige legte sich nach mehrstündigem Gottesdienst in der russisch-orthodoxen Nikolai-Kathedrale im 3. Bezirk kollabierend zum Sterbemn hin. Gottseidank waren geschulte Leibärtze zur Stelle, die sich anstrengenten, den Ökumenen wiederzubeleben.

Die Musik, die allsonntäglich das Ziehen der Lottozahlen untermalt, gehört zu den grausamsten Hervorbringungen der abendländischen Kulturgeschichte.

Mehr Sonne, Ali Baba!

Falter 25/97, 18.6.1997

Ein Fest veranstalten: Nichts leichter als das! Man nehme einen Anlaß, drehe und wende ihn sorgfältig, mische etwas Vorfreude, ein gerüttelt Maß an Enthusiasmus und eine Prise Organisationstalent dazu. Für die Zubereitung der Fülle setze man willkürlich einen Termin fest und bediene sich am freien Markt der Kreativität, wo eine gute Mischung an würziger Musik, wohlriechendem Ambiente und geschmacksneutraler Eventlogistik stets frisch und zu moderaten Preisen erhältlich ist. Nach Verfeinern des Ganzen mit Behördenlauf, libidinösem Flyern und gezieltem Plakatieren mische man unter die köstliche Fülle den kaltgestellten Anlaß und schlage als Krönung den Termin schaumig auf. Nun schiebe man das Fest in die vorgewärmte Örtlichkeit und erwarte Gast und Gästin.

Mit Durchschnittszeiten um die 2:40 und einer Runde Vorsprung gewann das Team der Comandantina en jefe das erste Rennen der Tretautoweltmeisterschaft in der Krieau. Das Comandantentrio Julian Neumayer, Elmar Platzgummer und Harald Aue war Donnerstag Mitternacht nicht aufzuhalten. Plus. Schwimmen in der Stadt ist der neueste Sommerspaß. Comandante Gernot Mosshammer shakte im Flex bis in den späten Morgen, entledigte sich dann allerdings der Garderobe und kraulte im Donaukanal nach Hause in den 2.Bezirk.

Ali Baba! Aller Anfang ist schwer, o experimentierfreudiger Ali. Daß Du die durstige Natur mit Regen tränkst ist cool. Jetzt mehr Sonne für Deine Freunde wäre ultrahot. Durchführen und ma Salaam, Habibi!

Schlussendlich Null

Falter 24/97, 11.6.1997

Die Null ist eine seltsame Zahl. Für sich gesehen ist sie einsam und würdelos, im Gespann mit einer anderen Ziffer höchst attraktiv und jubiläumsfähig. Gleich drei von ihnen beschäftigten Gert Voss, die Nummer Eins des deutschen Sprechtheaters, den Peter Turrini aus Anlaß des 60ers seines Mentors Claus Peymann bis 1000 zählen ließ. Da war dann endlich Schluß. Die Selbstdarsteller auf der politischen Bühne, Viktor Klima und Helmut Zilk wurden 50 und 70, das Vienna Art Orchester und der Falter jeweils 20. Einzig das Tretautoteam der Comandantina Dusilova kam ganz ohne Nullen aus. Sein bestes Pferd im Stall, Julian Neumayer legte mit einem neuen Bahnrekord die Poleposition für das Donnerstägliche Mitternachtsrennen auf die saftige Piste der Trabrennbahn Krieau.

Fürwahr eine charmante Idee, El, den Spätfrühling launig und wechselhaft zu gestalten. Baden und Braten in praller Sonne gehören erwiesenermaßen zu den ungesunden, wenngleich heftig herbeigesehnten Nebenerscheinungen zu frühen Sommereinzugs. Sie führen zu Pilzerkrankungen, Zecken- und Gelsenplage und Hautkrebs. Diese Gefahr scheinst Du erfolgreich zu bannen. Bedenke aber, o lernfähiger Ali, daß wir nach dem Grimmen des Winters und dem Triefen des Frühlings Fäustlinge und Regencape eingemottet haben und voll auf luftige Garderobe setzen. Mit einem Dauerhoch über Mitteleuropa kämst Du unseren Wünschen durchaus entgegen, Ma Salaam, Habibi!

Der Herr Ingenieur

Falter 23/97, 4.6.1997

Ali Baba! Schau, die Sache ist ganz einfach: Regen – leicht zu merken, Ali – ist ein Wort mit „R“. September, Oktober, November, Dezember, Jänner, Februar, März und April haben – erraten – auch alle ein „R“. Die alte chinesische Weisheit besagt nun, daß Regen nur in Monaten mit diesem „R“ vorkommen darf. („R“ findest Du im Alphabet zwischen „Q“ und „S“). Alle Monate ohne „R“ sind regenfrei zu halten. Es sind dies Mai, Juni, Juli und August. Ganz wichtig, El, das ist jedes Jahr so. Die Reihenfolge bleibt die Gleiche, da fährt die Eisenbahn drüber. Mai, Juni, Juli und August darf es nicht regnen, weil wir da gerne im Freien sitzen, Fußballspielen gehen, Skaten, Wandern und Schwimmen. Das ist ganz wichtig für unsere Psyche. Für die Wirtschaft sowieso. Also bitte: Durchführen. Am Donnerstag, Freitag und Samstag bist Du herzlich zu unserem Super-Fest in der Krieau eingeladen! Ma Salaam, Deine Comandantina

So nicht, Tirol!

Falter 22/97, 28.5.1997

Liebe Tiroler! Es mag noch angehen, daß Eure Werbefuzzis bei Euch daheim für Schande und Aufruhr sorgen. Die Idee, das Tivolistadion in TirolMilch-Stadion umzutaufen war schon nicht von schlechten Eltern. Welcher Teufel Euch allerdings ritt, unser Riesenrad mit wohnzimmergroßen Tirol-Transparenten zu behängen, weiß der Himmel. Unser Riesenrad! Das Wahrzeichen aller Wahrzeichen! Das Wahrzeichen aller Wiener! Das wienerischste aller Wahrzeichen! Weil schon passiert ist, was nie hätte geschehen dürfen, zahlt Euch Wien jetzt mit doppelter Münze zurück. Grinzinger Extremkletterer haben die Nordkette erfolgreich verkabelt und warten auf das Signal aus der Bundeshauptstadt, die hundert Meter hohe Lichterkette mit dem Slogan „Es lebe der Zentralfriedhof“ zu illuminieren. Damit nicht genug. Die Edelmetallschindeln Eures Lieblingserkers wurden in den letztenTagen gegen solche aus vergoldetem Meidlinger Ziegelton ausgetauscht. Schau ma amal, wie Euch des taugen wird, wenn nach dem nächsten Regenschauer vom Goldenen Dachl die Worte „Wien ist anderst“ leuchten werden. Eure Schützen könnt ihr jetzt schon in Position bringen, sie sind von Favoritner Patrioten unterwandert, die nichts unversucht lassen werden, die Kommandostrukturen Eurer Trachtentruppen aufs nachhaltigste zu sabotieren.

Austropopopper

Falter 21/97, 21.5.1997

Das Schreiben von Briefen zählt seit jeher zu den exklusiveren Möglichkeiten zwischenmenschlicher Kontaktaufnahme. Die Briefe eines gewissen Paulus haben es sogar bis ins Neue Testament gebracht. Auch zartere Bande flicht man gerne in Form parümierten Liebesgeschreibsels. Un der gefürchtete Blaue Brief ist nichts anderes als eine, Poststück gewordene seidene Schnur. Damit sich auch in Zukunft nichts am elitären Charakter des Briefeschreibens ändert, hat die gelbe Post die Erhöhung ihrer Porti beschlossen. Ab 1. Juli werden stinknormale Kuverts mit 7-Schilling-Marken zu frankieren sein, dickere mit 15-Schilling-Wertpapieren. Die Erhöhung der Zustellgeschwindigkeit wird durch diese Maßnahme vermutlich nicht getriggert werden.

Ali Baba! Es vergeht kein Tag, o weiser Ali, an dem wir nicht voller Freude ein Lied auf die Vorzüge Deines Wetters anstimmen. Vorbei ist die Zeit der kalten Nächte, der tropfenden Nasen und nassen Schuhe. Wir Mädchen kaufen uns stündlich neue Kleider und flitzen mit liebestollem Lächeln von Date zu Date. Vergessen sind auch die Zwiste mit dem Herrn, den wir in den verdienten Ruhestand geschickt haben.

Ei, Ei

Falter 20/97, 14.5.1997

Und es begab sich, daß gerade Samstag war und Nachmittag, mein Eiskasten vor Leere gähnte und seine Besitzerin mit knurrender Stimme zum Nahversorgungsimperialisten Billa schickte. Eier, waren seine Worte, hol mir Eier! Die Eiskastenbesitzerin hirschte also, wie ihr befohlen, ins Paradies der Nahversorgung, Milch und Semmerln kaufen, Putenpariser und: Eiskastens geliebte Eier. „Tierschutzgeprüft und frisch“ beschrieb sie das Etikett, von „freilebenden Hühnern“ gelegt, „aus biologischer Landwirtschaft“. Mein Eiskasten war zufrieden. Er weckte mich Sonntag spätvormittags nach ausgiebigem Kühlen mit stolzen Brummen und hieß mich, seinem Blechbauch ein Frühstücksei zu entnehmen. Sein Freund, der Herd half mir beim Kochen, die Kollegen vom Geschirr stellten Becher und Löffel zur Verfügung. Kumpel Tisch zog sein bestes Tuch an und lud Salz und Pfeffer auf seine gesellige Platte.

Die Eiskastenbesitzerin war glücklich, wie selten. Mit brillianter Technik schlug sie dem Ei die Kalotte ab und begann mit mit der Erforschung seines Inneren. Goldgelb und zäh waren seine Dotter. Und bald verspeist. Seine Dotter? Ja, natürlich: Es waren Zwillinge im guten Ei. „Ja! natürlich“ – so ist das mit Gentechnik, Hormonen und Werbeslogans: Sie machen Eiskastenbesitzerinnen unsicher.

Bankdirektoren erschießen sich meist selbst. Ihre blitzblanken Colts, Smith & Wessons und was sich sonst noch zum Auslöschen eignet, bewahren sie – wo sonst – in meterdicken Safes auf. Der Mann von der Straße hat´s da schwerer. Seine Knarre liegt meist bieder getarnt unter Stapeln von schlecht geführten Unterhosen im ehelichen Wäschekasten. Helmut Z. griff sich also Papas 357er Magnum und einen Stapel Munition: Denn wo eine Waffe ist, ist auch für einen Fünfzehnjährigen ein Weg.

Singsang & Sommer

Falter 19/97, 7.5.1997

Ali Baba! Es geht ja! Wie ich sehe, lieber neuer Freund, hast Du die Schalter gefunden, die Dein unbegabter Vorgänger im Amt, jener „Herr“ in schändlichster Absicht auf Dauerwinter gestellt hat. Wetter machen, Ali Baba, ist wie Wuzeln. Um das Match zu gewinnen, mußt Du aufpassen wie ein Haftelmacher, am Ball bleiben wie der pickertste Uhu, die Griffe halten wie Tom Jones sein Micro und Chancen mußt Du verwerten wie der Jesus der Übersicht, Toni Polster. An einer alten chinesischen Weisheit wirst Du auch nicht vorbeikommen: Übung macht dem Meister! Aber jetzt zum Kern der Kritik. Das letzte Wochenende hast Du wirklich elegant bereut. Hut ab! Grandios die lauen nächtlichen Mailüfterln, von sommerlicher Grandezza der Postkartenhimmel, fabelhaft die Ausgewogenheit von Temperatur und Luftfeuchtigkeit. Von immenser Wichtigkeit auch der Nahtlose Übergang in den Frühsommer. So sparen wir uns die Frühjahrsmüdigkeit und können uns nach monatelanger Winterdepression dem verführerisch süßen Nektar der Sommerelegie hingeben. Mit gezogenem Hut bin ich Deine Comandantina.

Die Knödel

Falter 18/97, 30.4.1997

Außer Fellinis Hofkomponist Nino Rota und Rauhbein Tom Waits fallen mir keine Musiker ein, die so filmisch knödeln, wie das achtköpfige Tiroler Orchester Die Knödel. Hence the name! Robert Kloßhelm und Michael Knödelmeier, die Schöpfer des Films „Der Unfisch“ wissen das auch und fanden in Christof Dienz´ Band kongeniale Partner. Daß Die Knödel auch hinreissende Konzerte spielen, bewiesen sie letzten Freitag im kackevollen Audi-Max der Uni Wien. Und daß Bandleader Dienz der Jimi Hendrix des Fagott und Margret Köll die Joni Mitchell der Harfe sind, wissen alle, die dort waren.

Ali Baba! Es ist nicht so einfach, ich weiß. Der nicht ganz unbekannte Vorgänger von Dir, ein gewisser „Herr“, hat – wie wir alle leidvoll erfahren mußten – sein amt da oben in schändlichster Weise mißbraucht, das Vertrauen der Menschheit in Jahreszeitenabläufe auf Generationen beschädigt und zudem sämtliche Instrumente in der Kontrollzentrale verstellt. Es wird also einige Zeit dauern, bis sich die richtige Mischung aus Wind und wieder einstellt. Kopf hoch, Ali Baba, wir zählen auf Dich, wir stehen hinter Dir wie ein Einser. Eine Bitte: Sei so gut und plane für den 5., 6. und 7. Juni feinstes Sommer ein. Da findet nämlich das große Falter-Fest statt. Thanks.

Oh Goldi!


Falter 17/97, 23.4.1997

Die Aufgabe des österreichischen Bundesheeres besteht neben winterlichen Schneeschaufeln und dem Bauen von Ersatzbrücken im wesentlichen darin, Feinde am Überschreiten der Grenze zu hindern. Die illegalen Einwanderer an der grünen Ostgrenze sind solche Feinde. Also: Bundesheer hinstellen, Präsenz nicht nur dienen, sondern auch zeigen. Neueste Bedrohung: Die Albaner – nur Pyramidenspielen, Massenübersiedeln und Schießprügel klauen im Kopf. Damit sie das nicht bei uns machen: Bundesheerkompanie hinschicken, Präsenzdienstpräsenz zeigen.

Ali Baba! Die Panne mit dem Schneegestöber am Samstag: Sowas kann passieren! Wirst sehen, Baba, mit ein bißchen Übung bringen wir den schönsten Frühling aufs Pflaster! Dein Vorgänger, ein gewißer Herr: Naja.

Schweinewinter

Falter 16/97, 16.4.1997

Der Platz ist einer der häßlichsten der Welt. Daß die tote Hose dennoch lebt, verdankt die Piazza San Carlo weder Karlskirche noch Sezession, nicht dem Verkehrsbüro und schon gar nicht dem Musikverein. Der Magnetismus des U-Bahn-Knotens geht ausschließlich von gastronomischen Tempeln aus. Tagesausflügler schätzen die italienische Küche des principe. Sein Branzino mit Mangold gehört zu den Besten der Stadt. Freunde der fortschrittlichen Abendgestaltung wiederum finden sich im Café Shabu in der Kunstschachtel ein, wo das dickste Guinness Wiens gezapft wird. Daß hier auch der heissest umkämpfte Wuzeltisch der Welt steht, dürfte sich auch schon herumgesprochen haben. Gleich ums Eck´ finden hungrige Nachtvögel Trost & Rat bei Herrn Stefans Opernstadl. Der Hohepriester unter den Würstlstandlern brät die schmackhaftesten Eiterärmel, schneidet die fettesten Buckln und fischt nach den schärfsten Ölpfefferoni. So schön kann Häßlichkeit sein.

Herr! So da, alter Mann in den Wolken! Wir haben jetzt lange genug an einander vorbeigeredet. Meine Engelsgeduld ist an ihre irdischen Grenzen gestossen. Wir schreiben Mitte April, der Flieder sollte blühen, die Menschen auf Inline-Skatern um die Ecken flitzen, die Cabrio-Industrie Umsätze machen, Freibäder ihre Becken fluten und weißhäutige Menschen ihre neuesten Sonnenbrillen in den Schanigärten der Stadt ausführen. Was aber bietest Du uns ? Grönländische Kälte und Kettenpflicht auf der Höhenstraße. Ali Baba, hilf, das Faß ist voll!

Ali Baba!

Falter 15/97, 9.4.1997

Da haben wir den Salat. Öl ist nicht Öl ist nicht Öl. Eine Studie der Europäischen Union konnte jetzt fettsäuremäßig herausnasern, welche Region die gesündeste in der EU ist. Nein, es ist nicht die mildhüglige Toscana mit ihren fetten Tenören und nachdenklichen Sozialdemokraten. Auch im windgepeitschten Norwegen der Lebertran schlürfenden Walfänger lebt es sich ebenso ungesund wie im nußölig-schmalzigen Tirol und in der Steirer Mark, deren rußiges Kernöl die Kehlen der Tennishelden Thomas Muster und Gilbert Schaller schmiert. Das Öl der Öle kommt von der Mittelmeerinsel Kreta. Die Kreter, die dreimal soviel kaltgepreßtes Olivenöl trinken, wie andere Europäer, strotzen nur so von günstigen Cholesterinwerten, Krebsressistenz und Idealgewicht. Vergessen wir also die Alpenfette Schmalz und Butter, die Öle des rotleuchtenden Mohns und der unantasbaren Distel, die Kerne der stolzen Sonnenblume und der Stinkefrucht Kürbis und greifen zum Preßgold der minoischen Oliven. Kretische Werte lügen nicht, wie, glaube ich, schon Karl Platon sagte.

Venus und Mars

Falter 14/97, 2.4.1997

Zivilisierte Kulturen zeichnet im wesentlichen aus, daß sie Normen entwickelt haben. Wir können uns darauf verlassen, daß ein Liter Coca-Cola in Caracas das gleiche Volumen hat wie ein Liter Milch in Marchtrenk. Die 100 Meter im Olympiastadion von Atlanta entsprechen auf den Bruchteil eines Millimeter den 100 Metern der Laufbahn im Olympiastadion von Moskau. 240 Hertz sind 240 Hertz, ob in Brindisi, Bagdad, Bochum oder Baden bei Wien. Da fährt die Eisenbahn drüber. Oder 43-1-53660, die Telefonnummer des Falter: Schnitzelland: 43, Wien: 1, Falter: 53660; ganz einfach ist das, weil genormt. Bis 31. 12. 1997 wird das so einfach sein, denn ab dann gehen die Uhren anders. Am Neujahrstag des kommenden Jahres tritt die Privatisierung des österreichischen Telefonnetzes in Kraft und damit je nach Operator ein aberwitzig fortschrittliches System neuer Vorwahl,- Zwischenvorwahl- und Teilnehmernummern.

Die Aufmunternde Morgenbegrüßung „Taaaaagwacheeee“ wird sich nächstes Jahr auch in Soldatinnen-Ohren bohren. Ab 1.1. 1988 werden Frauen Dienst an der Waffe schieben dürfen. Wehrfrauen, Gefreite, Fähnrietten, Hauptfrauen und Divisoneusen werden über Kasernenhöfe robben bzw. robben lassen. Ob das sich das Sturmgewehr bei den Damen als „Bräutigam der Soldatin“ mit eventuell pornografischen Mehrdeutigkeiten durchsetzen wird, steht hingegen noch nicht fest. Herr! Wenn sich nicht allerflottest etwas ändert, Herr, lasse ich Dich entmündigen.

My Generation


Falter 13/97, 26.3.1997

Wir leben in einer Informationsgesellschaft, wie uns gut unterrichtete Philosophen erfolgreich eintrichtern. Mit Siebenmeilenstiefeln rasen wir durch ein expandierendes Universum des Datenaustausches. Kein geheimes Wissen, daß nicht in Sekundenschnelle seinen Weg durch die Netze fände. Wir befinden uns im Jahre 13 n. Orwell. Der ganze Globus ist von Information durchdrungen… Der ganze Globus? Nein! Ein von unbeugsamen Geheimniskrämern bevölkertes Büro hört nicht auf, den wissensdurstigen Eindringlingen Widerstand zu leisten. 0043 1 1611 lautet die Nummer von Klein-Nonum. „Tutututututu . . .“, „Tututututututu–Klick–Tuu-Tuu-Tuu“ und „Platz-zwei-wird-sich-in-Kürze-melden–Klick–Tuu-Tuu-Tuu“ sind die einzigen Informationen die die Wiener Inlandsauskunft anbietet. Kleiner Tip für Verzweifelte: Wählet 0316 1611, die Inlandsauskunft der steirischen Landeshauptstadt.

Erste Maie werden in Wien in alter Tradition begangen. Menschen aus stolzen Arbeiterfamilien mit rotbeflaggten Fahnenstangen in den stolzen Fäusten marschieren sternförmig auf das stolze Rathaus zu. Von der dort aufgebauten stolzen Tribüne spenden dann stolze Parteigewaltige Trost und Rat in stolzen, aber schwierigen Zeiten. Dann wird nach Hause gegangen, ein stolzes Schnitzerl eingeschnitten und mit der stolz beflaggten Bim in den Prater gefahren. Der 1. Mai 1997 wird aller Tradition trotzend ein bißchen stolzer sein, als all die vorangegangenen Tage der Arbeit. Im Prater werden nämlich nicht nur die stolzen roten Kastanien blühen, sondern auch ein rotes Wunder stattfinden. Auf der kleinen Wiese vor dem Planetarium wird niemand geringerer als die berühmteste Proletenband des Universums aufgeigen: THE WHO! Vierfachplus für My Generation und all die anderen Mopedfahrer-Hits.

Herr! Mit Abscheu muß ich den Abbruch unserer Korrespondenz in Erwägung ziehen.

Diverse Flüchtlinge

Falter 12/97, 19.3.1997

Bauen und Wohnen gehört neben Essen und Trinken sowie Tanzen und Springen zu den großen kulturellen Erungenschaften des homo sapiens sapiens. Daß unsere Gattung dem nahen Untergang geweiht ist, konnte jeder feststellen, der einen Rundgang durch die Hallen des Wiener Messegeländes unternahm. Exemplarisch für den ästhethischen Niedergang: Die hässlichsten Nasszellen seit der Erfindung des Waschzwanges sowie die polymorph-perversesten Turboküchen seit der ersten friedlichen Nutzung des Feuers.

Das Geschrei, das sich gerade um das Unmögliche (die Abschaffung des Sonntags) erhebt, dürfte bald verebben. Dann nämlich, wenn Befürwortern und Gegnern bewußt wird, welche Konsequenzen Sonntagsarbeit nach sich ziehen würde: Das Ende des freitäglichen Krankenstandes gleichermaßen wie die rapide Genesung der Nation von schauerlichen Montagsdepressionen. Auch der Bedeutunsverlust der Datumsfloskel Mittwoch wäre zu beklagen.

Herr! Bist Du jetzt völlig übergeschnappt? Was soll dieser unerträgliche Schwachsinn? Schon wieder verwechselst Du Wien mit Wladiwostok und den Kahlenberg mit Kamtschatka!

Was wurde eigentlich aus…?

Falter 11/97, 12.3.1997

Im Techno-Schanigarten Kunsthalle knirscht schon der Kies unter den Gartenstühlen, im Schweizerhaus werden die Budweiser-Zapfhähne poliert und im Beserlpark sprießen die ersten Krokusse durch den Split: Freuet Euch, Frühling ist´s bald. Die Unfallambulanzen melden erste Kiefer- und Wadenbeinbrüche verwegener Inlineskater und die Radgeschäfte einen sprunghaften Umsatz bei Kettenölen, Luftpumpen und Klingeln. Es kommt Bewegung in die Stadt!

Claus Peymann wird also gehen: „I didn´t even care cuz, they say . . . 2000 zero zero party over oops out of time“. So knödelt the artist formerly known as Prince, der diese verräterisch prophetischen Zeilen in den frühen Achtzigern, just zum Arbeitsantritt des Bochumers in seinem Song 1999 unterbrachte. André Heller, „wenn mein starker Arme es will, stehen alle Blumen still“, wurde 50 und bleibt in Wien. Ash (…)

Frühling statt Winter

Falter 9/97, 26.2.1997

Werbung muß sein. Wie sonst wüßten wir, daß Megaperlen weißer waschen als ordinäre Seifenlauge, welches japanische Auto um welche Leasingrate und um wieviel Airbags besser an der Ampel wartet, als ein verrostetes Fahrrad. Werbung wirbt für Produkte. No Na. Für Babywindeln, fiebersenkende Medikamente, für Computersoftware und Fruchtsäfte. Aber das war ein mal. Denn jetzt hat die Quantenmechanik ihren Einzug in die Werbebranche gehalten. Wir erinnern uns vage an längst vergessene Erkenntnisse aus dem Physikunterricht: Nach der, von Heisenberg formulierten Unschärferelation ist es nämlich unmöglich, gleichzeitig Ort und Geschwindigkeit eines Teilchens festzustellen. Auf die Welt der Werbung umgelegt, bedeutet das: Während des Hörens oder des Betrachens einer werbetechnischen Maßnahme können nicht gleichzeitig Text und Message erfaßt werden. Die ersten, die diese Erkenntnis vor kurzem erfolgreich in einer Schokoladenwerbung unterbringen konnten, sind die Sprachverdichter Dirk Stermann, Christoph Grissemann und Peter Fichna vom M.I.T. (Mit insequenten Texten). Dreikommasiebenfachplus für Quantensprünge im Äther.

Eine Studie des Instituts für den internationalen Austausch fortschrittlicher Erfahrungen weist nach, daß Hühner unterschiedlich auf verschiedene Radioprogramme reagieren. Radio Wien führte zu erhöhter Legeleistung, während die Berieselung mit Ö3 zu seltsamen Phänomenen führte: Die verstörten Tiere legten Eier mit zwei oder mehr Dottern, solche ohne, welche mit spindelförmiger oder zentimeterdicker Schale und vereinzelt auch gekochte.

Chefchirurgisches


Falter 6/97, 5.2.1997

Ein alter Traum der Menschheit wurde wahr: Wir hirschen in die Trafik, um Geld zu sammeln. Bunte Bilder kaltblütigster Mädchenpferde, schneidigster Schifahrer und unsterblichster Fußballer sind out. Denn jetzt gibt es Money, die glänzendste Sammelidee, seit der Erfindung der Kopeke. Nie war es so einfach, Münzen und Banknoten aus aller Welt anzuhäufen. Welches Glücksgefühl der Besitz einer Brasilianischen 10-Cruzado-Münze auslösen kann! Auch das zärtlich rotbraune Schimmern der Peruanischen 100-Intis-Note ist nicht zu verachten. Und erst die kostbare Eleganz, die der seltene grünviolette 100-Escudo-Schein der Banco de Moçambique beim Einordnen in höchstdurchsichtige Sammeltaschen entwickelt! Wow! So sieht es aus: zweiwöchentliches Glück.

Nehmen wir an, und verwenden dazu einen treffenden Vergleich von Peter Vujica, der begabte Masseur ihrer Lieblingssauna wurde zum Chef der örtlichen Chirurgie bestellt. Würden sie sich mit einem offenen Bruch unter sein fachkundiges Messer legen lassen? Wie wäre es mit dem Einsetzen eines Herzschrittmachers? Oder der Behandlung ihres schmerzhaften Magengeschwürs? Trauen sie ihrem Saunastreichler zu, einen blassen Tau davon zu haben, medizinische Termina wie Bothriozephalose, Brachyösophagus, Bursa bicipitoradialis und Buttler-Albright-Lightwood-Syndrom oder so auch nur richtig zu buchstabieren? Wohl kaum. In solch mißlichen Situation soll sich der Patient Kultur durch die Berufung von Peter Wittmann, vormaligem Chefmasseur der Wr. Neustädter Pink-Floyd-Sauna zum Leiter der Universitätsklinik für Chirurgie der Kulte befinden.

Alibaba! Ob es einen Zusammenhang zwischen gutem Wetter und meinem Fortsein gäbe, fragte mein wissenschaftlicher Berater T. R. jüngst. Es gibt ihn: Wann immer ich mich in Wien befinde, ziehen böse Wolken über die Stadt. Fahre ich weg, sei es nach Klosterneuburg, Kairo, Hallstatt oder nach Havanna, lacht die Sonne von allen Himmeln. Mein Fazit: Ab sofort befinde ich mich jeweils überall, nur nicht hier.

Prima Klima?

Falter 5/97, 29.1.1997

Nie war es einfacher zu krudern & zu dorfmeistern. Um den Preis eines durchschnittlichen Mountain-Bikes können nun auch mäßig begabte Musikanten aufpeitschende Rhythmen zusammenstöpseln. Roland Groovebox MC-303 heißt das Kastl, mit dem auch Volldillos zu Proficompilern wachsen können. Zwischen Whitney-Houston-Schnickschnack-Pop und bösestem Techno gibt es keine denkbaren Tongeflechte, die sich mit dem schreibmaschingroßen Wunderding nicht verwirklichen ließen.

Steiler Abgang


Falter 4/97, 22.1.1997

Wir erinnern uns: Es gab eine Zeit, da man ohne Filofax (original Filofax, wohlgemerkt) so was von out war, daß es ärger nicht ging. Ja, so war das: Megaout war man ohne das kalbslederne Ringbuch mit den vielen, vielen megawichtigen Adresszetteln und Golfergebniseintragseiten, den Stadtplänen von Vancouver, Miami und Sydney, den einlegbaren Weinführern und was es sonst noch an Wichtigtuerpapierln mit fünf Löchern gab. Diese Zeit ist Geschichte. Bleiern liegen die zellophanverpackten Blätter in den Regalen. Die Menschheit merkt sich ihre Termine wieder, die U-Bahnpläne der Welt hängen vor Ort in den jeweiligen Stationen und mit dem Wahrheitsgehalt von Weinführern ist es ohnedies so eine Sache.

Hardigatti! Wenn sich nicht sofort, Herr, (und mit sofort meine ich in den nächsten zehn Minuten) etwas ändert, werde ich die Korrespondenz mit Dir sistieren und in Verhandlungen mit dem großen Ali Baba eintreten. Es fällt mir schwer, in dreimonatigem gefrierenden Hochnebel etwas anderes als pathologischen Dilettantismus zu sehen. Schneestürme und krachende Kälte, von mir aus, Föhn und Taugatsch ditto, aber diese uninspirierte Nebelsuppe: Nein! Wir fordern Sonne! Jetzt! Bis auf weiteres und nicht trotz, sondern wegen alter Treue grußlos Deine Comandantina

Placido ist verliebt


Falter 3/97, 15.1.1997

When it is wintertime einige Dinge are really unbrauchbar: Rollerskates etwa, oder Kühltaschen. Cabriolets sowieso und Gelsenstecker auch. Die Heilige Nacht ist traditionell Wintersache, und daran mag es liegen, daß sich mehr Fäustlinge unterm Christbaum finden als Taucherbrillen, mehr stahlkantiges als gummibereiftes, mehr warme Wolle als kühles Leinen. Kluge Köpfe allerdings leben antizyklisch. Sie kaufen jetzt Sonnenöl Faktor 38, wo schon Faktor 2 jeden Sonnenbrand verhindern würde, sitzen jetzt im Schanigarten, wo es garantiert kühl und schattig ist und sichern sich jetzt schon einen Liegeplatz im Krapfenwaldlliegebad, wo mit Sicherheit gerade wenig auf Piste sind. Kluge Köpfe sind der Motor der Wirtschaft. Sie sichern tausende Arbeitsplätze in der Speiseeisindustrie und zigtausende in den Bikinifabriken.

Placido Domingo hat sich verliebt. In diesem Alter! Zu dieser Jahreszeit! Wow! Was sagen José und Luciano dazu? Wird der alte Freund und Kupferstecher Marcello Prawy seinen Segen geben? Fragen über Fragen zum Lenzen der Tenorhormone!

Die wichtigste Informationssendung des Küniglberg ist nicht die ZiB, auch nicht die ZiB 2, es ist schlicht und einfach Willkommen Österreich. Das Gelaber und Gesülze von Lizzy und Jesi, Ricarda und Pirchi wurde hochkarätig erweitert. Ab sofort wird Ex-Paris-Korrespondent Tommi „the Strahlemann“ Fuhrmann das TakTik-Männchen moderieren, lustige Kochrezepte nachkochen, Willi Dungl aus der Massage-Reserve locken und Tips gegen Nasenbluten und Hexenschuß servieren. Unklar ist noch, zu welchem Kosenamen Schnitzellands Omas greifen werden. Zur Auswahl stehen „Tommi“, „der Thomas“ und „Fuhri“.

Das „Wetter“, O Herr, ist von fabelhafter Schlichtheit. Welch ausgeglichene Temperatur! Es ist weder warm noch kalt! Und erst die Farben, Herr! Grau die des Himmelszeltes, grau jene der Straßen und grau die der Gehsteige. Kamelfarben allein die festgefrorenen Produkte unserer vierbeinigen Freunde. Respekt.

Prognosen

Falter 1,2/97, 8.1.1997

1997 wird ein fettes Jahr werden, wie ein kurzer Blick in den Kalender beweist: Das neue Jahr wird nämlich nur einen Freitag den 13ten haben. (Die statistische Wahrscheinlichkeit für einen Freitag den 13ten beträgt immerhin 1:1,7142857143, wir werden also mit satten 0,7142857143 auf die Glücksseite fallen. Der UNCalCalcO (United Nations Calender Calculation Organisation), die das Jahr 1997 berechnete, gelang dieses Kunststück allerdings nur mit schmutzigen Tricks. Die dicke Rechnung für so viel Glück kommt 1998, dort verstaute die UNCalCalO ganze drei Horrorfreitage. Soweit so gut. Wie das Glücksjahr 97 im Detail aussehen wird, konnte durch exakte Berechnungen mit Autoquartettkarten, Plexiglaskugeln und dem Lesen in hyperkritischem Kaffee-HAG-Satz bestimmt werden. Im Folgenden eine kleine Auswahl.

Praterstrizzis, Mitglieder der Wach- und Schließgesellschaft sowie Metallergewerkschafter werden kübelweise Tränen vergießen: Die Zigarette der Zigaretten, die Johnny „ohne“, wird in Pension geschickt.

Die russische Kultkamera Lomo wird unbezahlbar billig werden.
Abgestandenes Guinness wird Red Bull als Szene-Getränk ablösen.
Die Modefarben des Sommers werden Kiwigrün, Zebrastreifenschwarz, Achtminutendottergelb und Durchsichtigblau sein.

Bundeskanzler Franz Vranitzky wird im Februar drei Wochen lang mit dem Gedanken spielen, den goldenen Staatslöffel an Vickerl Klima abzugeben, es aber dann doch nicht tun.

Vizekanzler Schüssel wird Ende Februar fünftägigen Schnupfen haben, aber so tun, als wäre es eine Gen-Soja-Allergie.
Jörg Haider wird Mitte März seinen Porsche auf Sommerbereifung umrüsten.

UHBP Klestil wird den Opernball besuchen, Mörtel Lugner wird für dieses große Treiben Madonna als Begleitung zu engagieren versuchen, sich aber auch mit Grace Jones bzw. Brigitte Nielsen bzw. Sonja Kirchberger bzw. Lizzy Engstler zufrieden geben.

Das Tenorduo Placido Domingo und die Mutter der Chansonie Stefanie Werger wird den Charity-Abend „Spring in Vienna“ bestreiten
Rapid gegen Austria wird 2:1 ausgehen.

Die Gegenveranstaltung zum Villacher Fasching, der Kapfenberger Fasching, wird mangels Quote nicht ausgestrahlt werden.

Das Team des eingegangenen Publikationspflänzchen Wirtschaftswoche wird unter dem Namen Woche der Wirtschaft bzw 7 Tage der Wirtschaft bzw. Businesswoche weitermachen.

Das Wetter wird beispiellos wechselhaft werden.

Schwarzer Kater

Für meine Kolumne „Index Wiengefühl“, in: Falter 51.52-1995.

Konsum: Finland, Land der Tausend Seen, Brutstätte genialer Architekten und übermenschlich begabter Ralleyfahrer produziert nebenbei auch hervorragende Metalle. Die härtesten und elastischesten Stahllegierungen werden in der weltberühmten Messerschmiede J.Marttiini zu feinsten Finnendolchen verarbeitet. Die Samen verwenden solche Feiteln seit Jahrtausenden, um damit Rentierohren zu markieren, Elche zu zerteilen und Lachse zu filetieren. Die Schärfe der Marttiini´schen Klingen wird höchstens von Keramikschneiden übertroffen. Deren Funktionstüchtigkeit endet allerdings mit einem einzigen Fall auf den Küchenboden. Das Messer der Messer steckt in feinster Lederscheide und ist dank EU-Mitgliedschaft um knapp 56O Schlei in jedem besseren Messergeschäft zu haben. Plus.

Republik: Wolfgang Schüssel, der Mann mit der politischen Strahlkraft eines Meinl-Feinkostleiters hat sein Pokerspiel verloren. Der Abstand zu Kanzler Teflonitzky erhöhte sich auf satte zehn Prozent. Angstmacher Haiders Höhenflug wurde erstmals gestoppt, der Beweger blieb bei 22,1 % und verlor sogar ein Mandat. Heides Liberale überholten die Grünen, beide Ampelparteien verloren aber empfindlich an Rote und Schwarze. Der Wahlkater der Konservativen vergrößert sich durch das steirischen Landtagswahlergebnis. Die SPÖ konnte in der grünen Mark mit der ÖVP gleichziehen, Landesfürst Krainer gab vor laufenden Kameras seinen Rücktritt bekannt. Die parlamentarische Kräfteverteilung zwischen Schwarzblau und Ampelparteien blieb allerdings annähernd gleich. In der Fünferrunde, kurz nach Verkündigung des Wahlergebnis‘ zeigte sich der Kanzler zufrieden-euphorisch, der Aussenminister besserwisserisch-giftelnd, el minimo handzahm, Heide Schmidt zerknirscht-gefaßt und Madleine am Boden zerstört und Rücktrittsbereit. Vranitzky signalisierte Gesprächsbereitschaft mit allen außer dem Beweger, liebäugelte sogar kryptisch damit, die Liberalen in seine Regierung zu holen. Noch-Obmann Schüsselchen spuckte Gift auf Wahlsieger Vranz und erwies sich als schlechter Verlierer. Plus für sozialdemokratische Gewinne, Doppelminus dafür, das es auch auf Kosten der kleinen Oppositionsparteien ging, und schließlich Fünfachminus, daß sich Schwarzblau noch immer ausgeht.

Kultur: Das Transfersystem, bei dem Starkicker um Millionensummen zwischen Vereinen verkauft werden ist laut Urteil des EU-Gerichtshofes rechtswidrig. Fußball-Plus.

Medien: ORF-Informationsintendant Nagiller hatte große Angst, das vom ARD ausgestrahlte Video von Haiders Rede vor den „lieben Freunden“ von der Waffen-SS auszustrahlen. Minus für mangelnde Zivilcourage.

Umwelt: Matschwetter. Minus für Adventdepressionen.

Die Wahl der Qual

Für die Kolumne „Index Wiengefühl“, in: Falter 50-1995.

Konsum: Daß Wien eine Stadt hochstehender Wurstkultur ist, zeigte vor einigen Jahren die Durchschlagskraft der Käsekrainer, die mühelos Haasse, Woedviatla und Frankfuata auf die Plätze verwies. Die neueste Innovation gediegener Esskultur nennt sich Lange Wilde und soll mörder schoaf sein. Plus. Einer wissenschaftlichen Untersuchung ist zu entnehmen, daß etwa 18% der Lebensfreizeit damit vergeudet wird, elektronische Produkte per Fernbedienung zu triggern. Grund für diesen auffallend hohen Wert ist laut Studie das durchgehend schwarz in schwarz gehaltene Design der kleinen Infrarotsender. Es sei unmöglich, ohne spezielle Begabung oder Ausbildung remote controls richtig zu bedienen, bzw. die winzigen Codes auf den Tasten spezifischen Programmschritten zuzuordnen. Minus für Zeitraub.

Republik: Vier knappe Tage stehen für Wahlentscheidungen noch zur Verfügung. Der Teflonkanzler, der begabte Boogie-Woogie-Interpret Wolfi S., Giftschleuder el minimo, Heide“James-Bond-Pullover“Schmidt und Grünfranse Madeleine waren bei Nagiller auf Besuch und versuchten zu retten, was jeweils zu retten war. Die Angst ging um. Trotz Zweckoptimismus und flotten Sprüchen konnte man in den letzten Tagen aus den verschiedenen Äußerungen der wahlwerbenden Parteien nicht viel mehr als folgendes extrahieren: Die Roten fürchten sich vor schwarz-blau und damit verbundenem Verlust der Regentschaft. Die Schwarzen haben Reisgang, ein weiteres mal hinter den Roten zu bleiben. Die F-Beweger haben weder vor Tod noch Teufel Angst, sondern nur, daß Seine Ehrlichkeit zuwenig rechten Anklang findet. Die Heideblauen wiederum fürchten schwarz-blau gefolgt von schwarzrot (oder umgekehrt), schwarzrotgrün und alle anderen Varianten, die ohne Liberale gespielt werden. Die Grünen fürchten überhaupt alles, ihre eigene Courage eingeschlossen. Angst essen Ampel-Parteien auf. Minus.

Kultur: Das Forum, die wichtigste Publikation der II. Republik hat sein Erscheinen widerruflich eingestellt. Schleichender Rechtsruck und zunehmend lethargisches Desinteresse der linken Intelligentsia hungerten die Zeitschrift im 42. Jahr ihres Erscheinens bis auf die blanken Knochen aus. Weil der Fortbestand des Forum in Zeiten wie diesen dringender denn je ist, sei an dieser Stelle zu Solidarität Arbeit mit Herausgeber Garherd Iberschlock aufgerufen. Hoffnung auf Plus.

Medien: Jens Tschebull, Herausgeber des mager recherchierten WirtschaftsBlatt outet sich im profil als F-Wähler. Wegen „symbolischer Entschuldigung für die haßerfüllte, unobjektive Berichterstattung mancher meiner Berufskollegen.“ Minus für schlechte Symbolik.

Umwelt: Santa Claus schickt Schnee aus Finland. Plus.