Die Sieben Zwetschgen

Liebe Frau Andrea,
meine Frau meinte neulich: „bis die J. kommt, dauert’s noch ein bisserl, muss erst ihre Sieben Zwetschgen einpacken!“ Wieso „Zwetschgen“ und warum „sieben“?

Vielen Dank,
Christian Breyer, Währing

Lieber Christian,

die Siebenzahl ist eine überaus beliebte semantische Formel, um eine hinreichend große, aber notwendig kleine Anzahl zu bezeichnen. Die Sieben gilt als Zahl mit wirkmächtigem Nimbus. Aus dem Märchen kennen wir die Sieben Zwerge hinter den Sieben Bergen, die Zauberkraft der Siebenmeilenstiefel, und das Verwünschen von Sieben Söhne zu Sieben Raben. Das tapfere Schneiderlein erschlägt gleich Sieben auf einen Streich.

Die Antike kannte Sieben Weltwunder, Sieben Weltmeere, und die Sieben Hügel Roms. Die christliche Tradition warnt vor Sieben Todsünden und spricht Sieben Sakramenten Heiligkeit zu. Der Hinduismus überliefert die Lehre von den Sieben Chakren, der Islam heiligt den Tawāf, das siebenmalige Umrunden der Kaaba in Mekka (den zentralen Ritus der islamischen Pilgerfahrt Hadsch). Die Freimaurerei schließlich fordert die Siebenzahl als die Mindestanzahl an Meistern, die eine Loge „vollkommen und gerecht“ machen. Abgeleitet von den sieben biblischen Schöpfungstagen haben sich die sieben Wochentage etabliert, die tatsächlich den historisch sieben beobachtbaren Himmelskörpern der Antike zugeordnet wurden, praktischerweise auch gleich die Mondphasen und den damit verbundenen weiblichen Zyklus strukturierten.

Dass wir beim Zusammenpacken von Kind und Kegel von unseren „Sieben Sachen“ sprechen, wundert also nicht. Wieso aber nennt das Österreichische Mitzunehmendes „Sieben Zwetschgen?“ Die Antwort ist banal. Ein altes Wort für „Zwetschge“ ist „Quetsche“. In anderer Bedeutung ist Quetsche – das Gequetschte – das Zusammengepackte der Händler, und Reisenden. Das Wienerische kennt für das kleine Geschäft, die mobile Bude, das Gaunerquartier noch das Wort „Quetschen“. Irgendwann auf der österreichischen Sprichwortreise wurde aus den ursprünglichen „Sieben Quetschen“, den „Sieben Sachen“ der Deutschen unsere „Sieben Zwetschgen“.


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