Die neuen Herbstfarben

Die österreichische Farbe ist eine Geschichte voller Missverständnisse. Ohne große historische Debatten hat sich die Republik auf Rot-Weiß-Rot geeinigt, die flaggengewordene Streifenkombinaton aus dem österreichischen Bindenschild. Schon das Kern-Bundesland Niederösterreich schert aus und führt traditionellerweise die Farben blau und gelb als Identitätskolorierung. Die anderen Bundesländer haben es schwieriger. Deren Landesfarben sind nur den dort Geborenen und volksschulisch Sozialisierten geläufig. Dass sie bei ministerialen Pressekonferenzen in Großwimpelformation die Rednerpulte begleiten, hat den heraldisch-sphragistischen Wirrwar eher vergrößert.

Leichter haben es die politischen Himmelsrichtungen. Die ehemals großen Bewegungen Österreichs sind die Schwarzen und die Roten, benannt nach der Habitfarbe der Benediktiner und dem Blutrot der Jakobiner und Arbeiter. Und alle wissen, wer mit diesen Farbzuschreibungen gemeint ist. Später kamen die Blauen dazu, tingiert nach der Kornblumenfarbe der Freiheitsbewegten und Deutschnationalen. Nach Hainburg etablierte sich das selbsterklärende Grün und sehr viel später das pinke Magenta der NEOS. Den Aufbruch ins Kurzzeitalter versuchte der Basti der Herzen mit der Farbe Türkis auszudrücken. Das Experiment, dem Schwarz der Volkspartei zu entkommen, war nur von kurzer Dauer.

Welches aber ist die wirkliche Farbe des Landes? Wonach sehnen sich fern der Heimat lebende? Nach übereinstimmender Befindlichkeit ist es Rosa. Im Wienfall die Farbe der Kaffeehauskette Aida, jedenfalls aber das zarte Rosé der Männerschnittenpackung und das bräunliche Rosa der Landesnahrung Leberkäse.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 5. September 2026.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert