Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 36/2026 vom 6. September 2026
Liebe Frau Andrea,
unsere jüngere Generation wußte letztens nicht, wovon wir reden. Woher kommt eigentlich der Ausdruck „Stanniol-Papier“? Und ist da wirklich die Alufolie gemeint?
Herzlichen Dank,
Monika Steiner, per Elektrofunkennachrich
Liebe Monika,
um Schokolade, Butter, Tabak oder Kaugummi bruchsicher zu verpacken, klebte die Industrie früher hauchdünne Metallfolien auf Trägerschichten aus dünnem Papier. Dieses echte Verbundmaterial nannte man Stanniolpapier. Stanniol selbst hat aber nichts mit Papier zu tun, und unterscheidet sich signifikant von der Aluminiumfolie. Seine Bezeichnung kommt über das italienische “stagnolum” vom lateinischen stannum (Zinn), und wurde aus reinem Zinn hergestellt. Echtes Stanniol, das zu Weihnachten auch an den heimischen Jahresend-Tannen hing, wurde aus Kostengründen fast vollständig durch Aluminiumfolie ersetzt. Dennoch zirkuliert in unseren Breiten noch immer der Begriff Stanniol, auch wenn wir damit normale Alufolie meinen. Stanniol und Alufolie lassen sich leicht unterscheiden, weil sich die Metalle physikalisch und chemisch völlig anders verhalten. Alufolie knittert laut, hell und metallisch. Sie behält nach dem Zerknüllen scharfe Kanten, und reißt sehr leicht in scharfen, geraden Linien ein. Stanniol dagegen war zäher, klang weich und dumpf. Beim Einreißen dehnte es sich ein wenig und hinterließ eine weichere, faserige Abrisskante. Zinn ist überdies dreimal so schwer wie Aluminium.
Der Umstieg von Stanniol auf Aluminiumfolie hatte wirtschaftliche und geschmackliche Gründe. Als häufigstes Metall in der Erdkruste ist Aluminium wesentlich günstiger als das relativ teure Zinn. Seine Massenproduktion wurde ab der Mitte des 20. Jahrhunderts durch moderne Herstellungsverfahren extrem billig. Für Verpackungen von Schokolade oder Butter wurde Stanniol also bald zu unwirtschaftlich. Weil es empfindlich auf Säure und Feuchtigkeit reagierte, schmeckten Schokolade oder Käse oft unangenehm metallisch. Aluminiumfolie hingegen wird bei der Herstellung hauchdünn beschichtet oder bildet von Natur aus eine schützende und geschmacksneutrale Oxidschicht, die zudem licht- und gasundurchlässig ist.
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