Die österreichische Frisur hat eine lange, wenn auch einfache Geschichte. Im Wesentlichen gab es Jahrhunderte hindurch nur zwei Ausdrucksformen für das heimische Haupthaar. Der Begriff für die Häufigste davon hat sich bis heute gehalten und zirkuliert als Beleidigung – die frisurtechnische Statusmeldung „geschead“, soviel wie geschoren. War es den unfreien Bauern doch seitens der Obrigkeit schlicht nicht erlaubt, das Haar lang zu tragen. Noch heute gefallen sich Städter darin, die Menschen vom Land als „Gscheade“ zu bezeichnen. Was aber, wenn sich die Genetik nicht an die Mode hielt? Auftritt Perücke. Sie kompensierte den natürlichen Haarverlust der Besitzenden und Begüterten. Allgemeines Vorbild dafür war Sonnenkönig Ludwig XIV. Männliche Haarlänge hatte mit Freiheit zu tun. Mit Macht, mit Ansehen. Als die Karolinger ihre Vorgänger, die Merowinger der Königsmacht beraubten, schoren sie ihnen das lange Haar, bisheriges Zeichen ihrer Souveränität.
Als einziger weltberühmter Österreicher, der in moderner Zeit mit seinen Haaren experimentierte, darf Sebastian Kurz gelten (Pomadentenor Falco ist ausgenommen). Der Jungbundeskanzler etablierte den gegelten Haarhelm aus achtsam zurückgekämmtem Stirnhaar. Keiner seiner Nachfolger im Kanzleramt hat den Style übernommen. Brigitte Bierlein nicht, Karl Nehammer nicht, Alexander Schallenberg und auch Christian Stocker nicht.
Bastis Frisur erfuhr dennoch prominente Nachahmung. Ausgerechnet der Sohn eines Frisurkünstlers trug bei dessen zweiter Inauguration die Kurz-Coiffure: Trump-Spross Baron. Als Halbslowene irgendwie schon auch Österreicher.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 22. August 2026.