Das Peckerl im Magnet

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 32/2026 vom 5. August 2026

Liebe Frau Andrea,
unlängst musste ich ein MRT machen lassen. Der nette Assistent hat mich gefragt, ob ich tätowiert bin. Ich habe bejaht (auf meinem linken Handgelenk befindet sich ein kleines Tattoo, das ich seit meinem 20. Lebensjahr stolz trage). Der Assistent mußte sehr lachen, als er mein kleines Tattoo sah, er meinte, das sei kein Problem. Problematisch wären sehr große flächige Tätowierungen. Blöderweise habe ich mich nicht getraut, zu fragen, woran das liegen könnte? Beeinflussen Tätowierungen eine Magnetresonanztomographie? Und was würde passieren, wenn ich tatsächlich den ganzen Rücken tätowiert hätte?
Herzliche Grüße aus Penzing sendet
Katharina Fratella, per WhatsApp-DM

Liebe Katharina,

der klassische Magnetresonanztomograph (MRT) ist ein Gerät mit einer tunnelartigen Röhre, in der ein konstantes, extrem starkes Magnetfeld erzeugt wird. Die Patient·innen liegen auf einem Schiebetisch, der für die Messung automatisch durch die Röhre gezogen wird. Die im Körper reichlich vorhandenen Wasserstoffatome richten sich im Magnetfeld wie winzige Kompassnadeln parallel aus. Radiofrequenzimpulse, in den Körper gesendet, bringen die Atome kurzzeitig aus dem Takt. Spezielle Spulen im MRT messen nun die elektromagnetischen Signale, die die ausgelenkten Atome aussenden, wenn sie in ihre ursprüngliche Position zurückkehren. Weil die verschiedenen Gewebearten unterschiedlich viel Wasser enthalten, klingen diese Signale unterschiedlich schnell ab, ein Computer errechnet daraus präzise Schnittbilder.

Im ultrastarken Magnetfeld können sich bestimmte Metalle gefährlich erhitzen oder zu Projektilen werden. Während einer MRT-Untersuchung können in einem tätowierten Bereich zudem Irritationen, Ödeme, Brennen auftreten. Sechs Wochen sollte ein Tattoo mindestens alt sein, um zu verhindern, dass ferromagnetische Partikel in manchen Tinten von den starken Magneten bewegt werden. Wenn ein Tattoo frisch ist und vom Gewebe noch nicht unverrückbar fixiert, kann, wie ein kompetenter Radiologe erzählt, die Dame mit den neuen Augenbrauen nach dem MRT anders aussehen als vorher, das schöne Tribal Tattoo zu abstraktem Farbbrei verschmolzen sein.


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