Ober, Unter, Alter

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 31/2026 vom 29. Juli 2026

Liebe Frau Andrea,
meine bundesdeutsche Kollegin hat mich unlängst auf die widersprüchliche Aussprache der Wiener „Laas“ aufmerksam gemacht, die ihr nach ihrer Übersiedlung nach Österreich Probleme bereitet haben. Warum sagt man Alt-Erlaa, aber nicht Unt-Erlaa bzw. Ober-Laa, aber nicht Alter-Laa? Und was ist eigentlich ein Laa oder Erlaa? Vielleicht können Sie Licht in die Sache bringen.
Beste Grüße, Therese Thaler, per Email

Liebe Therese,

gehen wir die Sache gemütlich an. In „Landtmann’s Original Café & Tortenshop“ im Center Alterlaa im 23. Bezirz laaben wir uns an einer Erdbeer-Pistazien Torte, einem Orangen Guglhupf oder einer Marvella, der extrafeinen Torte für Menschen mit Schluckstörung. Unsere etymolgische Reise geht nun 10 Kilometer nach Osten, wo wir in der „Kurkonditorei Oberlaa“ von der Schweizer Apfel Torte naschen, von der Schoko-Mousse Torte oder der Schwarze Ribisel Torte.

So nahe die beiden Orte patisserietechnisch liegen, so wenig haben sie sprachgeschichtlich gemein. Oberlaa, im Süden Favoritens gelegen, ist ein ehemaliges niederösterreichisches Dorf, heute Teil des 10. Bezirks. Ursprünglich bildete der Ort mit dem flussabwärts der Liesing liegenden Unterlaa eine Einheit unter dem Namen „Laa“, in Aufzeichnungen erstmals 1140 erwähnt. Der Heurigenort Oberlaa, aus einem Zeilendorf hervorgegangen, wurde erstmals 1324 urkundlich genannt. 1969 wurde dort eine Schwefel-Thermalquelle in Betrieb genommen. Seit 2017 mit der U1 erreichbar, firmiert sie heute als „Therme Wien“.

Die Satellitenstadt „Alterlaa“ ist eine der größten Wohnanlagen Österreichs, eine Stadt in der Stadt. Der Komplex liegt nicht im ehemaligen Dorf „Erlaa“, ist aber nach dem nahe gelegenen Schloss „Alt-Erlaa“ benannt.

Klären wir die Aussprache der Orte. „Laa“ leitet sich vom althochdeutschen „lâ“ oder „lō“ ab, soviel wie Lache, Sumpf, feuchte Niederung oder Sumpfwiese. Ganz anders „Erlaa“, das erstmals um 1114 als „Erila“ genannt wird, um 1170 als „Erlahe“, soviel wie Erlen-Ache, also Erlengewässer. Wir sprechen die Orte Óberlaa, Únterlaa und Láá aus, aber Érlaa und Ált-Érlaa.


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