Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 30/2026 vom 22. Juli 2026
Liebe Frau Andrea,
als ein Team, in dem die meisten zwischen 25 und 40 Jahre alt sind, war das Thema in der Mittagspause kürzlich der in diesem Alter erstmals auftretende Bandscheibenvorfall. Dabei haben wir gemutmaßt, ob das Wort vom Vorfall als Ereignis kommt, oder der Vor-Fall die geometrische Verschiebung der Bandscheibe beschreibt. Können Sie uns da helfen?
Liebe Grüße, Simon Klausecker
Von meinem/meiner Galaxy gesendet
Lieber Klaus,
in der Medizin ist die einzelne Bandscheibe als „Intervertebralscheibe“, „Zwischenwirbelscheibe“, lateinisch „Discus intervertebralis“ bekannt. Papers, Studien und Fachbücher kennen sie englisch als „intervertebral ligament“, „intervertebral disk,“ „intervertebral cartilage“, oder schlicht „disk“, „disc“. Die Wirbelsäule des Menschen hat 23 Bandscheiben, deren Dimensionen zum Kreuzbein hin zunehmen und insgesamt ein Viertel der Gesamtlänge der Wirbelsäule ausmachen. Die einzelne, zwischen drei und zehn Millimeter hohe Bandscheibe ist eine knorpelige Verbindung (daher der Wortbestandteil „Band“) zwischen zwei Wirbelkörpern der Wirbelsäule. Sie besteht aus dem faserknorpeligen Ring (Anulus fibrosus) und dem inneren Gallertkern (Nucleus pulposus). Beide werden makroskopisch als Scheibe wahrgenommen, daher der zweite Wortbestandteil. Im Zusammenspiel mit den Wirbelgelenken gewährleisten die Bandscheiben die Bewegungen zwischen den Wirbelkörpern und damit der Wirbelsäule insgesamt. Durch die Elastizität ihrer Gallertmasse wirken sie als Puffer, dämpfen Stöße und Biegungen der Wirbelsäule.
Der unbeliebte „Bandscheibenvorfall“, englisch „intervertebral disc prolapse“ ist eine Verlagerung (Vorfall) beziehungsweise der Austritt von Gewebe des Gallertkerns der Bandscheibe. Der resultierende Druck auf Nerven oder das Rückenmark führt zu plötzlichen, in Arme oder Beine ausstrahlenden Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühlen, Muskelschwäche. Die Symptome sind davon abhängig, welcher Teil der Wirbelsäule, und welche Nervenbündel betroffen sind.
In Zusammenschau des Gesagten ist der Vorfall also nicht das anekdotische Ereignis, sondern die anatomische Mechanik des krankhaften Geschehens.
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