Sommer 2026

Wenn alle Stricke reißen, häng’ ich mich auf, hören wir aus der Tiefe der Sprachwitzkiste den großen Österreich-Versteher Johann Nestroy sagen. Es kann also nichts passieren, wenn was passiert. In Sachen Apokalypse hat die österreichische Seele eine erprobte Befindlichkeit entwickelt, die der wohlwollenden Ignoranz. Tritt das Unvermeidliche ein, hat man es immer schon gewusst. Ereignet sich nichts vom Prognostizierten, Befürchteten, in Kassasandrarufen Angekündigten, fühlen sich die gelernten Österreich bestärkt im gültigen Geheimnis: „Guad is ‘gangen, nix is g’schehn“.

Dem widerspricht die Vorsicht. Sie meldet sich im Österreichfall sogleich zu Wort und rät dazu, die Dinge nicht zu verschreien (die Sportkommentaristik hält sich nicht daran), und statt zu verzagen, vorzudenken, nachzudenken, oder überhaupt zu denken, lieber den „Sand in den Kopf zu stecken“. Wenn das auch nicht hilft, ist Binnen-Migration ein Mittel der Wahl, denn „wenn die Welt untergeht, dann gehe man nach Wien. Dort passiert alles zehn Jahre später.“ Dieser alte Witz wird, wie der verdiente Zitateforscher Gerald Krieghofer belegte, irrtümlich Karl Kraus, Gustav Mahler und in einigen Varianten auch Bismarck, Hegel, Heinrich Heine, Abraham Lincoln und Mark Twain zugeschrieben. Dass indes auch falsche Zitate richtige Weisheiten transportieren, wurde schon von Konfuzius, Kaiser Barbarossa und dem Graf von Saint Germain erkannt. Wenn es heiß ist, und das ist es in diesem Sommer, wenn die Durstlöschung prioritär ist, dann gilt jedenfalls Edmund „Mundl“ Sackbauers ewige Erkenntnis: „Mei Bier is ned deppat!“

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 11. Juli 2026.

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