Der Klimawandel, ob geleugnet oder nicht, hat die Temperaturgrenzen verschoben. Nach Norden. Nachhaltig, könnte man sagen, wäre das Wort nicht so positiv besetzt. Ja, frühere Zeiten kannten auch Hitzewellen, Dürren, und den flirrenden Hochsommer (wann immer er sich einstellte). Ja, in der Stadt und am flachen Land war es auch früher heißer als in den Tälern und weiter oben. Ja, Südtirol war auch damals schon wärmer als Tirol nördlich des Brenners. Dass aber Bozen als Italiens heißeste Stadt gilt, hat sich nicht in die romantische Erzählung von der guten alten Zeit des größeren Österreich eingeschrieben. Die Sommerfrische, einst den Betuchten und ihren Familien vorbehalten, war ein gängiger Modus, der Hitze der großen Städte zu entkommen. Auch damals schon, als alles noch im Lot war an der Quecksilbersäule. Ans Meer fuhr man damals der guten Luft wegen, nicht um dort in der Mittagssonne zu rösten.
Es ist heiß, darf man sagen, sehr heiß. Wieder einmal. Der menschengemachte Temperaturanstieg wird von Unwetterkatastrophen und großflächigen Bränden begleitet. Nicht im fernen Malibu, nicht im zigarettenverliebten Griechenland. Nein, hier. Bei uns. Die Debatte um die Ursache verläuft nicht entlang wissenschaftlich argumentierbarer Sachverhalte, sondern wird von moralischen Befindlichkeiten bestimmt. Von der Angst, den geliebten Benziner zu verlieren, das Wasser für den Pool nicht mehr einlassen zu dürfen, oder die Wintersaison an die Mountainbiker zu verlieren.
„Jedermann“ schallt es aus der Höhe ob Salzburg. „Jederhitze“ möchte das Publikum antworten.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 27. Juni 2026.