Das Z-Wort

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 21/2026 vom 20. Mai 2026

Liebe Frau Andrea,
vielleicht sind meine Fragen nicht so spannend, sie treten jedoch bei mir immer wieder auf, wenn ich „Frau Andrea“ lese. Ich hab ja nichts zu verlieren, also nehm’ ich mir ein Herz und frag’ Sie. Meine Eltern und Großeltern kommen aus Bad Aussee. Mein Vater mit Namen Peppi wurde in der Schule und auch später von Freunden der „Zurk“ genannt. Für meine Großmutter war ihre Nebenbuhlerin das ganze Leben lang nur der „Zauk“.
Mit sehr lieben Grüßen,/em>
Grete Dickinger, per Email

Liebe Grete,

Ihre Fragen sind sehr spannend, dies vorweg! Ich bin im Aussee der Sechzigerjahre in die Volksschule gegangen. Im Rahmen dieser Disposition sind mir viele spezifische Ausseerismen bekannt, so „Odad“ und „Omam“ für die Großeltern. „Zurk“ ist indes schwerer zu deuten. Ein Verhörer mit „Zuag“ (Zug, also Eisenbahn) ist möglich, wenn auch wenig wahrscheinlich. „Zurk“ ist allerdings ein südsteirischer Familienname. Vielleicht gibt es darüber Weiterführendes in Ihrer spezifischen Familiengeschichte zu erkunden. Die Deutung der Invektive Ihrer Omam, deren Nebenbuhlerin betreffend ist weniger schwierig.

Das Wort „Zauk“ ist auch im Wienerischen nicht unbekannt, hat sich aber mit einem anderen verbunden. Zauk, Zauck (Dsauk), eigentlich Zauke, Zauche ist verwandt mit der mittelhochdeutschen „zôhe“, und bezeichnete ursprünglich die Hündin. Als Schimpfwort wurde „die/der Zauck“ Synonym mit der liederlichen Frau, der/dem „Schlampen“ und galt in der Unterwelt des alten Wien (und aller ihm emotionell zugetanen Gegenden) auch als Bezeichnung für die übelbeleumundete Dirne. Ein „Zaukl“ ist in Konsequenz dieser sprachlichen Verhältnisse die Verkleinerungsform von „Zauk“. Es hat sich mit dem Gfrast zum Gfrast-Zaukl verbunden. Es bezeichnete den kleinen gefräßigen (und aus paternalistischer Sicht wohl weiblichen) Hund. Ohne Ahnung dieser Zusammenhänge wurde es zum „Gfrastsackl“, im alten Wienerisch die fast schon liebevollen Bezeichnung für das schlimme Kind.

Moderne Kehlen (von Aussee bis Wien) würden eine Nebenbuhlerin heute allerdings als „bitch“ bezeichnen.


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Ein Gedanke zu „Das Z-Wort“

  1. Sehr geehrte Frau Andrea!
    Unter Zauk oder auch Zaukerl versteht man in OÖ auch einen Taschenfeitel mit hölzernen Griff. Diese Taschenmesser waren früher weit verbreitet und wurden vor allem im Ennstal hergestellt. Noch heute existiert in Trattenbach, Gemeinde Ternberg die Fa. Löschenkohl, die derartige Messer herstellt. Trattenbach mit dem Schoberstein ist auch eine beliebte Wandergegend!
    Walter Grabmair

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