Song-Contest-Gewinner der Herzen

Die größte Show der Welt hat bald ihren wirklichen Sieger, ihre wirkliche Siegerin. Mit größter Wahrscheinlickeit wird es nicht der Mann mit dem blauen Auge sein. Die Wahl eines chancenlosen Teilnehmers hat Gründe, die untief verborgen in der Pragmatik der Ökonomie liegen. Zwei Song-Conteste hintereinander auszutragen überstiege auch die Ressourcen des Geldspeichers Küniglberg. Gastronomie und Hotellerie des Landes würde sich nicht verweigern. Unbesehen darf die Veranstaltung trotz modernen Ambientes und genderfluider Gestion zum Genre des lupenreinen Kitsches gezählt werden, wäre nicht der Einwand zu erheben, dass Lupenreineheit und Kitsch einander ausschließen. Strass zählt noch nicht zu den Edelsteinen. Bunt wird der lange Abend gewesen sein und schrill, die beiden Hauptkomponenten jeher Kulturbefindlichkeit, die „Camp“ genannt wurde, bevor die Regenbogenfraktion die Sache übernahm. Ältere Semester wie die Autorin trauern Gigliola Cinquetti nach, die 1964 „Non ho l’età (per amarti)“ (Ich bin nicht alt genug, dich zu lieben) sang, und Udo Nazionale, der 1966 zu „Merci, Chérie“ (Danke, Liebling) klimperte. Die Schwedenkehlen ABBA eroberten 1974 sämtliche Herzen mit „Waterloo“, der wahre Italiener Salvatore „Toto“ Cutugno 1992 mit „Insieme“ (Zusammen). Die Geisterbahnrocker Lordi, 2006 mit „Hard Rock Hallelujah“ am Siegertreppchen, blieben in ewiger Erinnerung dessen, was alles geht auf dem Fest der Feste. Sie ebneten den Weg für Bartwunder Conchita und Countertenor-Bübchen Johannes „JJ“ Pietsch. Die Formel „L’Autriche, douze points, Austria, twelve points“ bewohnt seither Schnitzellands Herzen.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 16. Mai 2026.

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