Der Osterhase, ein Westler mit Ostbezug ist ein freundlicher Gesell. Fleißig, wenn auch nur im Lenz, farbenfroh, was seine Produkte betrifft: Bunte Eier, eigenhändig bemalt, in Nester gelegt und im Frühlingsgarten versteckt. Was seine Unsichtbarkeit betrifft, ist man versucht, an den Hasen „Harvey“ zu denken, den 2,10 Meter großen immaginären Freund des liebenswert-schrulligen und zu allen unerschütterlich freundlichen Elwood P. Dowd. Im Hollywoodstreifen aus dem Jahre 1950 wird Harveys Kumpel überwirklich dargestellt vom amerikanischen Jedermann James Stewart. Stundenlang ziehen Elwood und Phatasiehase Harvey durch die Stadt, um in „Charley’s Bar“ fremde Leute auf ein Glas einzuladen. Die Sache bleibt nicht ohne eskalierende Konsequenzen. Die Grenzen zwischen „daneben“ und „entrückt“ verschwimmen.
Als momentane Harveyfreunde amtieren ein gewisser Donald Trump, sein neurodivergenter Präsidentenbuddy Wladimir Putin und die iranischen Mullahs. Noch ist nicht klar, ob die drei den selben Harvey haben. Ob der Unsichtbare von Trump größer ist als jener von Putin, und ob der iranische Turban trägt. Ob sie die Eier selbst lackieren, oder nur lackieren lassen, wird die Geschichte klären. Wenn auch nicht jetzt, und auch nicht zu Lebzeiten der Protagonisten. Im ukrainischen Fall dauert Ostern jetzt schon ein paar Jahre. Die Menschen in Ayatollahland gewöhnen sich erst an die Eier. Die Israelis haben schon Erfahrung mit den Flugeiern. Was die unsichtbaren Harveys ihren Freunden ins Ohr flüstern, bleibt unserer Vorstellung überlassen. Vermutlich Affirmatives wie: „Karascho, Vladi“. „Leg nach, Donald!“ und „Hopp hopp, Chamenei!“
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 4. April 2026. Nicht erschienene Version.