Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 13/2026 vom 25. März 2025
Liebe Frau Andrea,
der Austriazismus „Spezimopperln“ scheint aus der Mode gekommen zu sein. Selbst zwei Wiener wussten keinen Rat. Der Begriff ist mir zweimal begegnet: „Spezimopperln haben’s halt net mit mir machen können“, heißt es im Roman „Neue Zeit“ von Hermann Lenz aus dem Jahr 1975. Der Sprechende ist ein Wiener, ein Soldat im zweiten Weltkrieg, der unbeschadet von einem Verhör an die Front zurückkehrt. „Wann S‘ Ihna mit der Bruat/net spezimopperl måchen,/ erst dann gehts Ihna guad -/Des san scho solche Såchen“ heißt es im Gedicht „Der Philosoph“ des umstrittenen Dichters Josef Weinheber. Im ersten Beispiel vermute ich, der Sprecher sage, man habe dem Soldaten kein X für ein U vormachen können. Ähnlich ließe sich das zweite Beispiel übersetzen: „Wenn Sie aus Ihrer Brust keine Mördergrube machen, erst dann geht es Ihnen gut.“ Doch ich bin mir alles andere als sicher. Können Sie helfen?
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. Gerald Koll, Berlin, per Email
Lieber Dottore,
die besagte Bezeichnung findet sich in der 1951 erschienenen Publikation „Alt-Wienerisch. Ein Wörterbuch veraltender und veralteter Wiener Ausdrücke und Redensarten der letzten 7 Jahrzehnte“ des Philologen und Gymnasiallehrers Mauriz Schuster. Wir versuchen, dessen Deutung des Begriffs zu folgen. Demnach sei „spezimopperl“ soviel wie „wohlbefreundet“. „Si mit an spezimopperl måchn (sich mit jemand spezimopperl machen) heiße laut Schuster, sich mit jemandem anzufreunden, auf guten Fuß zu stellen, sich jemandem anzubiedern. Ist doch der „Spezi„ der besondere, „spezielle“ Freund. Der Wortteil -mopperl sei schwerer zu deuten; Schuster vermutet eine Umbildung des französischen -mable (wie in aimable, estimable).
„Mopperl“ wurde kosewörtlich für die untersetzte weibliche Person gebraucht, abgeleitet von „Moppel“ und „Mops“, dem dicken, pummeligen Zierhund, der nicht nur „Möpse“ als Ausdruck für die weiblichen Brüste erzeugt hat, sondern auch die, Männern vorbehaltene Erfahrung „einen Mops“ (einen versteiften Penis) zu haben. Genau hier dürfte unser Begriff „spezimopperl“ seinen Fokus zu haben. „Spezimopperl machen“ wäre sohin die Anbahnung und Ausübung homosexueller Leidenschaft.
Mit viel Humor geschrieben und angenehm locker zu lesen. Genau die richtige Mischung für zwischendurch 🙂