Wieviel Schweiz ist im Bernerwürstel?

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 06/2026 vom 4. Februar 2025

Liebe Frau Andrea,
ich schätze Bernerwürstel als Seelentröster am Donnerstag. Freunde von mir, zum Beispiel Franz lehnen diese unverständlicherweise nicht nur Donnerstags ab. Gibt es Kulturhistorisches von der Bernerwurst zu berichten?

Liebe Grüße,
Harald Stöffelbauer, per Email

Lieber Harald,

bevor wir uns in Herkunft, Zusammensetzung und Zubereitung verlieren, wollen wir Semantisches klären. Die Bernerwurst tritt niemals als singuläres Grillereignis auf. Wir sprechen daher von den Bernerwürstel, der Mehrzahl also. Schweizer, die auf den beliebten österreichischen Hüttenkostklassiker angesprochen werden, schütteln verwundert den Kopf. Nie gehört, nie gegessen. Stammen die fetten Magenversiegler doch nicht aus Bern, nicht aus der Schweiz, ja nicht einmal aus alemannischen Landen, sondern aus Zell am See im Herzen Salzburgs. Nach gängiger Mythologie wurde der kalorienreiche Speisekartenhit nach ihrem Erfinder benannt. Der Hotelgastronom Erich Berner senior soll die beliebten Würstel in den 1950er-Jahren als schnell zuzubereitende Wegzehrung für die Sänger der Zeller Liedertafel ersonnen haben. Der größte Männerchor Salzburgs stärkte sich nach der allwöchentlichen Probe in Berners Tiroler Weinstüberl in Zell am See.

Das Berner Wurstbrät besteht, anders als das der nah verwandten Frankfurter aus Schweine- und Rindfleisch. Als Füllung dient Emmentaler Käse, der beim Erhitzen aus der Längsfurche tritt und knusprig anschmilzt. Zusammengehalten werden die Bernerwürstel von einer Wickelung aus Hamburgerspeck. In der Regel werden die „Berner“ gegrillt oder in der Pfanne bei mittlerer Hitze angebraten, bis der Speck knusprig und der Käse geschmolzen ist.

Als gäbe es noch nicht genügend Verwirrung über Name und  Herkunftsvermutung der Kalorienbomben, zirkulieren längst vegane Versionen aus Erbsenprotein, Wasser, Rapsöl und Verdickungsmitteln, umwickelt mit veganem Bacon, gefüllt mit einer Käse-Alternative auf Kokosfett- und Stärkebasis.

Ob die „Blanne Jang“, eine um das Jahr 2000 erstmals verkaufte Luxemburger Variante Inspiration in österreichischen Hütten erfuhr, gilt es noch zu klären.

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