Die österreichische Hand

Es war eisglatt, finster und schneeverweht, fast wie heute, damals in den 80erjahren. Die Autorin dieser Kolumne studierte auf der Wiener Kunstakademie. Einem Institut von blendendem Ruf, aber breiten Gehsteigen. Sie waren nicht alle und nicht immer gestreut. Wenn wir zum Würstelstand bei der Sezession rutschen, konnte es schon passieren, dass ein zu flotter Schritt in einer Wiener Schneewächte endete. „Dr Hand always helps“, sagte mein Kollege und Würstelstandgefährte dann, „Dr. Hand hilft immer.“ Er streckte mir seine Rechte entgegen, und half mir auf. Dann rochen wir beide nach Firnis, dem Duft der Akademie. Der Spruch hätte gut in einen New-Wave-Song der Zeit gepasst. Dr. Hand half, wo sie konnte. Ohne großen Genderaufwand kann die Hand als hilfreiche Dame indentifiziert werden, selbst wenn ein Männerarm sie lenkt.

Im Falle kommunaler Hilfestellungen sprechen wir von der „Öffentlichen Hand“. Damit ist der Bund gemeint, das Land oder die Gemeinde. Ist die öffentliche Hand eine Linke oder eine Rechte? Wir wissen es nicht. Und auch nicht, ob sie als Gliedmaßenpaar gibt. Niemals hat jemand von „den öffentlichen Händen gesprochen“. Die öffentliche Hand ist offenbar alleine. Und sehr österreichisch. Und trotzt ihrer Österreichischkeit existiert ihr Gegenteil nicht, jedenfalls sprachlich nicht, denn weder die „private Hand“, noch der „öffentlicher Fuß“ oder dessen privates Gegenüber finden je Erwähnung. Wieviele Finger die öffentliche Hand hat, ist auch unbekannt.

Schreiben aber kann die öffentliche Hand. Nicht selten freundliche, aber bestimmte Ablehnungen.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 24. Jänner 2026.

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