Silvester

Der Jahreswechsel naht im Sauseschritt und mit ihm das Runterzählen der Tage, Stunden, Minuten und Sekunden. Sobald das große Krachen und der Raketenregen beginnen, jaulen die Hunde auf und verstecken sich unter den Tischen und Sofas. Die Traumatisierten aus realen Bombennächten halten sich Ohren, Augen und Herzen zu. Der Rest, die große feiernde Mehrheit aber schmeißt sich mit großem und gut geübtem Elan dem Neuen Jahr entgegen, wiegt sich und allfällige Anwesende im Donauwalzer, köpft die Sektflaschen und sprudelt die Glaskelche voll. 2026 wird dann noch unschuldig sein, ohne neue Erlebnisse, schwanger mit den alten. Die Luft in den ersten Minuten des Neuen Jahrs aber wird schon bald sehr würzig riechen, nach bengalischem Schwefelrauch aus Raketen und Funkenspritzern.

Tatsächlich dauert der Einzug des Neuen Jahres ganze 24 Stunden. Seit nunmehr dreissig Jahren beginnt er in der Zeitzone UTC+14, bereits am 31. Dezember elf Uhr unserer Zeit – auf den 33 Korallenatollen Kiribatis. Wer es also den Einwohnern der zentralpazifischen Inselrepublik gleichtun möchte, begeht den Jahreswechsel schon mit einem spätmorgendlichen Palmweinfrühstück. Feinspitze nehmen dazu Palusami zu sich, mit Kokoscreme gebackene Taroblätter, das Nationalgericht von Kiribati. Oder Beachside Fish Fry, marinierten und frittierten Mahi-Mahi, hierzulande als Große Goldmakrele beannt.

Der Klimawandel, fern von Kiribati, hier bei uns erzeugt, wird dem Paradies übrigens bis zum Ende des Jahrhunderts den Untergang bescheren. Zeit für gute Vorsätze also.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 27. Dezember 2025.

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