Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 52/2025 vom 24. Dezember 2025
Der Advent hat sein müdes Haupt in Alkohol und Endmucke ertränkt. Das Wetter, ein unsympathischer Gefährte, sorgt für Melancholie, die Weltlage dystopiert. Innenpolitisch dominiert Verblödung, außereuropäisch der Trumpismus. Ideale kränkeln, Vorbilder weinen, nur das Böse juchzt. Intelligente und Interessierte idealisieren Institutives. Influencer·innen infizieren, Illuminierte irriteren, Illiberale implodieren. Das Ich irrt indigniert in Innenräumen, der Istzustand inkommodiert. Immerzu. Irgendwie.
Das Licht kommt wieder! Glandula pinealis, die Zirbeldrüse weiß das schon seit drei Tagen und freut sich auf das Kommen des Frühlings. Zeit für Tradition. Seit nunmehr 25 Jahren beantwortet die Comandantina Fragen an dieser Stelle. Eine Ausnahme davon erlaubt sie sich am Ende des Jahres, da fordert sie Uneingelöstes. Auch heuer ergeht eine Liste mit Wünschen an eine würdige Wiener Institution: Das Salzamt!. In seinen dunklen Gängen duftet es nach „Terre d’Hermès“, nach den süßen Schwaden frischoxiderter „Cohibas“, nach Weihrauch, Myrrhe, und den betörenden Speyside-Äthern in Cragganmores Single Malt. Unsere Freunde von der Wunscherfüllung haben sich zur Desiderat-Annahme eingefunden: Tief in den Damenspitz gerutscht der goldgelockte Engel: Das Christkind! Ihm zur Seite der dicke Sugardaddy im roten Wams, Joulupukki, der Weihnachtsmann! In knisternder Höchstlaune der elegante Herr in Possanners nachtblauem three-piece herringbone suit. Genagelt sind die Norweger, eau-de-toilette-betäubt die Schläfen, Konfetti staubt von seinen Schultern. Es ist der Cavaliere Corrado di Molinalibera, auch bekannt als die Jahresendperson.
Hier die Eingabe:
Liebes Christkind, lieber Weihnachtsmann, Carissimo signore di fine anno! Dies wünsche ich mir, wie schon so oft, zum Lichterfest:
1. Die Wiederauferstehung der Zukunft,
2. Die Rehabilitierung von Visionen.
3. Die Solidarität mit Abgehängten und Vulnerablen.
4. Die Umverteilung von Oben nach Unten, und
5. von Dumm nach Gescheit.
6. Die Trennung von Kirche und Staat.
7. Die Separation von Staat und Bosheit.
8. Ein Musikgedudelverbot in Gaststätten und Geschäften.
9. Die Einführung von 24-Stunden-Delis nach New Yorker Vorbild.
10. Die Fortführung des „Unendlichen Panoramas“ in einer Stadtzeitung von Welt.