Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 48/2025 vom 26. November 2025
Liebe Frau Andrea,
in der Bim, im Bus, in der U-Bahn, auf der Straße. Manchmal im Cafè. Im Zug sowieso. Es passiert so oft, dass ich ungewollt Mithörerin fremder Handy-Gespräche werde. Darf ich dem Impuls nachgeben, mitzureden?
Liebe Grüße,
Fiona Elffencamp, Leopoldstadt, per Email
Liebe Fiona,
in der Frage telefonischer Öffentlichkeit gibt es noch keine endgültigen Normen. Der Knigge und andere Benimmratgeber würden Ähnlichkeiten mit Tischgesprächen in Restaurants sehen und empfehlen, die Konversation und seinen Umfang auf die Teilnehmenden an der gemeinsamen Tafel zu beschränken. Mit dem Personal spreche man leise, wenn auch deutlich, mit den Sitznachbar·innen in angenehmer Lautstärke. Toast und Ansprachen gestalte man für alle hörbar. Das wären auch die einzigen Momente, wo die Diskretion in Maßen verletzt werden dürfe.
Öffentliche Telefonie mit Handapparaten zerrt die Benimmregeln ihrer jeweiligen Anwendenden ins Gemeine. Das gefällt nicht allen. Telefonierende aus Balkanländern, österreichischen Fremdenverkehrsgegenden und afrikanischen Nationen tendieren zu Gesprächen in großer Lautstärke. Dem schließen sich Panelteilnehmer·innen, Kommunikationsfuzzis und Immobilienhenrietten an, um es einmal ungegendert und salopp auszudrücken. Wie also verfahren? Comandantina empfiehlt das Mitsprechen in gleicher Lautstärke, notabene wir durch die Eingebundenheit in die Gesprächsverläufe ungewollt zu Mitwisserinnen und Mitfragenden werden. Von da zum Mitsprechen ist es nur ein kleiner, inividueller Schritt. Das Teilnehmen an fremden Lautgesprächen löst innere Konflikte und bringt sie nach außen. Manchmal verstummen die laut Telefonierenden, oft aber mäßigen sie ihre Lautstärke. In Liften und engen Stehungen in Öffis kann das auch anderen, weniger Mutigen unerwartete Hilfe stellen, Unmut dämpfen und Linderung verschaffen.
Die sehr ähnlichen Fälle der Vergesellschaftung von Gerüchen durch mitgebrachte Speisen müssen in einer anderen Kolumne erörtern werden. Vielleicht erwachsen hiezu Fragen aus der Leser·innenschaft!