Mehr von den Häuten

Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 47/2025 vom 19. November 2025

Vor zwei Wochen behandelte diese Kolumne eine Frage von Leser Wilhelm Ockermüller, in der es um den abwertenden Ausdruck „Heita“ für junge und freche Mädchen und Frauen ging. Frau Andrea antwortete im Sinne einer wienerischen Etymologie des Begriffs, wonach eine sprachliche Nähe zu „Haut“ als Begriff für die Prostituierte und eine Verwandtschaft mit „heidln“ für schlafen, beischlafen vorläge. Das war indes nur ein Teil einer Möglichkeit, den Begriff zu deuten. Es erreichten die Comandantina Zuschriften aufmerksamer Leser aus dem Westen des Landes. Leser Peter Koerner führt ins Treffen, dass „Heita“ im Pinzgauerischen einen bedauernswerten Menschen bezeichnet. Leser Hans-Peter Kircher berichtet aus einem Beitrag in der aktuellen Tiroler Jagdzeitung, der für den Begriff des „Häuters“ eine alternative Entstehungsversion anführt. Demnach komme „Häuter, (…) der geläufige Ausdruck des Mitleids von den Bärenhäutern unserer Vorfahren, welche sich gerne auf den Hauten erlegter Bären ausruhten“. Leser Armin Staffler aus Tirol schließlich hat den, stets männlich gebrauchten Ausdruck „armer Heita“ oft gehört, auch in der Kombination „Heitabua“. Vom „Heia gehen“ (zu Bett gehen) könne das wohl nicht kommen. Käme es, wie Leser Kircher meint, vom „Häuter“ (Abdecker)? Oder vom Hüter und dem Hütebub?

Das Bairische, in allen Fragen österreichischer Dialekte eine gute Adresse, kennt den Heiter, Haidda, Häuter als Begriff für das alterschwache, ausgemergelte Pferd, die Schindmähre, die nur mehr zur Verwertung durch den Abdecker taugt (und Knochen für die Leimsieder liefert). Es wäre dann der „ame Heiter“ synonym mit dem armen geschunden, an die Ketten der Knechtschaft Gefesselten.

Noch nicht aus dem Fokus der spezifischen Beschau unseres Begriffs ist die „Haut“ für die arme Frauensperson, kennen es doch ältere Lexika des Kärntnerischen (die sprachlich auch die nahen steirische Gegenden erfassen) als „Scheltwort für Weiber“. Hauta ist dort die Bezeichnung „für den weiblichen Cretin“, Häutar, Häutarin für die blutarme Person. In eine andere, nicht uninteressante Richtung weist der pinzgauerische Ausdruck Heut für die steile Hutweide. Ist der arme Heita vielleicht doch der bettelarme Steilwiesen-Cowboy? Wir forschen weiter.


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