Österreichs wirkliche Kronjuwelen

Juwelen! Schon das Wort hat einen stolzen Klang. Einen schweren, wenn auch wohlklingenden Akkord aus Ehrwürdigkeit, glitzerndem Pathos und keckem Verbrechen. Fassadenkatze Cary Grant, emeritierter Juwelendieb steigt im Hitchcockkrimi über die nächtlichen Dächer von Nizza, um einen aktiven Kollegen zu überführen. Als Belohnung winkt das Herz der bestohlenen Grace Kelly, im wirklichen Leben bald wirkliche Prinzessin mit mehr Juwelen, als in allen Filmen zusammen. Weniger spektakulär, wenngleich politisch bedeutend verlief die Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November 1918. Der Oberkämmerer der allerhöchsten Majestäten öffnete die Vitrine XIII der Wiener Schatzkammer und entnahm ihr diverse Klunker und Krönchen von zweifelhafter Schönheit aber überbordenem Prunk. Sie sollten dazu dienen, der flüchtenden Familie von Österreichs letztem Monarchen das Exil zu finanzieren. Dass der legendäre, goldgelb funkelnde Florentiner, einer der größten Diamanten der Welt Teil des Ausreisegepäcks war, wird geschmälert durch die Tatsache, dass der riesige Karbontropfen in eine Hutagraffe eingearbeitet war. Man möchte den damaligen Habsburgern heute noch nachrufen: Ein Glitzerkiesel dieses Formats hat nichts in einer Hutnadel zu suchen, nur eine Krone kann sein Leuchten fassen. Im kanadischen Bankschließfach leuchtet nun nichts mehr und den Habsburgern von heute riete man gerne an, sich mit der Republik zu verständigen und die Steine zurückzubringen. Sie kämen ohnedies wieder in Vitrine XIII der Schatzkammer. Die nur einen Zweck hat: Dem Haus Habsburg zu huldigen. Das muss genügen.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 15. November 2025.

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