Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 46/2025 vom 12. November 2025
Liebe Frau Andrea,
letztens stolperte ich über einen Song von Hubbabubbaklubb aus Norwegen mit dem Titel „Mopedbart“. Gemeint ist mit dem norwegischen Lehnwort offensichtlich das dünne Oberlippengewächs jener jungen Burschen, die als fahrbaren Untersatz ein 50ccm Zweirad ihr Eigen nennen. Ich las, dass man diesen Flaum in Deutschland als Rapperbart und 50ccm-Bart nennt. Aber in Österreich? Mir fehlt hier ein Wort. Wissen Sie Rat?
Ergebenst von der oberen Wieden grüßend,
Franz Ablinger, per Email
Lieber Franz,
Hubbabubbaklubb, ein Happy-Funk-Pop-Kollektiv aus Oslo ist norwegenweit für seine ausufernden DJ-Sets und experimentellen Musik-Performances bekannt. Ihre Debüt-Single „Mopedbart“, eine Hymne auf Fahrtwind und Freiheit katapultierte 2013 ihre Beliebt- und Bekanntheit bis in unsere Aufmerksamkeitsräume. Das Wort „Mopedbart“ ist ein norwegisches Synonym für den 16jährigen mit Erlaubnis zur Pilotierung eines 50cm2-Zweitakters. Aus dem Deutschen ist das Wort nicht ausgebüxt, bezeichnet norwegisch „bart“ doch den Oberlippenbart (skjegg ist der Bart als Oberbegriff). Ein Lehnwort aus der Nachbarsprache ist dafür „Moped“, die Wortkreuzung aus schwedisch motor (mo) und pedaler (ped). Mopedbart ist damit ein fast genuin norwegisches Wort.
Im Wienerischen heißt der Milch- oder Flaumbart wenig kreativ Schnauzbart oder Schnaudsa. Völlig untergegangen ist die Bezeichnung Radsnboad, Radsiboad, (Raizenbart), für die Oberlippenzierde des griechisch-orthodoxen serbischen Volksstammes der südostungarischen Raizen. Im Deutschen zirkulieren, je nach Ausdehnung die wenig schmeichelhaften Bezeichnungen Bröselbesen, Hippielippe, Krillfilter, Mundgardine, Muschiputzer, Oliba, Rotzbremse, Schenkelbesen, Schnutenbart und Suppensieb. Angloamerika kennt neuerdings die Mode des Dirtbag Moustache oder Trash Stache. Im Rahmen von Kleinstverschiebungen von Gendergrenzen hatte der Fingerstache (finger moustache tattoo) bei jungen Frauen Konjunktur, eine Tätowierung, die an der, dem Mittelfinger zugewandten Seite des Zeigefingers gestochen wurde und zur überraschenden Auflockerung von Gesprächen über die Oberlippe gelegt wurde.
Es sei an dieser Stelle auch der Pornobalken zu erwähnen.