Blöde Hüte bald
auch in Österreich?

Noch bis in die auslaufenden Jahre des letzten Jahrhunderts zählten Herren mit Hut zur öffentlichen Normalität. Der Insult „Hutfahrer“ war betagteren Männern aus der Kriegsgeneration zugedacht, die ihre Sonntagsausfahrt mit aufgesetztem Schmalkremper antraten. Am Land, insbesondere bei den Traktorfahrern hielt sich der österreichische Hut am längsten. Mittlerweile ist er (fast) ausgestorben, Hippster mit Haupthaarlichtung greifen zum Pork-Pie-Hut, auf Kirtagen begegnet man noch dem Trachtenhutträger, im Kulturfuzzibereich hält sich die gehäkelte Jazzmütze. DJ-Ötzi hat die seinige aber schon eingemottet.

Aus US-Amerika schwappt nun die galoppierende Verwendung der Baseball-Kappe zu uns, die erst in den 1940ern zu ihrer jetzigen, steifen Form fand, um schlappere Modelle zu ersetzen. An der richtigen Biegung des Schirms arbeiteten Baseball-Spieler und ihre Fans lange und ausgiebig. Heute machen das Maschinen in China.

Der prägende Kulturbotschafter der Baseballkappe interessierte sich im Studium für die genuin amerikanische Schlagball-Sportart, und brachte eigensportliche Trage-Erfahrungen mit. Aber Donald Trump geht es um die Baseball-Mütze als Symbol amerikanischer Werte. Dass er die Kappe für Hip-Hopper und Rapper nachhaltig desavouiert, ist ein Nebeneffekt. Wie andere Hüte kaschiert der Schirmhut Frisurprobleme und Bad-Hair-Days. Wie so oft in der Geschichte der Mode laden Potentaten ihren Stil mit Bedeutung auf. Der Siegeszug von Trumps Hut unter Politikern und Führungspersonen wird kaum aufzuhalten sein.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 4. Oktober 2025.

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