Würzen in Österreich

Als es noch Wirtshäuser gab und Bahnhofsrestaurants, in einer Zeit, die frei war von Schnick und Schnack, Social und Media, waren die Tischtücher noch weiß und gestärkt, von der Dicke florentinischer Mamorplatten. In der Mitte des Tisches war die Trias der österreichischen Individual-Gastronmie platziert: Ein Salzstreuer (mit der obligaten Rieselhilfe Reis), ein Pfefferstreuer, und für die Dentalhygiene ein Bund frischer Zahnstocher. Landauf landab war das so, niemand musste nach Salz oder Pfeffer fragen. In ungarischen Speisewägen fand sich auch noch feinstgemahlener Paprika in der Gewürzschaukel, obligatorisch, weil maygarisch. Irgendwann gesellte sich in Österreich die schlankhalsige Maggiflasche mit auf den Tisch, zur Unfreude der Tischtuch-Zuständigen (und unter heimlichen Tränen der Suppenköche).

Diese Zeiten sind perdu, wie man französelnd sagt. Mit den Ferial-Besuchen der Österreicherinnen und Österreicher in gastronomisch interessanten Ländern gerieten auch deren Gwürze und Geschmacksverstärker in den Fokus der Normalität. Olivenöl wurde modern, Meersalz und Balsamessig, die asiatischen Lokale junkten uns mit salzigen, süßsauren und scharfen Safterln an, und mit der Adaption US-amerikanischer Grillkultur traten die Steaksaucen in unser Geschmacksleben, und der Mundhöhlenverätzer Capsicum, verantwortlich für die Schärfe von Paprikas, Chilis und Pfefferoni.

Mittlerweile haben die Spezereiregale der heimischen Supermärkte die Ausdehnung orientalischer Gewürz-Bazare. Das freut die modernen Gaumen! Die weißen Tischtücher der Gasthäuser aber bleiben verschwunden.

Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 23. August 2025.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert