Jahrhundertelang war die Sache ganz einfach im Land der Berge. Bauernkinder wurden Knechte, Mägde oder übernahmen den Hof, der Handwerkernachwuchs erbte die Werkstatt oder ging auf die Walz, wurde Schuster, Schneider, Bäcker, Geigenbauer. Apotheken blieben in der Familie, Notariatskanzleien, Hammerwerke, Mühlen. Die Schloßbesitzer blieben im Schloßbesitzermilieu. Adel verpflichtete.
Aber irgendwann griff die Freiheit nach den Österreichern (die Österreicherin ist immer mitgemeint), Stand und Beruf wurden nicht mehr rigoros vererbt, sondern in Maßen Ziel eigener Wünsche und Talentvorgaben. Die Berufsphantasien der Nachkriegsgeneration zielten noch Richtung Lokomotivführer, Feuerwehrhauptmann, Astronaut (Buben), sowie Kindergartentante, Friseurin und Auslagendekorateurin (Mädchen). Und es hieß: Einmal Installateur, immer Installateur, einmal Lehrerin, immer Lehrerin, einmal Elektriker, immer Elektriker, Fernsehansagerin, Badewaschl, Stenotypistin. Das Bild sollte sich schon für die Boomer ändern. Die Sicherheit des Berufsweges geriet ins Taumeln.
Aus Berufen wurden Jobs, und die ändern sich mittlerweile im Monatstakt, boomen, verschwinden, kristallisieren sich neu. Branchen kommen und gehen, Lebensplanung zielt allerhöchstens auf Jahre. Laufbahnen verkürzen sich, enden in Sackgassen. Aus Kraftfahrzeugmechanikern werden Crypto-Berater, aus Verkäuferinnen Work-Life-Balance-Coaches, aus Grafikern Smoothie-Consultants, KI-Prompter, Directors of First Impressions, Mystery Shoppers, Happiness Officers, Team-Building-Managers, Food-Stylist·innen, Warm-Uppers, und ganz wichtig: Influencer.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten am 16. August 2025.