Für meine Kolumne ‚FRAGEN SIE FRAU ANDREA‘ in Falter 32/2025 vom 6. August 2025
Liebe Frau Andrea,
ich glaube, ich wurde in meiner Kindheit von meiner Mutter manchmal so bezeichnet, wenn ich mich beim Essen besonders ungeschickt angestellt habe. Können Sie mir sagen, welchen Ursprung die Bezeichnung „Patzenlippel“ hat und was genau damit gemeint ist?
Mit freundlichen Grüßen,
Burkhard Maier, Wilhelmsburg, Niederösterreich, per Email
Lieber Burkhard,
das Wienerische, niemals um Zuspitzung verlegen, kennt den Bodsnlippl, Batzenlippel als einfältigen, aufgeblasenen Menschen, wohl weil er sich hier mit dem Botssnjanka, Batzenjanker vermischt hat, dem eingebildeten Träger eines Uniformrocks mit goldenen Rosetten und anderen protzigen Applikationen.
Im bairisch-österreichischen Dialektraum, wo unser Wort herkommt, versteht man unter Batzenlippel, Botzenlippl, Bodsnlippö in der Regel und in meist liebevoller Absicht das kleckernde, unbeholfene Kind. In den Städten, die größeren Bedarf an Insulten haben, wird auch der ungeschickte Erwachsene so bezeichnet, der dumme Kerl, der Langweiler und Knauser, der Traumichnicht, der derbe, rohe, leichtsinnige, schlampige oder gleichgültige Mensch.
Der Batzenlippel ufert auch ins Freche, Schalkhafte aus, bezeichnet den Schlingel, scherzhaft den Bäcker, Töpfer und Maler, und schließlich den Verlierer im Kartenspiel, synonym mit dem Schwarzen Peter. Warum der doppelte Holzrechen, mit dem die Bauern, nach dem Einfahren des Getreides „das Grecharad (das liegengebliebene Getreide), das Gstaarat (das Verstreute) zusammenrechten, früher ebenfalls Batznlippl hieß, gilt es noch zu klären.
Die Wortbestandteile des Begriffs sind leicht erfasst. Batzen ist der teigig-breige, kleine Klumpen, Lipp die Koseform des Vornamens Phillipp. Es hat im Bairischen noch den Goschlippl (den frechen Schwätzer), den Kramalippl (den Kleinkrämer), den Göidsgottlippi (Geltsgottlippel, den bettelhaften Schmarotzer), das Spatznlipperl (das tapsige Kleinkind) und die Konfliktteilnehmer Streitlippi und Watschnlippi hervorgebracht. Der bürgerliche Zappel-Philipp, der nicht still bei Tische sitzen will, hat eine tragende Rolle im Struwwelpeter.