„Österreich ist schön, komm, bleib!“ So lautet eine der großen Parolen des Landes. Sie soll urlaubende Gäste zum Weiternächtigen auffordern. Und Inländer zum Bleiben. Der Slogan reagiert auf die stärkste aller österreichischen Sommersehnsüchte. Die nach dem Strandurlaub am befreundeten Meer. Das Sonnenbraten an der obersten Adria gehört zum österreichischen Nationalerbe.
Viel wird gespottet über den Schatten und sein Wirken. Ganze Talschaften meiden die Nordhänge, sogar im Verhöhnungswortschatz macht er sich breit. Österrreichkundler Karl Kraus schrieb ihn bei niedrigem Sonnenstand den Zwergen der Kultur zu, Schattenparker schließlich waren und sind so etwas wie Feiglinge. Nein, Schlimmeres. Kein guter Leumund für den Schatten. Auch der Zweifel verbündet sich gerne mit ihm, wirft sich mit seiner Hilfe auf Unbescholtene.
Unvergleichlich wertvoller und kompromisslos gesucht ist der Schatten in besagten Meerurlaubsgegenden. Hundertausende Schattenspender wachsen sommers aus den oberitalienischen Stränden, wie ein buntes Schwammerlmeer. Der Schirm indes wäre nichts ohne seinen Schatten. Und das Laufen durch den brennheißen Sand nichts ohne den Parkours von Schirmschatten zu Schirmschatten. Diese Wege wollen klug geplant und mutig durchmessen werden. Es gehört zu den großen Österreichischkeiten, das richtige Maß an Fremdschatten-Kurzraub und Fußsohlenbrand zu finden. Tapferen schenkt sich das kühle Meer. Ewiges Sommerlob gilt den Schatten und ihren Spendern. Den Sonnenschirmen.
Andrea Maria Dusl. Für meine illustrierte Kolumne in den Salzburger Nachrichten vom 29. Juli 2023.
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